Tag Archives: Ken Bruen

Krimis, die man 2017 lesen sollte (V)

(c) Polar

Die letzten Wochen war es hier urlaubsbedingt ein wenig still. Das ändert sich nun wieder. Ich hole mal ein paar Buchempfehlungen nach. Demnächst gibt es davon noch mehr.

Aus der Serie rund um den Polizisten Brant sind bisher die “Kaliber” und “Füchsin” erschienen. Nun folgt “Brant”. Wobei die Reihenfolge im Original genau umgekehrt ist: Zuerst erschien “Brant”, dann “Füchsin” und zuletzt “Kaliber”. Warum man im deutschsprachigen Raum umgekehrt vorgeht, muss man wohl nicht verstehen. Ist aber auch egal, Hauptsache, der Polar-Verlag bringt uns mehr von Bruen! Der nun vorliegende Kriminalroman wurde übrigens 2011 mit Jason Statham unter dem Titel “Blitz” verfilmt.

Verlagstext: Nachdem Detective Sergeant Brant sich erst vor kurzem über alle Regeln hinweggesetzt und in einer Billardkneipe einen Randalierer bewusstlos geschlagen hat, wird eine junge Polizistin auf der Straße von einem Unbekannten erschossen. Der Sensationsreporter Harold Dunlop, der sich in seinen Artikeln besonders um den Rufmord von Brant hervorgetan hat, erhält von dem Polizistenmörder einen Anruf, bei dem der Mörder ankündigt, er wolle insgesamt acht weitere Polizisten töten. Kurz danach erschießt er einen Polizisten in seinem Dienstfahrzeug. Zusammen mit Detective Inspector Porter Nash wird ein Ermittlerteam gebildet, das den Cop-Killer so schnell wie möglich fassen soll. Was, wenn jedoch der Täter gefasst und wieder freigelassen wird? Sollte man den Mörder davonkommen lassen? Weil man sich ans Gesetz hält? Detective Sergeant Brant hat da seine eigenen Methoden.

 

(c) Löcker

Sowohl “Gefallene Blüten” als auch “Guter Mohn, du schenkst mir Träume” haben mich begeistert. Bei “Langer Marsch” war das nicht anders, dazu hier demnächst mehr…

Wen Pi, der Icherzähler des Buches, muss 1931 aus Shanghai fliehen. Chiang Kai-shek wütet seit 1927 unter den Kommunisten, es ist ihm gelungen, das Hauptquartier in Shanghai zu enttarnen. Gemeinsam mit Zhou Enlai fährt Wen Pi nach Jiangxi, den ersten Sowjet im Reich der Mitte, den Mao Zedong eingerichtet hat. In mehreren Feldzügen versucht Chiang Kai-shek, die Basis zu stürmen. Erst beim fünften Anlauf ist er erfolgreich. Die Kommunisten verlassen den Jiangxi-Sowjet. Der Lange Marsch beginnt. Wen Pi erzählt von Hunger und Not. Aber nicht genug der Strapazen werden auch noch einer von Maos Sänftenträgern und ein Koch ermordet. Was steckt dahinter? Wurden die Männer aus politischen Gründen exekutiert oder handelt es sich um eine alte Familienschande und blutige Rache?

Während die einfachen Soldaten unter schwierigsten Bedingungen marschierten und kämpften, ließ sich Mao Zedong in einer Sänfte tragen oder ritt auf einem Pferd. Für ihn gab es genug zu essen. Sein Credo: Die Soldaten konnten geopfert werden. Die Führungsriege aber musste geschützt werden.

(c) Pendragon

Mich hat James Lee Burkes Dave-Robicheaux-Roman “Sturm über New Orleans” ziemlich umgehauen. Nun bringt der Pendragon einen Teil der Serie nach dem anderen heraus. “Schmierige Geschäfte” bietet wieder eine Möglichkeit, Burkes Qualitäten zu testen.

Alte Freunde bringen manchmal Unglück. Diese Erkenntnis macht Dave Robicheaux, als er unverhofft dem abgehalfterten Rock ´n´ Roller Dixie Lee Pugh wiederbegegnet. Pugh arbeitet inzwischen für eine Ölfirma und berichtet ihm von zwei finsteren Kollegen und ihren dreckigen Machenschaften in den Bergen Montanas.

