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Malla Nunn: Zeit der Finsternis

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Ich weiß auch nicht warum, aber der südafrikanische Kriminalroman ist bis jetzt so ziemlich an mir vorbeigegangen. Und Max Annas “Die Mauer” ist ja doch eher ein deutscher als ein südafrikanischer Krimi.

Doch nun habe ich Malla Nunns “Zeit der Finsternis” gelesen. Dieses Buch ist vor allem eine fesselnde Geschichtsstunde. Nunn nimmt den Leser auf eine packende Zeitreise mit ins Jahr 1953, als in Südafrika die Apartheid noch jung war. Detective Sergeant Emmanuel Cooper wandelt selbst ständig auf Messers Schneide, weil er ein “unreines” Verhältnis bzw. Kind hat. Gleichzeitig muss er in einem Fall ermitteln, in dem schon bald klar ist, dass der verdächtige schwarze Jugendliche nicht der Täter sein kann.

Doch wie dessen Unschuld beweisen, wenn der korrupte Polizeiapparat gegen dich arbeitet?

“Er musste auftreten wie ein Diplomat, aber bereit sein, einen verdeckten Krieg zu führen.”

Nunn überzeugt durch einen feinen Blick für Details. Einmal heißt es, man müsse warten, bis eine der Sekretärinnen vom Polizeirevier entreffe, bevor die Zeugin befragt werden könne, denn sie brauche “weibliche Einfühlung”:

“Weibliche Einfühlung war Polizeijargon für ‘Die Zeugin ist hysterisch und hört nicht auf zu heulen, obwohl wir es angeordnet haben.'”

Der Autorin gelingt es, die Zeit von damals begreifbar, fast fühlbar, zu machen. Nachvollziehbar wird, unter welchem Druck alle Menschen angesichts dieses erbarmungslosen Regimes standen. Wenn Cooper seine verheimlichte Frau ganz normal zum Tanz ausführen will, offenbart sich, wie abnormal die ganze Situation in der südafrikanischen Gesellschaft des Jahres 1953 eigentlich ist.

8 von 10 Punkten

Malla Nunn: “Zeit der Finsternis”, übersetzt von Laudan & Szelinski, Ariadne Kriminalroman, 304 Seiten.

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