Warren Ellis: Gun Machine

(c) Heyne

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Es ist eine feine Augangssituation für einen Thriller: Nur wenige Minuten, nachdem sein Partner getötet wurde, entdeckt der New Yorker Detective Tallow einen mit High-Tech-Systemen gesicherten Raum. Darin befinden sich hunderte Schusswaffen. Mit jeder wurde ein Mensch ermordet.

Der renommierte Graphic Novelist Warren Ellis konterkariert mit seiner wilden, grotesken Geschichte das manchmal allzu ernste Serienkiller-Genre. Denn der Serienkiller ist nicht das böse Genie, das mit intelligenten Rätselspielen die Polizei narrt. Er leidet vielmehr unter Wahnvorstellungen. Wenn er sich durch das moderne Manhattan bewegt, sieht er stets das alte Manna-hatta (“hügelige Insel”) der Lenape-Indianer vor sich. Er fühlt sich etwa von den Lichtern der Stadt geblendet. Ellis übt damit auch Zivilisationskritik.

Thomas Klingenmeier hat dazu in der “Killer & Co”-Rubrik in der Stuttgarter Zeitung folgendes geschrieben: “Das heißt, seine Verrücktheit rückt ihn uns nicht fern, ist keine sichere Schranke zwischen dieser Fantasiefigur und uns. Dieser Jäger, wie er sich selbst tituliert, teilt vielmehr zivilisationskritische Reflexe und ökoromantische Allüren mit vielen von uns, er schafft es, eine Generalabsage ans Jetzt und eine Rückbesinnung auf vermeintlich bessere, ganzheitlichere Lebensmodelle mitten in einem Zentrum der Moderne durchzuziehen.”

Ellis erzählt so nebenbei auch die Geschichte des vergangenen und modernen New Yorks in einem Aufwasch. Zudem hat er nicht zufällig das liebste “Spielzeug” der Amerikaner ausgewählt: Waffen. Der Serienkiller ist ein Waffensammler, der mit besonderen Handfeuerwaffen zur Tat schreitet. Sogar eine Waffe des legendären Serienkillers Son of Sam taucht im Lauf der Geschichte auf. Auch der sekundenschnelle Börsenhandel sowie die Auswüchse der Immobilienbranche werden thematisiert.

Fazit: Ellis serviert einen blutdurchtränkten, schrillen Thriller, der aber auch mit stillen Momenten aufwartet. Das liest sich bizarr und realistisch zugleich. “Gun Machine” nimmt sich nicht ernst, ist aber ernst zu nehmende Kriminalliteratur.

8 von 10 Punkten

Warren Ellis: “Gun Machine”, übersetzt von Ulrich Thiele, Heyne, 383 Seiten.

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