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Krimis, die man 2016 lesen sollte (II)

(c) Suhrkamp

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Der Verlag lässt Autor Tom Franklin “Bull Mountain” (seit 8. Februar im Handel) allen Fans von Dennis Lehane und Daniel Woodrell empfehlen. Das klingt ja schon einmal ausgezeichnet. Kann da noch was schiefgehen? Ich werde es wohl bald wissen.

Verlagstext: Der Burroughs-Clan ist der größte Anbieter von Schwarzgebranntem, Hasch und Crystal Meth in Georgia und Umgebung. Seit Generationen hat er Bull Mountain fest im Griff. Und er verteidigt seine Stellung mit allen Mitteln. Um sich aus diesem Familiensumpf zu ziehen, wurde Clayton Burroughs Sheriff. Doch er weiß, dass er und Bull Mountain erst dann Frieden gefunden haben werden, wenn es ihm gelingt, seinen Brüdern endgültig das Handwerk zu legen.

(c) Unionsverlag

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Garry Dishers “Dirty Old Town” hat mich vor zwei Jahren begeistert. Berufsverbrecher Wyatt, so etwas wie der australische Cousin oder Bruder von Richard Starks Kultfigur Parker, ist eine unvergessliche Figur. Aber umso feiner, dass in Dishers neuestem Streich “Bitter Wash Road” (seit 15. Februar) ganz anderes Personal ran darf. Noch dazu wird die Geschichte diesmal aus Polizistensicht geschildert.

In der Nähe von Tiverton, einer Kleinstadt in Australiens Nirgendwo, wird ein Mädchen tot am Straßenrand gefunden. Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, übernimmt den Fall. Er glaubt nicht an einen Unfall mit Fahrerflucht. Einsam und isoliert durchquert der Constable die unwirtliche Landschaft, vorbei an mageren Schafen, schäbigen Höfen, stellt unbeirrt seine Fragen und lernt eine Kleinstadt kennen, unter deren Oberfläche Enttäuschung und Wut, Rassismus und Sexismus brodeln. Hirsch rüttelt an der trügerischen Stille und wirbelt nicht nur den Staub der ausgedörrten Straßen auf.

(c) dtv premium

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Lyndsay Fayes Auftakt “Der Teufel von New York” zu dieser historischen Trilogie habe ich 10 von 10 Punkten gegeben. Das war einfach fabelhaft. Dennoch habe ich Teil zwei, “Die Entführung der Delia Wright” verpasst. Nun liegt mit “Das Feuer der Freiheit” (19. Februar) der Abschluss der Trilogie vor. Da ich die Bücher chronologisch lesen will, wird es noch eine Weile dauern, bis ich mich Fayes neuem Krimi widmen werde.

In den Straßen des historischen New York geht ein Feuerteufel um – oder ist es womöglich eine Teufelin …? Der ausbeuterische Unternehmer und Abgeordnete Robert Symmes lässt Näherinnen unter unerträglichen Bedingungen arbeiten: Hat eine von ihnen Drohbriefe verfasst und seine Fabrik in Brand gesetzt? Oder war es die Frauenrechtlerin Sally Woods, die sich höchst verdächtig benimmt? Ein halbverhungertes Waisenkind scheint den Schlüssel zu dem Geheimnis zu besitzen, doch niemand weiß seine Äußerungen richtig zu deuten. Es ist an Timothy Wilde, dem Polizisten wider Willen, Schlimmeres zu verhindern – indem er möglichst schnell den Täter findet.

(c) Tropen Verlag

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Massimo Carlotto hingegen konnte mich bislang nicht so wirklich überzeugen. Sowohl “Der Flüchtling” als auch der Sardinien-Umweltkrimi “Tödlicher Staub” hinterließen mich mit einem zwiespältigen Gefühl. Der Autor mit bewegender Biografie (er war jahrelang flüchtig, weil er in Italien unter Mordverdacht stand) hat mich einfach erzählerisch biser nicht packen können. Naja, ich habe in die Textprobe des Verlags reingeschmökert und das klingt heftig, aber sehr interessant.

Es gibt nichts, was Giorgio Pellegrini fremd ist: Vergewaltigung, Erpressung, Flucht, Verrat, Knast, Mord. Je mehr Verbrechen er begeht, desto näher kommt er seinem Ziel, eine bürgerliche Existenz zu führen. Als er dieses Ziel erreicht hat, will er es nicht mehr aufgeben – koste es, was es wolle.

