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Krimis, die man 2016 lesen sollte (VII)

(c) Liebeskind

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Ich weiß, ich bin mit meiner monatlichen Empfehlungslliste ziemlich in Verzug geraten. Dieser Blogsommer war nicht ganz so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Aber der Herbst wird mir wohl wieder mehr Zeit gönnen. Die folgenden Bücher sind jedenfalls seit Juli im Handel erhältlich und klingen vielversprechend.

Von Donald Ray Pollocks Qualitäten konnte ich mich schon mit dem knochenharten und knochentrockenen “Knockemstiff” überzeugen. Leicht war diese Lektüre damals nicht: “In knappen Sätzen erzählt er mehr als viele “Literaten” in hundertseitigen Büchern. Und manchmal empfiehlt es sich auch, das Buch nach einem Kapitel wegzulegen. Um durchzuatmen und sich in seiner eigenen Welt wohlzufühlen”, schrieb ich 2013. “Die himmlische Tafel” klingt nun aber viel mehr nach einem klassischen Kriminalroman. Mal sehen.

Verlagstext: Georgia, 1917. Der Farmer Pearl Jewett will sich durch seine Armut auf Erden einen Platz an der himmlischen Tafel verdienen – und seine drei Söhne darben mit ihm, ob sie wollen oder nicht. Nachdem Pearl von den Entbehrungen ausgezehrt stirbt, müssen sich die jungen Männer allein durchs Leben schlagen. Auf gestohlenen Pferden und schwer bewaffnet plündern sie sich ihren Weg durchs Land. Dabei folgen sie den Spuren ihres großen Helden »Bloody Bill Bucket«, einem Bankräuber aus einem Groschenroman, neben der Bibel das einzige Buch, das die Jewett-Brüder kennen … Einige Hundert Meilen entfernt, im Süden Ohios, wird Ellsworth Fiddler von einem Trickbetrüger um sein ganzes Geld gebracht. Als sein Weg den der schießwütigen Jewetts kreuzt, wendet sich sein Schicksal unerwartet zum Guten. Die Brüder hingegen müssen einsehen, dass der Himmel, den man sich gemeinhin ausmalt, oft schlimmer ist als die Hölle, der man entfliehen will.

(c) Polar

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Der Polar-Verlag fehlt nur selten bei den monatlichen Empfehlungen und auch diesmal gräbt der Verlag wieder einen Kriminalroman aus, der sonst in Vergessenheit geraten würde. Das nicht mehr ganz neue “Ein einziger Schuss” von Matthew F. Jones hat es sogar zu Filmehren geschafft. Das klingt ganz nach einer Geschichte, die einfach nicht gut ausgehen kann. Gut so 😉

Nach dem Verlust seiner Farm ist John Moon ein verzweifelter Mann. Um nicht zum Sozialfall zu werden, schlägt er sich als Wilderer durch. Bei einem seiner Waldgänge hört er ein Rascheln hinter sich und feuert einen verhängnisvollen Schuss ab. Er folgt der Blutspur, stößt in einem Steinbruch auf eine tote junge Frau, die er durch seinen verirrten Schuss getötet hat, und findet eine Box mit Geld und eine Waffe. Er sieht sich plötzlich dem Dilemma gegenüber, das Geld an sich zu nehmen, die Tote zu ignorieren oder die Polizei zu rufen und seine Tat zu gestehen. Was bei seinem Strafregister zu einer Verurteilung führen wird. Bevor er sich entscheiden kann, befindet er sich bereits auf der Flucht vor denjenigen, denen das Geld gehört. Männern, die sich nicht um Recht und Gesetz kümmern und nur seinen Tod wollen.

(c) Tropen

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Auch Patrícia Melos “Leichendieb” war ein Krimi-Highlight des Jahres 2013. Bleibt zu hoffen, dass das aktuell erschienene Werk der Brasilianerin “Trügerisches Licht” da mithalten kann. Die Meinungen, die ich bisher gelesen habe, gehen da ein wenig auseinander.

Sensationslust folgt überall den gleichen Regeln: Schön ist interessanter als hässlich, reich spannender als arm, und nichts geht über einen ermordeten Star. Ein abgründiger Krimi über den Kontrast zwischen glamouröser Fernsehwelt und einem Brasilien, das im Chaos versinkt.

