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Friedrich-Glauser-Preis für Tom Hillenbrands “Drohnenland”

(c) KiWi

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Ich habe ja gerade von einem der wichtigsten US-Preise für Kriminalliteratur berichtet. Nun wurde auch der wohl wichtigste deutsche Krimipreis – neben dem Deutschen Krimi Preis natürlich – vergeben: Der Friedrich-Glauser-Preis. Danke, Schneemann, ohne dich hätte ich den Preis glatt übersehen 😉

Als bester Roman 2015 wurde “Drohnenland” von Tom Hillenbrand ausgezeichnet. Das ist definitiv eine gute Wahl! “Drohnenland” war für mich eine der großen Überraschungen des Lesejahrs 2014. Die Jury begründet ihre Wahl folgendermaßen: “Nicht zuletzt stellt der Roman die wichtige Frage nach der Realität im digitalen Zeitalter. Was ist noch wahrhaftig, wenn unsere Wahrnehmung von Maschinen manipuliert werden kann?”

Normalerweise passen der Glauser und ich ja nicht so ganz zusammen. Manche Entscheidungen haben mich sogar wenig begeistert (Stichwort: “Der Kameramörder” von Thomas Glavinic halte ich für schwer überschätzt). Umso mehr freut es mich, dass Hillenbrand hier für sein mutiges Buch abseits seines erfolgreichen Kulinarik-Krimipfades gewürdigt wird.

Ach ja, Sascha Arangos hochgelobtes Buch “Die Wahrheit und andere Lügen” wurde als bestes Krimidebüt ausgezeichnet. Bei mir steht das Buch im Regal, ich bin bisher aber noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

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Tom Hillenbrand: Drohnenland

(c) KiWi

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Momentan macht das Lesen wirklich Spaß. Dabei war ich vor allem bei “Drohnenland” skeptisch. Denn eigentlich dachte ich mir, ich lese das Buch zur Abrundung, um Marc Elsbergs “Zero” besser einordnen zu können – als Beiwerk sozusagen. Was meine Skepsis besonders genährt hat: Hillenbrand ist mit seinen “kulinarischen Krimis” rund um den Koch Xavier Kieffer bekannt geworden. Wenn mich ein Trend am Krimimarkt im Moment besonders nervt (ja, ich weiß, neben supergenialen Serienkillern natürlich), dann diese Schwemme an Krimis, die sich wie gut getarnte Kochbücher lesen. Das mag charmant sein, ich finde es großteils kalkuliert und aufgesetzt. Aber egal. Denn wer so zwischen den Welten wandeln kann wie Hillenbrand, muss gut sein. Sein Buch ist alles andere als ein Beiwerk. Und da bin ich nun sogar versucht, einen seiner kulinarischen Krimi zu lesen. Mein Respekt: Es ist wagemutig, erfolgreiche, aber abgetretene Pfade zu verlassen. Denn letztlich riskiert er damit auch ökonomischen Misserfolg.

Aber nun zu “Drohnenland”. Das ist ein kleines future-noir-Meisterwerk, das sich wie die logische Fortsetzung von Steven Spielbergs “Minority Report” (Stichwort: Pre-Crime, also die Vorhersage von Verbrechen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten) liest. Drohnen überwachen unser Leben in jedem erdenklichen Moment. Eigentlich lückenlos. Aber zum Glück gibt es auch noch Ermittler wie Kommissar Westerhuizen, der in dieser erschreckenden Zukunftsvision wunderbar altmodisch daherkommt. In einer Welt, in der Polizisten Tatorte nicht mehr begehen, weil es perfekte “Spiegelungen” gibt, die man vor- und zurückspulen kann (im Schnelldurchlauf sowie in Zeitlupe natürlich), sollte kein Verbrechen unlösbar sein. Außer… Mehr will ich hier aber nicht verraten.