(c) Liebeskind

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Daniel Woodrell habe ich ja schon einmal erwähnt. “In Almas Augen” war ein kleines Meisterwerk. Nicht viel weniger erwarte ich mir von “Tomatenrot”, das am 25. Februar erschienen ist.

Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer: die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler.

(c) Goldmann

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Zum Schluss will ich noch einen Thriller empfehlen, der für sich vielleicht nicht so aufregend ist. Aber die Reihe rund um den Auftragskiller Victor ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Da mir das mit Lee Childs Jack Reacher auch lange passiert ist, will ich hier nicht so lange warten. Vermutlich ist “Dark Day” (15. Februar) nicht unbedingt der beste Teil, aber ich will damit auf diese Serie aufmerksam machen, die immer wieder sehr gelobt wird. Und der Aspekt mit dem Blackout klingt gut. Wer weiß mehr über Wood? Schreibt mir doch.

Raven ist Profikillerin. Lautlos wie ein Schatten eliminiert sie ihre Opfer, bevor diese ihre Anwesenheit auch nur erahnen. Doch diesmal könnte sie das falsche Ziel im Auge haben: Victor. Ein Killer wie sie. Ein Profi so paranoid wie rücksichtslos und perfekt darin, jeden Verfolger auszuschalten. Er spürt Raven rund um den Globus nach, nicht nur, um die Gefahr zu beseitigen, sondern um herauszufinden, wer ihr den Auftrag zu seiner Ermordung gab. In New York treffen die beiden schließlich aufeinander – ausgerechnet, als dort ein Blackout die Stadt ins Chaos stürzt. Inmitten von Plünderungen und Gewalt kommt es zwischen Raven und Victor zu einem Katz-und-Maus-Spiel, das Manhattan nie mehr vergessen wird.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (III)

(c) suhrkamp nova

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Schon über den Februar hatte ich geschrieben, er sei ein Krimi-Wonnemonat. Der März steht dem Vormonat aber kaum nach. Einerseits ist da gleich zu Beginn Adrian McKintys dritter Teil der Sean-Duffy-Serie erschienen. “Die verlorenen Schwestern” ist seit 7. März im Handel und bei mir Pflicht. Ich habe hier sowohl Teil 1 (“Der katholische Bulle”) als auch Teil 2 (“Die Sirenen von Belfast”) hymnisch besprochen. Trotzdem bin ich enttäuscht vom Verlag: Kamen die ersten beiden Bände als Hardcover heraus, ist “Die verlorenen Schwestern” bloß als Weder-Fisch-noch-Fleisch-Lösung herausgekommen: also als “großes” Taschenbuch (wie auch immer der Fachausdruck dafür sein mag). Sieht im Regal nicht so toll aus. Aber der Inhalt wird diesen Makel wohl wieder wettmachen. Der Verlag schreibt: “Nordirland, 1983. Als an einem Septembertag 38 IRA-Terroristen aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbrechen, herrscht höchste Alarmbereitschaft: Unter den Flüchtlingen befindet sich der in Libyen ausgebildete Bombenspezialist Dermot McCann. Inspector Sergeant Sean Duffy drückte mit McCann die Schulbank, weshalb mit einem Mal der MI5 vor seiner Tür steht. Duffy soll McCann finden.”

(c) Heyne

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Sehr vielversprechend klingt auch Richard Lange düsterer Krimi “Angel Baby”  (9. März), der immerhin mit dem Hammett Prize ausgezeichnet wurde. Verlagstext: “Im Leben von Luz ist einiges schiefgelaufen: Sie hat ihre kleine Tochter in Los Angeles zurückgelassen, um in Tijuana einen mächtigen Drogenboss zu heiraten. Seither lebt sie wie eine Gefangene in Rolandos bizarrer Villa und ist seiner Willkür ausgeliefert. Doch heute ist der Tag, an dem Luz ihre Fehler wiedergutmachen wird. Sie schießt ihre Bewacher nieder, räumt den Tresor leer und flieht in Richtung Grenze. Alles oder nichts. Das Schicksal wird entscheiden, ob sie ihre Tochter findet oder beim Versuch draufgeht.” Eigentlich kann ich da nicht widerstehen. Und ich entdecke immer wieder gern neue Stimmen.