Tatort São Paulo: Bei einer Theatervorstellung erschießt sich der Serienstar Fábbio Cássio auf der Bühne. Schnell ist der Kriminaltechnikerin Azucena klar, dass dieser Selbstmord in Wahrheit ein geschickt inszenierter Mord ist. Zunächst fällt ihr Verdacht auf die Ehefrau des Toten, die zur Tatzeit Kandidatin einer Reality-Show ist und deren Beliebtheitswerte beim Publikum nach Fábbios Tod in die Höhe schnellen. Und während Azucena noch um das Sorgerecht für ihre Töchter kämpft, wird sie mit einem skrupellosen Mörder konfrontiert, der es am Schluss auf die Ermittlerin selbst abgesehen hat.

(c) Suhrkamp

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Von Charlie Stella habe ich bislang noch überhaupt nichts gehört gehabt. “Johnny Porno” klingt aber durchaus vielversprechend. Kann aber auch Schrott sein. Da muss man sich wohl selbst überzeugen.

John Albano schlägt sich als Geldeinsammler für die New Yorker Cosa Nostra durch. Er kassiert die Tageseinnahmen, die beim Abspielen des von der Mafia produzierten Pornofilms und späteren Welthits Deep Throat in schmuddeligen Hinterzimmern anfallen. Bezahlt wird hauptsächlich mit 5-Dollar-Scheinen, die Johnny Porno (so nennt man den Mann, der diesen Job macht) in seinem Schrottauto durch die Gegend fährt. Das erweckt Begehrlichkeiten, und so sind sie alle hinter Johnny Porno her: korrupte Cops, neurotische Killer, freischaffende Schurken, das FBI und seine sehr gierige Ex-Frau. New Yorker Streetlife im Jahr 1973. Sehr komisch, gemein und knallhart.

(c) Fischer

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Malcolm Mackays “Der Killer  hat genug vom Töten” ist der Abschluss einer Trilogie, die durchaus vielversprechen begann (“Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter”), deren Mittelteil (“Der Killer hat das letzte Wort”) aber wenig überzeugte. Ich weiß nicht, ob ich den Schlussteil nun lesen werde. So richtig Lust habe ich momentan nicht darauf.

Coole Spannung vom neuen Star der schottischen Krimiautoren.
Mit zwei Toten beginnt es: ein Kredithai und ein Informant. Tote, die für Calum MacLean der Anfang vom Ende sein sollen. Denn er hat genug vom Töten. Doch die zwei wichtigsten Organisationen von Glasgow liefern sich gerade einen stillen, tödlichen Verdrängungskampf. Die blutigsten Schachzüge stehen noch aus und Calum gerät zwischen die Fronten … Es ist das atemberaubende Finale der Glasgow-Trilogie, die mit dem »Scottish Crime Book of the Year Award« ausgezeichnet wurde und Malcolm Mackay für die Presse als die wichtigste neue Krimistimme Schottlands etabliert.

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Malcolm Mackay: Der Killer hat das letzte Wort

(c) Fischer

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Malcolm Mackays Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” hat mich im Vorjahr überzeugt. Ich habe mich deshalb auch schon auf die Fortsetzung “Der Killer hat das letzte Wort” gefreut. Doch diesmal hat mich Mackay ein wenig genervt. Es ist eigentlich genau so, wie es Marcus Müntefering auf Krimi-Welt schreibt: “Immer wieder gelingen Mackay intensive Passagen, vor allem die Unterhaltungen unter den sich belauernden Kriminellen, die sich zumeist in Andeutungen ergehen, jede Eindeutigkeit zu scheuen scheinen, bereiten großes Lesevergnügen. Doch dann steht MacKay sich selbst immer wieder im Weg: Er ist geschwätziger als eine alte Witwe, die nur einmal in der Woche Besuch bekommt. Alles wird erklärt, ausgeschmückt, jede Szene in die Länge gezogen. Hier könnte ein Lektor Wunder wirken – auf 200 Seiten wäre dieser kleine Glasgow-Krimi sicherlich ein großes Vergnügen.” Hätte Jamis Sallis dieses Buch geschrieben, wäre es wohl perfekt geworden, so aber ist es wirklich geschwätzig, obwohl es eigentlich das Gegenteil sein will.

