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Horst Eckert: Die Stunde der Wut

(c) Heyne

Horst Eckert zählt für mich zu den besten deutschen Krimiautoren. Nach “Im Namen der Lüge” legt er nun mit “Die Stunde der Wut” den zweiten Teil seiner Serie rund um Melia Adan und Vincent Veih (“Schwarzlicht”, “Wolfsspinne”) vor. Keiner beherrscht im deutschsprachigen Raum das Genre des “Police Pocedural” so traumwandlerisch gut wie Eckert – mit Ausnahme von Norbert Horst (“Mädchenware”) vielleicht.

Auch die Machenschaften der Geheimdienste spielen in seinen letzten Büchern eine große Rolle. Sehr spannend war es daher auch, als Eckert im Zuge des virtuell übertragenen “Crime Day 2021” in einer Debatte auf Stephan R. Meier, den Autor des Politkrimis “44 Tage” (indem es um den RAF-Terror im Jahr 1977 geht) traf. Gegensätzlicher könnten die beiden Autoren in ihrer Grundeinstellung kaum sein. Während Eckert die Tätigkeiten der Inlandsgeheimdienste Deutschlands äußerst skeptisch betrachtet, steht Meier diesen wesentlich wohlwollender gegenüber.

Kein Wunder, ist Meier doch der Sohn des ehemaligen Verfassungsschutzchefs. Und gibt unumwunden zu, dass er seinem Vater ein literarisches Denkmal setzen wollte. Das ist natürlich verständlich, zumal Meiers Familie tödliche Bedrohung hautnah miterlebte. “Das gleitet jedoch oft in eine allzu plumpe, schon peinliche Glorifizierung des im Roman „Roland Manthey“ (=Richard Meier) genannten Präsidenten des Amtes für Verfassungsschutz – und auch einiger anderer Protagonisten – ab”, schreibt etwa der Literaturblog.

Eckert, wie gesagt, ist von einer Glorifizierung der Geheimdienste weit entfernt. “Du weißt doch, dass seit der NSU-Geschichte das Vernichten von Unterlagen verboten ist, weil herauskam, dass wir etliche NSU-Helfer auf diese Art geschützt haben. So etwas wie die Aktion Konfetti soll es nie wieder geben”, heißt es da an einer Stelle. “Deshalb lässt man Akten, die niemand lesen soll, nicht mehr verschwinden, sondern belegt sie mit einem Auswertungsverbot.”

Gekonnt führt der Autor lose Fäden aus “Im Namen der Lüge” weiter. Melia ist im zweiten Band zur Kriminalrätin aufgestiegen, Kriminalhauptkommissar Vincent Veih ist ihr mittlerweile unterstellt. Melia will noch immer den Tod einer Kollegin klären, deren Leiche bis dato nicht gefunden wurde. Und Veih hat sich noch immer mit seiner Mutter, einer ehemaligen RAF-Kämpferin, herumzuschlagen. Wohl auch deshalb ist ihr Streben nach Gerechtigkeit so ausgeprägt. Aber auch so wichtig wie nie: Denn der Feind lauert in den eigenen Reihen. Ränkespiele und Korruption stehen auch bei der Polizei an der Tagesordnung.

7 von 10 Punkten

Horst Eckert: “Die Stunde der Wut”, Heyne Verlag, 445 Seiten.

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