(c) Luchterhand

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Benjamin Percy hat seit “Wölfe der Nacht” und vor allem “Roter Mond” (das Werwolf-Drama habe ich ja zum besten Krimi 2014 gewählt) einen großen Stein bei mir im Brett. : Mit “Jemand wird dafür zahlen müssen” sind seit 23. März nun erstmals auf Deutsch Kurzgeschichten des jungen Autors erhältlich. Der Verlag schreibt: “Viele der jungen Männer in Benjamin Percys atemberaubenden Geschichten stammen aus zerbrochenen Familien, finden keinen Halt in ihren Freundeskreisen und müssen das Undenkbare tun, um sich – und allen – zu beweisen, dass sie stark genug sind, um sich dem Schmerz dieser Welt zu stellen. Percy siedelt seine Erzählungen im ländlichen Oregon an, seine Helden kämpfen, jeder für sich. Ihre Gegner sind höchst unterschiedlich: ein verrückter Bär, ein Haus mit einem Keller, der sich in eine Höhle öffnet, ein Unfall, der den geliebten Menschen das Leben kostet, eine Fehlgeburt, die ein Paar sprachlos zurücklässt und einander entfremdet. Eines haben all ihre Kämpfe gemeinsam: Immer sind es die Narben, die ihre Geschichten erzählen, selbst wenn sie unsichtbar sind.”

(c) Fischer

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Auch Malcolm Mackay hat mich mit seinem Debüt “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” überzeugt. Nun ist “Der Killer hat das letzte Wort” erschienen (26. März), der zweite Teil seiner Glasgow-Trilogie. Der Verlag schreibt: “Frank MacLeod war der beste in seinem Fach. Überlegt. Effektiv. Skrupellos. Aber ist er immer noch der beste? Er bekommt einen neuen Auftrag. Ein Ziel. Aber diesmal wird etwas furchtbar schiefgehen. Der zweite Thriller nach ›Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter‹ nimmt die Leser mit auf die dunkle Seite von Glasgow. Wer zwischen die Fronten gerät, darf sich keinen Fehler erlauben. Denn Fehler sind tödlich.” Interessant ist, dass offenbar die Erzähperspektive wechselt. Denn der alternde Frank MacLeod spielte in Teil eins nur eine Nebenrolle, im Zentrum stand da der jüngere Killer Calum MacLean. Klingt ein wenig nach Don Winslows “Frankie Machine”.

(c) Heyne Hardcore

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Von Ryan David Jahn habe ich bereits “Der Cop” gelesen. Das war aus meiner Sicht ein solider und äußerst spannender Thriller um einen Cop, dessen Tochter vor sieben Jahren verschwand und vor vier Monaten für Tod erklärt wurde. Dann plötzlich erhält er einen Anruf von ihr… “Der letzte Morgen” (30. März) verspricht nun klassische Unterwelt-Lektüre: “Los Angeles. Zwei Morde in derselben Nacht bringen den Unterweltboss James Manning in Bedrängnis. Ein Sündenbock muss her. Eugene Dahl, ein einfacher Mann, der morgens Milch ausliefert und abends Barhocker wärmt, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Doch er weigert sich, zum Spielball des organisierten Verbrechens zu werden. Um seine Haut zu retten, wird er Dinge tun müssen, die weit schlimmer sind als alles, was man ihm vorwirft.” Ich mag zwar mittlerweile Serien, aber ich weiß es immer noch sehr zu schätzen, wenn Krimiautoren sich ständig neu erfinden. Ryan David Jahn dürfte zu dieser Kategorie zählen. Denn sein Debütroman “Ein Akt der Gewalt” handelt wieder von etwas ganz anderem.

