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Krimis, die man 2015 lesen sollte (IV)

(c) Alexander Verlag Berlin

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Diesmal bin ich mit meinen Tipps zu den Krimierscheinungen im April sehr spät dran. Buch Nummer eins ist daher schon seit einem Monat (1. April) erhältlich – genau genommen aber auch schon viel länger. Denn “Miami Blues” zählt eigentlich zu den Klassikern des Genres und ist im Original 1984, auf Deutsch erstmals 1987 erschienen. Ich muss aber gleich gestehen, ich habe Charles Willefords Buch noch nicht gelesen, daher bin ich auch froh über diese Alt-Neuerscheinung. Auf krimi-couch.de wird er als “das für lange Zeit verkannte und unbeachtete Pulp-Genie Amerikas” bezeichnet.

Der Verlag schreibt zur Handlung: “Frederick Frenger Junior kommt gerade aus dem Knast. Doch viel Zeit, seine wiedergewonnene Freiheit in Ruhe zu genießen, bleibt ihm nicht. Am Flughafen von Miami bricht er einem ihm lästigen Krishna-Anhänger aus Bosheit einen Finger. Da nimmt das absurde Unheil seinen Lauf: Der Angegriffene stirbt völlig unvermutet an dem erlittenen Schock. Doch da hat sich Frenger schon längst aus dem Staub gemacht. Als er nur wenig später mit der Bedienung Susan in einem Coffee-Shop anbandelt, ahnt er nicht, dass er sich ausgerechnet die Schwester seines Opfers ausgesucht hat. Erst als sie in den Verdacht gerät, in den Tod ihres Bruders verwickelt zu sein, dämmert ihm, wie tief er in der Klemme sitzt. Kurz entschlossen plant er einen großen Coup, der alle seine Probleme mit einem Schlag lösen soll. Aber da ist ihm der Ermittler Hoke Moseley schon dicht auf der Spur.”

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Auch Don Winslows “China Girl” ist nicht mehr ganz frisch. Der zweite Teil aus Winslows Neal-Carey-Serie ist im Original 1992 erschienen und wird nun (seit 7. April erhältlich) endlich wieder aufgelegt. Über Winslow zu schwärmen, erspare ich mir. Jeder Leser dieses Blogs weiß ohnehin von meiner Vorliebe für diesen Autor. Ich werde mir die Carey-Serie (aus der ja bis Ende des Jahres noch weitere Teile erscheinen) aber für später vornehmen. Ich komme angesichts der vielen spannenden Neuerscheinungen der letzten Monate momentan einfach nicht dazu.

Der Verlagstext: “Robert Pendleton ist ein Chemiegenie; was er entwickelt, bedeutet nicht nur Fortschritt, es bedeutet vor allem Reichtum und Macht. Als er plötzlich verschwindet, sind alle in Aufruhr: die CIA, die chinesische Regierung und die »Bank«, die sehr viel Geld in Pendletons Forschung investiert hat. Neal Carey soll ihn wiederfinden – ein Routinejob, wie er glaubt, bis er auf die schöne und geheimnisvolle Li Lan trifft. Im dunklen Herzen Chinas soll Neal die Antwort auf alle Fragen finden – oder den Tod.”

(c) Limes

(c) Limes

Seit 27. April ist Caryl Fereys Thriller “Jähzorn” erhältlich. Dieser ist wirklich neu 😉 Das Buch steht bei mir ziemlich weit oben auf der Leseliste. Das hat drei Gründe. Erstens ist Ferey Franzose und als alter Schotten-, Iren-, Nordiren- und US-Crime-Fiction-Fan bin ich froh über Spannungsliteratur abseits meiner üblichen (aber geliebten!) Pfade. Zweitens scheint mir “Jähzorn” thematisch sehr interessant – Ferey entführt uns nach Argentinien und wird wohl mit einer interessanten Geschichtsstunde aufwarten. Und drittens hätte mich eigentlich schon sein Vorgänger “Zulu” interessiert, der mit Orlando Bloom in der Hauptrolle verfilmt wurde. Dieses Buch spielte in Südafrika. Ferey liebt also ungewöhnliche und unterschiedliche Orte – das finde ich sehr angenehm, denn normalerweise begnügen sich Autoren mit jenem Setting, in dem sie schon einmal erfolgreich waren.

Der Verlag schreibt: “Rubén ist der Sohn des berühmten aufständischen Dichters Calderón, der in den Verliesen der argentinischen Diktatur zu Tode gefoltert wurde. Rubén selbst entkam nur knapp, doch er ist fürs Leben gezeichnet. Dreißig Jahre später widmet er sich der Verfolgung der damaligen Täter und sucht nach anderen Überlebenden wie ihm. Als er eines Tages der indianischen Bildhauerin Jana begegnet, die ihn damit beauftragt, die brutalen Mörder einer Prostituierten zu finden, ändert sich sein Leben für immer – denn beide verbinden sowohl Schmerz als auch Wut. Doch im heutigen wie im damaligen Argentinien ist es nie gut, zu viele Fragen zu stellen, denn der Tod und seine Henker lauern überall …”

Tja, der April war vergleichsweise schwach, gönnt mir aber die Möglichkeit, ein paar der vielversprechenden Krimis aus dem März nachzuholen, nachdem mich zuletzt Greg Iles mit seinem 1000-seitigen Rassismus-Epos “Natchez Burning” ein wenig aufgehalten hat. Aber dazu bald mehr!

