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Krimiautor Roger Hobbs (28) ist tot

(c) Goldmann

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2013 erhielt der damals gerade einmal 25 Jahre alte US-Autor Roger Hobbs den “Steel Dagger Award” – als jüngster Autor, dem das bisher gelungen ist – für den besten Thriller des Jahres. Jetzt, drei Jahre später, ist der Autor tot. Unfassbar.

Ich habe “Ghostman”, das Buch, für das er ausgezeichnet wurde, damals gelesen und war durchaus angetan. Er hatte einen rasanten, wendungsreichen Thriller geschrieben, der Lust auf mehr machte: “Ich freue mich auf eine Fortsetzung”, so meine Worte damals. Allerdings muss ich zugeben, dass ich heuer den Nachfolger “Killing Games” nach eher schlechten bis vernichtenden Kritiken ausgelassen habe. Dennoch handelte es sich bei Hobbs zweifellos um eine vielversprechende Stimme in der Krimilandschaft.

Noch vier Tage vor seinem Tod tweetete er folgende Nachricht:

Die Hoffnung lebt also, dass sein drittes Buch vielleicht irgendwann erscheinen wird. Umso fassungsloser macht die Nachricht, dass der Autor im Alter von 28 Jahren gestorben ist – offenbar an einer Überdosis.

Sein Herausgeber beim Verlag Transworld schreibt folgende Worte:

“Roger was a new shining talent on the crime writing scene and from the moment we bought him seemed destined to join the ranks of those American greats like James Ellroy and James Lee Burke he so admired. He won the Ian Fleming Steel Dagger Award for Best thriller of the Year in 2013 and was long listed for a John Creasey Award for Best First Novel that year too. He also won an Edgar Award in the US. Equipped with all the tools of the trade at a very young age, a genuinely original and stylish voice, impeccable storytelling elan and showing signs of genuine brilliance from the off, it is too upsetting to contemplate what he might have gone on to achieve. 

“Many fans will join us in mourning the loss of a singular talent and a glorious writing career sadly unfulfilled.”

Auch der irische Krimiautor Stuart Neville zeigte sich geschockt:

Rest in Peace, Roger Hobbs. Danke für die kurzweiligen Lesestunden!

 

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (IV)

(c) Festa

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Spät aber doch wird Stephen Hunter nun also doch ins Deutsche übersetzt. “Einsame Jäger” (seit 26. April im Handel) ist eines der besten aus seiner Reihe um den Scharfschützen Bob Lee Swagger. Vor einigen Jahren hatte ich eine intensive Hunter-Phase, musste ihn damals aber großteils im Original lesen. Nun sage ich Danke beim Festa-Verlag, ich habe ganz fest vor, “Einsame Jäger” zu lesen.

Der Verlag schreibt: Als in den Bergen von Idaho ein Mann erschossen und die Frau, die ihn begleitet, tödlich verwundet wird, holt den Kriegsveteranen Bob Lee Swagger seine Vergangenheit ein. Denn der Schütze schien es in Wahrheit auf ihn abgesehen zu haben. Die Suche nach einer Erklärung konfrontiert ihn mit schmerzhaften Erinnerungen an seine Einsätze in Vietnam.

Steckt der geheimnisvolle Russe Solaratov dahinter, der schon damals Jagd auf ihn machte? Welche Rolle spielen seine eigene Frau Julie und ihr Ex-Verlobter Donny, für dessen Tod an der Front sich Bob persönlich verantwortlich fühlt?

fuechsinKen Bruen hat mich mit seinem im Vorjahr bei Polar erschienenen schmalen Krimi “Kaliber” richtig umgehauen, ähnliches erwarte ich mir nun von “Füchsin” (1. April). Bruen muss man einfach gelesen haben, das ist schräg und genial.

Angie, kaltschnäuzig und herzlos, manipuliert sie Männer wie Frauen, um sie für ihre Pläne einzusetzen. Auch wenn die erste Bombe im Paradise Cinema nicht explodiert, hält sie die Southeast London Police Squad um Detective Sergeant Brand mit weiteren Bombenankündigungen und Erpressungen in Atem. Als sinnlichste, verrückteste Serienmörderin überhaupt terrorisiert sie die Straßen Londons. Ist unberechenbar, wild, wütend. Ganz wie Detective Sergeant Brand, der für seine knochenbrecherischen Methoden berüchtigt ist und sich wenig um politische Korrektheit schert. So entwickelt sich ein Drama voller schwarzem Humor. Bruen spinnt eine schnelle, scharf geschliffene Geschichte voller respektloser Schurken auf beiden Seiten des Gesetzes.

(c) Blessing

(c) Blessing

Olen Steinhauer ist ein Garant, wenn es um anspruchsvolle Spionagethriller geht. Wenn diese dann wie “Der Anruf” (11. April) noch dazu zu großen Teilen in meiner Heimatstadt Wien spielen, ist das eigentlich eine Pflichtlektüre.