sturmueberneworleansJames Lee Burkes “Sturm über New Orleans” ist eigentlich schon Mitte Februar erschienen, ich habe sein Buch offenbar übersehen. Mittlerweile stecke ich allerdings gerade in der Lektüre und ich bin begeistert. “Hurrikan Katrina trifft New Orleans mit voller Wucht. In der überfluteten Stadt treiben Leichen umher, und die Menschen versuchen panisch, ihr Hab und Gut zu retten. Die Häuser sind verlassen, der Strom ist weg und keine Spur mehr von Recht und Ordnung. Ein tiefer Graben des Misstrauens trennt die weiße und die schwarze Bevölkerung, während Hilfe der Behörden auf sich warten lässt.” Und mittendrin ermittelt Burkes Kultfigur Dave Robicheaux. Für alle, die es noch nicht wissen sollten: Burke hat ja mit “Regengötter” den Deutschen Krimipreis 2015 gewonnen und auch die KrimiZeit-Jahresliste 2014 angeführt. Es feiert also im deutschsprachigen Raum eine kleine Wiederauferstehung. Sehr fein, dass da der feine Kleinverlag Pendragon nachlegt – noch dazu mit Burkes wütendstem Buch, wie er im Vorwort selbst sagt: “Was damals in New Orleans geschah, das war nicht nur eine Naturkatastrophe, das war das größte Versagen einer Regierung, der denkbar größte Verrat an der eigenen Bevölkerung. Es war ein Verbrechen. Eine nationale Schande.”

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Tja, und ein Buch hätte ich jetzt fast übersehen. Ich dachte, es würde erst im April erscheinen. Lyndsay Faye legt mit “Die Entführung der Delia Wright” ihren zweiten historischen Roman rund um den New Yorker Polizisten Timothy Wilde vor. Band eins, “Der Teufel von New York”, hat mich vor einem Jahr ziemlich begeistert. “1846. Vor einem halben Jahr wurde die Polizei von New York gegründet. Timothy hat sich als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen. Und er glaubt sich ganz gut auszukennen mit dem Verbrechen in seiner Stadt. Dann erscheint die schöne Blumenverkäuferin Lucy Adams in seinem Amtszimmer: Ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Tims Ermittlungen führen ihn in ungeahnte Abgründe. Denn Lucys Familie ist »gemischter«, also nicht rein weißer Abstammung. Freie schwarze Bürger im Norden der USA sind Freiwild für Verbrecherbanden, die sie in ihre Gewalt bringen und als Sklaven in die Südstaaten verkaufen. Der Einzige, der Tim jetzt helfen kann, ist sein schillernder Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, korrupter Politiker, Frauenheld und noch einiges mehr. Als aber in Valentines Bett eine Leiche gefunden wird, muss Tim seinem ungeliebten Bruder beistehen …”

 

 

 

 

 

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Lyndsay Faye: Der Teufel von New York

(c) dtv premium

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“Wer 2014 nur einen Krimi lesen will, der soll hier zugreifen”, habe ich im März über Jan Costin Wagners “Tage des letzten Schnees” geschrieben. Eigentlich hätte mir schon damals klar sein müssen, dass eine solche Empfehlung Unsinn ist. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich hier nur zwei Monate später schon wieder 10 von 10 Punkten vergeben werde (und so unglaublich es klingen mag, ich werde es in Kürze wieder tun!). Lyndsay Fayes historischer Krimi “Der Teufel von New York” spielt im Jahr 1845 und ist aus meiner Sicht perfekt gelungen. Sie war damit 2013 auch zurecht für den Edgar Award nominiert.

Timothy Wilde gehört der soeben gegründeten Polizei von New York an. Er hat den Job nur aus Not angenommen und will ihn eigentlich hinschmeißen. Da läuft ihm eines Tages ein kleines Mädchen in einem blutdurchtränkten Nachthemd über den Weg. Als dann kurz darauf auch noch 19 vergrabene Kinderleichen gefunden werden, erwachen in Wilde endgültig die Ermittler-Instinkte.

Es ist eine fesselnde Zeitreise. Das New York des Jahres 1845 ist stark geprägt vom Konflikt zwischen den katholischen irischen Einwanderern und den alteingesessenen Protestanten. Faye verdeutlicht das immer wieder mit historischen Zitaten zu Beginn der Kapitel. So schrieben Amerikanische Protestanten “zur Verteidigung der Bürgerlichen und Religiösen Freiheit gegen den Vormarsch des Papsttums” im Jahr 1843: “… die papistischen Länder Europas spucken Jahr um Jahr ihre ungebildeten, abergläubischen und degenerierten Bewohner an unsere Küsten, und zwar nicht zu Zehntausenden, sondern zu Hunderttausenden, und diese strecken sogleich ihre Hände nach den höchsten Privilegien der einheimischen Bürger aus, ja sogar nach dem Land selbst.” Iren galten als Abschaum und waren noch weniger gern gesehen als Schwarze.