Wenig später wird Pugh Opfer eines Brandanschlags und Dave Robicheaux flattert ein Drohbrief ins Haus. Als er sich die Absender schnappen will, steht er plötzlich selbst unter Mordverdacht. Robicheaux hat nur eine Chance: Er muss nach Montana und herausfinden, in welche Geschäfte Dixie Pughs Kollegen verwickelt sind. Es geht um eine Menge Geld, um mächtige Ölgesellschaften und um junge Indianer, die gegen altes Unrecht kämpfen.

 

(c) Ariadne Kriminalroman

Monika Geier ist mir bisher nur namentlich bekannt. Daran möchte ich rasch etwas ändern. “Alles so hell da vorn” klingt nach der idealen Möglichkeit, sie endlich kennenzulernen.

In einem Frankfurter Vorstadtbordell empfängt eine junge Hure einen Freier, einen ihrer Stammkunden. Nichts weist darauf hin, dass sich dieses Zusammentreffen irgendwie von den bisherigen unterscheiden wird. Man geht aufs Zimmer. Kommt zur Sache. Dann schnappt sie sich seine Kanone, schießt ihn ­nieder und ergreift die Flucht. Knallt gleich noch einen der Zuhälter ab, kassiert sein Smartphone, nimmt seinen Wagen und fährt los. Sie weiß genau, wo sie hinwill.

Kriminalkommissarin Bettina Boll wird in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geklingelt: Ein Kollege ist tot, heißt es. Erschossen. In einem Frankfurter Puff. Und es handelt sich ausgerechnet um ihren Ex-Partner und Ex-Beinahe-Freund Kriminal­hauptkommissar ­Michael Ackermann.
Ackermann, so stellt sich heraus, war seit ­Monaten Stammkunde in dem Puff, den er stets in Uniform aufsuchte. ­Erschossen hat ihn eine sehr junge Prostituierte, die sich Manga nennt. Und zwar mit seiner Dienstwaffe. Mit der ist sie jetzt auf der Flucht.
Dann kommt aus dem abgeschiedenen Dorf Höhweiler in Rheinland-Pfalz die Meldung, dass ein aufreizend gekleidetes junges Mädchen vor großem Publikum den Schuldirektor erschossen hat. Ist das der nächste Tote auf dem Konto der geheimnisvollen Manga?

2 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

Ken Bruen: Füchsin

(c) Polar Verlag

(c) Polar Verlag

Mit “Kaliber ist es Ken Bruen gelungen, mich von der ersten Seite Weg auf seine Seite zu ziehen. Diese abgefahrene Hommage an Jim Thompsons Krimiklassiker “Der Mörder in mir” war so komplett anders als alles, was auf dem Markt mit dem Label Krimi versehen wird. Anarchisch, bitterböse, schwarzhumorig, skurril und einfach nur genial. “Füchsin” ist da sehr ähnlich gestrickt, bloß fällt diesmal dieser absolute Whow-Moment des Neuen weg. Dennoch macht Bruen auch diesmal wieder auf knapp 200 Seiten immens Spaß.

Die Polizei, dein Freund und Helfer? Mit seinen Büchern um Detective Sergeant Tom Brant und Chief Inspector James Roberts zertrümmert der irische Autor dieses Weltbild genüsslich Stück für Stück. Strahlende Ritter in Uniform sucht man vergebens. Das Prinzip von Recht und Ordnung sowie das Ideal einer kompetenten, rechtschaffenen Polizeibehörde sind Bruen fremd. Seine Polizisten sind frauen-, fremden- und schwulenfeindlich, denken vordergründig egoistisch und sind alles andere als Vorbilder. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Polizisten sind auch nur Schurken, bloß in Uniform.

Bruen stellt somit die Antithese zu den Romanen des Erfinders des gepflegten Polizeiromans, des Amerikaners Ed McBain, dar. Dieser schrieb von den 1950er-Jahren bis zu seinem Tod 2005 über fünfzig Kriminalromane über das 87. Polizeirevier in New York.

