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Dagger Awards 2014: Preise für Wiley Cash und Robert Harris

(c) Fischer

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Die begehrten Dagger Awards, neben dem Edgar aus meiner Sicht die wichtigsten Krimipreise, sind vergeben! Der “Gold Dagger” für den besten Kriminalroman des Jahres geht heuer an Wiley Cash. Robert Harris wurde für den besten Thriller mit dem “Steel Dagger” geehrt und der mir noch unbekannte Ray Celestin erhielt den “New Blood Dagger” als bester Newcomer.

Die gute Nachricht: Sowohl “Schaut nicht zurück” von Wiley Cash als auch “Intrige” von Robert Harris sind bereits auf Deutsch erschienen.

Ich habe im Vorjahr Cashs Erstling “Fürchtet euch” gelesen und war recht angetan: “Cash erzählt ohne Hast, scheut jegliche Art von Gefühlsduselei und verleiht dem Buch dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Eindrucksvoll zeigt er, wie knapp unter der Oberfläche das Grauen manchmal lauert und wie die unglückliche Verkettung kleiner Ereignisse zu großen Katastrophen führen kann.” Ich habe damals 7 von 10 Punkten vergeben. In “Schaut nicht zurück” entführt ein Vater seine zwei Töchter ohne zu bedenken, in welche Gefahr er seine Kinder dadurch bringt. Fest steht: Cash schreibt keine rasanten Pageturner, er ist ein behutsamer Erzähler. Ich bin gespannt, denn sein Buch steht schon seit längerem fix auf meiner Leseliste, nun rückt es noch eine Spur weiter vor.

(c) Heyne

(c) Heyne

Dass Robert Harris niveauvolle Thriller schreibt, weiß man eigentlich seit seinem ersten Welterfolg “Vaterland”. Zuletzt hat er mich mit “Angst” nicht ganz überzeugt, dennoch dürfte sich die Lektüre von “Intrige” auf alle Fälle lohnen. Harris erzählt darin die Dreyfus-Affäre nach und verschiebt darin den Blickwinkel. Meine Kollegin Duygu Özkan sprach von einem bemerkenswert gut choreografierten Buch. “Was das Buch nicht gestrig macht, ist das ewige Spiel um Macht und Kontrolle. Zudem schreibt Harris in der Gegenwartsform, ein raffinierter Griff, um die Affäre seinen Lesern so darzustellen, als passierte sie gerade.”

“The Axeman’s Jazz” spielt im New Orleans des Jahres 1919. In Celestins Krimi treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Das Buch ist bislang nicht übersetzt.

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Wiley Cash: Fürchtet euch

(c) Fischer Taschenbuch

(c) Fischer Taschenbuch

“Fürchtet euch” wurde mit dem begehrten Dagger Award für das beste Debüt ausgezeichnet. Tatsächlich merkt man beim Lesen aber niemals, dass es sich hierbei um einen Roman-Erstling handelt. Einfühlsam schildert der Autor Wiley Cash das Schicksal einer Familie, deren Leben durch den Tod des 13-jährigen Christopher aus den Fugen gerät: Der seit Geburt stumme Bub sollte in einer Kirche “geheilt” werden und starb dabei.

“Gott macht uns so, wie wir sein sollen.”

Erzählt wird die Geschichte von einem Ort in den Bergen North Carolinas (aus der auch der Autor stammt). Die Menschen dort führen ein Leben am Rande der Zivilisation. Religiosität und Glauben spielen in dieser kargen Gegend eine wichtige Rolle. Cash schildert die Geschehnisse aus drei Perspektiven: Der des 9-jährigen Bruders Jess, der Hebamme Adelaide und des Sheriffs Clem. Am beeindruckendsten sind zweifellos jene Kapitel, in denen Cash den Leser durch die Augen des Bruders sehen lässt. Eine zentrale Rolle nimmt aber auch der charismatische Prediger Carson Chambliss ein, über dessen “Heilungen” die Kirchengemeinde eisern schweigt.