Mich hat aber noch mehr gestört. Im ersten Band hat mich Mackays ökonomische Sichtweise der Verbrecherwelt beeindruckt. Unnötige Gewalttaten schaden dem Geschäft usw. Doch diesmal hat es Mackay aus meiner Sicht übertrieben. Man bekommt das Gefühl, dass hier nur klug kalkulierende Geschäftsmänner am Werk sind. Das ist dann wohl doch eine naive Vorstellung von Verbrechern. Nur wenn es absolut notwendig ist, muss Blut fließen. Ich fürchte, hier spielen Emotionen – Geschäft hin oder her – allzu oft eine wichtige Rolle.

Nicht ganz glaubhaft war für mich auch, dass die erste Fehlleistung des alternden, aber absolut loyalen Killers Frank MacLeod innerhalb von 30 Jahren gleich zu derartigen Konsequenzen führt. Wäre die Verbrecherwelt nur auf absolute Profis, die niemals Fehler machen, angewiesen, dann gäbe es wohl keine Verbrecherwelt mehr. Verbrechen als reines Handwerk von Profis hochzustilisieren, das finde ich schon ein wenig befremdlich – und eben unglaubwürdig. Wenn schon Firmen Probleme habe, gute Leute zu finden, dann wird das ausgerechnet den Verbrechern gelingen. Ich glaube nicht, dass es für das Organisierte Verbrechen leistbar ist, einen alternden Killer nach einem Fehler auf die Abschussliste zu setzen. Noch dazu, wenn ausführlich beschrieben wird, wie perfekt dieser eigentlich sein muss, um den Ansprüchen der Verbrecherbosse zu genügen. Wo soll man solche Leute denn dann noch finden?

Ständig wird auch darüber nachgedacht, was die anderen denken und was in den anderen vorgeht. Als absolute Profis haben sie auch alle Verständnis für die Handlungsweisen ihrer Mit- und Gegenspieler. Hier werden meiner Meinung nach alle Figuren stark überhöht. Seltsam fand ich aber auch die Auswegslosigkeit der beiden Killer, des alternden Frank und des jungen Calum: “Er ist ein Killer und wird nie etwas anderes sein. Man lebt so lange als Killer, dass man einfach kein anderer Mensch mehr werden kann.” So ist es für Calum ein Problem, dass er seit Monaten eine Freundin hat. Denn: Killer müssen ein einsames Leben führen. Frank wiederum zieht Flucht als Möglichkeit nicht einmal wirklich in Betracht, oder die Chance irgendwo anders mit all seinem Geld ein neues Leben anzufangen. Eigentlich sind alle Figuren Mackays Gefangene – so kommt es einem zumindest vor.

Im Frühjahr 2016 kommt Teil drei auf den Markt. Und ich weiß nicht warum, aber ich werde es wie Marcus halten und auch dieses Buch lesen…

5 von 10 Punkten

Malcolm Mackay: “Der Killer hat das letzte Wort”, übersetzt von Thomas Gunkel, 370 Seiten, Fischer Verlag.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (III)

(c) suhrkamp nova

(c) suhrkamp nova

Schon über den Februar hatte ich geschrieben, er sei ein Krimi-Wonnemonat. Der März steht dem Vormonat aber kaum nach. Einerseits ist da gleich zu Beginn Adrian McKintys dritter Teil der Sean-Duffy-Serie erschienen. “Die verlorenen Schwestern” ist seit 7. März im Handel und bei mir Pflicht. Ich habe hier sowohl Teil 1 (“Der katholische Bulle”) als auch Teil 2 (“Die Sirenen von Belfast”) hymnisch besprochen. Trotzdem bin ich enttäuscht vom Verlag: Kamen die ersten beiden Bände als Hardcover heraus, ist “Die verlorenen Schwestern” bloß als Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung herausgekommen: also als “großes” Taschenbuch (wie auch immer der Fachausdruck dafür sein mag). Sieht im Regal nicht so toll aus. Aber der Inhalt wird diesen Makel wohl wieder wettmachen. Der Verlag schreibt: “Nordirland, 1983. Als an einem Septembertag 38 IRA-Terroristen aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbrechen, herrscht höchste Alarmbereitschaft: Unter den Flüchtlingen befindet sich der in Libyen ausgebildete Bombenspezialist Dermot McCann. Inspector Sergeant Sean Duffy drückte mit McCann die Schulbank, weshalb mit einem Mal der MI5 vor seiner Tür steht. Duffy soll McCann finden.”

