Tag Archives: In Almas Augen

KrimiZeit-Bestenliste März: Ein Abgleich

(c) liebeskind

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Diesmal ist mir ein Doppelschlag gelungen: Ich habe zwei Bücher gelesen/zu lesen begonnen, die sich auf der aktuellen KrimiZeit-Liste befinden, noch bevor sie dort aufgetaucht sind! Über Daniel Woodrells Neueinsteiger (5) “In Almas Augen” habe ich hier erst vor wenigen Tagen geschrieben. Ich war sehr begeistert. In David Peaces “GB84”, das es als Neueinsteiger gleich auf Platz eins geschafft hat, stecke ich gerade. Die KrimiZeit-Jury fasst das Buch fein zusammen: “Das Ende der Kohlewelt: kolossal noir”. Großbritannien erscheint in diesem Roman, der im Jahr 1984 spielt, wie ein Bürgerkriegsland, ein Land im Ausnahmezustand.

Tja, Dennis Lehanes “In der Nacht”, über das ich ja auch geschrieben habe, lässt sich nicht aus der Liste schütteln. Gut so. Gelesen habe ich mittlerweile auch Jan Costin Wagners geniales Buch “Tage des letzten Schnees”, über das ich hier schon bald schreiben werde.

Meine KrimiZeit-Ausbeute lässt sich also sehen: Vier von zehn Büchern habe ich gelesen bzw. lese ich gerade.

Die Liste im Überblick:

  1. David Peace: “GB84” (-)
  2. Jan Costin Wagner: “Tage des letzten Schnees” (7)
  3. Jesper Stein: “Unruhe” (3)
  4. Zoe Beck: “Brixton Hill” (6)
  5. Daniel Woodrell: “In Almas Augen” (-)
  6. Dennis Lehane: “In der Nacht” (2)
  7. Martin Cruz Smith: “Tatjana” (5)
  8. Uta-Maria Heim: “Wem sonst als dir” (10)
  9. Friedrich Ani: M” (4)
  10. Karim Miské: “Entfliehen kannst du nie” (-)

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Daniel Woodrell: In Almas Augen

(c) liebeskind

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Daniel Woodrell beherrscht eine Kunst: Dünne Bücher mit epischer Wucht zu schreiben – ähnlich wie James Sallis und Donald Ray Pollock. “In Almas Augen” ist das jüngste Beispiel für Woodrells Meisterschaft. Da ist kein Wort zu viel. In kürzester Zeit ist man abgetaucht in das Missouri des Jahres 1929. Die Explosion bei einer Tanzveranstaltung fordert 42 Menschenleben. Wer war schuld? Woodrell beleuchtet die Geschehnisse von damals, seziert dabei das Kleinstadtleben (Abhängigkeiten, Beziehungen, Geheimnisse) vor dem Hintergrund der Großen Depression – und löst das Rätsel gekonnt auf.

Woodrell ist ein großer Erzähler, der es versteht, Bilder entstehen zu lassen. Schonungslos zeigt er, wozu Menschen fähig sind. Er wird dabei allerdings niemals voyeuristisch. Im Gegenteil: Er schreibt sehr einfühlsam.  Er schafft den Spagat: Einerseits verschont er seine Charaktere nicht, andererseits stellt er sie auch nie bloß.

Er moralisiert nicht. Er manipuliert nicht. Er bezieht nicht Position. Das muss der Leser tun. Woodrell entfaltet seine Geschichte, die rührt und zornig macht. Er erzählt viele kleine Geschichten, die sich zu einer großen zusammenfügen. Ob das nun Crime Fiction ist oder nicht, ist egal. Woodrells Werke sind packende Literatur.

Um noch mehr Lese-Anreiz zu bieten, habe ich ein paar Lese-Eindrücke und Rezensionen zusammengefasst:

“Solche Gegenden, solche Geschichten, solche Mikrogesellschaften haben wir in Deutschland auch. So einen Erzähler wie Daniel Woodrell haben wir nicht. Es ist ein Elend”, schreibt Elmar Krekeler in seiner Kolumne “Krekeler killt”.