Cash erzählt ohne Hast, scheut jegliche Art von Gefühlsduselei und verleiht dem Buch dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Eindrucksvoll zeigt er, wie knapp unter der Oberfläche das Grauen manchmal lauert und wie die unglückliche Verkettung kleiner Ereignisse zu großen Katastrophen führen kann.

Bei allem fast unerträglichem Realismus hat der Autor jedoch die Hoffnung nicht verloren. Auf den letzten Seiten heißt es irgendwann einmal:

“Es ist schön zu sehen, dass Menschen, die einmal gebrochen waren, heilen können, dass sie sich verändern und etwas anderes werden können, als sie waren.”

7 von 10 Punkten

Wiley Cash: “Fürchtet euch”, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Fischer, 345 Seiten.

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Die besten Krimi-Cover im April

(c) rororo

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Daniel Suarez gilt seit seinen Romanen “Daemon” und “Darknet” als Meister des Technothrillers. Er versteht es, faszinierende Zukunftsszenarien zu schaffen, die nachdenklich machen. Seine Umsetzung hat mir aber gar nicht zugesagt, zu tief greift Suarez in den Effekte-Topf. Vor allem bei “Darknet” hat er meiner Meinung nach maßlos überzogen. Er offenbarte sich darin als alles andere als ein Meister der Charakter-Zeichnung. Auch ideenreiche Plots sind nicht sein Ding. Als Erzähler vermochte er mich daher nicht zu überzeugen. Deshalb werde ich auch von seinem neuen Buch “Kill Decision” (rororo) die Finger lassen, obwohl mich das Cover sehr anspricht. In meinem allmonatlichen Cover-Ranking kommen die Ameisen aber dennoch auf Platz eins. Denn das Cover vermittelt die Botschaft des Buches gekonnt: Es geht um Schwarmintelligenz (wie sie bei dem Ameisen existiert) und die Gefahren einer immer technologisierteren Welt (schön durch die wie eine Roboter-Armee anmutenden Ameisen symbolisiert).

Von seinen handwerklichen und stilistischen Schwächen abgesehen, faszinieren die Werke von Suarez durchaus, weil die geschilderten Szenarien erschreckend nah an der Realität liegen. Daher rührt wohl auch die Begeisterung der FAZ für Suarez. In der Zeitung wurden schon die ersten beiden Bücher gelobt. Über “Kill Decision” schrieb das Blatt: “Die eigentlich revolutionäre – und gegenwärtig noch spekulative – Anwendung jener hochentwickelten chemorezeptiven Sensorik, die „Kill Decision“ schildert, ist nicht die besagte Spürhundfunktion, sondern eine neuartige Sorte des Informationsaustauschs der autonomen Drohnen untereinander. Wie Ameisen ihr kollektiv paralleles Handeln per Pheromonsignalnetzwerk abstimmen, so verständigen sich die Mechamonster bei Suarez auf Duftbasis, weshalb sich ihre Choreographien auch nicht mehr so leicht, wie bei ihren älteren, radiogelenkten Cousinen, die zum Beispiel Libyens Gaddafi den Garaus gemacht haben, mit Störsendern durcheinanderbringen lassen. Etwa die Hälfte der in Kampfeinsätze geschickten Drohnen geht, so erfahren wir nebenbei, im Augenblick per Abschuss oder Absturz verloren. Das sind Verlustraten, die man sich mit Menschen schon der Mediensituation wegen lieber nicht leistet.

(rororo)

(rororo)

Persönlich mehr erwarte ich mir von Mark Petersons “Flesh and Blood” (rororo), das ich im April auf Rang zwei reihe. Mir gefällt das Cover einfach. Ich erwarte mir einen harten, atmosphärisch dichten Krimi, der im Seeort Brighton spielt. Glaubt man der Krimi-Kolumne “Killer & Co.” der Stuttgarter Zeitung, so hat das Buch alles, was ich bei Suarez vermisse: “Was Petersons Thriller ausmacht, ist sein Blick auf die Menschen.” Und es heißt auch: “Was macht einen wirklich guten Thriller aus? Spannung? Härte? Vielleicht ein bisschen Sex? Gewiss, das alles sollte drin sein. Zur richtigen Mischung kann aber auch gehören, dass der Autor sich für seine Personen interessiert und ihre Biografien in die Handlung einbettet.” Ich bin gespannt, das Buch steht schon in meinem Regal!