(c) Heyne

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Sehr vielversprechend klingt auch Richard Lange düsterer Krimi “Angel Baby”  (9. März), der immerhin mit dem Hammett Prize ausgezeichnet wurde. Verlagstext: “Im Leben von Luz ist einiges schiefgelaufen: Sie hat ihre kleine Tochter in Los Angeles zurückgelassen, um in Tijuana einen mächtigen Drogenboss zu heiraten. Seither lebt sie wie eine Gefangene in Rolandos bizarrer Villa und ist seiner Willkür ausgeliefert. Doch heute ist der Tag, an dem Luz ihre Fehler wiedergutmachen wird. Sie schießt ihre Bewacher nieder, räumt den Tresor leer und flieht in Richtung Grenze. Alles oder nichts. Das Schicksal wird entscheiden, ob sie ihre Tochter findet oder beim Versuch draufgeht.” Eigentlich kann ich da nicht widerstehen. Und ich entdecke immer wieder gern neue Stimmen.

(c) Luchterhand

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Benjamin Percy hat seit “Wölfe der Nacht” und vor allem “Roter Mond” (das Werwolf-Drama habe ich ja zum besten Krimi 2014 gewählt) einen großen Stein bei mir im Brett. : Mit “Jemand wird dafür zahlen müssen” sind seit 23. März nun erstmals auf Deutsch Kurzgeschichten des jungen Autors erhältlich. Der Verlag schreibt: “Viele der jungen Männer in Benjamin Percys atemberaubenden Geschichten stammen aus zerbrochenen Familien, finden keinen Halt in ihren Freundeskreisen und müssen das Undenkbare tun, um sich – und allen – zu beweisen, dass sie stark genug sind, um sich dem Schmerz dieser Welt zu stellen. Percy siedelt seine Erzählungen im ländlichen Oregon an, seine Helden kämpfen, jeder für sich. Ihre Gegner sind höchst unterschiedlich: ein verrückter Bär, ein Haus mit einem Keller, der sich in eine Höhle öffnet, ein Unfall, der den geliebten Menschen das Leben kostet, eine Fehlgeburt, die ein Paar sprachlos zurücklässt und einander entfremdet. Eines haben all ihre Kämpfe gemeinsam: Immer sind es die Narben, die ihre Geschichten erzählen, selbst wenn sie unsichtbar sind.”

(c) Fischer

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Auch Malcolm Mackay hat mich mit seinem Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” überzeugt. Nun ist “Der Killer hat das letzte Wort” erschienen (26. März), der zweite Teil seiner Glasgow-Trilogie. Der Verlag schreibt: “Frank MacLeod war der beste in seinem Fach. Überlegt. Effektiv. Skrupellos. Aber ist er immer noch der beste? Er bekommt einen neuen Auftrag. Ein Ziel. Aber diesmal wird etwas furchtbar schiefgehen. Der zweite Thriller nach ›Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter‹ nimmt die Leser mit auf die dunkle Seite von Glasgow. Wer zwischen die Fronten gerät, darf sich keinen Fehler erlauben. Denn Fehler sind tödlich.” Interessant ist, dass offenbar die Erzähperspektive wechselt. Denn der alternde Frank MacLeod spielte in Teil eins nur eine Nebenrolle, im Zentrum stand da der jüngere Killer Calum MacLean. Klingt ein wenig nach Don Winslows “Frankie Machine”.

(c) Heyne Hardcore

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Von Ryan David Jahn habe ich bereits “Der Cop” gelesen. Das war aus meiner Sicht ein solider und äußerst spannender Thriller um einen Cop, dessen Tochter vor sieben Jahren verschwand und vor vier Monaten für Tod erklärt wurde. Dann plötzlich erhält er einen Anruf von ihr… “Der letzte Morgen” (30. März) verspricht nun klassische Unterwelt-Lektüre: “Los Angeles. Zwei Morde in derselben Nacht bringen den Unterweltboss James Manning in Bedrängnis. Ein Sündenbock muss her. Eugene Dahl, ein einfacher Mann, der morgens Milch ausliefert und abends Barhocker wärmt, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Doch er weigert sich, zum Spielball des organisierten Verbrechens zu werden. Um seine Haut zu retten, wird er Dinge tun müssen, die weit schlimmer sind als alles, was man ihm vorwirft.” Ich mag zwar mittlerweile Serien, aber ich weiß es immer noch sehr zu schätzen, wenn Krimiautoren sich ständig neu erfinden. Ryan David Jahn dürfte zu dieser Kategorie zählen. Denn sein Debütroman “Ein Akt der Gewalt” handelt wieder von etwas ganz anderem.