Flughafen Wien, 2006: Auf dem Rollfeld steht ein Airbus mit einhundertzwanzig Passagieren an Bord, den Terroristen in ihre Gewalt gebracht haben. Die CIA vor Ort hat die Chance, die Geiselnahme zu beenden und Blutvergießen zu verhindern. Doch ihr Plan wird verraten – alle Passagiere kommen ums Leben. Der entscheidende Anruf kam aus dem Quartier der CIA.

Kalifornien, 2012: CIA-Agent Henry Pelham ist nervös. Nach Jahren wird er seine Kollegin Celia Favreau wiedersehen, mit der er in Wien eine kurze Beziehung hatte. Zusammen versuchten sie in jener Nacht fieberhaft, das Leben der Passagiere zu retten. Nun hat die interne Ermittlung der CIA den Fall neu aufgerollt. In einem Restaurant treffen sich Henry und Celia. Was als Gespräch unter ehemals Vertrauten beginnt, entwickelt sich zu einem packenden wechselseitigen Verhör, das schließlich die Wahrheit über den Verrat von Wien ans Licht bringt.

killinggamesRoger Hobbs hat 2013 mit “Ghostman” ein vielversprechendes Debüt vorgelegt. Er konnte damit sogar den begehrten Steel Dagger für den besten Thriller gewinnen. Ich habe damals geschrieben: “Dem Autor ist ein rasanter, wendungsreicher Thriller gelungen, der Lust auf mehr macht. Ich freue  mich auf eine Fortsetzung.” Tja, und da ist sie nun mit “Killing Games” (18. April).

Jack weiß, wie man Spuren verwischt, Menschen verschwinden lässt und sich selbst fast unsichtbar macht. Er ist ein Ghostman und dazu noch ein sehr guter. Nur einmal in seinem Leben hat er einen Coup vermasselt. Seitdem hat er seine damalige Mentorin Angela nicht mehr gesehen. Als sie ihn jetzt um Hilfe bittet, zögert er keine Sekunde. Es geht um einen missglückten Überfall, bei dem Angelas Leute wohl mehr entwendet haben als nur Edelsteine. Angela hat sich damit Feinde in gefährlichen Kreisen gemacht, die jetzt hinter der Beute her sind, und über Leichen gehen. Jack ist Angela noch etwas schuldig. Damals hat sie sein Leben gerettet. Jetzt ist es an ihm, sich zu revanchieren …

(c) Heyne

(c) Heyne

Michael Koryta ist der einzige Unbekannte auf dieser Liste. “Die mir den Tod wünschen” (11. April) klingt aber sehr vielversprechend.

An einem stürmischen Tag wird der vierzehnjährige Jace Zeuge eines brutalen Mordes. Jace kann entkommen – doch er weiß, dass die Verbrecher ihn gesehen haben. Die Blackwell-Brüder, ein psychopathisches Killer-Duo, wollen seinen Tod. Jace kann niemandem mehr vertrauen. Unter neuer Identität soll er in Montana Zuflucht finden. Ethan Serbin, ein erfahrener Überlebensspezialist, steht ihm in der gnadenlosen Bergwelt zur Seite. Derweil bahnen sich die beiden Killer ihren blutigen Weg und kreisen ihre Opfer immer weiter ein. Für Ethan und Jace beginnt ein furioser Höllenritt …

 

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Roger Hobbs: Ghostman

(c) Goldmann

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“Ghostman” ist das Thrillerdebüt von Roger Hobbs. Der Amerikaner ist gerade einmal 24 Jahre alt und schreibt bereits wie ein Routinier. Marcus Müntefering, auch Betreiber des Blogs Krimi-Welt, urteilte daher bei “Spiegel Online”: “Der Neuling könnte den Platz des 2008 verstorbenen Donald E. Westlake einnehmen, an dessen unter dem Pseudonym Richard Stark geschriebene ‘Parker’-Romane ‘Ghostman’ erinnert.” Große Vorschusslorbeeren also.

Etwas differenzierter sieht das Tobias Gohlis in seinem Recoil-Blog. “Richard Starks Parker war unter anderem deshalb so gut, weil er nur halb so viel geredet und mehr nachgedacht hat. Ich bin gespannt, wohin sich Hobbs entwickelt. In Richtung Greg Iles, der nach einem beachtenswert spannenden Debüt zum Pageturn-Plotter wurde, oder doch zum Nachfolger – wenn schon nicht Starks, dann vielleicht Lee Childs?”, schreibt Gohlis.

Ob “Ghostman” eine Eintagsfliege ist oder nicht, wird die Zeit zeigen. Sein Thriller macht jedenfalls Spaß. Er wird nie fad und hat mit Jack Delton eine Hauptfigur, der man es zutraut, eine Serie tragen zu können. Um bei Gohlis zu bleiben: Ein neuer Jack Reacher?

Tatsächlich hat Hobbs einen nüchternen Erzählstil, der aber nicht so reduziert ist wie der von Richard Stark. Delton  ist ein Spezialist, wenn es darum geht, Beweise und Spuren verschwinden zu lassen. Und diesmal muss er nach einem misslungenen Casino-Überfall aufräumen.

“Ich bin sehr gut in dem, was ich tue. Überlebt habe ich, weil ich äußerst vorsichtig bin. Ich lebe allein, ich schlafe allein, ich esse allein. Ich traue niemandem.”

