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Stefan Slupetzky: Polivka hat einen Traum

(c) KindlerStefan Slupetzkys “Lemmings Zorn” (Teil vier der Lemming-Saga) war für mich der beste österreichische Krimi, den ich bislang gelesen habe. Der Wiener Autor schreibt mit einem umwerfenden Humor, trifft gleichzeitig immer wieder die österreichische Seele punktgenau und übt nebenbei auch noch Gesellschaftskritik. Eine wohlschmeckende Wiener Melange sozusagen.

Meine Vorfreude war daher groß, als ich “Polivka hat einen Traum” zu lesen begann. Und die ersten 100 Seiten hat es Slupetzky geschafft, meine Erwartungen sogar zu übertreffen. Das ist wirklich ein außerordentlicher Lesespaß. Ich habe das auch in meiner ausführlichen Rezension in der “Presse am Sonntag” geschildert: “Da sitzt jede Pointe, kein Wort ist überflüssig. Die Geschichte hat Charme und liest sich, obwohl ja eigentlich vollkommen unrealistisch, gleichzeitig sehr authentisch und glaubwürdig.”

Doch dann driftet die Geschichte leider ab. Denn es folgt “eine literarische Abrechnung mit jenem korrupten System in Österreich, in dem der Öffentlichkeit verborgene graue Eminenzen und Lobbyisten die Fäden ziehen. Formuliert er im ersten Drittel des Buches mit schlafwandlerischer Sicherheit und feiner Klinge, wird es mit Fortlauf der Geschichte klischeehafter, brachialer und plumper.” Wer mehr wissen will, kann das im Artikel “Polivkas Traum, Slupetzkys Zorn” nachlesen.

Dennoch hoffe ich, dass Slupetzky den Bezirksinspektor Polivka in weiteren Büchern ermitteln lässt. Denn er hat damit nach dem Lemming einen weiteren Charakter geschaffen, von dem man mehr lesen will.

6 von 10 Punkten

Stefan Slupetzky: “Polivka hat einen Traum”, Kindler, 299 Seiten.

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Krimis, die man 2013 lesen sollte (IX)

(c) Rütten & Loening

(c) Rütten & Loening

Der September bietet wieder eine interessante Mischung an Krimi-Neuerscheinungen. Wobei das eigentliche Highlight eine Neuauflage ist, aber dazu gleich mehr. Ab 9. September ist mit “Racheengel” von Stuart Neville der dritte Teil der Reihe rund um den Belfaster Ermittler Jack Lennon erhältlich. Diesmal muss er sich mit der gesamten Unterwelt der Stadt anlegen. Ich habe es bisher leider nicht geschafft, ein Buch Nevilles zu lesen, mittlerweile steht aber Teil eins (“Die Schatten von Belfast”) der Serie in meinem Regal. Neville (zur Homepage des Autors) ist übrigens mit “Ratlines”, das im Irland des Jahres 1963 spielt und in dem sich ehemalige Nazis tummeln, für den Ian Fleming Steel Dagger Award nominiert. Zeit wäre es also eigentlich…

(c) Verlag Antje Kunstmann

(c) Verlag Antje Kunstmann

In meiner Leseliste ganz vorne befindet sich aber “Ich töte lieber sanft” von George V. Higgins (1939-1999). Wenn es um Higgins geht, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Er war als “Meister des Dialogs” ein großes Vorbild des kürzlich verstorbenen Krimi-Großmeisters Elmore Leonard. Zudem habe ich am 8. Jänner meinen allerersten Blogeintrag zu Higgins verfasst. Damals noch unter dem Titel “Der vergessene George Higgins”. Nun macht sich aber der Verlag Antje Kunstmann um die Wiederauflage des Autors verdient. Über die Hollywood-Verfilmung (mit Brad Pitt in der Hauptrolle) seines am 11. September wieder erscheinenden Buches habe ich ebenfalls einen Artikel geschrieben. Und die ganz tolle Nachricht: Im Jänner 2014 wird auch “Die Freunde von Eddie Coyle” (von Elmore übrigens als bester Kriminalroman aller Zeiten bezeichnet) vom Verlag publiziert. Von Vergessen also doch keine Spur.

(c) Wunderlich

(c) Wunderlich

Am 20. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl in Deutschland, kommt “Schwarzlicht” von Horst Eckert auf den Markt. Auch auf den deutschen Krimiautor und seine außergewöhnlichen Qualitäten habe ich hier schon verwiesen. Sein Buch zählt ebenfalls zu meinem Pflichtprogramm. Die Ausgangssituation klingt auch diesmal vielversprechend: “Walter Castorp ist tot. Der Ministerpräsident von NRW, ertrunken in seinem Swimmingpool. Sechs Tage vor der Wahl.” Ich erwarte Hochwertiges.

(c) Kindler

(c) Kindler

Damit wären wir auch schon bei Buch Nummer vier angelangt, das ebenfalls ab 20. September erhältlich ist. “Polivka hat einen Traum” des österreichischen Autors Stefan Slupetzky. Ich habe Slupetzky mit “Lemmings Zorn” kennengelernt und das humorvolle Buch hat mich sehr begeistert. Ich bin nun schon sehr gespannt auf diesen Krimi außerhalb der Lemming-Reihe. Zum Appetitanregen ein kurzes Stück aus dem Verlagstext: “Für den verschrobenen Wiener Bezirksinspektor Polivka steht von Anfang an fest: Der Mann, der sich infolge einer Notbremsung in einem Zugwaggon den Hals gebrochen haben soll, ist tatsächlich brutal ermordet worden.” Klingt schon mal sehr nach Slupetzky.

(c) diaphanes

(c) diaphanes

Mein fünfter Tipp lautet “Unter dem Auge Gottes” von Jerome Charyn. Das Buch ist der letzte Teil der elfteiligen Isaac-Sidel-Serie. Seit 1974 ist der Cop aus der Bronx immer höher aufgestiegen: Er ist inzwischen Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Das Buch wird vom Verlag diaphanes als Teil der neuen “Penser Pulp”-Serie herausgegeben. Ich muss zu meiner Schande gestehen, noch nichts von Charyn gelesen zu haben. Aber ich werde wohl ähnlich wie bei Ian Rankins Kultfigur John Rebus (mehr dazu…) die Reihe von hinten aufrollen. Denn zu spät ist es nie.

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