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Auf diese sieben Krimis freue ich mich 2017 am meisten

(c) Suhrkamp Nova

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Das Krimijahr 2017 kann kommen – und ich will gleich sieben gute Gründe liefern. Die folgenden Bücher kommen in den nächsten Monaten in die Regale der Buchgeschäfte und vor allem in mein eigenes 😉

Wenn ich einem Krimiautor momentan blind vertraue, dann ist das der Nordire Adrian McKinty, der mittlerweile in Australien lebt. “Rain Dogs” (ab 6. Februar) ist der fünfte Teil seiner bislang bestechend guten Serie rund um den katholischen Bullen Sean Duffy, der es nun bereits zum zweiten Mal mit einem “locked room mystery” zu tun bekommt. Ich bin schon sehr gespannt, wie McKinty das löst. Zuletzt ist aus der Reihe Ende 2015 “Gun Street Girl”, der für mich bislang beste Teil, erschienen.

Der Verlagstext: Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?

(c) Droemer

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Noch eine Spur mehr freue ich mich aber auf Steve Hamiltons Auftakt zu einer neuen Serie. Eigentlich war “Das zweite Leben des Nick Mason” (ab 1. März) schon vor einem Jahr angekündigt, aus welchen Gründen auch immer wurde die Veröffentlichung dann aber verschoben. Warum dieser Autor so gut ist? Lest doch bitte einfach “Der Mann aus dem Safe” und dann widersprecht mir! Für mich ist das definitiv einer der besten Krimis des letzten Jahrzehnts.

Nick Mason war immer ein sauberer Gangster – soweit das in seinem Gewerbe möglich ist. Bis einer seiner Kumpels einen verdeckten Ermittler erschoss. Nick hielt sich an den Ehrenkodex, verriet seinen Komplizen nicht und ging in den Bau. Totschlag, Mindeststrafe: 25 Jahre. Im Gefängnis wird Darius Cole, der Pate von Chicago, auf ihn aufmerksam und macht ihm ein verlockendes Angebot: Nick soll Coles Mann für besondere Aufgaben werden, sein Ausputzer – und dafür wird er ihn raushauen. Und so ist Nick nach fünf Jahren wieder draußen. Eigentlich könnte er jetzt sein Leben in Freiheit genießen. Wenn da nicht dieses Handy wäre, das man ihm bei der Rückkehr nach Chicago überreicht hat. Wann wird es das erste Mal klingeln?

(c) Suhrkamp

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Mit Gerald Seymour wird der britische Großmeister des anspruchsvollen Politthrillers nach eineinhalb Jahrzehnten endlich wieder ins Deutsche übersetzt. Ich wollte vor zwei Jahren einen ausführlichen Beitrag über Seymour und seine Bedeutung in meiner Werdung zum Krimisüchtigen schreiben, habe das dann aber leider nie getan. Nun bietet sich also schon bald die Gelegenheit und ich möchte mehr als nur eine übliche Besprechung abliefern. “Vagabond” ist ab 6. März erhältlich.

›Vagabond‹ ist der Deckname eines britischen Geheimagenten, der in Nordirland brutale Operationen gegen die IRA durchgeführt hat. Ausgebrannt zieht er sich für lange Jahre in die Normandie zurück und verdient seinen Lebensunterhalt als Touristenführer an den Invasionsstränden. Aber seine ehemaligen Vorgesetzten wollen ihn nicht ganz vom Haken lassen und zwingen ihn in eine MI-5-Aktion zurück: Er soll den Aufpasser für einen vom Geheimdienst erpressten Waffenhändler spielen, damit Waffenlieferungen aus Russland an die letzten, vom Friedensschluss frustrierten IRASplittergruppen unterbunden werden. Das erzählt man Vagabond zumindest, der gute Miene zum fiesen Spiel machen muss.

(c) Pendragon

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Sehr begeistert hat mich vor ziemlich genau einem Jahr Wallace Strobys Krimidebüt “Kalter Schuss ins Herz”“Geld ist nicht genug” (ab 20. März) ist nun der zweite Teil rund um die Berufsverbrecherin Crissa Stone, die mit Richard Starks Parker und Garry Dishers Wyatt verwandt sein könnte. Beim ersten Band lief aus meiner Sicht noch nicht alles ganz rund, aber das Potenzial war spürbar. Ich bin also schon sehr gespannt.