sturmueberneworleansJames Lee Burkes “Sturm über New Orleans” ist eigentlich schon Mitte Februar erschienen, ich habe sein Buch offenbar übersehen. Mittlerweile stecke ich allerdings gerade in der Lektüre und ich bin begeistert. “Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt.” Und mittendrin ermittelt Burkes Kultfigur Dave Robicheaux. Für alle, die es noch nicht wissen sollten: Burke hat ja mit “Regengötter” den Deutschen Krimipreis 2015 gewonnen und auch die KrimiZeit-Jahresliste 2014 angeführt. Es feiert also im deutschsprachigen Raum eine kleine Wiederauferstehung. Sehr fein, dass da der feine Kleinverlag Pendragon nachlegt – noch dazu mit Burkes wütendstem Buch, wie er im Vorwort selbst sagt: “Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande.”

(c) dtv

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Tja, und ein Buch hätte ich jetzt fast übersehen. Ich dachte, es würde erst im April erscheinen. Lyndsay Faye legt mit “Die Entführung der Delia Wright” ihren zweiten historischen Roman rund um den New Yorker Polizisten Timothy Wilde vor. Band eins, “Der Teufel von New York”, hat mich vor einem Jahr ziemlich begeistert. “1846. Vor einem halben Jahr wurde die Polizei von New York gegründet. Timothy hat sich als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen. Und er glaubt sich ganz gut auszukennen mit dem Verbrechen in seiner Stadt. Dann erscheint die schöne Blumenverkäuferin Lucy Adams in seinem Amtszimmer: Ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Tims Ermittlungen führen ihn in ungeahnte Abgründe. Denn Lucys Familie ist »gemischter«, also nicht rein weißer Abstammung. Freie schwarze Bürger im Norden der USA sind Freiwild für Verbrecherbanden, die sie in ihre Gewalt bringen und als Sklaven in die Südstaaten verkaufen. Der Einzige, der Tim jetzt helfen kann, ist sein schillernder Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, korrupter Politiker, Frauenheld und noch einiges mehr. Als aber in Valentines Bett eine Leiche gefunden wird, muss Tim seinem ungeliebten Bruder beistehen …”

 

 

 

 

 

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Malcolm Mackay: Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter

(c) Fischer Taschenbuch

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Malcolm Mackays Debüt und Auftakt seiner “Glasgow-Trilogie” ist ein gutes Beispiel dafür, warum schottische, irische und britische Krimiautor bei mir momentan wenig falsch machen können. “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” liest sich angenehm unaufgeregt und teilweise wie eine Einführung in die Ökonomie der Glasgower Unterwelt. Ein wenig hat mich Mackays Buch auch an “Die Freunde von Eddie Coyle” von George V. Higgins erinnert. Nicht dass Mackays Krimi so dialoglastig wäre, aber nach der Lektüre von Mackays Buch hat man das Gefühl, das Killer auch nur ein Job wie jeder andere ist. Und wie in jedem Job gibt es Profis und Stümper.

Calum MacLean gehört eindeutig in die erste Kategorie. Er ist ein Berufskiller. Ihm macht das Morden keinen Spaß. “Jemanden richtig umzubringen, ist schwer. Wer es richtig macht, weiß das. Wer es schlecht macht, lernt es. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen. Auch die guten Leute wissen das.” Calum, der bislang nur für sich selbst gearbeitet hat, steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Soll er fix für Peter Jamieson und seine Organisation arbeiten? Das hat seine Vor- und Nachteile. Die muss er abwägen.

Sein Auftrag: Er muss den Kleinkriminellen Lewis Winter beseitigen. Was folgt, ist ein feiner Krimi – Thriller ist hier eigentlich nicht ganz passend, dafür ist die Geschichte zu langsam erzählt, obwohl sie durchwegs spannend ist. Mackay erfindet das Genre nicht neu, sondern bleibt innerhalb seiner Grenzen (obwohl ihm zum Beispiel Thomas Wörtche auf culturmag vorwirft, das Rad neu erfinden zu wollen). Das kann auch wohltuend sein. Zudem erzählt Mackay seine Geschichte nicht nur aus der Perspektive von Calum, sondern auch aus der Sicht der Opfer und des ermittelnden Polizisten – und das überzeugend.