Das Beeindruckendste: Der Autor scheint sein Genre in- und auswendig zu kennen. Das drückt sich auch in einem intensiven Spiel mit Zitaten aus. Dabei sind diese nicht bloß Aufputz. Er verwebt sie in seine Handlungen, stellt sie wie Wegweiser seinen Kapiteln voran. “Warum erwartest du von deiner Polizei, dass sie weniger verrückt sei als du?”, zitiert er in “Füchsin” den US-Kriminalschriftsteller Jerome Charyn, der damit Bruens Werk eigentlich perfekt zusammenfasst.

Was noch interessant ist: “Kaliber” war der sechste Teil der im Original siebenteiligen Serie rund um die wenig vertrauenerweckende Southeast London Police Squad. Nun gibt es mit „Füchsin“ den fünften Teil, und es bleibt zu hoffen, dass die Serie im Polar-Verlag vollständig auf Deutsch erscheinen wird (Der vierte Teil, „Blitz“, kam mit Action-Star Jason Statham in der Hauptrolle sogar zu Kinoehren).

7 von 10 Punkten

Ken Bruen: “Füchsin”, übersetzt von Karen Witthuhn, 179 Seiten, Polar Verlag.

1 Comment

Filed under Rezensionen

Ken Bruen: Kaliber

(c) Polar Verlag

(c) Polar Verlag

Beinahe hätte ich einen der besten Krimis des Jahres 2015 verpasst. Ken Bruens “Kaliber” ist vor allem eine Hommage – eine Hommage an den Krimiklassiker “Der Mörder in mir” von Jim Thompson, aber auch an das Krimigenre an sich. Den ersten drei Kapiteln ist jeweils ein Zitat aus “Der Mörder in mir” vorangestellt, im ersten Kapitel selbst verbeugt sich ein durchgeknallter Killer vor dem klassischen Stück Hard-boiled Noir aus der Feder von Thompson.

Für Fans des gepflegten Kriminalromans ist dieser 180 Seiten dünne wahnwitzige Trip eigentlich Pflicht. So etwas habe ich noch nicht gelesen. Ich musste mir auch die Frage stellen, ob sich der große Don Winslow nicht für seine beiden Meisterwerke “Zeit des Zorns” und “King of Cool” wesentlich von Bruen inspirieren hat lassen. Dieser geniale stakkatoartige Stil, da gibt es schon große Ähnlichkeiten. Winslow selbst führt ja auch Bruens “Jack Taylor fliegt raus” immer wieder in seiner persönlichen Top-5-Krimi-Liste an. Und bereits in diesem 2001 erschienen Buch taucht dieser markante Stil, den Winslow zugegebenermaßen auf die Spitze getrieben hat, auf.

Aber ganz egal, dieses sich nicht um irgendwelche Konventionen und Geschmäcker scherende Büchlein beschert großes Lesevergnügen. Es ist zum Niederknien komisch und schräg, gleichzeitig wunderbar gesellschaftskritisch und durch diese wilde Mischung schlicht genial.

Der irische Autor zeigt sich also von seiner bitterbösen Seite. Moral ist ein Fremdwort für nahezu alle Figuren dieses Romans, vor allem aber für Polizisten. Da ist es mehr als bezeichnend, dass ausgerechnet ein Serienkiller unsympathischen Menschen, die ihm begegnen, eine letale Lektion Manieren erteilt, um in Südlondon eine “kleine Insel der Höflichkeit” zu schaffen. “Kaliber” hat definitiv das Zeug, dereinst selbst als Krimiklassiker eingestuft zu werden.

10 von 10 Punkten

Ken Bruen: “Kaliber”, übersetzt von Karen Witthuhn, Polar, 183 Seiten.

2 Comments

Filed under Rezensionen

Krimis, die man 2016 lesen sollte (IV)

(c) Festa

(c) Festa

Spät aber doch wird Stephen Hunter nun also doch ins Deutsche übersetzt. “Einsame Jäger” (seit 26. April im Handel) ist eines der besten aus seiner Reihe um den Scharfschützen Bob Lee Swagger. Vor einigen Jahren hatte ich eine intensive Hunter-Phase, musste ihn damals aber großteils im Original lesen. Nun sage ich Danke beim Festa-Verlag, ich habe ganz fest vor, “Einsame Jäger” zu lesen.

Der Verlag schreibt: Als in den Bergen von Idaho ein Mann erschossen und die Frau, die ihn begleitet, tödlich verwundet wird, holt den Kriegsveteranen Bob Lee Swagger seine Vergangenheit ein. Denn der Schütze schien es in Wahrheit auf ihn abgesehen zu haben. Die Suche nach einer Erklärung konfrontiert ihn mit schmerzhaften Erinnerungen an seine Einsätze in Vietnam.

