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Garry Disher, der australische Krimigigant

Der australische Krimiautor Garry Disher zählt zu meinen Lieblingsautoren. Umso unverständlicher, dass mir gleich vier seiner letzten Bücher auf meinen Blog durchgerutscht sind. Ich habe sie daher hier alle auf einmal versammelt.

Bevor er mit seinen Reihen um Inspector Challis und Constable Hirschhausen (siehe unten) Erfolge feierte, erzählte der Australier packende Geschichten von der anderen Seite des Gesetzes. Nachdem er Berufsverbrecher Wyatt, eine meiner absoluten Lieblingsfiguren der Kriminalliteratur, kurzzeitig in Pension geschickt hatte, erschienen in den vergangenen Jahren aber wieder neue Romane. In “Moder” sieht sich Wyatt, der stets unsichtbar zu bleiben versucht, mit einem Ponzi-Betrugssystem konfrontiert. Das Buch ist ein hartes Genrestück, das der unterschätzten Serie alle Ehre macht.

Garry Disher: “Moder”, übersetzt von Frank Nowatzki, Pulp-Master-Verlag, 300 Seiten.

(c) Pulpmaster Verlag

Mit dem Berufskriminellen Wyatt hat Disher eine Figur ganz in der Tradition von Richard Starks “Parker” geschaffen. Beide Männer haben keinen Vornamen, sind knallharte Verbrecher und verabscheuen nichts mehr als Stümperei. In “Hitze” soll Wyatt ein Bild stehlen, und wieder einmal kann er seinen Komplizen nicht trauen.

Garry Disher: “Hitze”, übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller, Pulp Master, 278 Seiten.

(c) Unionsverlag

Der Polizist Paul Hirschhausen fristet in der Kleinstadt Tiverton ein beschauliches Dasein. Garry Dishers Kriminalroman “Hope Hill Drive” nimmt nur langsam Fahrt auf, so als hätte er sich an die Umgebung seiner Hauptfigur angepasst. Denn viel scheint im australischen Outback nicht zu passieren. Doch spätestens als ein Massaker an Pferden die Einwohner erschüttert, wird klar, dass auch das Nirgendwo kein idyllischer Ort ist. Der Autor beweist, dass es keine mit Action vollgepackte Handlung braucht, um Spannung zu erzeugen. Diese entsteht subtil, durch alltägliche Schilderungen und das Zusammenspiel der Charaktere.

Garry Disher: “Hope Hill Drive”, übersetzt von Peter Torberg, Unionsverlag, 334 Seiten.

Als eine giftige Schlange unter einer Betonplatte vor ihrem Haus verschwindet, ruft eine besorgte Melbourner Familie einen Schlangenfänger, der prompt eine Leiche zu Tage befördert. Krimiautor Garry Disher greift in “Kaltes Licht” auf keine seiner Serienfiguren zurück, sondern auf Alan Auhl, einen in die Jahre gekommenen Polizisten, der sich boshafte Scherze seiner Kollegen gefallen lassen muss. Ein feinfühliger Kriminalroman mit dem zentralen Thema (Un-)Gerechtigkeit.

Garry Disher: “Kaltes Licht”, übersetzt von Peter Torberg, Unionsverlag, 320 Seiten.

Bemerkenswert: Mit “Kaltes Licht” (Platz eins) und “Hitze” (Platz acht) gelang es Disher im September 2019 übrigens, gleichzeitig mit zwei Büchern von zwei verschiedenen Verlagen auf der Krimi-Bestenliste zu landen – ein toller Erfolg für den sträflich unterschätzten Autor, aber auch für den Kleinstverlag Pulp Master.

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Krimi-Bestenliste im September: Ein Abgleich

(c) Unionsverlag

Ich war in den letzten Monaten nicht immer ganz überzeugt von der Krimi-Bestenliste. Einerseits fand ich “Berlin Prepper” zwar im Ansatz gelungen und durchaus erfrischend, ein Platz 1 auf der Liste war mir dann aber doch zu viel. Andererseits war mir “Willnot” von James Sallis, der definitiv einer meiner Lieblingsautoren ist, zu wenig Kriminalroman. Und der Hype um Max Annas ist mir nicht ganz verständlich (siehe meine Kritiken zu “Die Mauer” und “Illegal”) – weshalb ich zugeben muss, dass ich “Morduntersuchungskommission” und “Finsterwald” nicht gelesen habe.

Nun aber zurück zur aktuellen Liste im September. Die ist wieder einmal ein Volltreffer. Hier finden sich im deutschsprachigen Raum zutiefst und sträflich unterschätzte Autoren wieder, die am laufenden Band unglaubliche Qualität liefern. Gemeint sind damit Garry Disher – wunderbar, dass er hier gleich doppelt vorkommt – und Adrian McKinty (über das einzige Buch, das man von ihm lieber nicht lesen sollte, “The Chain”, schreibe ich hier in Kürze). Und eigentlich auch George Pelecanos, dessen Krimi “Prisoners” mich sehr begeistert hat.

Außerdem dürfte Tawni O’Dells “Wenn Engel brennen” ein echtes Highlight sein (ich beginne die Lektüre gerade) und auf Selim Özdogans “Der die Träume hört” wäre ich ohne die Krimi-Bestenliste wohl nie gestoßen. Wunderbar, da glaubt man, alle Neuerscheinungen im Blick zu haben und immer wieder gibt es dann doch Überraschungen.

Die Liste im Überblick:

1. Garry Disher: Kaltes Licht (1)
2. Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen ((8)
3. Denise Mina: Klare Sache (-)
4. Max Annas: Morduntersuchungskommission (3)
5. Dror Mishani: Drei (-)
6. Selim Özdogan: Der die Träume hört (-)
7. Adrian McKinty: Cold Water (7)
8. Garry Disher: Hitze (-)
9. George Pelecanos: Prisoners (10)
10. Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer (2)

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