Der “Scotsman” bezeichnet Mackay als einen modernen Raymond Chandler. Das ist ein wenig voreilig, aber Mackay ist zweifellos auf einem guten Weg. Ich freue mich schon auf Teil zwei, “Ein Killer hat das letzte Wort”.

Was meinen die anderen? Sonja von zeilenkino sieht das sehr ähnlich: “Bemerkenswert ist zudem die Unaufgeregtheit – nicht zu verwechseln mit Lakonie, denn Mackas Sätze sind zwar kurz, aber er erzählt äußert detailliert –, mit der von der Welt des Verbrechens erzählt wird.” Und: “Denn Verbrechen, so erscheint es letztlich bei Mackay, ist ein Geschäft wie jedes andere.” Ehrlich, Sonja: Ich habe deinen Text erst gelesen, nachdem ich meine Zeile geschrieben habe 😉

Und Micha schreibt in seinem Blog wassollichlesen: “Wer ein fesselndes Buch ohne große Effekthascherei und dafür Authentizität lesen möchte, sollte hier zugreifen!” Dem will ich nichts hinzufügen.

8 von 10 Punkten

Malcolm Mackay: “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter”, 365 Seiten, Fischer.

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Ich.möchte.unbedingt.lesen

So, da nehme ich schon wieder ein Bloggerstöckchen auf, das ich diesmal aber nicht weitergeben werde. Zugeflogen ist es mir vom feinen Blog Kaffeehaussitzer. Danke! Die Aufgabe: Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein.

Also gut, hier sind meine (wahrscheinlich) nächsten fünf Bücher:

(c) dtv

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“Mirage” von Matt Ruff

Meine Nummer eins auf der Leseliste. Da führt eigentlich kein Weg daran vorbei. Ich habe ein Faible für dystopische bzw. Parallelwelt-Thriller entwickelt. Nach “Spademan” und “2/14” ist “Mirage” da nur eine logische Konsequenz. “Mirage” fällt dabei in die Kategorie 9/11-Parallelwelt-Thriller. Ich habe hier ja voriges Jahr schon über den Parallelwelt-Krimi “Osama” geschrieben. Dieses Spiel von Realität mit Fiktion, Wissen und Halbwissen und Was-wäre-wenn ist unheimlich spannend.

(c) Penhaligon

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“Roter Mond” von Benjamin Percy

Tja, dann kommt gleich der nächste dystopische Roman. Benjamin Percy, von dessen Buch “Wölfe der Nacht” ich voriges Jahr schwer begeistert war, legt einen Werwolf-Roman vor, der aber weit über kitschige Vampir- und Werwolf-Fantasien hinausgehen dürfte und sehr sozialkritisch sein soll. John Irving sagt über dieses Buch laut Klappentext: “Hätte George Orwell sich eine Zukunft mit Werwölfen ausgemalt, dann wäre genau dieser Roman dabei herausgekommen.” Wenn das nur annähernd stimmt …

(c) dtv premium

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“Der Teufel von New York” von Faye Lyndsay

Mit diesem Buch würde ich dann wieder ein wenig aus meinem futuristischen Trend ausbrechen und eine Reise in das New York des Jahres 1845 wagen. In diesem Jahr wird die Polizeitruppe von New York gegründet, ihr erste richtige Bewährungsprobe steht an, als ein verstörtes Mädchen einem Polizisten auf der Straße in die Arme läuft. Sie hat ein mit Blut getränktes Nachthemd an und kann nicht sagen wie sie heißt, oder was ihr passiert ist. Kurz darauf werden 19 Kinderleichen gefunden.

(c) Fischer Taschenbuch

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“Der unvermeidliche Tod von Lewis Winter” von Malcolm Mackay

Ich habe erstmals vor zwei Jahren von dem Buch gehört und war begeistert, als bekannt wurde, dass es ins Deutsche übersetzt wird. Hauptfigur ist ein Killer in Glasgow. Er soll den titelgebenden Lewis Winter töten. Schottische Krimis zählen momentan zu meinen Lieblingsbüchern. Zuletzt haben mich Howard Linskey (“Crime Machine”) und Christopher Brookmyre (“Die hohe Kunst des Bankraubs”) so richtig vom Hocker gehauen. Bin schon mal gespannt, ob Mackay, der angeblich eine Glasgow-“Trilogie” schreibt, mich auch überzeugen kann.

