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Krimis, die man 2017 lesen sollte (IV)

(c) C. Bertelsmann

Ich habe zwei Krimis (“Das Fest der Schlangen”, “Der Junge im Pool”) von Stephen Dobyns im Regal stehen – ungelesen. Irgendwie habe ich es nie geschafft, eines seiner Bücher zu lesen. Vielleicht ist aber “Ist Fat Bob schon tot?” nun eine gute Gelegenheit. Das klingt schräg und gut dürfte der Autor ja zweifellos sein.

Der Verlag schreibt: Connor Raposo wird zufällig Zeuge eines grässlichen Unfalls: Ein Motorradfahrer ist gegen einen Laster geprallt, die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Ist der Tote tatsächlich Robert »Fat Bob« Rossi? Und war es tatsächlich ein tragischer Unfall? Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, Morde geschehen, Leute verschwinden, die Polizei tritt auf den Plan – und mittendrin Connor, der von einer aberwitzigen Situation in die nächste stolpert, bis ihm dämmert, dass man auch hinter ihm her ist. Mit umwerfender Situationskomik und lakonischen Dialogen jagt Stephen Dobyns seine Helden durch eine höchst raffinierte Krimigeschichte, die in einem so furiosen wie unerwarteten Showdown mündet. Ein Lesevergnügen für alle Freunde des schrägen Humors.

(c) Heyne Hardcore

Weil ich unter den April-Neuerscheinungen keine weiteren Krimis entdecken konnte, die mich so richtig ansprechen, blicke ich kurz zurück. Die folgenden drei Bücher sind mir erst nach ihrem Erscheinen aufgefallen. Da muss ich meine Krimi-Screening-Methoden doch schwer hinterfragen. Und meine Kritik an der Krimibestenliste ein wenig revidieren, denn alle drei Bücher befinden sich auf der März-Liste, die mich im ersten Moment ein wenig unrund werden ließ. “Eine kurze Geschichte von sieben Morden” klingt eigentlich wie gemacht für mich – wäre dieses Buch nicht sooo dick (864 Seiten).

Jamaika, 1976: Sieben bewaffnete Männer dringen in das Haus des Reggae-Musikers Bob Marley ein und eröffnen das Feuer. Marleys Manager wirft sich schützend über ihn und erleidet dabei lebensgefährliche Verletzungen. Marleys Frau Rita wird ebenfalls schwer verwundet, er selbst bleibt mit leichteren Verletzungen an Armen und Brust zurück. Wer waren die Täter? Was waren ihre Motive? Ausgehend von dem Attentat und den Spekulationen, die sich darum ranken, entwirft Marlon James ein vielseitiges Stimmungsbild Jamaikas in den 70er und 80er Jahren voll Gewalt, politischer Willkür, Drogen und Intrigen, ausgestaltet bis ins kleinste Detail.

(c) Nautilus

Es dürfte zweifellos der Krimi der Stunde sein. “Der Block” gewährt uns einen Einblick in die rechte Szene Frankreichs. Ich habe soeben mit der Lektüre begonnen und ich bin gefesselt.

Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten – der Patriotische Block – steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation. Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Mann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis. Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär – Stanko jedenfalls soll morgen tot sein. Jérôme Leroy legt mit Der Block eine atemberaubende Milieustudie vor; eine Innenansicht der Strömungen, die sich in der extremen Rechten verbünden. Ein hochaktueller und literarischer Thriller aus einem Milieu, das unter Hochdruck steht – nicht nur in Frankreich.

(c) Europaverlag

Ich lese immer öfter historische Krimis, das fällt mir auf. Da fügt sich natürlich “Sein blutiges Projekt” von Graeme Macrae Burnet ganz gut ein. Es geht zurück in das Jahr 1869 – nach Schottland. Was soll da schon schief gehen?

August 1869: Ein verschlafenes Bauerndorf an der Westküste Schottlands wird von einem brutalen Dreifachmord erschüttert. Der Täter ist rasch gefunden. Doch was trieb den 17-jährigen Roderick Macrae, Sohn eines armen Pächters, dazu, drei Menschen auf bestialische Weise zu erschlagen? Während Roddy im Gefängnis auf seinen Prozess wartet, stellen die scharfsinnigsten Ärzte und Ermittler des Landes Nachforschungen an, um seine Beweggründe aufzudecken. Ist der eigenbrötlerische Bauernjunge geisteskrank? Roddys Schicksal hängt nun einzig und allein von den Überzeugungskünsten seines Rechtsbeistandes ab, der in einem spektakulären Prozess alles daransetzt, Roderick vor dem Galgen zu bewahren. Kunstvoll verquickt der Autor Rodericks eigene Aufzeichnungen mit Gerichtsunterlagen, medizinischen Gutachten und der Prozessberichterstattung. Während er die Annahmen der Leser über die eigentlichen Tathintergründe immer wieder raffiniert ins Leere laufen lässt, enthüllt sich die dunkle Wahrheit erst in einem fulminanten Gerichtsdrama.

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