Steckt der geheimnisvolle Russe Solaratov dahinter, der schon damals Jagd auf ihn machte? Welche Rolle spielen seine eigene Frau Julie und ihr Ex-Verlobter Donny, für dessen Tod an der Front sich Bob persönlich verantwortlich fühlt?

fuechsinKen Bruen hat mich mit seinem im Vorjahr bei Polar erschienenen schmalen Krimi “Kaliber” richtig umgehauen, ähnliches erwarte ich mir nun von “Füchsin” (1. April). Bruen muss man einfach gelesen haben, das ist schräg und genial.

Angie, kaltschnäuzig und herzlos, manipuliert sie Männer wie Frauen, um sie für ihre Pläne einzusetzen. Auch wenn die erste Bombe im Paradise Cinema nicht explodiert, hält sie die Southeast London Police Squad um Detective Sergeant Brand mit weiteren Bombenankündigungen und Erpressungen in Atem. Als sinnlichste, verrückteste Serienmörderin überhaupt terrorisiert sie die Straßen Londons. Ist unberechenbar, wild, wütend. Ganz wie Detective Sergeant Brand, der für seine knochenbrecherischen Methoden berüchtigt ist und sich wenig um politische Korrektheit schert. So entwickelt sich ein Drama voller schwarzem Humor. Bruen spinnt eine schnelle, scharf geschliffene Geschichte voller respektloser Schurken auf beiden Seiten des Gesetzes.

(c) Blessing

(c) Blessing

Olen Steinhauer ist ein Garant, wenn es um anspruchsvolle Spionagethriller geht. Wenn diese dann wie “Der Anruf” (11. April) noch dazu zu großen Teilen in meiner Heimatstadt Wien spielen, ist das eigentlich eine Pflichtlektüre.

Flughafen Wien, 2006: Auf dem Rollfeld steht ein Airbus mit einhundertzwanzig Passagieren an Bord, den Terroristen in ihre Gewalt gebracht haben. Die CIA vor Ort hat die Chance, die Geiselnahme zu beenden und Blutvergießen zu verhindern. Doch ihr Plan wird verraten – alle Passagiere kommen ums Leben. Der entscheidende Anruf kam aus dem Quartier der CIA.

Kalifornien, 2012: CIA-Agent Henry Pelham ist nervös. Nach Jahren wird er seine Kollegin Celia Favreau wiedersehen, mit der er in Wien eine kurze Beziehung hatte. Zusammen versuchten sie in jener Nacht fieberhaft, das Leben der Passagiere zu retten. Nun hat die interne Ermittlung der CIA den Fall neu aufgerollt. In einem Restaurant treffen sich Henry und Celia. Was als Gespräch unter ehemals Vertrauten beginnt, entwickelt sich zu einem packenden wechselseitigen Verhör, das schließlich die Wahrheit über den Verrat von Wien ans Licht bringt.

killinggamesRoger Hobbs hat 2013 mit “Ghostman” ein vielversprechendes Debüt vorgelegt. Er konnte damit sogar den begehrten Steel Dagger für den besten Thriller gewinnen. Ich habe damals geschrieben: “Dem Autor ist ein rasanter, wendungsreicher Thriller gelungen, der Lust auf mehr macht. Ich freue  mich auf eine Fortsetzung.” Tja, und da ist sie nun mit “Killing Games” (18. April).

Jack weiß, wie man Spuren verwischt, Menschen verschwinden lässt und sich selbst fast unsichtbar macht. Er ist ein Ghostman und dazu noch ein sehr guter. Nur einmal in seinem Leben hat er einen Coup vermasselt. Seitdem hat er seine damalige Mentorin Angela nicht mehr gesehen. Als sie ihn jetzt um Hilfe bittet, zögert er keine Sekunde. Es geht um einen missglückten Überfall, bei dem Angelas Leute wohl mehr entwendet haben als nur Edelsteine. Angela hat sich damit Feinde in gefährlichen Kreisen gemacht, die jetzt hinter der Beute her sind, und über Leichen gehen. Jack ist Angela noch etwas schuldig. Damals hat sie sein Leben gerettet. Jetzt ist es an ihm, sich zu revanchieren …

(c) Heyne

(c) Heyne

Michael Koryta ist der einzige Unbekannte auf dieser Liste. “Die mir den Tod wünschen” (11. April) klingt aber sehr vielversprechend.

