Tag Archives: Ein seltsamer Ort zum Sterben

Dagger Awards: Shortlists sind da

(c) Lübbe

(c) Lübbe

Die Shortlist für die drei wichtigsten Kategorien der Dagger-Awards sind da. Ich habe hier ja schon einmal im Juli über die Daggers geschrieben, als die Longlist herausgekommen sind.

For the CWA Goldsboro Gold Dagger:
Belinda Bauer for Rubbernecker (Bantam/Transworld)
Lauren Beukes for The Shining Girls (HarperCollins)
Mick Herron for Dead Lions (Soho Crime)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)

For the CWA Ian Fleming Steel Dagger:
Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

For the CWA John Creasey Dagger:
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)

Noch einmal für alle Interessierten: Die Bücher von Masterman, Hobbs, Wilson, Jameson und Miller sind auf Deutsch erhältlich. Millers “Ein seltsamer Ort zum Sterben” habe ich hier bereits rezensiert. “Ghostman” von Hobbs habe ich heute zu lesen begonnen. Jamesons Buch steht in meinem Regal.

Leave a comment

Filed under Awards

Dagger Awards 2013: Eine Nachbetrachtung

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Es gibt meiner Meinung nach zwei herausragende Preise für außergewöhnliche Kriminalliteratur. Im Mai habe ich an dieser Stelle über die Gewinner der “Edgar Awards” geschrieben. Und nun sind am Montagabend die ersten “Dagger Award”-Gewinner bekanntgegeben worden. Den “International Award” teilten sich Fred Vargas (“Die Nacht des Zorns”) und Pierre Lemaitre (“Ich will dich sterben sehen”). Es ist das erste Mal in der Geschichte des Preises, dass es zu einer solchen Teilung kommt. Andrew Taylor hat – zum bereits dritten Mal nach 2001 und 2003 – mit “The Scent of Death” den “Historical Dagger” gewonnen. Der “Diamond Dagger” ging übrigens an Lee Child.

Für mich besonders interessant sind aber immer die Long Lists in den Kategorien “Steel” (Thriller) und “John Creasy” (Newcomer).

Auf der “Steel Dagger”-Longlist finden sich sieben Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Liz Jensen for The Uninvited (Bloomsbury)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Pan Macmillan)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Andrew Williams for The Poison Tide (John Murray)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

Mein persönlicher Favorit “Ghostman” von Roger Hobbs erscheint übrigens am 22. Juli und befindet sich schon seit längerem auf meiner Leseliste. Liz Jensens Buch ist am 1. Juni unter dem Titel “Die da kommen” erschienen. Robert Wilsons Buch wird unter dem Titel “Stirb für mich” am 19. August in die Buchläden kommen. Von Stuart Neville erscheint am 9. September zwar mit “Racheengel” ebenfalls ein neues Buch – die Vorlage ist aber “Stolen Souls” und nicht “Ratlines”. Von den restlichen Autoren gibt es leider noch keine Erscheinungstermine für deutschsprachige Ausgaben. Bei Malcolm Mackay überlege ich aber bereits seit längerem einfach zum Original zu greifen. Die Nominierung könnte mich jetzt endgültig dazu motivieren.

Auf der “John Creasy”-Longlist finden sich acht Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Doubleday)
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)
Michael Russell for The City Of Shadows (Avon)
M D Villiers for City of Blood (Harvill Secker)

Hobbs und Mackay sind also doppelt nominiert – eine echte Ehre für Newcomer. Zu meiner ziemlich frischen Rezension von “Ein seltsamer Ort zum Sterben” von Derek B. Miller (im Juni erschienen) geht es hier. Hanna Jamesons Buch ist bereits im Februar unter dem Titel “Kalter Schmerz” erschienen. Becky Mastermans nominiertes Buch ist im April unter dem Titel “Der stille Sammler” in die Buchläden gelangt. Die Bücher der weiteren Talente sind noch nicht übersetzt worden und meines Wissens auch noch nicht zur Publikation vorgesehen.

2 Comments

Filed under Awards

Derek B. Miller: Ein seltsamer Ort zum Sterben

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Nachdem ich das Cover hier zuletzt bereits gelobt habe, will ich mich nun dem ganzen Buch widmen. Interessant ist schon einmal der ungewöhnliche Weg der Publikation. “Ein seltsamer Ort zum Sterben” erschien zuerst in Norwegen (die Handlung spielt ja auch dort), obwohl es auf Englisch geschrieben wurde. Der Roman wurde von US-Autor Derek B. Miller mehrmals modifiziert. Die englischsprachige Veröffentlichung, nach der auch die deutsche Ausgabe übersetzt wurde, betrachtet er aber als die definitive.

Zum Inhalt: Nach dem Tod seiner Frau ist der 82-jährige Sheldon Horowitz zu seiner Enkelin nach Oslo gezogen. Er verlässt kaum sein Zimmer und hat viel zu viel Zeit nachzudenken – auch über seinen zu früh gestorbenen Sohn, der als Soldat in Vietnam fiel. Erst als plötzlich eine bedrohte Frau mit ihrem Kind vor seiner Tür steht, erwacht er aus seiner Lethargie. Kurz darauf ist die Frau tot und der alte Mann befindet sich mit dem Buben auf der Flucht. Sein Leben hat wieder einen Sinn: Er muss dieses Kind retten.

