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Paula Hawkins: Into the Water

(c) Blanvalet

Paula Hawkins hat mit “Girl on the Train” einen Thriller geschrieben, der sie mit einem Schlag in die Topliga der Krimiautoren katapultiert hat. Das Buch wurde sofort verfilmt. Die Erwartungen vor dem Nachfolger “Into the Water” waren also nicht gerade gering. Da ich ihr Erfolgsdebüt nicht gelesen habe, fehlt mir nun zwar der Vergleich, aber ich wollte mir doch ein Bild von den Qualitäten der Autorin machen.

Diesmal geht es um Frauen, die es seit Jahrhunderten offenbar auf mysteriöse Weise ins Wasser zu ziehen scheint. Ich befürchtete kurz, dass es hier übersinnliche Erklärungen gibt. Aber keine Sorge, Hawkins löst das Rätsel auf logische Weise. Sie lässt diesmal die Geschichte aus Sicht vieler verschiedener Figuren erzählen, vorwiegend Frauen. Das ist manchmal ein wenig unübersichtlich, ich mag das aber grundsätzlich. Und: Ja, Hawkins versteht ihr Handwerk, so viel steht fest.

Sie hat aus meiner Sicht einen spannenden und soliden Kriminalroman geschrieben, der schlüssig konstruiert ist. Das mag vielleicht auch der größte Kritikpunkt sein: Ein wenig konstruiert ist das natürlich schon. Mich hat das in diesem Fall aber nicht sonderlich gestört. Das war mir schon zu Beginn irgendwie klar und sind das nicht viele Thriller dieser Art?

Überrascht musste ich allerdings feststellen, dass “Into the Water” teilweise mit Häme überschüttet wird. Kai Spanke schreibt über das Buch in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” wenig schmeichelhaft: “Während Hawkins in Bezug auf die Todesfälle höhere Geheimniskrämerei kultiviert, schüttet sie am Reißbrett entworfene Konstellationen und klischeehafte Gimmicks ohne jedes Feingefühl über uns aus.” Teilweise ist die Kritik sehr spöttisch: “Insgesamt haben wir es mit elf Hauptfiguren zu tun, die leistungsstarke Überdrusskatalysatoren abgeben, sobald sie sich – obwohl über mancherlei im Bilde – kryptodämlich raunend zu Wort melden.”

Auch Elmar Krekeler zeigt sich in der “Welt” wenig angetan: “Die Männer vergewaltigen, foltern, sind bestenfalls bloß fies, und immer haben sie was zu verbergen. Die Frauen sind Opfer, wissen das, halten aber nicht zusammen helfen sich nicht. Die Stimmen ähneln sich zu sehr, warum wer wie spricht, wird nicht klar. So funzelt sich Paula Hawkins durch ihr falbes Labyrinth. Das halbe Licht ihrer Literatur reicht immerhin, um alles auszuleuchten, was man wissen muss, alles auszuerzählen. Selten hat man ein derart geheimnisloses Buch über Geheimnisse gelesen.”

Hmm. Das ist harte Kritik. Vielleicht lässt sie sich ja auf die ungewöhnliche Widmung am Beginn des Buches zurückzuführen: “Für alle unbequemen Frauen”. Wenn man sich die Kritik so ansieht, dürfte Paula Hawkins auch eine unangenehme Frau sein – noch dazu eine erfolgreiche. Ich bin auf ein drittes Buch und mögliche weitere Kontroversen gespannt. Mir hat jedenfalls gerade dieser weibliche Blick auf die patriarchalisch dominierte Dorfwelt gut gefallen.

7 von 10 Punkten

Paula Hawkins: “Into the Water”, übersetzt von Christoph Göhler, Blanvalet, 480 Seiten.

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