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Lavie Tidhar: Osama

(c) Rogner & Bernhard

(c) Rogner & Bernhard

Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, liegt das Buch “Osama” des israelischen Autors Lavie Tidhar auf dem dritten Platz der KrimiZeit-Bestenliste im August. Meine ausführliche Kritik kann man unter dem Titel “Osama, Held eines Groschenromans” finden. Eines sollte man jedenfalls wissen: Das Buch ist kein Krimi im klassischen Sinn. Wer das erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Tidhar spielt vielmehr mit Konventionen und Versatzstücken diverser Genres – und das virtuos. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein wenig Zeit gebraucht habe, um das zu erkennen.

Während der Lektüre war ich manchmal ein bisschen genervt, weil Privatdetektiv Joe bei seiner Suche nach dem Autor der schundhaften Buchserie “Osama bin Laden: Vergelter” nie so richtig vorankommen will. Wenn zwischendurch die zündenden Ideen fehlten, las sich das für mich mitunter auch langatmig und ein wenig uninspiriert. Allerdings hat mich “Osama” noch beschäftigt, als ich das Buch bereits zu Ende gelesen hatte: Die von Tidhar beschriebene Parallelwelt, in der Terrorismus nur in der Fantasie existiert, übt eine starke Faszination aus.

Aus dem Terrorpaten Osama bin Laden einfach nur den Helden eines Groschenromans zu machen, mögen manche unangebracht finden, ich finde das genial. Tidhar spielt mit dem Mythos Osama. Wäre dieser überhaupt zur hochstilisierten Ikone des weltweiten Terrorismus geworden, hätten ihn die USA nicht erst dazu gemacht? Es ist dieses Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion, Wissen und Halbwissen, das den besonderen Reiz des Buches ausmacht.

7 von 10 Punkten

Lavie Tidhar: “Osama”, übersetzt von Juliane Gräbener-Müller, Rogner & Bernhard, 302 Seiten.

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KrimiZeit-Bestenliste August: Ein Abgleich

(c) Argument Verlag

(c) Argument Verlag

Die KrimiZeit-Bestenliste befindet sich seit Mai in Frauenhand. Daran ändert auch der August nichts. Die Brasilianerin Patrícia Melo, (“Leichendieb”, mehr dazu hier), nunmehr auf Platz zwei, wird nahtlos von der Französin Dominique Manotti abgelöst. In “Zügellos” spielt sie ihre Stärken wieder aus und legt ihren Finger auf die offene Wunde Korruption, die Politik und Wirtschaft durchdringt. Auf Platz drei folgt Lavie Tidhar mit “Osama”, in der Terrorpate Osama Bin Laden bloß der fiktive Held eines Groschenromans ist – direkt vor Warren Ellis mit seiner Waffen-Groteske “Gun Machine”. Beide Bücher habe ich bereits gelesen, die Rezensionen folgen in den nächsten Tagen.

Platz fünf belegt Adrian McKinty mit “Der katholische Bulle”, der kürzlich auch von zeilenkino.de empfohlen wurde. Nur ein Buch (Georg Haderers “Es wird Tote geben”) steht auf meiner Leselist noch vor McKintys Werk, auf das ich schon sehr gespannt bin. Stephen Dobyns “Das Fest der Schlangen” habe ich mir unlängst recht spontan gesichert – es fristet allerdings ein ungewisses Dasein am Stapel neben meinem Bett. Wann lesen?? Auf Matthew Stokoes “Empty Mile” bin ich durch die Kurzkritik im Album beim Wiener “Standard” aufmerksam geworden. Das klingt auch sehr interessant.

Die Liste im Überblick

  1. Dominique Manotti: “Zügellos” (-)
  2. Patrícia Melo: “Leichendieb” (1)
  3. Lavie Tidhar: “Osama” (5)
  4. Warren Ellis: “Gun Machine” (2)
  5. Adrian McKinty: “Der katholische Bulle” (-)
  6. Dror Mishani: “Vermisst” (-)
  7. Arne Dahl: “Bußestunde” (4)
  8. Stephen Dobyns: “Das Fest der Schlangen” (9)
  9. Matthew Stokoe: “Empty Mile” (-)
  10. Hjorth & Rosenfeldt: “Die Toten, die niemand vermisst” (-)

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KrimiZeit-Bestenliste Juli – Ein Abgleich

(c) Tropen

(c) Tropen

Vor einem Monat ist die Brasilianerin Patrícia Melo mit “Leichendieb” auf Platz 1 in die KrimiZeit-Bestenliste eingestiegen. Im Juli konnte sie diesen Platz verteidigen. Und ich habe Melos Buch im Urlaub gelesen. In den nächsten Tagen gibt es meine Rezension dazu. Nur so viel vorab: Der Spitzenplatz ist durchaus gerechtfertigt.

Auf Platz 2 befindet sich ein Neueinsteiger: Warren Ellis mit “Gun Machine”. Auch über dieses ziemlich abgefahrene, unkonventionelle Buch werde ich hier in Kürze schreiben. Wer mal etwas ziemlich Anderes lesen mag, ist beim hauptberuflichen Graphic Novelist Ellis an der richtigen Adresse.

Sehr gespannt bin ich auf einen weiteren Einsteiger in der diesmonatigen Liste: “Osama” von Lavie Tidhar hat es auf Platz 5 geschafft. “Plausible Realitätsumkehr: Al-Kaida als Fantasieprodukt eines Serienschreibers”, kommentieren die Herausgeber der KrimiZeit-Bestenliste. Klingt nicht nach 08/15-Krimiware und befindet sich fix auf meiner Leseliste.

Sara Gran hat es mit “Das Ende der Welt” bereits zum vierten Mal auf die Liste geschafft. Hut ab, auch wenn sie mich mit dem Buch nicht überzeugen konnte, wie hier zu lesen war.

Stephen Dobyns “Das Fest der Schlangen” ist mit Platz 9 ebenfalls vertreten. Ich habe das Buch hier schon empfohlen, weiß aber nicht, ob ich dazu kommen werde, es zu lesen. Mein Interesse ist aber wieder geweckt, nicht nur weil Stephen King davon schwärmt. Erste Kritiken lassen viel erwarten.

Die Liste im Überblick:

  1. Patrícia Melo: “Leichendieb” (1)
  2. Warren Ellis: “Gun Machine” (-)
  3. Robert Hültner: “Am Ende des Tages” (2)
  4. Arne Dahl: “Bußestunde” (-)
  5. Lavie Tidhar: “Osama” (-)
  6. Olen Steinhauer: “Die Spinne” (3)
  7. Matthias Wittekindt: “Marmormänner” (8)
  8. Sara Gran: “Das Ende der Welt” (5)
  9. Stephen Dobyns: “Das Fest der Schlangen” (-)
  10. Mark Peterson: “Flesh & Blood” (9)

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