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Lee Child: Der Bluthund

(c) Blanvalet

Jack Reacher ist eine der Kultfiguren des modernen Thrillers. Nur mit einer Zahnbürste bewaffnet reist er quer durch die USA. Sein Ziel ist ihm unbekannt, zumeist steigt er in jenen Bus, der als nächstes am Busbahnhof abfährt. Oder er fährt als Anhalter mit. Eines sollte man den ehemaligen Militärpolizisten aber nicht: sich zum Feind machen. Denn dann ist der einsame Reiter kompromiss- und erbarmungslos. Da kann man sich gleich sein Grab schaufeln.

Der Bluthund” ist bereits das 22. Reacher-Abenteuer und ein Ende der Serie ist nicht in Sicht. Denn nach den nächsten beiden, noch nicht übersetzten Bänden (“Past Tense”, Blue Moon”) werden vier weitere Jack-Reacher-Romane in Co-Arbeit mit Childs Bruder Andrew Grant erscheinen. Danach übernimmt der kleine Bruder die Serie überhaupt.

Aber zurück zum aktuellen Buch. Diesmal entdeckt Reacher zufällig bei einem Pfandleiher einen Abschlussring der Militärakademie West Point. Wie dieser dorthin gelangt ist? Das lässt den hartnäckigen Gerechtigkeitsfanatiker nicht mehr los und schon bald steckt er in massiven Schwierigkeiten – naja, genau genommen, die Bösen natürlich.

Hatte man bei den vergangenen Bänden der Reihe immer wieder das Gefühl, der Autor würde ein wenig ermüden, findet Child nun wieder zu alter Stärke zurück. Dabei ist Jack Reacher diesmal so sanft wie schon lange nicht. So wenig Schlägereien und Schießereien finden selten statt.

Dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch – im Gegenteil. Allerdings ist der Thrill-Faktor ein wenig reduziert worden, was vielleicht nicht jedem Fan behagt. Reacher wirkt diesmal fast wie ein echter Mensch – nicht übergroß. Vor allem setzt sich Autor Child diesmal mit einer sehr realen Problematik in den USA auseinander: der Opioid-Krise, die mittlerweile das ganze Land erschüttert und alle Gesellschaftsschichten durchdringt.

Fazit: Auch ein Held ist nur ein Mensch.

7 von 10 Punkten

Lee Child: “Der Bluthund”, übersetzt von Wulf Bergner, Blanvalet Verlag, 447 Seiten.

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Lee Child: Der letzte Befehl

(c) Blanvalet

Lee Childs Jack-Reacher-Thriller sind die perfekte Lektüre für den Urlaub. Ich bin da beim Lesen nicht ganz so anspruchsvoll und genieße gern Reachers politisch unkorrekte, leicht machomäßige (“Ich meine, die Kerle waren anfangs zu viert, und ich habe ihnen die Chance gegeben, mit Verstärkung zurückzukommen. Und was tun sie? Sie kreuzen mit zwei Mann mehr auf. Das war’s schon. Die Kerle sind nur zu sechst angetreten. Was hat das zu bedeuten? Das ist bewusste Respektlosigkeit.”) Welt. “Der letzte Befehl” zeigt uns laut Rückentext des Buches “die Geburt einer Thriller-Legende: Jack Reacher – wie alles begann!”.

Nun ja, allzu viel Neues erfährt man über Jack Reacher nun auch wieder nicht. Interessant ist vielmehr, dass das nun auf Deutsch vorliegende Buch eigentlich Nummer 16 der Reacher-Reihe ist, aber erst nach Abschluss der sogenannten Susan-Turner-Tetralogie als 18. Band erscheint. Zumindest dürfte ab nun die richtige Reihenfolge wiederhergestellt sein.

Aber zurück zu Reacher: Wie gesagt, viel Neues erfährt man nicht über ihn. Bloß die Ursprünge seiner Verhaltensweisen werden hier noch einmal erklärt. Etwa: Warum kauft sich Reacher immer wieder neue T-Shirts statt sie waschen zu lassen, wenn sie schmutzig sind? Ein wenig Reacher-Nostalgie sozusagen.

Auch spielt der Autor gekonnt mit Erwartungen. Zwar wird Reachers Bruder immer wieder erwähnt. Aber Child versteht es gekonnt, den Leser mit wenig neuen bis gar keinen Informationen zurückzulassen. Hier foppt er die Leser genußvoll, das sind schöne Schmähs für echte Reacher-Fans. Natürlich dürfen auch die oben erwähnten Schlägereien nicht fehlen.

Allerdings war mir das diesmal doch ein wenig zu schablonenhaft runtergeschrieben, über die ideenlosen Sexszenen will ich erst gar kein Wort verlieren. Recht phantasielos.

6 von 10 Punkten

Lee Child: “Der letzte Befehl”, übersetzt von Wulf Bergner, Blanvalet, 448 Seiten.

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