Miller hat ein Roadmovie der anderen Art geschrieben. An manchen Stellen wirkt das wie eine Hommage an Mark Twains “Huckleberry Finn”. Unwillkürlich kam mir dabei auch immer wieder Joe R. Lansdales “Dunkle Gewässer” in Erinnerung. Während dieser aber eine blutdurchtränkte Version abgeliefert hat, kann man Millers Interpretation als eine stille bezeichnen. Der Autor schreibt einfühlsam und mit Humor. Eine Stelle im Buch fand ich zum Beispiel sehr witzig: Miller lässt einen der Bösen Hollywood-Filme aufzählen, in denen die Figuren in der Dusche sterben – “aber nie im Schrank”. Dort hat er sich nämlich versteckt. Kurz darauf vergeht ihm aber die Selbstgefälligkeit, denn er war doch nicht so schlau, wie er dachte.

Miller nimmt sich Zeit für die unzähligen Erinnerungen, die Sheldon immer wieder heimsuchen. Sheldon lebt in seiner eigenen Welt, in der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielt. Nicht immer ist klar, was Sheldon wirklich erlebt hat und was sich durch seine Erinnerungen verzerrt hat. Seine verstorbene Frau hat ihn deshalb unter Demenzverdacht gestellt. Folgt man als Leser Sheldons Gedanken, macht das aber einen anderen Eindruck: Es ist so, als würde sich angesichts des nahenden Lebensendes alles Erlebte zu einem Ganzen zusammenfügen. Eigentlich eine tröstliche Vorstellung.

Miller hat neben dem Thema Sterblichkeit aber noch viele andere interessante Aspekte in seine ungewöhnliche Geschichte eingewoben: So kann man “Ein seltsamer Ort zum Sterben” auch als eine Art Anti-Kriegsroman lesen (vor allem die Passagen, die sich mit Sheldons Sohn aber auch seinen eigenen Kriegserfahrungen im Koreakrieg befassen; aber auch die Bösen sind vom Jugoslawien-Krieg traumatisiert bzw. geprägt) und erfährt viel über Norwegen, ein Land fast ohne Juden. Das tut er auf angenehm unaufdringliche Weise, das hemmt aber dennoch manchmal – vor allem zu Beginn – den Lesefluss. Ist man aber erst einmal mit den beiden ungleichen Flüchtigen unterwegs, wird man endgültig in die Geschichte hineingezogen.

7 von 10 Punkten

Derek B. Miller: “Ein seltsamer Ort zum Sterben”, übersetzt von Olaf Roth, Rowohlt Polaris, 416 Seiten.

Leave a comment

Filed under Rezensionen

Die besten Krimi-Cover im Juni

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Aus dem Urlaub im sonnigen Sardinien zurück, wende ich mich krimitechnisch gleich einem weniger wettertechnisch verwöhnten Land zu: Nordirland. “Der katholische Bulle” (Suhrkamp nova) von Adrian McKinty ist für mich das Krimi-Cover des Monats Juni. Das Cover nimmt mich gleich emotional auf die Reise mit. Wie hier schon erwähnt ist das Buch für mich auch eines der absoluten Lese-Highlights dieses Jahres. Ich vertraue da einfach auf das Können des Autors, der mich bisher nicht enttäuscht hat.

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Auf Platz zwei landet “Ein seltsamer Ort zum Sterben” (Rowohlt Polaris) von Derek B. Miller. Ich habe das Buch im Urlaub ausgelesen und war ziemlich angetan. Mehr dazu hier in Kürze. Und das Cover ist wirklich toll gestaltet, zumal das Titelild mehr oder weniger die ganze Geschichte zusammenfasst. Wer das Buch gelesen hat, wird alle wichtigen Zutaten des Krimis erkennen: Das rote Haus in der Ferne stellt den Zielort der beiden Hauptdarsteller im Vordergrund dar. Sogar der ungewöhnliche Kopfschmuck des Jungen (Leser wissen Bescheid) taucht auf. Ein ausgesprochenes Lob an die Verantwortlichen!

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Platz drei geht an “Gluthitze” (Suhrkamp) von Joe R. Lansdale. Der Verlag beschreibt das Buch folgendermaßen: “Camp Rapture, eine verlorene und verlogene Kleinstadt mitten in Texas, liegt unter einer Hitzeglocke, als ein abgehalfterter Reporter in seine Heimat zurückkehrt und eine Story wittert.” Das Taschenbuch-Cover, das sich vom Hardcover (Achtung: unter dem Titel “Gauklersommer”!) übrigens deutlich unterscheidet, bringt das gut rüber. Allein beim Ansehen wird mir heiß…

Leave a comment

Filed under Beste Krimi-Cover