Es ist nicht nur die überzeugende Zukunftsvision eines komplett überwachten Europas (es gibt Assassinendrohnen, Hobodrohnen, Colibris usw.), die fasziniert. Es sind auch Hillenbrands Figuren sowie seine politischen und geopolitischen Szenarien. Die USA spielen überhaupt keine Rolle mehr, dafür aber Brasilien oder auch Portugal, das aufgrund seiner Wellenkraft zum reichsten EU-Land (es gibt 36 Mitglieder!) aufgestiegen ist. Was im ersten Moment wie Humbug klingen mag, wirkt beim Lesen vollkommen glaubwürdig und realistisch. Und auch sprachlich hat er es drauf. Ich finde seinen Einstieg genial:

“Er ist die mit Abstand bestangezogene Leiche, die mir je untergekommen ist: rahmengenähte Kalbslederschuhe, ein Mailänder Maßanzug, dessen Preis mein Monatsgehalt übersteigt, dazu ein bewusst nachlässig gebundener Steinkirk – nebst passendem Einstecktuch. Alles an ihm sitzt tadellos, außer seinem Gesicht. Dessen Überreste sind halbkreisförmig auf dem sandigen Boden verteilt.”

Da entstehen Bilder im Kopf. Zudem hat Hillenbrand einen angenehm klassischen Kriminalroman geschrieben, der halt einfach in einer (noch) unvorstellbaren Zukunft spielt. “Krekeler killt” schreibt dazu übrigens: “Das Interessante für das Genre ist nun, dass ein Kommissar eigentlich komplett überflüssig wird in der Zukunft. Westerhuizen könnte ein Letzter seiner Art sein. (…) Drohnen ersetzen dann nicht nur Soldaten, sondern auch Detektive. Weil es in einer Welt voller Aufklärungselektronik streng genommen keinen Aufklärer mehr geben muss.” Hut ab, Elmar Krekeler, besser kann man es nicht formulieren! Und Hut ab, Tom Hillenbrand – “Drohnenland” ist sicher eine der großen positiven Überraschungen dieses Krimijahres.

9 von 10 Punkten

Tom Hillenbrand: “Drohnenland”, 423 Seiten, KiWi.

 

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KrimiZeit-Bestenliste Juni: Ein Abgleich

(c) Dumont

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Die KrimiZeit-Bestenliste für den Juni ist da – und ich bin begeistert. Ein Applaus für die Jury! Zwei Neueinsteiger habe ich im Mai gelesen und den dritte Neueinsteiger habe ich gerade zu lesen begonnen. An der Spitze hat sich nichts verändert: Oliver Bottini ist mit “Ein paar Tage Licht” noch immer die Nummer eins. Auch auf den Plätzen zwei und drei hat sich nichts getan: Ross Thomas liegt mit “Fette Ernte” weiter auf Platz zwei und die Französin Dominique Manotti reiht sich mit “Ausbruch” erneut auf Rang drei ein.

Ich wende mich daher gleich den Neueinsteigern zu: Auf Platz fünf liegt Tom Hillenbrand mit “Drohnenland”. Das Buch habe ich eher zufällig in der Buchhandlung gekauft, weil es thematisch ein wenig an Marc Elsbergs “Zero” erinnert. Ich stehe zudem im Moment auf futuristische Krimis. Und “Drohnenland” liest sich ein wenig wie eine Fortsetzung von “Minority Report”. Das Buch ist fesselnd, faszinierend und einfach gut geschrieben – mehr dazu in Kürze. Tja, Neueinsteiger Benjamin Percy (Platz sechs) hat mich mit “Roter Mond” in meinem letzten Eintrag Lobeshymnen singen lassen – zur Kritik hier. Und André Georgi ist mit “Tribunal” auf Rang zehn eingestiegen. Da kann ich noch nicht viel sagen, weil ich gerade mal 20 Seiten absolviert habe. Stilistisch gefällt es mir aber bisher gut.

Fazit: 4 von 10 Bücher habe ich gelesen bzw. lese ich gerade.

Die Liste im Überblick:

  1. Oliver Bottini: “Ein paar Tage Licht” (1)
  2. Ross Thomas: “Fette Ernte” (2)
  3. Dominique Manotti: “Ausbruch” (3)
  4. Leonardo Padura: “Ketzer” (5)
  5. Tom Hillenbrand: Drohnenland (-)
  6. Benjamin Percy: “Roter Mond” (-)
  7. Mukoma wa Ngugi: “Nairobi Heat” (10)
  8. Daniel Woodrell: “In Almas Augen” (9)
  9. Sascha Arango: “Die Wahrheit und andere Lügen” (-)
  10. André Georgi: “Tribunal” (-)

 

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