Spannend ist es auch, die Entstehung des berühmten New York Police Department (NYPD) nachzuverfolgen. Faye lässt zudem immer wieder Ausdrücke aus dem “Flash”, der New Yorker Gaunersprache, einfließen. Das wirkt authentisch. Außerdem spielt die Parteizugehörigkeit eine wichtige Rolle. In einer der beeindruckendsten Szenen des Buches wird die Stimmabgabe an der Wahlurne geprobt – auch wenn pöbelhafte Mitglieder der gegnerischen Partei anwesend sind.

Das Buch lebt aber vor allem von seiner Hauptfigur Timothy Wilde und den feinfühlig geschilderten Beziehungen zu dem kleinen Mädchen und Wildes draufgängerischen Bruder Valentine. Begeistert hat mich auch, dass Faye nicht einfach einen irren Serienmörder sein Werk hat verrichten lassen. Im Gegenteil, Faye löst die Geschichte mit vielen Wendungen überzeugend auf. Sie hat ein feines Gespür für die Charakterzeichnung. Ihre Figuren sind vielschichtig – nicht einfach schwarz und weiß.

Faye hat ein beeindruckendes Debüt voller einprägsamer Charaktere und interessanter historischer Details geschrieben. Und die gute Nachricht zum Schluss lautet: Timothy Wilde geht in Serie!

10 von 10 Punkten

Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York”, übersetzt von Michaela Meßner, 477 Seiten, dtv premium.

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Ich.möchte.unbedingt.lesen

So, da nehme ich schon wieder ein Bloggerstöckchen auf, das ich diesmal aber nicht weitergeben werde. Zugeflogen ist es mir vom feinen Blog Kaffeehaussitzer. Danke! Die Aufgabe: Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein.

Also gut, hier sind meine (wahrscheinlich) nächsten fünf Bücher:

(c) dtv

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“Mirage” von Matt Ruff

Meine Nummer eins auf der Leseliste. Da führt eigentlich kein Weg daran vorbei. Ich habe ein Faible für dystopische bzw. Parallelwelt-Thriller entwickelt. Nach “Spademan” und “2/14” ist “Mirage” da nur eine logische Konsequenz. “Mirage” fällt dabei in die Kategorie 9/11-Parallelwelt-Thriller. Ich habe hier ja voriges Jahr schon über den Parallelwelt-Krimi “Osama” geschrieben. Dieses Spiel von Realität mit Fiktion, Wissen und Halbwissen und Was-wäre-wenn ist unheimlich spannend.

(c) Penhaligon

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“Roter Mond” von Benjamin Percy

Tja, dann kommt gleich der nächste dystopische Roman. Benjamin Percy, von dessen Buch “Wölfe der Nacht” ich voriges Jahr schwer begeistert war, legt einen Werwolf-Roman vor, der aber weit über kitschige Vampir- und Werwolf-Fantasien hinausgehen dürfte und sehr sozialkritisch sein soll. John Irving sagt über dieses Buch laut Klappentext: “Hätte George Orwell sich eine Zukunft mit Werwölfen ausgemalt, dann wäre genau dieser Roman dabei herausgekommen.” Wenn das nur annähernd stimmt …

(c) dtv premium

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“Der Teufel von New York” von Faye Lyndsay

Mit diesem Buch würde ich dann wieder ein wenig aus meinem futuristischen Trend ausbrechen und eine Reise in das New York des Jahres 1845 wagen. In diesem Jahr wird die Polizeitruppe von New York gegründet, ihr erste richtige Bewährungsprobe steht an, als ein verstörtes Mädchen einem Polizisten auf der Straße in die Arme läuft. Sie hat ein mit Blut getränktes Nachthemd an und kann nicht sagen wie sie heißt, oder was ihr passiert ist. Kurz darauf werden 19 Kinderleichen gefunden.