An einem stürmischen Tag wird der vierzehnjährige Jace Zeuge eines brutalen Mordes. Jace kann entkommen – doch er weiß, dass die Verbrecher ihn gesehen haben. Die Blackwell-Brüder, ein psychopathisches Killer-Duo, wollen seinen Tod. Jace kann niemandem mehr vertrauen. Unter neuer Identität soll er in Montana Zuflucht finden. Ethan Serbin, ein erfahrener Überlebensspezialist, steht ihm in der gnadenlosen Bergwelt zur Seite. Derweil bahnen sich die beiden Killer ihren blutigen Weg und kreisen ihre Opfer immer weiter ein. Für Ethan und Jace beginnt ein furioser Höllenritt …

 

9 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

Krimis, die man 2015 lesen sollte (V)

(c) Ariadne Kriminalroman

(c) Ariadne Kriminalroman

Es ist fast eine sichere und daher unfaire Wette, davon auszugehen, dass Merle Krögers “Havarie” (seit 4. Mai im Handel) die KrimiZeit-Bestenliste im Juni anführen wird. Ich hoffe das auch sehr. Denn “Havarie” ist das Buch zur aktuellen Flüchtlingsmisere Europas. Kröger beleuchtet aus vielen verschiedenen Perspektiven die kaum wahrgenommenen dramatischen Geschehnisse im Mittelmeer – ohne dabei jemals anzuklagen. Mehr dazu hier in Kürze.

Der Verlagstext: “In einer windigen Nacht steigen zwölf Männer in ein Boot, versuchen Cartagena zu erreichen. Unter dem hohen Sternenhimmel zieht majestätisch ein Kreuzfahrtschiff dahin. Ein deutscher Frachter verlässt den algerischen Hafen mit Kurs auf Dublin. Und die spanische Küstenwache hält sich bereit. – Ein Meer, vier Schiffe, verschiedene Perspektiven: Merle Krögers Roman ist ein seetüchtiger Actionthriller und ein messerscharfes Porträt Europas.”

(c) Metrolit

(c) Metrolit

Der Metrolit-Verlag legt endlich in seiner Noir-Serie nach. Als Auftakt dieser Reihe war Nic Pizzolattos “Galveston” erschienen, das mich sehr begeistert hat. Harry Crews “Florida Forever” (seit 18. Mai im Handel) klingt nun ebenfalls vielversprechend.

Der Verlagstext: “Mit seiner einzigartigen Mischung aus überdrehter Südstaaten-Gothik und libertär-anarchistischem Existenzialismus vereint Harry Crews die schonungslose Seelenausweidung eines James M. Cain mit der Abgeklärtheit eines Norman Mailer und dem Sarkasmus des frühen Tom Wolfe. »Florida Forever« entwirft in grellen Farben den Mikrokosmos einer zwischen Senilität und Aufbegehren schwankenden Gemeinschaft, in der schwer auszumachen ist, was bedrohlicher ist: das Elend des Alterns oder das Diktat der Jugend.”

(c) C. Bertelsmann

(c) C. Bertelsmann

Meine Vorliebe für historische Stoffe hat mich auf Antonin Varennes “Die sieben Leben des Arthur Bowman” (ebenfalls seit 18. Mai erhältlich) aufmerksam gemacht. Das klingt nach einem Krimi mit einmaligem historischen Setting.

Der Verlagstext: “1852: Arthur Bowman, einer der härtesten Söldner der Ostindienkompanie in Birma, hat eine gefährliche Expedition tief in indigenes Gebiet geführt; ein Himmelfahrtskommando, das mit der Gefangensetzung der zehn Überlebenden endet. Sechs Jahre später ist er ein gebrochener Mann im viktorianischen London während der Jahrhunderthitze. Alkohol- und opiumsüchtig verdingt er sich als Polizist. Da wird in der Kanalisation eine verstümmelte Leiche entdeckt – und Bowman des Mordes verdächtigt. Denn der Tote trägt Narben wie er – Folge der Folter in Birma. Also bricht er auf, die neun Mitinhaftierten zu finden.”

