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Don Winslows “Das Kartell” soll verfilmt werden

(c) Knopf

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Lange hieß es, Don Winslows “Tage der Toten” solle verfilmt werden. Mittlerweile zweifle ich daran. Dennoch könnte Winslow demnächst zu Hollywood-Ehren kommen. Denn nun brodelt die Gerüchteküche wieder über: Seine Fortsetzung “Das Kartell” (im Original: “The Cartel”) wird als heißer Kandidat für eine Verfilmung gehandelt. Der “Hollywood Reporter” berichtet, dass niemand geringerer als Star-Regisseur Ridley Scott federführend hinter dem Projekt stehen soll. Die Rolle von Drogenfahnder Art Keller soll laut “Deadline” Leonard Di Caprio spielen. Woher das plötzliche Interesse kommt, liegt auf der Hand: Die spektakuläre Flucht des berüchtigten mexikanischen Drogenbosses “El Chapo” Guzman hat weltweit für Schlagzeilen (siehe: “Ein Loch in den Grundfesten Mexikos”, “Wie Drogenboss ‘El Chapo’ die Flucht gelang”) gesorgt.

Nun widmet Winslow in “Das Kartell” seinem fiktiven Drogenboss Adan Barrera, der klar erkennbar an dem realen “El Chapo” angelehnt ist, und dessen Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Buches. Barrera führt im Gefängnis seine Geschäfte weiter, der große Teil des Gefängnispersonals steht auf seiner Seite. Das wird wohl auch beim realen “El Chapo” nicht viel anders gewesen sein. Wer will diesen Mann schon zum Feind haben? Eine Flucht ohne Mithilfe von innen erscheint sehr unwahrscheinlich.

Aber welche Wahl hat man schon als einfacher Gefängniswärter? “Die meisten waren scharf auf das Geld. Leute, die zögerten, bekamen im Gefängnis Besuch von Diego, und er zeigte ihnen Fotos von ihren Frauen und Kindern”, schreibt Winslow auf Seite 41 von “Das Kartell”. “Drei Wachmänner weigerten sich trotzdem, Geld zu nehmen. Diego lobte sie für ihre Integrität. Am nächsten Morgen fand man sie mit durchschnittenen Kehlen.”

Das stimmt mit den Darstellungen in Malcolm Beiths Sachbuch “El Chapo. Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron” überein: “Für den seltenen Fall, dass Geld allein nicht ausreichte, einen Wärter oder Mithäftling dazu zu bringen, Chapos Anordnungen zu folgen, wurde mittels Drohungen sichergestellt, dass sie dennoch kollaborierten. Diejenigen, die sich weigerten, für Chapo zu arbeiten, wurden Jaime Leonardo Valencia Fontes gemeldet, einem Häftling, der als Chapos rechte Hand agierte. Valencia ging dann auf den Wärter oder Häftling zu und sagte: ‘Hör mal, es heißt, du bis von uns genervt und weißt unsere Freundschaft nicht zu schätzen. Mach dir keine Sorgen, hier haben wir … ‘ Dann pflegte er ein Notebook oder einen Organizer hervorzuholen und dem Widerspenstigen unter die Nase zu halten. ‘… die Adresse von dir und deiner Familie. Wie du siehst, alles kein Problem.’ Daraufhin spielten fast alle mit.”

Wer nicht so lange warten will, kann schon bald die TV-Serie “Narcos” (auf Netflix) sehen, wie “Der Schneemann” auf seinem Blog schreibt.

 

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