So beschreibt sich Delton selbst. Das klingt paranoid? “Paranoia gehört zum Geschäft, genau wie ein Stapel mit falschen Pässen und Hundert-Dollar-Scheinen unter der untersten Schublade meiner Kommode.” Alles klar?

Hobbs wartet auch mit interessanten Details aus der Welt des Verbrechens auf, die man so noch nicht gelesen hat. Auch die US-Immobilienkrise spielt bei Hobbs eine Rolle. “Ein verlassenes Haus ist ein perfektes Versteck nach einem Raubüberfall”, heißt es da einmal. Dem Autor ist ein rasanter, wendungsreicher Thriller gelungen, der Lust auf mehr macht. Ich freue  mich auf eine Fortsetzung.

Und gerade als ich diese Zeilen jetzt bloggen wollte, habe ich gesehen, dass Hobbs mit “Ghostman” tatsächlich den CWA Ian Fleming Steel Dagger Award 2013 für den besten Thriller des Jahres gewonnen hat. Ich gratuliere!

7 von 10 Punkten

Roger Hobbs: “Ghostman”, übersetzt von Rainer Schmidt, Goldmann, 381 Seiten.

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Dagger Awards: Shortlists sind da

(c) Lübbe

(c) Lübbe

Die Shortlist für die drei wichtigsten Kategorien der Dagger-Awards sind da. Ich habe hier ja schon einmal im Juli über die Daggers geschrieben, als die Longlist herausgekommen sind.

For the CWA Goldsboro Gold Dagger:
Belinda Bauer for Rubbernecker (Bantam/Transworld)
Lauren Beukes for The Shining Girls (HarperCollins)
Mick Herron for Dead Lions (Soho Crime)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)

For the CWA Ian Fleming Steel Dagger:
Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

For the CWA John Creasey Dagger:
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)

Noch einmal für alle Interessierten: Die Bücher von Masterman, Hobbs, Wilson, Jameson und Miller sind auf Deutsch erhältlich. Millers “Ein seltsamer Ort zum Sterben” habe ich hier bereits rezensiert. “Ghostman” von Hobbs habe ich heute zu lesen begonnen. Jamesons Buch steht in meinem Regal.

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Dagger Awards 2013: Eine Nachbetrachtung

(c) Goldmann

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Es gibt meiner Meinung nach zwei herausragende Preise für außergewöhnliche Kriminalliteratur. Im Mai habe ich an dieser Stelle über die Gewinner der “Edgar Awards” geschrieben. Und nun sind am Montagabend die ersten “Dagger Award”-Gewinner bekanntgegeben worden. Den “International Award” teilten sich Fred Vargas (“Die Nacht des Zorns”) und Pierre Lemaitre (“Ich will dich sterben sehen”). Es ist das erste Mal in der Geschichte des Preises, dass es zu einer solchen Teilung kommt. Andrew Taylor hat – zum bereits dritten Mal nach 2001 und 2003 – mit “The Scent of Death” den “Historical Dagger” gewonnen. Der “Diamond Dagger” ging übrigens an Lee Child.

Für mich besonders interessant sind aber immer die Long Lists in den Kategorien “Steel” (Thriller) und “John Creasy” (Newcomer).

Auf der “Steel Dagger”-Longlist finden sich sieben Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Liz Jensen for The Uninvited (Bloomsbury)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Pan Macmillan)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Andrew Williams for The Poison Tide (John Murray)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

Mein persönlicher Favorit “Ghostman” von Roger Hobbs erscheint übrigens am 22. Juli und befindet sich schon seit längerem auf meiner Leseliste. Liz Jensens Buch ist am 1. Juni unter dem Titel “Die da kommen” erschienen. Robert Wilsons Buch wird unter dem Titel “Stirb für mich” am 19. August in die Buchläden kommen. Von Stuart Neville erscheint am 9. September zwar mit “Racheengel” ebenfalls ein neues Buch – die Vorlage ist aber “Stolen Souls” und nicht “Ratlines”. Von den restlichen Autoren gibt es leider noch keine Erscheinungstermine für deutschsprachige Ausgaben. Bei Malcolm Mackay überlege ich aber bereits seit längerem einfach zum Original zu greifen. Die Nominierung könnte mich jetzt endgültig dazu motivieren.

Auf der “John Creasy”-Longlist finden sich acht Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Doubleday)
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)
Michael Russell for The City Of Shadows (Avon)
M D Villiers for City of Blood (Harvill Secker)

Hobbs und Mackay sind also doppelt nominiert – eine echte Ehre für Newcomer. Zu meiner ziemlich frischen Rezension von “Ein seltsamer Ort zum Sterben” von Derek B. Miller (im Juni erschienen) geht es hier. Hanna Jamesons Buch ist bereits im Februar unter dem Titel “Kalter Schmerz” erschienen. Becky Mastermans nominiertes Buch ist im April unter dem Titel “Der stille Sammler” in die Buchläden gelangt. Die Bücher der weiteren Talente sind noch nicht übersetzt worden und meines Wissens auch noch nicht zur Publikation vorgesehen.

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