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James Lee Burke: Dunkle Tage im Iberia Parish

(c) Pendragon

Fast auf den Tag genau drei Monate sind vergangen, seitdem ich hier das letzte Mal gebloggt habe. Das war nicht so geplant und hatte auch keine wirkliche Ursache. Gelesen habe ich viele Krimis, nur darüber geschrieben nicht … Also wollen wir nicht lange herumtun und widmen wir uns dem, was für Krimifans relevant ist!

James Lee Burke ist einer der besten Kriminalschriftsteller der USA. Das stellt er auch mit Band 15 der Reihe um Ermittler Dave Robicheaux eindrucksvoll unter Beweis. Kurz bevor Hurrikan Katrina New Orleans heimsucht, wird Robicheaux mit Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert: Trish Klein, Tochter jenes Mannes, dessen Tod er hilflos mitansehen musste, taucht plötzlich auf. Will sie den Tod ihres Vaters rächen?

Burkes Bücher sind archaisch, da quillt immer wieder dieses “Auge um Auge, Zahn um Zahn”-Prinzip heraus. Vergeltung für Ungerechtigkeit – das kann wohltuend sein, auch diese Funktion können gute Kriminalromane erfüllen. Einen Gerechten zu begleiten, der sich auf seinem Weg die Hände blutig macht. Man sollte sich jedenfalls nicht davon abschrecken lassen. Denn in Burkes Büchern stecken so viele kleine Wahrheiten und Weisheiten. Kaum jemand erzählt so souverän und gekonnt über Menschen und die vielen Grausamkeiten und Gemeinheiten, die sich einem in den Weg stellen. Wie gerne wären wir auch einmal für einen Tag Dave Robicheaux – unbeugsam und erbarmungslos all jenen gegenüber, die es wirklich verdient haben.

Faszinierend ist es auch, dass man eigentlich wahllos ein Buch aus der Robicheaux-Serie herausnehmen kann – die Qualität scheint nicht zu schwanken. Ein ähnliches Gefühl des blinden Vetrauens in den Autor habe ich sonst eigentlich nur bei Ian Rankin und Adrian McKinty (Ausnahme: “The Chain”).

10 von 10 Punkten

James Lee Burke: “Dunkle Tage im Iberia Paris”, übersetzt von Norbert Jakober, Pendragon Verlag, 477 Seiten.

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Sara Gran: Das Ende der Welt / Stadt der Toten

(c) Droemer

(c) Droemer

Sara Grans Krimis sind bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Die meisten werden sie entweder lieben oder hassen. Ich habe mich noch nicht entschieden – und ich will auch erklären warum. Es liegt vor allem daran, dass ich den zweiten Teil der Claire DeWitt-Saga, “Das Ende der Welt”, vor dem ersten Teil, “Die Stadt der Toten”, gelesen habe. Ich bin mit einem Gefühl der Enttäuschung zurückgeblieben. Das sollte tatsächlich die hochgelobte Sara Gran sein? Ich entschloss mich daher, auch den Auftakt der Serie zu lesen.

Das war eine gute Entscheidung, die mich mit der Autorin versöhnt hat. Denn in “Die Stadt der Toten” spielt Gran ihr Können aus. Eigentlicher Hauptdarsteller ist für mich die von Hurrikan Katrina verwüstete und schwer gezeichnete Stadt New Orleans. Die offenen Wunden und schlecht verheilten Narben der Stadt korrespondieren auch mit dem Innenleben der Detektivin Claire DeWitt. Der zweite Teil spielt in San Francisco und in dieser Stadt wirkt DeWitt eher wie ein Fremdkörper.

(c) Droemer

(c) Droemer

Aber auch inhaltlich erzählt Gran in “Die Stadt der Toten” eine faszinierende Geschichte – mit Humor und einer Detektivin die abseits aller Normen agiert und denkt. Das macht wirklich Spaß. Die Krimihandlung steht zwar nicht im Vordergrund, ist aber von Belang. Das ist im zweiten Teil nicht so. Da geht es eigentlich nur um DeWitts Innenleben. Die Krimihandlung driftet irgendwann vollkommen ab. Ich verstehe das zwar nun, da ich den ersten Teil auch kenne, besser. Aber eigentlich ist “Das Ende der Welt” nur ein Zwischenspiel. Vermutlich wäre es am besten die laut Autorin geplanten vier Teile irgendwann in einem Stück zu lesen. Da stört es dann auch nicht, dass sich die Figur DeWitt hemmungslos dem Kokainkonsum hingibt, um gegen die Geister der Vergangenheit und der Gegenwart anzukommen.

Mit der unkonventionellen Detektivin DeWitt hat Gran einen durchaus charmanten Charakter geschaffen, der mich im zweiten Teil aber eher genervt hat. Trotzdem will ich wissen, wie es mit der Heldin weitergeht und wie und ob sich die durch die zwei Teile ziehenden offenen Handlungsstränge auflösen. Oder ist es so, wie es in Teil eins einmal heißt:

“Die Rätsel enden nie.”

Diesen Verdacht werde ich nicht ganz los. Ich vergebe daher folgende Punkte:

Sara Gran: “Die Stadt der Toten”, übersetzt von Eva Bonné, Droemer, 361 Seiten.

8 von 10 Punkten

Sara Gran: “Das Ende der Welt”, übersetzt von Eva Bonné, Droemer, 367 Seiten.

4 von 10 Punkten

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