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Steph Cha: “Brandsätze”

(c) Ars Vivendi

Neben der Coronakrise stand das Jahr 2020 in den USA ganz unter dem Eindruck der “Black Lives Matter”-Bewegung. Dass diese bereits im Jahr 2013 nach dem Freispruch des Polizisten George Zimmerman entstand, der den afroamerikanischen Teenager Trayvon Martin getötet hatte, wird dabei leicht vergessen.

Auch in Steph Chas “Brandsätze” geht es um Rassismus und Diskriminierung. Wie komplex und verworren die Situation tatsächlich oft ist, macht sie am Schicksal zweier Familien klar. Da ist einerseits Shawn Matthews, dessen Schwester Ava im Jahr 1991 von einer koreanischen Ladenbesitzerin erschossen wurde. Und andererseits Grace Park, die Tochter der Täterin von damals, die ungestraft davon kam. Während Grace im Jahr 2019 von den Geschehnissen von damals nichts weiß, hat Shawn mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen.

Schuld, Reue, Rache und Vergebung – darum dreht sich der mitreißende Roman der US-Autorin mit koreanischen Wurzeln. Cha interessiert sich für Opfer und Täter. Sie zeigt auf, wie leicht man von dem einen zum anderen werden kann, wie verschwimmend die Grenzen zwischen richtig und falsch sein können.

Schnell taucht die Frage auf: Wie hätte ich gehandelt? Wie kann man nach traumatischen Ereignissen weiterleben? Über diese persönlichen Fragen hinaus schafft es die Autorin auch, zu zeigen, mit welchen Problemen die Gesellschaft in den USA zu kämpfen hat.

Als ergänzende Lektüre empfiehlt sich “In den Straßen die Wut” von Ryan Gattis, dessen überzeugender Thriller im Los Angeles des Jahres 1992 angesiedelt ist, als es nach der Misshandlung von Rodney King durch Polizisten zu Unruhen kam, die 52 Menschenleben forderten.

8 von 10 Punkten

Steph Cha: “Brandsätze”, übersetzt von Karen Witthuhn, Ars Vivendi Verlag, 336 Seiten.

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