“Daniel Woodrell ist ein Genie. Er braucht nur 192 Seiten für eine Geschichte, die andere Autoren mindesten 500, 600, 700 Seiten kosten würde”, meint auch Günter Keil in seinem Blog.

“Von diesen Irrungen und Wirrungen erzählt Woodrell mit distanzierter Empathie, prägnant in den Bildern, die er wählt, soghaft ist die Poesie seiner Sprache, die hineinzieht in eine Welt aus Wut und Armut, aus Gier, Angst und Lust. Eine Welt, in der das Wünschen schon lange nicht mehr hilft”, urteilt Volker Albers vom “Hamburger Abendblatt”.

Kritik auf Literaturblog.at

9 von 10 Punkten

Daniel Woodrell: “In Almas Augen”, übersetzt von Peter Torberg, 188 Seiten, liebeskind.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (II)

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Der Februar ist ein wirklich starker Monat, zumindest was die Krimineuerscheinungen betrifft. Lauren Beukes Zeitreise-Thriller “Shining Girls” (1. Februar) habe ich zwar bereits in meinem vorigen Beitrag “Fünf Krimis, auf die ich 2014 am meisten gespannt bin” genannt, will ich bei den Monats-Highlights aber nicht unter den Tisch fallen lassen.

(c) liebeskind

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Aber schnell weiter zu einem weiteren Buch, das zweifellos das Potential hat, eines der Higlights des Jahres zu werden. Daniel Woodrell hat zuletzt mit “Winters Knochen” und “Der Tod von Sweet Mister” viel Lob von der Kritik geerntet. Ich habe ihn bei einer Lesung gesehen und war von der Bescheidenheit dieses Mannes überwältigt. Nun legt er nach. Woodrell entführt uns mit seinem Buch “In Almas Augen” (10. Februar) in das Jahr 1929 an den Schauplatz Missouri. In einer Kleinstadt sterben 42 Menschen bei einer nächtlichen Explosion bei einer Tanzveranstaltung. Die Ursache wird nie wirklich geklärt. Vierzig Jahre später will nun die titelgebende Alma die Wahrheit wissen. Klingt nach einem absoluten Lese-Muss und ist fix auf meiner Lese-Liste eingeplant.

(c) liebeskind

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Und es ist kaum zu glauben, dass der Verlag liebeskind neben Woodrell mit einem weiteren Buch in den Läden geht, das ein unvergessliches Krimierlebnis bieten könnte. Der preisgekrönte Brite David Peace schreibt in “GB 84” (10. Februar) über das titelgebende Jahr 1984 in Großbritannien. Das Land befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Ausnahmezustand. Die Grenzen zwischen Politik und Verbrechen verschwimmen zunehmend. Es wird mein erstes Buch von David Peace sein, an dem sich die Krimigeister zu scheiden scheinen. Entweder liebt oder hasst man ihn. Mal sehen, wo ich mich einreihen kann.

(c) Knaur

(c) Knaur

Tja, Urban Waites “Wüste der Toten” (3. Februar) klingt nach einem klassischen, harten Krimi. Im Verlagstext steht: Rays Leben ist nicht besonders gut gelaufen. Vor zehn Jahren hatte er eine Frau, einen kleinen Sohn und eine Zukunft. Jetzt hat er nichts mehr. Auch nicht zu verlieren. Einen letzten Job für seinen Boss, einen Drogenbaron, muss er noch erledigen. In Coronado, einem Kaff in der Wüste von New Mexico, das schon bessere Tage gesehen hat. Aber zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit, die Spielregeln haben sich geändert. Als der Coup daneben geht, begreift Ray schnell, dass sein Leben auf Messers Schneide steht …

(c) List

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Weniger hart, aber umso komischer dürfte es in Eoin Colfers “Hinterher ist man noch immer tot” (28. Februar) zugehen. Dan McEvoy, der irische Gangster mit Haarimplantat, der schon in “Der Tod ist ein bleibender Schaden” auf die Leser losgelassen wurde, kehrt zurück.

Alles in allem ein wunderbares Menü, das die Vielfalt des Genres zeigt. Da ist für jeden etwas dabei.

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