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André Georgi: Tribunal

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

André Georgis Thriller-Debüt “Tribunal” hat vier übergeordnete Kapitel, wobei das letzte eigentlich ein Epilog ist. Der stärkste Teil ist für mich zweifellos der erste, in dem es sich um das Attentat auf einen wichtigen Kronzeugen des Kriegsverbrecher-Tribunals in Den Haag dreht. Gekonnt holt Georgi seine Leser ins Buch. Aber: Der zweite Teil ist okay und der dritte nur “naja”. Ich will hier nicht ins Detail gehen, weil ich inhaltlich zu viel verraten müsste. Aber das Buch hält nicht, was es zu Beginn verspricht.

Sprachlich weiß Georgi, der auch Drehbücher für “Bella Block” und “Tatort” geschrieben hat, zu überzeugen. Ich mag seinen Stil: Er schreibt präzise, mag kurze Sätze und ist vielleicht ein wenig zu ernst. Ja, das klingt jetzt bei einem Thriller über die Gräuel des Balkankrieges ein wenig seltsam – aber vielleicht ist das Thema auch der Grund für seinen trockenen, eher distanzierten Erzählstil. So ganz nah kommt einem die Hauptfigur Jasna Brandic, die Topermittlerin des Tribunals, nicht.

Aber vor allem inhaltlich gehen Georgi leider die Ideen aus, dafür fließt das Blut dann umso reichlicher: Zweiteres ist wohl durch ersteres bedingt. Gerade was er im dritten Teil bietet, hat man so und besser schon unzählige Male gelesen. Natürlich könnte man jetzt sagen, so geht es nun am Balkan zu, da gibt es nichts zu beschönigen, der ist seit Jahrhunderten so – aber das ist mir zu einfach, zu klischeehaft. Auch einige Wendungen sowie Enthüllungen über Jasnas Familiengeschichte waren mir dann zu weit hergeholt.

Die KrimiZeit-Jury sieht das übrigens anders. Auf der aktuellen Liste befindet sich “Tribunal” auf Rang 3. Aber zumindest waren Nicole von mycrimetime und ich uns bei diesem Buch nahezu einig (zuletzt eine Seltenheit ;-)). “Georgi übertreibt es meiner Meinung nach mit dem Gemetzel ein wenig”, schreibt auch sie. Und Sonja von zeilenkino fasst ziemlich gut zusammen, woran es auch aus meiner Sicht hakt: “(…) die komplexe psychologische Situation wird nicht erkundet, sondern André Georgi bleibt bei äußeren Ereignissen, bei Folter und einer minutiös geschilderten Verfolgungsjagd, deren Ende bereits Seiten vorher verraten wurde.” Sie bezeichnet das Buch als soliden Pageturner, der voll verschenkter Möglichkeiten steckt. Ja, genau.

6 von 10 Punkten

André Georgi: “Tribunal”, 317 Seiten, Suhrkamp.

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KrimiZeit-Bestenliste Juni: Ein Abgleich

(c) Dumont

(c) Dumont

Die KrimiZeit-Bestenliste für den Juni ist da – und ich bin begeistert. Ein Applaus für die Jury! Zwei Neueinsteiger habe ich im Mai gelesen und den dritte Neueinsteiger habe ich gerade zu lesen begonnen. An der Spitze hat sich nichts verändert: Oliver Bottini ist mit “Ein paar Tage Licht” noch immer die Nummer eins. Auch auf den Plätzen zwei und drei hat sich nichts getan: Ross Thomas liegt mit “Fette Ernte” weiter auf Platz zwei und die Französin Dominique Manotti reiht sich mit “Ausbruch” erneut auf Rang drei ein.

Ich wende mich daher gleich den Neueinsteigern zu: Auf Platz fünf liegt Tom Hillenbrand mit “Drohnenland”. Das Buch habe ich eher zufällig in der Buchhandlung gekauft, weil es thematisch ein wenig an Marc Elsbergs “Zero” erinnert. Ich stehe zudem im Moment auf futuristische Krimis. Und “Drohnenland” liest sich ein wenig wie eine Fortsetzung von “Minority Report”. Das Buch ist fesselnd, faszinierend und einfach gut geschrieben – mehr dazu in Kürze. Tja, Neueinsteiger Benjamin Percy (Platz sechs) hat mich mit “Roter Mond” in meinem letzten Eintrag Lobeshymnen singen lassen – zur Kritik hier. Und André Georgi ist mit “Tribunal” auf Rang zehn eingestiegen. Da kann ich noch nicht viel sagen, weil ich gerade mal 20 Seiten absolviert habe. Stilistisch gefällt es mir aber bisher gut.

Fazit: 4 von 10 Bücher habe ich gelesen bzw. lese ich gerade.

Die Liste im Überblick:

  1. Oliver Bottini: “Ein paar Tage Licht” (1)
  2. Ross Thomas: “Fette Ernte” (2)
  3. Dominique Manotti: “Ausbruch” (3)
  4. Leonardo Padura: “Ketzer” (5)
  5. Tom Hillenbrand: Drohnenland (-)
  6. Benjamin Percy: “Roter Mond” (-)
  7. Mukoma wa Ngugi: “Nairobi Heat” (10)
  8. Daniel Woodrell: “In Almas Augen” (9)
  9. Sascha Arango: “Die Wahrheit und andere Lügen” (-)
  10. André Georgi: “Tribunal” (-)

 

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