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Marcie Rendon: “Stadt Land Raub”

(c) Ariadne Verlag

Jahrzehntelang wurden Indigenen in den USA systematisch ihre Kinder weggenommen (landesweit 25 bis 30 Prozent, in einzelnen Bundesstaaten wie Minnesota sogar unvorstellbare 60 Prozent) und als Pflegekinder in weiße Familien gesteckt.

Die widerspenstige 19-jährige Cash Blackbear, die Marie Rendon in ihrem Buch “Stadt Land Raub” porträtiert, teilt dieses Schicksal. Nur schwer findet sich die Außenseiterin im Alltag zurecht. Dennoch ist sie die Einzige, die sich für das Verschwinden einer Reihe weißer, blonder Mädchen interessiert.

Nach ihrem Debüt “Am roten Fluss” (habe ich leider nicht gelesen) schreibt die Autorin erneut über die triste Lage der Native Americans in den 1970ern. Verbessert hat sich aber bis heute nicht viel: Jährlich werden in den USA rund 3000 indigene Frauen entführt oder ermordet.

Verlegerin Else Laudan schreibt über Rendons Buch im Vorwort: “Ihre Erzählweise, seltsam entschleunigt, changiert mit ganz eigenem Rhythmus zwischen Hardboiled-Krimi, Countryballade und staubtrockenem Truth-Telling über die US-Realität der 1970er Jahre und die vielfältig beraubten Native Americans”. Besser kann man es nicht zusammenfassen.

8 von 10 Punkten

Marcie Rendon: “Stadt Land Raub”, übersetzt von Jonas Jakob, Ariadne-Verlag, 237 Seiten.

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