Metallteile und Plastik schlittern über den Asphalt. Volltreffer. Crissa Stone hebelt den Geldautomaten mit der Schaufel eines Frontladers aus der Verankerung und balanciert ihn auf die Ladefläche ihres Pick-ups. Sie liebt saubere Lösungen und fette Beute. Crissa hat das System des Bankraubs ohne Bank perfektioniert, aber ihre Partner verlieren die Nerven. Gangster, die sich gegenseitig umbringen – wie unprofessio­nell. Zum Glück wartet schon wieder ein neuer Job: Ein verstorbener Mafiaboss soll die Millionen eines Raubs jahrelang versteckt haben. Leider ist Crissa nicht die Einzige, die es auf das Geld abgesehen hat. Sie gerät zwischen die Fronten und muss fliehen: Vor dem Gesetz und einer Mafia-Gang aus New York. Was mit einem rasanten Knalleffekt startet, steigert sein Tempo Seite für Seite.

(c) Droemer

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Was soll ich über Don Winslow noch sagen? Sein Drogen-Epos “Tage der Toten” ist ein herausragendes Werk, das mich vor ungefähr sechs Jahren endgültig wieder zum Krimi zurückgebracht hat. Ich erwarte mir von “Corruption” (ab Juni) ein ähnlich beeindruckendes, diesmal in New York spielendes Krimi-Epos.

In den Straßenschluchten von New York lässt der internationale Star-Autor Don Winslow ein alptraumhaft realistisches Szenario von Drogen, Menschenhandel, Mord entstehen. Er zeichnet die todbringende Allianz von staatlichen Stellen und organisiertem Verbrechen: Sie sehen sich als Elitetruppe der Polizei, eine verschworene Einheit, ausgestattet mit weitreichenden technischen und rechtlichen Möglichkeiten. Gemeinsam sollen sie für Ruhe und Ordnung in ihrem Revier sorgen, dem nördlichen Manhattan. Und genau das tun sie. Hier gelten ihre Spielregeln, hier geschieht nichts ohne ihr Wissen. Doch die Truppe ist extremem Stress ebenso ausgesetzt wie extremen Risiken … und extremen Verlockungen …
Don Winslows neues Meisterwerk – erschütternd, brutal und unnachgiebig.

(c) Suhrkamp

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Eigentlich wollte ich Zoe Becks “Schwarzblende” 2015 unbedingt lesen, doch es hat sich einfach nicht ergeben. Das ärgert mich bis jetzt. Aber 2017 wird das Jahr sein, in dem ich diese Autorin endlich kennenlerne. Und “Die Lieferantin” (ebenfalls ab Juni) klingt sehr vielversprechend:

London, in einer nicht wirklich fernen Zukunft: Die Kugel, die in der Nacht einen Mann im Hafen tötete, war eigentlich für sie gedacht: Elliot Johnson. Sie leitet das heißeste Start-up Londons und zugleich das illegalste: Über ihre App bestellt man Drogen in höchster Qualität, und sie werden von Drohnen geliefert. Anonym, sicher, perfekt organisiert. Die Sache hat nur einen Haken – die gesamte Londoner Unterwelt fühlt sich von ihrem Geschäftsmodell bedroht und will Elliot tot sehen. Ein Kopfgeld wird auf sie ausgesetzt. Elliot beschließt zu kämpfen – ihre Gegner sind mächtig, und sie sitzen überall. Bei Scotland Yard, in den Gerichtssälen, im Parlament, in der Zentrale des Geheimdienstes. Und sie lauern an jeder Straßenecke.

(c) Goldmann

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Länger warten muss man auf Norbert Horsts neuen Krimi “Kaltes Land”, der erst für September angekündigt ist. Der Autor hat mich 2015 mit “Mädchenware” sehr begeistert. Dabei war mir das Buch eigentlich nur per Zufall und dank der KrimiZeit in die Hände gefallen. Horst widmet sich wieder einem brisanten Thema:

Er hat Macht, er hat Geld, doch seine Identität kennt niemand. Aus dem Dunkel zieht er die Fäden und handelt mit allem, was viel Geld bringt: Drogen, Waffen und Menschen. Sein Glück: Mit dem Flüchtlingsstrom kommen viele Verzweifelte nach Deutschland und müssen abtauchen. Unter ihnen findet er die willfährigen Handlanger für seine Geschäfte. Als einer von ihnen an einem verschluckten Päckchen Kokain stirbt, ermittelt Kommissar Steiger. Steiger, der sich mit seinen Chefs anlegt, der aber Gerechtigkeit will um jeden Preis, auch für die, die offiziell gar nicht existieren. Er wird nicht aufgeben, bis er ihn gefunden hat – den Mann im Hintergrund.

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“Zwölf Punkte”: Der Song Contest und die Krimistadt Wien

(c) Haymon

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Wien steht momentan ganz im Zeichen des Song Contests. Deshalb habe ich mich inspirieren lassen und will hier und heute Punkte für Krimis vergeben, in denen Wien eine Rolle spielt. Frei nach dem “Douze Points”-Motto: “And finally twelve points go to Vienna!”. Das ist natürlich eine sehr subjektive Liste, weil ich nur Krimis ausgewählt habe, die ich auch gelesen habe – und von jedem Autor nur ein Buch.