(c) ariadne

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“Ausbruch” von Dominique Manotti

Mit der französischen Ausnahmeautorin habe ich noch eine Rechnung offen. Mit ihrem hochgelobten Buch “Letzte Schicht” (KrimiWelt-Bestenliste Rang 3, Deutscher Krimipreis Rang 3) bin ich vor zwei Jahren einfach nicht zurecht gekommen. Das lag wohl auch an meiner damaligen Stimmung, ich habe immer nur ein paar Seiten auf einmal gelesen und habe nie einen Zugang gefunden. Was mich besonders reizt: Das Buch soll politischer Roman noir und Reflexion über den literarischen Schöpfungsakt zugleich sein.

 

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Fünf Krimis, auf die ich 2014 am meisten gespannt bin

Ich kann es nicht verhehlen: Ich mag Listen! Darum will ich hier auch kurz jene fünf heuer erscheinenden Krimis vorstellen, auf die ich aus heutiger Sicht mordsmäßig (ich weiß, das ist platt!) gespannt bin.

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Lauren Beukes: “Shining Girl” (seit 1. Februar)

Harper Curtis lebt in Chicago zur Zeit der Großen Depression auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Er will das Licht der «Shining Girls», gemeint sind hübsche Tänzerinnen, für immer auslöschen. Da findet er einen Schlüssel zu einem Portal und reist von nun an durch die Zeit, um zu töten. Er hinterlässt am Tatort Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Als eines seiner Opfer überlebt, beginnt es, den Killer durch die Zeit zu jagen. Das kann Schrott sein – oder genial.

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Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York” (1. März)

Und noch eine Zeitreise: Diesmal in das New York des Jahres 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Eines Tages läuft dem Polizisten Timothy Wilde ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme – bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Kurz darauf findet Timothy auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen… Der Krimi von Lyndsay Faye dürfte auch politische Hintergründe beleuchten, was diesem Krimi einen besonderen Reiz verleiht.

(c) Heyne Hardcore

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Adam Sternbergh: “Spademan” (3. März)

Ein Krimi mit futuristischen und apokalyptischen Zügen. Eine zweite große Terrorwelle am Times Square hat New York City lahm gelegt, heißt es im Verlagstext. Und weiter: “Die Stadt ist verlassen, nur einige Reiche verharren in ihren Hochhauslofts und leben in einer Art digitaler Fantasiewelt, wo sie von schönen heilen Welten träumen. Doch inmitten der ausgebombten Stadt gibt es einzelne Menschen, die geblieben sind. Einer davon ist der Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sich jetzt als eiskalter Auftragskiller über Wasser hält.” Hier gilt dasselbe wie für Beukes. Das kann Müll (und wieder konnte ich nicht widerstehen ;-)) sein – oder genial.

(c) Fischer Taschenbuch

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Malcolm MacKay: “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” (27. März)

Schotte Nummer eins. “Die bedeutendste neue Stimme in der schottischen Spannung! Authentisch, stilsicher, ein moderner Raymond Chandler”, schreibt der Scotsman. Der Untertitel im Original sagt jedenfalls schon viel aus. “It’s hard to kill a man well”. Der Verlag schreibt dazu: “Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.” Kann da überhaupt noch etwas schiefgehen?

(c) Knaur

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Howard Linskey: “Gangland” (1. Juli)

Schotte Nummer zwei. Linskey ist einer der Gründe, warum ich schottische Krimis momentan so liebe. Sein Vorgänger “Crime Machine” war für mich 2012 unter den Top-3-Krimis. “Mit ‘Crime Machine’ liefert Autor Howard Linskey einen harten Thriller erster Güte, der sich souverän innerhalb der Grenzen des Genres bewegt”, habe ich damals geschrieben. “Linskey schafft es scheinbar mühelos, einen harten Gangsterroman zu schreiben, der mit Dramatik, Witz und Gewalt nicht geizt und gleichzeitig in der Lage ist, über sich selbst zu reflektieren”, urteilte krimicouch.de. In “Gangland” kehrt nun der Newcastler Gangster David Blake zurück.

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