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Sam Millar: Die Bestien von Belfast

(c) Atrium

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Das Leben des irischen Autors Sam Millar gibt selbst genug Stoff für einen harten Krimi her: Er war in den 1990er-Jahren in den USA an einem der spektakulärsten Raubüberfalle auf ein Depot mit Geldtransportern beteiligt, wanderte in den Knast und wurde von dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton begnadigt (mehr dazu…).  So gesehen ist es schade, dass nicht seine Autobiografie “On The Brinks” als erstes Buch auf Deutsch erschienen ist. Andererseits macht es auch nicht so viel, denn “Die Bestien von Belfast” ist ein vielversprechender Roman-Auftakt.

Überstehen muss man allerdings die ersten zehn Seiten, die wie aus einem Horrorroman wirken. Schon die ersten beiden Sätze deuten an, dass hier nicht nur das fiktive Opfer nicht verschont wird, sondern auch der Leser einen guten Magen braucht:

“Die zierliche Frau lag ausgestreckt, leblos und unbemerkt im üppigen Gras. Obwohl sie kaum noch atmete, versuchte sie, die Augen zu öffnen, doch die blutverkrusteten Lider gehorchten ihr nicht.”

Davon darf man sich nicht abschrecken lassen, auch wenn es schwer fällt und ich jeden verstehe, der das Buch weglegt. Ich hatte auch die Befürchtung, dass es sich hier um billigen Voyeurismus und Gewaltverherrlichung handelt. Grenzwertig ist das allemal (der Originaltitel “Bloodstorm” spricht für sich), diese brutalen Szenen sind aber durchaus notwendig, um das spätere Handeln einer wichtigen Akteurin zu verstehen.

Fest steht, dass Millar über eine Welt schreibt, von der man hofft, dass es sie so nicht gibt. Es ist eine brutale, vulgäre, zynische Welt, in der aber auch viel Platz für schwarzen Humor ist. Erträglich macht diese Welt erst Privatdetektiv Karl Kane, um den sich alles dreht. Selbst ziemlich verkorkst, ist er gleichzeitig ein unbeugsamer Charakter in einem äußerst korrupten Umfeld. Der Autor verwendet immer wieder Rückblenden, schließlich holt auch Kane die eigene Vergangenheit ein. Und man erkennt, aus welchem Eck der begnadigte Kriminelle Millar kommt: Polizisten sind in “Die Bestien von Belfast” alles – nur nicht die Guten. Das muss manchem Gesetzeshüter wie Hohn erscheinen.

Bei Millar weiß man, warum es das Subgenre Hardboiled gibt. Das ist nichts für Zartbesaitete. Millar hat ein wildes Buch geschrieben, das stellenweise ausufert und abstößt, aber im Verlauf der Geschichte immer mehr fesselt und fasziniert. “Die Bestien von Belfast” ist ein 286-seitiger Höllentrip, bei dem man zwischendurch froh ist, das Buch zur Seite legen zu können.

Sam Millar: “Die Bestien von Belfast”, übersetzt von Joachim Körber, Atrium Verlag, 286 Seiten.

7 von 10 Punkten

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