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Roger Hobbs: Ghostman

(c) Goldmann

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“Ghostman” ist das Thrillerdebüt von Roger Hobbs. Der Amerikaner ist gerade einmal 24 Jahre alt und schreibt bereits wie ein Routinier. Marcus Müntefering, auch Betreiber des Blogs Krimi-Welt, urteilte daher bei “Spiegel Online”: “Der Neuling könnte den Platz des 2008 verstorbenen Donald E. Westlake einnehmen, an dessen unter dem Pseudonym Richard Stark geschriebene ‘Parker’-Romane ‘Ghostman’ erinnert.” Große Vorschusslorbeeren also.

Etwas differenzierter sieht das Tobias Gohlis in seinem Recoil-Blog. “Richard Starks Parker war unter anderem deshalb so gut, weil er nur halb so viel geredet und mehr nachgedacht hat. Ich bin gespannt, wohin sich Hobbs entwickelt. In Richtung Greg Iles, der nach einem beachtenswert spannenden Debüt zum Pageturn-Plotter wurde, oder doch zum Nachfolger – wenn schon nicht Starks, dann vielleicht Lee Childs?”, schreibt Gohlis.

Ob “Ghostman” eine Eintagsfliege ist oder nicht, wird die Zeit zeigen. Sein Thriller macht jedenfalls Spaß. Er wird nie fad und hat mit Jack Delton eine Hauptfigur, der man es zutraut, eine Serie tragen zu können. Um bei Gohlis zu bleiben: Ein neuer Jack Reacher?

Tatsächlich hat Hobbs einen nüchternen Erzählstil, der aber nicht so reduziert ist wie der von Richard Stark. Delton  ist ein Spezialist, wenn es darum geht, Beweise und Spuren verschwinden zu lassen. Und diesmal muss er nach einem misslungenen Casino-Überfall aufräumen.

“Ich bin sehr gut in dem, was ich tue. Überlebt habe ich, weil ich äußerst vorsichtig bin. Ich lebe allein, ich schlafe allein, ich esse allein. Ich traue niemandem.”

So beschreibt sich Delton selbst. Das klingt paranoid? “Paranoia gehört zum Geschäft, genau wie ein Stapel mit falschen Pässen und Hundert-Dollar-Scheinen unter der untersten Schublade meiner Kommode.” Alles klar?

Hobbs wartet auch mit interessanten Details aus der Welt des Verbrechens auf, die man so noch nicht gelesen hat. Auch die US-Immobilienkrise spielt bei Hobbs eine Rolle. “Ein verlassenes Haus ist ein perfektes Versteck nach einem Raubüberfall”, heißt es da einmal. Dem Autor ist ein rasanter, wendungsreicher Thriller gelungen, der Lust auf mehr macht. Ich freue  mich auf eine Fortsetzung.

Und gerade als ich diese Zeilen jetzt bloggen wollte, habe ich gesehen, dass Hobbs mit “Ghostman” tatsächlich den CWA Ian Fleming Steel Dagger Award 2013 für den besten Thriller des Jahres gewonnen hat. Ich gratuliere!

7 von 10 Punkten

Roger Hobbs: “Ghostman”, übersetzt von Rainer Schmidt, Goldmann, 381 Seiten.

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Dagger Awards: Shortlists sind da

(c) Lübbe

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Die Shortlist für die drei wichtigsten Kategorien der Dagger-Awards sind da. Ich habe hier ja schon einmal im Juli über die Daggers geschrieben, als die Longlist herausgekommen sind.

For the CWA Goldsboro Gold Dagger:
Belinda Bauer for Rubbernecker (Bantam/Transworld)
Lauren Beukes for The Shining Girls (HarperCollins)
Mick Herron for Dead Lions (Soho Crime)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)

For the CWA Ian Fleming Steel Dagger:
Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

For the CWA John Creasey Dagger:
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)

Noch einmal für alle Interessierten: Die Bücher von Masterman, Hobbs, Wilson, Jameson und Miller sind auf Deutsch erhältlich. Millers “Ein seltsamer Ort zum Sterben” habe ich hier bereits rezensiert. “Ghostman” von Hobbs habe ich heute zu lesen begonnen. Jamesons Buch steht in meinem Regal.

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Dagger Awards 2013: Eine Nachbetrachtung

(c) Goldmann

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Es gibt meiner Meinung nach zwei herausragende Preise für außergewöhnliche Kriminalliteratur. Im Mai habe ich an dieser Stelle über die Gewinner der “Edgar Awards” geschrieben. Und nun sind am Montagabend die ersten “Dagger Award”-Gewinner bekanntgegeben worden. Den “International Award” teilten sich Fred Vargas (“Die Nacht des Zorns”) und Pierre Lemaitre (“Ich will dich sterben sehen”). Es ist das erste Mal in der Geschichte des Preises, dass es zu einer solchen Teilung kommt. Andrew Taylor hat – zum bereits dritten Mal nach 2001 und 2003 – mit “The Scent of Death” den “Historical Dagger” gewonnen. Der “Diamond Dagger” ging übrigens an Lee Child.

Für mich besonders interessant sind aber immer die Long Lists in den Kategorien “Steel” (Thriller) und “John Creasy” (Newcomer).

Auf der “Steel Dagger”-Longlist finden sich sieben Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Liz Jensen for The Uninvited (Bloomsbury)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Pan Macmillan)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Andrew Williams for The Poison Tide (John Murray)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

Mein persönlicher Favorit “Ghostman” von Roger Hobbs erscheint übrigens am 22. Juli und befindet sich schon seit längerem auf meiner Leseliste. Liz Jensens Buch ist am 1. Juni unter dem Titel “Die da kommen” erschienen. Robert Wilsons Buch wird unter dem Titel “Stirb für mich” am 19. August in die Buchläden kommen. Von Stuart Neville erscheint am 9. September zwar mit “Racheengel” ebenfalls ein neues Buch – die Vorlage ist aber “Stolen Souls” und nicht “Ratlines”. Von den restlichen Autoren gibt es leider noch keine Erscheinungstermine für deutschsprachige Ausgaben. Bei Malcolm Mackay überlege ich aber bereits seit längerem einfach zum Original zu greifen. Die Nominierung könnte mich jetzt endgültig dazu motivieren.

Auf der “John Creasy”-Longlist finden sich acht Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Doubleday)
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)
Michael Russell for The City Of Shadows (Avon)
M D Villiers for City of Blood (Harvill Secker)

Hobbs und Mackay sind also doppelt nominiert – eine echte Ehre für Newcomer. Zu meiner ziemlich frischen Rezension von “Ein seltsamer Ort zum Sterben” von Derek B. Miller (im Juni erschienen) geht es hier. Hanna Jamesons Buch ist bereits im Februar unter dem Titel “Kalter Schmerz” erschienen. Becky Mastermans nominiertes Buch ist im April unter dem Titel “Der stille Sammler” in die Buchläden gelangt. Die Bücher der weiteren Talente sind noch nicht übersetzt worden und meines Wissens auch noch nicht zur Publikation vorgesehen.

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