(c) Fischer Taschenbuch

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Auf Platz drei landet “Fürchtet euch” von Wiley Cash. Hier gefällt mir der Widerspruch zwischen dem idyllischen Bild und dem Titeltext sehr gut. Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort in den Bergen North Carolinas, wo während eines Gottesdienstes der 13-jährige Christopher stirbt. “Und niemand aus der Gemeinde will sich zum Tod des Jungen äußern”, steht am Rückentext. Nur sein jüngerer Bruder Jess weiß von dem dunklen Geheimnis. Wüsste ich das nicht, das Cover könnte mir das alles erzählen: Da ist die Idylle auf den ersten Blick, die Bedrohung schwingt aber bereits mit. Man spürt, hier ist irgendwas nicht in Ordnung. Da ist die Kirche im Hintergrund, in der etwas passiert ist. Der Bub im Vordergrund weiß etwas. Toll gemacht, finde ich.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (IV)

(c) rororo

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Ab 2. April ist Mark Petersons Thriller “Flesh & Blood” (im Bild) erhältlich. Darin geht es um korrupte Polizisten im britischen Ort Brighton. “Eher etwas für Fans des britischen ‘Oldschool-Genres'”, urteilt die Krimi-Buchhandlung Hammett. Nach Howard Linskeys “Crime Machine” und Craig Robertsons “Snapshot” könnte das also wieder ein hochklassiges Stück Spannungsliteratur von der Insel sein.

(c) Kein & Aber

(c) Kein & Aber

Ebenfalls Anfang des Monats geht Lukas Erler mit “Bilanz des Todes”, dem letzten Teil seiner Trilogie rund um seine Antihelden Thomas Nyström und Anna Jonasins, ins Rennen (Teil 1: “Ölspur”, Teil 2: “Mörderische Fracht”). Diesmal geht es um Bodenschätze in der Arktis, ein verschwundenes Forschungsschiff sowie Mord und Korruption in Brüssel.

(c) Atrium

(c) Atrium

Sam Millars “Die Bestien von Belfast” dürfte ebenfalls ein interessantes Debüt sein. Millars vom Verlag zur Verfügung gestellte Lebensgeschichte könnte Vorbild für einen Roman sein: “Sam Millar wurde in Belfast geboren. In den 70er Jahren verbrachte er acht Jahre hinter Gittern, nachdem er auf dem Höhepunkt der Unruhen in Nordirland ohne Gerichtsbeschluss inhaftiert worden war. Wieder auf freiem Fuß, ging er in die USA, wo er 1993 einen der schwersten Raubüberfälle in der US-amerikanischen Geschichte initiierte und über sieben Millionen Dollar erbeutete. Millar wurde gefasst, später begnadigt und kehrte nach Belfast zurück, wo er seitdem Kriminalromane schreibt.” Auch das klingt nach Old-School. Fein. Aber mal schauen, ob Millar auch tatsächlich schreiben kann.

(c) Fischer

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Ein besonderes Highlight dürfte Wiley Cashs “Fürchtet euch” werden. Das Buch ist ab 25. April erhältlich. Die Ausgangssituation laut Verlagstext: “In North Carolina kommt der dreizehnjährige Christopher Hall kommt während der Abendmesse ums Leben. Der Junge hat noch nie ein Wort gesprochen. Deshalb sollte er an diesem Sonntag in der Kirche ‘geheilt’ werden.” Cash wurde 2012 mit dem begehrten “New Blood Dagger” für den besten Erstlingsroman ausgezeichnet. Allein der Blick in die Preisträgerliste lässt Hochkarätiges erhoffen: S.J. Watson: “Ich darf nicht schlafen” (2011), Ryan David Jahn: “Ein Akt der Gewalt” (2010), Johan Theorin: “Öland” (2009), Matt Rees: “Der Verräter von Betlehem” (2008), Gillian Flynn: Cry Baby (2007).

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