(c) Polar Verlag

(c) Polar Verlag

Zum Schluss ein üblicher Verdächtiger: Ken Bruens “Kaliber” (seit 1. Mai im Handel) ist im Polar-Verlag erschienen. Dieser junge Verlag steht ja wie kaum ein anderer für Qualität und hat bereits einige wahre Crime-Fiction-Highlights (z.b. “Stadt der Ertrinkenden” von Ben Atkins) aus dem Hut gezaubert.

Der Verlagstext: “Der Südosten Londons wird vom „Manners Killer“ heimgesucht, der seinen Opfern eine Lektion in Anstand beibringen will. Sein Pech, dass die Ermittlungen ausgerechnet Inspector Brant übernimmt, der gerade einen Kriminalroman schreibt und in bester „The Killer Inside Me“-Manier von Jim Thompson der Meinung ist, dass, wenn schon jemand in seinem Revier ungestraft mit einem Mord davonkommt, er das doch bitteschön selbst ist. „Now here is a serial killer for modern times.“ Und ein Inspector der alten Schule.”

 

 

10 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

Über Sinn und Unsinn von Krimi-Anthologien

(c) Atria

(c) Atria

“Erlesene Krimis” heißt das von Eva Rossmann und Rotraut Schöberl in Österreich herausgegebene Gratis-Büchlein anlässlich des Welttag des Buches. Darin versammeln sich über 20 Ausschnitte aus Krimis namhafter Autoren, in denen Bücher, Buchhändler oder Bibliotheken eine große Rolle spielen. An sich ist das eine feine Idee, allerdings kann ich mit dieser Krimi-Anthologie aus mehreren Gründen nicht viel anfangen.

Erstens killt schon die Grundidee das Grundprinzip jedes guten Krimis: Spannung zu erzeugen. Die ausgewählten Passagen sind nicht die spannendsten, gewitztesten, ausgeklügeltsten oder einfach besten der jeweiligen Bücher, sondern bloß solche, die auf andere Bücher verweisen.

Zweitens hat die Auswahl für mich dadurch einen unguten Beigeschmack: Der zwanghafte Bezug auf Bücher und das Lesen lässt den Eindruck entstehen, dass es dem Krimi-Genre an höherer literarischer Qualität mangeln könnte. Wer heute noch mit Krimis nur Jerry-Cotton oder simple Whodunnits verbindet, dem ist aber ohnehin nicht zu helfen. Gute Krimis haben es nicht nötig, durch einen Literaturbezug veredelt zu werden.

Drittens geben Rossmann und Schöberl im einleitenden Interview zu, nur Textpassagen aus Werken ihrer Lieblingsautoren ausgewählt zu haben. Das finde ich schade, denn hier hätten die beiden die Chance nutzen können, noch weitere Krimikenner- und liebhaber einzubinden, um noch passendere Texte zu finden.

Viertens verhelfen die beiden also Autoren zwar zu Aufmerksamkeit, die diese zweifellos verdient haben. Meiner Meinung nach tun sie den Autoren damit aber nur begrenzt einen Gefallen. Denn beim Lesen einiger Texte entstand bei mir Langeweile – auch weil der Bezug zu Büchern, Buchhändlern oder Bibliotheken manchmal ziemlich erzwungen wirkt. Was hier also gut gemeint ist – nämlich guten Krimis zu Aufmerksamkeit zu verhelfen – läuft meiner Meinung nach Gefahr, das Gegenteil zu bewirken. Gute Krimis lassen sich eben nicht immer anhand von zwei, drei Seiten beurteilen – vor allem, wenn diese Seiten nicht zu den wichtigsten oder aussagekräftigsten zählen.

Sollte – hier gelange ich zu Punkt fünf – die Idee gewesen sein, Nicht-Krimi-Leser für das Genre neugierig zu machen, so funktioniert das aus den Gründen zwei und vier nicht. Diese Krimi-Anthologie vermittelt schlicht und einfach nicht, warum man Crime Fiction liest – leider.

