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Sven Heuchert: Dunkels Gesetz

(c) Ullstein

Sven Heucherts “Dunkels Gesetz” hinterlässt mich ein wenig ratlos. Vielleicht sind es die vielen Lobeshymnen, die mich verunsichern. Aber so ganz mein Fall ist dieses Stück Provinz Noir nicht.

Ja, so düster war ein deutschsprachiger Kriminalroman noch selten. So trist, so herabgekommen – ein konsequenter Anti-Regio-Krimi sozusagen. Das müsste doch eigentlich passen. Aber gleichzeitig war mir das dann auch deutlich zu klischeehaft. Zu viel des Dunklen. Und dass die Hauptfigur auch noch so heißen muss, naja. Beim Lesen war ich geneigt, weiterzublättern. Das passiert mir nicht so oft. Die Figuren ließen mich kalt, die erzählte Geschichte auch.

Nein, es ist nicht schlecht, was Sven Heuchert da schreibt. Aber so richtig überzeugt hat es mich eben auch nicht. Ich schwanke hin und her. Handwerklich einerseits gut, aber andererseits auch zu gewollt, zu bemüht, zu einseitig. Da fehlt die gewisse Raffinesse.

Es wirkt nicht ganz echt, künstlich. Ganz im Gegensatz etwa zu Ottessa Moshfeghs “Eileen”, das ich gleich im Anschluss gelesen habe. Moshfeghs titelgebende Hauptfigur kommt auch aus einem unglaublich tristen Umfeld, aber diese Eileen ist bereits nach wenigen Seiten viel mehr als nur eine Figur, man glaubt sie fast schon zu kennen.

Thomas Wörtche findet für “Dunkels Gesetz” in seinem Leichenberg ebenfalls ziemlich harte Worte: “Natürlich ist alles ganz furchtbar und noirnoirnoir, im Zwischenmenschlichen keimt Hoffnung, wie sich’s für Kitsch Noir gehört. Und das ganze ohne jegliche Überraschung, ohne Drehs und Wendungen, ohne Komik, ein bisschen wie der Kohlsuppennaturalismus früherer Zeiten. Das ist keine vergiftete Provinz wie manchmal bei Manchette, sondern ein 1:1-Katalog der Klischees, die aber mit großer Pose penibel abgearbeitet und abgehakt.”

Ganz im Gegensatz zum Kaffeehaussitzer übrigens, der ins Schwärmen gerät: “Das Wort „Noir“ wird heute zur Charakterisierung von Kriminalliteratur schon beinahe inflationär gebraucht. Aber wenn jemand in Deutschland Noir vom Feinsten schreibt, dann ist es Sven Heuchert, der mich mit seiner Story-Sammlung Asche schon begeistern konnte. Sein erster Roman „Dunkels Gesetz“ steht in bester Tradition der Werke etwa Daniel Woodrells, dem großen Noir-Meister aus den USA.”

5 von 10 Punkten

Sven Heuchert: “Dunkels Gesetz”, Ullstein Verlag, 192 Seiten.

 

 

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