(c) Fischer Taschenbuch

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“Der unvermeidliche Tod von Lewis Winter” von Malcolm Mackay

Ich habe erstmals vor zwei Jahren von dem Buch gehört und war begeistert, als bekannt wurde, dass es ins Deutsche übersetzt wird. Hauptfigur ist ein Killer in Glasgow. Er soll den titelgebenden Lewis Winter töten. Schottische Krimis zählen momentan zu meinen Lieblingsbüchern. Zuletzt haben mich Howard Linskey (“Crime Machine”) und Christopher Brookmyre (“Die hohe Kunst des Bankraubs”) so richtig vom Hocker gehauen. Bin schon mal gespannt, ob Mackay, der angeblich eine Glasgow-“Trilogie” schreibt, mich auch überzeugen kann.

(c) ariadne

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“Ausbruch” von Dominique Manotti

Mit der französischen Ausnahmeautorin habe ich noch eine Rechnung offen. Mit ihrem hochgelobten Buch “Letzte Schicht” (KrimiWelt-Bestenliste Rang 3, Deutscher Krimipreis Rang 3) bin ich vor zwei Jahren einfach nicht zurecht gekommen. Das lag wohl auch an meiner damaligen Stimmung, ich habe immer nur ein paar Seiten auf einmal gelesen und habe nie einen Zugang gefunden. Was mich besonders reizt: Das Buch soll politischer Roman noir und Reflexion über den literarischen Schöpfungsakt zugleich sein.

 

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Fünf Krimis, auf die ich 2014 am meisten gespannt bin

Ich kann es nicht verhehlen: Ich mag Listen! Darum will ich hier auch kurz jene fünf heuer erscheinenden Krimis vorstellen, auf die ich aus heutiger Sicht mordsmäßig (ich weiß, das ist platt!) gespannt bin.

(c) Rowohlt Polaris

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Lauren Beukes: “Shining Girl” (seit 1. Februar)

Harper Curtis lebt in Chicago zur Zeit der Großen Depression auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Er will das Licht der «Shining Girls», gemeint sind hübsche Tänzerinnen, für immer auslöschen. Da findet er einen Schlüssel zu einem Portal und reist von nun an durch die Zeit, um zu töten. Er hinterlässt am Tatort Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Als eines seiner Opfer überlebt, beginnt es, den Killer durch die Zeit zu jagen. Das kann Schrott sein – oder genial.

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Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York” (1. März)

Und noch eine Zeitreise: Diesmal in das New York des Jahres 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Eines Tages läuft dem Polizisten Timothy Wilde ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme – bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Kurz darauf findet Timothy auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen… Der Krimi von Lyndsay Faye dürfte auch politische Hintergründe beleuchten, was diesem Krimi einen besonderen Reiz verleiht.

(c) Heyne Hardcore

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Adam Sternbergh: “Spademan” (3. März)

Ein Krimi mit futuristischen und apokalyptischen Zügen. Eine zweite große Terrorwelle am Times Square hat New York City lahm gelegt, heißt es im Verlagstext. Und weiter: “Die Stadt ist verlassen, nur einige Reiche verharren in ihren Hochhauslofts und leben in einer Art digitaler Fantasiewelt, wo sie von schönen heilen Welten träumen. Doch inmitten der ausgebombten Stadt gibt es einzelne Menschen, die geblieben sind. Einer davon ist der Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sich jetzt als eiskalter Auftragskiller über Wasser hält.” Hier gilt dasselbe wie für Beukes. Das kann Müll (und wieder konnte ich nicht widerstehen ;-)) sein – oder genial.

(c) Fischer Taschenbuch

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Malcolm MacKay: “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” (27. März)

Schotte Nummer eins. “Die bedeutendste neue Stimme in der schottischen Spannung! Authentisch, stilsicher, ein moderner Raymond Chandler”, schreibt der Scotsman. Der Untertitel im Original sagt jedenfalls schon viel aus. “It’s hard to kill a man well”. Der Verlag schreibt dazu: “Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.” Kann da überhaupt noch etwas schiefgehen?

(c) Knaur

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Howard Linskey: “Gangland” (1. Juli)

Schotte Nummer zwei. Linskey ist einer der Gründe, warum ich schottische Krimis momentan so liebe. Sein Vorgänger “Crime Machine” war für mich 2012 unter den Top-3-Krimis. “Mit ‘Crime Machine’ liefert Autor Howard Linskey einen harten Thriller erster Güte, der sich souverän innerhalb der Grenzen des Genres bewegt”, habe ich damals geschrieben. “Linskey schafft es scheinbar mühelos, einen harten Gangsterroman zu schreiben, der mit Dramatik, Witz und Gewalt nicht geizt und gleichzeitig in der Lage ist, über sich selbst zu reflektieren”, urteilte krimicouch.de. In “Gangland” kehrt nun der Newcastler Gangster David Blake zurück.

