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Der TV-Metzger ist fad

So gern wollte ich mich mitreißen lassen von einer netten, feinen Metzger-Verfilmung. Ich muss aber zugeben, ich bin enttäuscht. Das liegt allerdings nicht am Hauptdarsteller Robert Palfrader, der einen guten Job gemacht hat, sondern an der unerträglich statischen Erzähl- und Filmweise. Die FAZ trifft das ganz gut: “Der Zuschauer wird schnell vergessen haben, was er da genau konsumierte. Haften bleibt einzig die Vorstellung, die Robert Palfrader gibt.”

Zwar tauchten da wunderbare Landschaftsbilder auf – man hatte mitunter das Gefühl, sich in den Anden, nicht in Tirol zu befinden – aber dieses sekundenlange Starren ohne jede Mimik der Darsteller halte ich schon seit “Der Alte”, “Derrick” und Co. nicht mehr aus. Das ist leider sehr lähmend. Gefehlt hat mir auch dieser sprühende Sprachwitz von Autor Thomas Raab. Es ist fast, als hätte man den Metzger-Romanen ausgerechnet das Herz herausgerissen. Was bleibt ist die Krimihandlung, das Skelett sozusagen. Kein Fleisch darum herum. Das ist weniger als nackt. Und wie jeder Leser weiß, sind es nicht die Plots, weshalb man Metzger-Krimis liest. Der witzigste Moment kommt noch gleich zu Beginn, als Metzger einen Einheimischen nach dem Weg fragt, und ein “Auffe, ume, owe” als Antwort erntet. Ich wollte mich amüsieren, aber irgendwie ging es nicht.

“Mein” Metzger fühlt sich anders an. Ich mag den Metzger, weil er menschenscheu ist. Er hasst die Menschen nicht, aber er mag sie vor allem nicht in Massen. Wie gesagt, Palfrader spielt ihn nicht schlecht, aber beim Lesen von “Der Metzger sieht rot” war ich dieser Figur viel näher. Da konnte ich ihn spüren, diesen Metzger. Wie er sie liebt, seine Danjela. Wie er leidet. Da waren die Dialoge auf den Punkt, im Film war das leider eher hölzern und aufgesetzt. Diese “Familienaufstellung” mittels Nahrungsmitteln fand ich auch eher peinlich als lustig. Die rührselig-kitschige Szene im Krankenhaus ließ mich kofpschütteln. Dabei ist es normalerweise wirklich nicht schwer, mich auf eine emotionale Reise mitzunehmen.

Und: Als Wiener kenne ich mich ja nicht aus, aber sehr tirolerisch und authentisch klang das nicht, was in dem Film gesprochen wurde.

Hoffnung macht mir nun ein wenig das Making-Of der nächsten Folge, die kommende Woche ausgestrahlt wird. Für mich ist der Metzger eher eine urbane Figur, vielleicht war auch nur dieser Alpenkrimi-Einstieg nicht optimal:

 

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KrimiZeit-Bestenliste im Februar: Ein Abgleich

(c) Heyne

(c) Heyne

Die letzten Tage war ich offline, daher war es auch hier still. Ich habe aber die Zeit genutzt, um mir mal ein paar Klassiker des modernen österreichischen Krimis zur Brust (das ist sogar wörtlich gemeint – ja, ich lese gern liegend, das Buch auf der Brust aufgestützt, aber das nur am Rande) zu nehmen: Wolf Haas, Stefan Slupetzky, Thomas Raab (einen Metzger, nicht “Still”) und Heinrich Steinfest. Dazu hier in Kürze mehr!

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Während meiner Offline-Zeit ist die KrimiZeit-Liste für den Februar erschienen. James Lee Burkes “Regengötter” ist von Platz 1 gleich ganz aus dem Krimi-Ranking verschwunden. Dafür hat die Schottin Denise Mina mit “Das Vergessen” die Top-Position übernommen. Eine gute Wahl, wie ich hier demnächst schreiben werde. Dennis Lehane ist mit “The Drop” auf Platz drei eingestiegen – das konnte ich im ersten Moment gar nicht glauben, ich dachte, es handelt sich um einen Wiedereinstieg. Aber offenbar hatte es Lehane bisher tatsächlich nicht auf die KrimiZeit-Liste geschafft. Naja, das war dann also schon längst überfällig.

Was gibt es sonst zu sagen:

  • Jo Nesbos “Der Sohn” wurde mir erst kürzlich empfohlen. Das wäre eine gute Gelegenheit meinen blinden Fleck Nesbo zu beseitigen. Aber vielleicht hat ja jemand von euch einen Tipp, welcher Nesbo-Krimi tatsächlich unumgänglich ist.
  • Auf der Liste erwartet hätte ich mir Thomas Raabs “Still. Chronik eines Mörders”, aber vielleicht ist es dafür zu früh, da das Buch ja erst Mitte Jänner erschienen ist. Ich hoffe, dieses überall hymnisch besprochene Werk als Kontrast zu seiner Metzger-Reihe, die ja nun auch ins Fernsehen (“Der Metzger und der Tote im Haifischbecken” und “Der Metzger muss nachsitzen”) kommt, lesen zu können.
  • Beim Lesen des Verlagstextes von Jesper Steins “Weißglut” musste ich sofort an Nicoles Beitrag darüber denken, was sie nie wieder in Krimis lesen will (Stichwort: Der Ermittler, das Wrack): “… mit Vizekriminalkommissar Axel Steen geht es immer weiter bergab. Sein Haschischkonsum steigt, seine Todesängste fressen ihn auf und dann wird auch noch sein Intimfeind Jens Jessen, der neue Mann an der Seite seiner Exfrau Cecilie, in den Rang eines Polizeichefinspektors befördert und ist somit sein Chef. Erst ein neuer Fall, der ihn bis ins Mark trifft, reißt Axel aus seiner Lethargie: Nach einer Vergewaltigung werden DNA-Spuren gefunden, die zu dem Mord an Marie Schmidt vor vier Jahren passen; dem Mord, der Axels Ehe mit Cecilie ruinierte und beinahe das Leben seiner damals zweijährigen Tochter Emma gekostet hätte.” Viel mehr Wrack geht nicht. Und viel mehr persönliche Involvierung des Ermittlers – das wäre mein Wunsch an Krimiautoren, das doch endlich mal sein zu lassen – geht nun eigentlich auch nicht mehr. Denn das könnte nun mich zur Weißglut bringen (ich weiß, das war jetzt billig, aber so schön aufgelegt). Nahezu kein TV-Tatort kommt ohne diese Schiene aus. Ständig sind irgendwelche Verwandten oder Bekannten oder die Kommissare auf irgendeine Weise in die Fälle (mit Vorliebe irgendeine Beziehung zum Täter oder zum Opfer) selbst verstrickt. Für mich ist das mittlerweile ein starker Grund, die Finger von einem Krimi zu lassen – wenn nicht andere schwerwiegende Gründe dafür sprechen.

Die Liste im Überblick:

1 (2) Denise Mina: Das Vergessen
2 (-) Jesper Stein: Weißglut
3 (-) Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
4 (-) Tana French: Geheimer Ort
5 (8) Oliver Harris: London Underground
6 (-) Norbert Horst: Mädchenware
7 (7) Andrew Brown: Trost
8 (-) Tony Parsons: Dein finsteres Herz
9 (9) Jo Nesbo: Der Sohn
10 (10) Nathan Larson: Boogie Man

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