Daher gleich ein Geständnis vorab: Ich habe “Der dritte Mann” von Graham Greene nie gelesen. Bei meinem einzigen Versuch vor vielen Jahren habe ich nach wenigen Seiten aufgegeben. Ein Schicksal, das allerdings mehrere Greene-Bücher teilen. Aber ich werde es irgendwann wieder versuchen. Vielleicht finde ich dann auch eine Erklärung dafür, warum es mit Greene einfach nicht klappen will.

1 Punkt – Thomas Raab: “Der Metzger sieht rot”

Es war mein Einstieg in die Metzger-Welt. Mir gefällt der Metzger aus dem Buch jedenfalls wesentlich besser als die TV-Umsetzung, mit Ausnahme des gut besetzten Robert Palfrader.

2 Punkte – Georg Haderer: “Engel und Dämonen”

Mittlerweile hat es Haderers Major Johannes Schäfer ja aufs Land gezogen, doch mir hat dieser in Wien spielende Krimi bislang am besten gefallen. Ich persönlich würde ihn auch wieder viel lieber dort ermitteln sehen. Aber vielleicht kehrt er irgendwann zurück!

3 Punkte – Olen Steinhauer: “The Vienna Assignment”

Olen Steinhauer ist mit seiner Milo-Weaver-Trilogie (“Der Tourist”, “Last Exit”, “Die Spinne”) und “Die Kairo-Affäre” im deutschsprachigen Raum bekannt geworden. Ich habe ihn erstmals mit der Spionage-Geschichte “The Vienna Assignment”, die bislang nicht übersetzt wurde, kennengelernt.

4 Punkte – Wolf Haas: “Komm, süßer Tod”

Eine Wien-Krimi-Liste ohne Wolf Haas ist eigentlich nicht vorstellbar. Der Sprachwitz und der markante Haas’sche Erzählstil verraten schon ganz schön viel über Wien.

5 Punkte – Charles Cumming: “Die Trinity-Verschwörung”

Ein Weltklasse-Spionageroman, der auch in Wien spielt. Am stärksten hat sich mir die Mord-Szene im “Kleines Café” eingebrannt. Wien-Besuchern kann ich dieses nur empfehlen.

6 Punkte – Robert Littell: “Philby”

Littells Spionageroman rund um den echten Spion Kim Philby enthält auch einen ganz wichtigen Teil, der zur Zeit des Bürgerkriegs im Februar 1934 in Wien spielt. Das ist wirklich sehr lesenswert.

7 Punkte – Frederick Forsyth: “Die Faust Gottes”

Mittlerweile ist es schon fast zwei Jahrzehnte her, dass ich diesen Forsyth-Thriller gelesen habe. Wie bei Forsyth durchaus üblich, gibt es zahlreiche Schauplätze, einer davon ist Wien.

8 Punkte – Daniel Silva: “Der Zeuge”

Und schon wieder ein Spionageroman, von einem echten Könner des Genres. “Der Zeuge”, Teil vier der Gabriel-Allon-Reihe, ist mein Lieblingsbuch von Silva, das hängt auch – aber nicht nur – mit Wien zusammen.

10 Punkte – Stefan Slupetzky: “Lemmings Zorn”

Als Anhänger englischsprachiger Krimis konnte mich Stefan Slupetzky vor Jahren als erster österreichischer Autor davon überzeugen, dass es auch hierzulande hochkarätige Genreautoren gibt. Seither habe ich viele österreichische Krimis gelesen, aber Slupetzky hat mir mit “Lemmings Zorn” den Weg bereitet.

12 Punkte – Peter Wehle: “Die Wiener Gaunersprache”

Da der Song Contest ja auch ein Trash-Event ist und nicht immer alles ganz so ernst genommen wird, vergebe ich meine zwölf Punkte an ein Werk, an dem kein Wien-Fan vorbeikommt, vor allem wenn er Krimis liebt. Wer Wien und seine Gauner besser verstehen will, sollte sich dieses lexikalische Werk, das nun auch als Taschenbuch erhätlich ist, zulegen. Willkommen in der Welt der “Strizzis”, “Kieberer”, “Tschecheranten” und “Flitscherl”!

Ach ja: Wer Lust hat, kann mir seine persönliche Wien-Krimi-Wertung schicken, vielleicht lässt sich dann ein Gesamtsieger nach Song-Contest-System finden (es müssen dabei ja auch nicht alle Punkte von 1-12 vergeben werden)! Es würde mich einfach interessieren, was eure liebsten Wien-Krimis sind…

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