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Abgebrochen: Sibirischer Wind

(c) Blanvalet

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Eigentlich hatte ich mich auf Ilja Albrechts “Sibirischer Wind” gefreut. Ansprechendes Cover, eine neuer deutscher Autor, eine spannende Geschichte… Tja, das hätte es sein können. Doch bei Punkt drei hakte es.

Albrecht nutzt auch das Stilmittel des Prologs, um Neugier zu erzeugen. Einem Buben erfährt auf den ersten drei Seiten etwas Grausames, ehe der Thriller richtig startet. Und hier komme ich zu Kritikpunkt eins: Ich habe nach ca. 110 Seiten zu lesen aufgehört, weil einfach keine Spannung aufkommen wollte. Um einen Thriller handelt es sich bei “Sibirischer Wind” also nicht. Und auch die Auflösung des Rätsels aus dem Prolog interessierte mich nicht.

Albrecht führt die Hauptpersonen, Kiran Mendelsohn und den eigenwilligen Kommissar Bolko Blohm, zwar ordentlich ein. Man erhält auch einen Einblick in die Arbeit eines BKA-Teams, wie der Verlag preist – doch irgendwie tut sich da einfach nichts. Man hantelt sich von Seite zu Seite und das Interesse verschwindet. Ich kann nicht einmal genau erklären, warum das so ist. Albrecht schreibt nicht schlecht, aber dann doch viel zu brav. Wenn schon keine Spannung, dann brauche ich doch zumindest eine gewisse Rafinesse – doch auch hier Fehlanzeige. Letztlich kommt auch alles ein wenig konstruiert daher. Diese ganzen Machtspiele zwischen Politik, Polizei, Geheimdiensten, Russenmafia und Medien hat man schon viel besser dargestellt bekommen.

Als die beiden Ermittler dann beim Unterweltler Osmanow vorstellig werden, war für mich endgültig Schluss. Ab da wurde die Geschichte für mich auch unglaubwürdig. Osmanow öffnet den beiden Ermittler die Augen über die Zusammenhänge zwischen Organisierter Kriminalität und Politik. Die Dialoge dienen dabei vorwiegend der Erklärung dieser Zusammenhänge. Wie Osmanow Mendelsohn und Blohm als naive, verträumte Polizisten vorführt, war mir einfach zu viel.

Nach den 110 Seiten habe ich daher zu einem anderen Buch gegriffen. Und das war kein Fehler. Ich will aber fair sein, die Kritikerin vom RBB ist angetan und wünscht sich eine Fortsetzung: “Ilja Albrecht gibt einen guten Einblick in die Arbeit des BKA, die Rolle von Politik und Medien. Kiran Mendelsohn und seine Mitstreiter sind sympathische Ermittler. Sie werden weitere Fälle lösen. Die perfekten Cliffhanger hat Ilja Albrecht schon mal eingebaut. So fehlt die Antwort auf die Frage, warum Kiran keine Waffen tragen will.”

Ilja Albrecht wird seine Leser finden, ich werde aber nicht dazugehören.

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