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Tipp: 10 Krimis für Einsteiger

(c) Diogenes

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Ich muss zugeben, ich habe ein Faible für Listen. Und eine solche ist mir auf Kirkus Reviews untergekommen: “First Offenses: Getting started on a Life of Crime (Fiction)”. Lapidar gesagt: 10 Bücher für Krimi-Einsteiger. Erstellt hat die Liste nicht irgendjemand, sondern J. Kingston Pierce, der so etwas wie ein US-Krimipapst ist. Sein Blog The Rap Sheet ist jedem Krimifan ans Herz zu legen.

Aber gleich ab zur Liste, die auch eine Art Zeitreise durch die Geschichte des Krimi-Genres darstellt.

“Der Hund von Baskerville” (1902) von Sir Arthur Conan Doyle muss wohl niemandem vorgestellt werden. Wer noch nie etwas von Sherlock Holmes gehört hat, kann ruhigen Gewissens mit diesem Band beginnen.

“Der Malteser Falke” (1930) von Dashiell Hammett ist ebenfalls ein Klassiker. Die meisten werden aber vor allem die Verfilmung mit Humphrey Bogart kennen. Mir selbst steht der Lesegenuß noch bevor.

“Die Tote im Götakanal” (1965) von Maj Sjöwall und Per Wahlöö stammt aus einer Zeit, als es noch nicht hip war, nordische Krimis zu lesen. Es ist der erste Band der zehnteiligen Serie des Schriftsteller-Ehepaars um den schwedischen Kommissar Martin Beck.

“Der Untergrundmann” (1971) von Ross MacDonald ist ein Spätwerk des Autors, der in einem Atemzug mit Dashiell Hammett und Raymond Chandler genannt wird. Der Privatdetektiv Lew Archer, der auch in “Der Untergrundmann” ermittelt, machte ihn berühmt. “Die Zeit” schreibt über MacDonald: Die intelligente Konstruktion, die Kunst der Charakterisierung und die verbale Treffsicherheit sorgen immer wieder dafür, dass man Ross Macdonald treu bleibt.

“Die Freunde von Eddie Coyle” (1972) von George V. Higgins ist das Meisterwerk eines im deutschsprachigen Raum vergessenen Krimiautors. Es war sein Erstling. Erst durch die Verfilmung von “Cogan’s Trade” (sein drittes Buch) mit Brad Pitt in der Hauptrolle (“Killing Them Softly”) ist der bereits verstorbene Autor kürzlich wieder in Erinnerung gebracht worden. Higgins Markenzeichen: Seine Bücher sind wahre Dialog-Orgien – Elmore Leonard nennt ihn daher sein großes Vorbild. Und auch Krimi-Shootingstar Don Winslow zählt “Die Freunde von Eddie Coyle” zu den besten fünf Krimis aller Zeiten.

“Die Schandmaske” (1994) brachte der Britin Minette Walters den begehrte Gold Dagger Award ein.

“In einem heißen Sommer” (1999) ist Teil der beliebten Serie von Peter Robinsons rund um Inspector Alan Banks.

“Treue Genossen” (2004) von Martin Cruz Smith lässt den legendären Ermittler Arkadi Renko in Tschernobyl ermitteln. Weltruhm erlangte der Autor mit dem verfilmten “Gorki Park” (1981).

“Bruno, Chef de Police” (2009) des gebürtigen Schotten Martin Walker ist der Auftakt der Serie rund um den Polizisten und Hobbykoch Bruno Courrèges, der im französischen Périgord ermittelt. Mittlerweile sind fünf Bände auf Deutsch erschienen, weitere befinden sich aufgrund des großen Erfolgs in Vorbereitung.

“The Gods of Gotham” (2012) von Lyndsay Faye ist bislang nicht auf Deutsch erschienen. Die Handlung spielt im New York des Jahrs 1845. Das Buch ist für den Edgar Award 2013 nominiert.

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