Mein Fazit: Ich gebe zu, ich habe wohl zu viel erwartet. Denn als nettes Gratis-Büchlein zum Welttag des Buches, das Bücher feiert, ist “Erlesene Krimis” wohl perfekt. Nun liebe auch ich Bücher, aber wegen ihres Inhalts. Mit der Beweihräucherung des Buches einmal pro Jahr kann ich wenig anfangen – denn ich feiere ohnehin jeden Tag mit einem (meist auch guten) Buch!

Wer mir aufmerksam bis hierher gefolgt ist, wird sich erinnern, dass der Titel dieses Beitrags “Über Sinn und Unsinn von Krimi-Anthologien” lautet. Daher komme ich zum Abschluss zu einer Krimi-Anthologie, die wirklich Sinn macht. Wer Krimis liebt, sollte dringend die geniale Krimi-Anthologie “Books to die for”, herausgegeben von John Connolly und Declan Burke, konsultieren. Darin empfehlen die besten Krimiautoren der Gegenwart ihren jeweiligen Lieblingskrimi – also Bücher, für die es sich zu sterben lohnt!

Und ich wüsste auch ein Buch, das man bei “Erlesene Krimis” berücksichtigen hätte können: “Tower” von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman. Hier nehmen die Autoren explizit Bezug auf Kriminalliteratur. “Ich kann mit Romanen nicht so viel anfangen”, sagt eine der beiden Hauptfiguren zu einer Buchhändlerin. Diese ruft daraufhin zu jemanden, der zwischen den Stapel lauert: “Das große Umlegen, Der Malteser Falke, Rote Ernte, Der lange Abschied, Lebewohl, mein Liebling, Die kleine Schwester.” Krimikenner wissen, was für Bücher hier gemeint sind. Kurz darauf verlässt die Hauptfigur das Geschäft mit sechs Taschenbüchern – genial oder?

3 Comments

Filed under Krim(i)skrams

Die besten Krimi-Cover im Juli

(c) Kunstmann

(c) Kunstmann

Wie wichtig Cover sind, zeigt sich für mich am Beispiel von “Ich träumte von Elefanten” (Kunstmann) von Ivica Djikic. Erst dadurch wurde ich beim Schmökern durch die Juli-Neuerscheinungen bei krimicouch.de auf das Buch aufmerksam. Deshalb für mich: Platz eins im Juli. Ich glaube nicht, dass ich sonst auf diesen in Kroatien spielenden Krimi gestoßen wäre. Worum es geht: Andrija Sucic, ehemaliger Elitesoldat und Bodyguard des kroatischen Präsidenten wird vor seinem Haus ermordet. Er hat zuviel geredet: Massengräber, Morde an Zivilisten, ethnische Säuberungen – und eine seltsame Geschichte mit Elefanten. “Seine Nachforschungen führen ihn tief in den Sumpf aus Krieg und Kriminalität, in dem der neue Staat geformt wurde, in Hinterzimmer, in denen sich Staatsanwälte, Generäle und Politiker mit Mafiosi treffen”, heißt es im Verlagstext. Ich bin gespannt  und gratuliere den Gestaltern des Buchcovers.

(c) Blanvalet

(c) Blanvalet

Auf Platz zwei ist ein ungewöhnliches Buchprojekt gelandet. Mehr als zwei Dutzend mehr oder weniger namhafte Krimiautoren haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Krimi zu schreiben. “Letzte Ruhe” (blanvalet) heißt der Titel des Buches. Wem es bisher noch nicht aufgefallen ist: Die Gestalter des Covers haben wohl nicht zufällig 26 Patronen (= 26 Autoren) ausgewählt. Ungewöhnlich finde ich es jedenfalls, dass das Buch bislang (Stand: 1. August, 21 Uhr) keine einzige Amazon.de-Besprechung aufweisen kann. Ob der PR-Schmäh hier nicht aufgegangen ist?

(c) dtv

(c) dtv

Der dritte Platz geht an die Gestalter von Ken Bruens drittem Teil der Jack-Taylor-Reihe mit dem Titel “Jack Taylor fährt zur Hölle” (dtv). Die Serie wurde ja bereits einmal aufgelegt. Mir gefällt die nun erfolgte optische Neuauffrischung aber sehr gut. Es sieht einfach fein aus, wenn man diese Bücher im Regal stehen hat. So macht Krimi sammeln Spaß. Das haben offenbar die Verantwortlichen bei dtv erkannt. Vielen Dank.

Leave a comment

Filed under Beste Krimi-Cover