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Lawrence Osborne: Welch schöne Tiere wir sind

(c) Piper

Naomi ist die Tochter eines wohlhabenden englischen Kunstsammlers, die wie jedes Jahr den Sommer auf der griechischen Insel Hydra verbringt. Der Insel-Idylle, auch Fadesse genannt, kann sie sich erst entziehen, als sie sich mit Sam, einer Amerikanerin, anfreundet. Als die beiden eines Tages beschließen, einem gestrandeten syrischen Flüchtling zu helfen, setzen sie eine fatale Kettenreaktion in Gang.

Der Brite Lawrence Osborne erzählt in “Welch schöne Tiere wird sind” kühl von unbedachten Handlungen, die unvorstellbare Folgen nach sich ziehen. Gesellschaftsstudie und Krimi in einem – perfekt für den Urlaub. Aber halt leider auch nicht mehr. Denn so richtig wollte der Funken bei mir nicht überspringen. Man fühlt sich unweigerlich an Patricia Highsmith und “Der talentierte Mr. Ripley” erinnert, was mich aber eher störte.

Das eigentliche Problem bringt Tobias Gohlis auf den Punkt: “Die Tragödie im Mittelmeer produziert willige Spielzeuge für, so gesehen, läppische Kriminalintrigen.” Es liest sich irgendwie konstruiert, inszeniert: Das Bild der idyllischen Insel, auf der plötzlich ein Flüchtling landet. Das belebt die Phantasien der beiden Mädchen (oder wohl eher des Autors). Es wirkt nicht echt, sondern so, als wäre es ein cooles Setting für eine Geschichte, der es letztlich an Empathie mangelt.

Also wie gesagt, eine ideale Urlaubslektüre, aber allzu viel darüber nachdenken sollte man dann auch wieder nicht.

6 von 10 Punkten

Lawrence Osborne: “Welch schöne Tiere wir sind”, übersetzt von: Stephan Kleiner, Piper, 336 Seiten.

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