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Gerhard Loibelsberger: Todeswalzer

(c) Gmeiner

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Gleich zu Jahresbeginn habe ich eine Zeitreise gemacht und bin 100 Jahre zurückgereist – in das Wien des Jahres 1914. Gerhard Loibelsberger entführt seine Leser in “Todeswalzer” bereits zum vierten Mal in die Welt seines Inspectors Nechyba. Ich habe dazu auch eine ausführliche Kritik geschrieben, in der ich meine zwiespältigen Gefühle geschildert habe.

Denn einerseits war ich dankbar, mehr über die Zeit von damals zu erfahren – noch dazu in Form eines Krimis. Ich kenne auch viele der im Buch beschriebenen Orte. Die meisten Dialoge erfolgen in Wiener Mundart und Gaunersprache (es gibt aber Fußnoten dazu), was eine feine Abwechslung zum ewigen Hochdeutsch ist. So redeten und reden die Leute halt. Mit anderen Worten: Es “mundelt” (wer damit nichts anfangen kann: hier mehr). Und der Autor hat durchaus gut recherchiert. Doch die handwerklichen Schwächen haben mein Lesevergnügen erheblich getrübt: “Das liest sich manchmal wie ein simpler Schulaufsatz und ist dann auch ein wenig zu viel der Wiener Gemütlichkeit. Hier fehlt jegliche Raffinesse.”

Es muss ja nicht immer gleich Sherlock Holmes sein, aber da war eindeutig mehr drin. Mag sein, dass ich meine Messlatte zu hoch lege und zu kritisch bin. Doch der Vergleich macht eben auch sicher: Das war kein großer Wurf. Es ist eben hohe Kunst, was Krimiautoren wie Don Winslow, James Sallis, Dennis Lehane und Ian Rankin schreiben. Die beherrschen ihr Handwerk traumwandlerisch gut.

Dennoch wünsche ich Loibelsbergers Kriminalromanen viele Leser. Denn seinen historischen Ansatz nach dem Motto educate and entertain finde ich gut.

4 von 10 Punkten

Gerhard Loibelsberger: “Todeswalzer”, 276 Seiten, Gmeiner Verlag.

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