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Don Winslow: Missing. New York

(c) Droemer

(c) Droemer

Die von mir sehr geschätzten Krimikritiker Thomas Wörtche und Marcus Müntefering bezeichnen Don Winslow nach der Lektüre seines aktuellen Buches “Missing. New York” als reaktionär. Das kann man hier und hier nachlesen. Sie mögen beide irgendwo recht haben, während des Lesens ist mir das aber nicht aufgefallen. Ich habe schon erwähnt, dass ich das eigentliche Problem mit Winslow in der hohen Erwartungshaltung sehe: Winslow, Autor von “Tage der Toten” und anderen Genre-Meisterwerken, darf einfach keinen durchschnittlichen Thriller schreiben.

Doch “Missing. New York” ist genau das. Ein durchschnittlicher Thriller. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Als Leser rast man durch die Geschichte und bleibt am Ende mit einem etwas leeren Gefühl zurück – wobei ich hier sagen muss, dass das mein allgemeines Problem mit klassischen Thrillern ist: Diese Leere danach. Dennoch werde ich ohne Zögern auch Band zwei (bei seiner Lesung in Wien offenbarte Winslow, bereits die Plots für sechs weitere Bände entwickelt zu haben) der Serie rund um den Ex-Polizisten Frank Decker lesen. Winslow mag nicht so glänzen, nicht so brillant sein, wie man es von ihm gewohnt ist. Und: Ja, es ist ein wenig altmodisch, es fehlt auch die Raffinesse. Dennoch hat mir sein Buch Spaß gemacht. Winslow muss nicht jedesmal Maßstäbe setzen und das Genre neu definieren, es reicht auch, mich gut zu unterhalten.

Wenn der Cowboy auf Detektiv umsattelt

Interessant finde ich, dass Winslow seinen Frank Decker in einer Noir-Tradition sieht, die seiner Ansicht nach aus dem Western-Genre hervorgeht. Er wollte mit Decker also eine Art Hommage an diese beiden Traditionen schreiben. Winslow hält es laut “Süddeutsche Zeitung” für keinen Zufall, dass der Hardboiled-Krimi in Kalifornien entstanden ist: “Auf seinem Weg zur Frontier sei der Cowboy vom Meer aufgehalten worden und habe auf Detektiv umsatteln müssen. Beide, Cowboy und Detektiv, folgten jedoch demselben Moralkodex”. Das ist eine These, mit der man sich einmal genauer beschäftigen sollte.

Süddeutsche-Autor Christopher Schmidt erfreut sich übrigens auch an den “metaphorischen Verneigungen vor den Noir-Vätern im Philip-Marlowe-Gedächtnis-Stil”, an denen sich die restlichen Kritiker eher stoßen. Faszinierend einmal mehr, wie unterschiedlich man Bücher lesen kann.

Ich persönlich glaube ja, dass sowohl das zu Jahresbeginn erschienene und durch die Bank verrissene Militärdrama “Vergeltung” sowie die Frank-Decker-Reihe für den Autor willkommene Ablenkung und Entspannung abseits seines Großprojekts “Power of the dog II” geboten haben, an dem er (wie schon bei “Power of the dog”) rund fünf Jahre herumtüftelte. Aber im Juni 2015, wenn “Jahre des Jägers” (so der deutsche Titel) erscheint, wissen wir mehr.

6 von 10 Punkten

Don Winslow: “Missing. New York”, übersetzt von Chris Hirte, 395 Seiten, Droemer.

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Don Winslow Spezial (II): Wien ist peinlich

Wenn Don Winslow in Wien liest, ist das etwas Besonderes. Bloß die Veranstalter der “Buch Wien” hatten den Krimiautor als lieblosen Lückenfüller zwischen der heimischen Band Attwenger und dem heimischen Erfolgsautor Daniel Glattauer eingeplant. Kabarettist und Moderator Florian Scheuba hatte keine Ahnung, mit welchem Ausnahmeautor es da zu tun hatte. Das offenbarte er gleich mit seiner dümmlichen Einstiegsfrage: Ob Winslows Hauptfigur Frank Decker in seinem Buch “Missing. New York” eine “Referenz an Phil Decker von Jerry Cotton” sei – “oder kennen Sie den nicht?” Von Kriminalliteratur weiß Scheuba offenbar nichts, wenn seine erste Assoziation die Jerry-Cotton-Billighefte sind.

Frage zwei war auch nicht viel besser: Was habe Winslow dazu getrieben nach Neal Carey nun erneut eine neue Seriefigur zu erfinden – als hätte es all die anderen genialen Bücher seit 1996, damals endete nämlich die Neal-Carey-Reihe, nicht gegeben. Scheuba hat wohl noch nie etwas von “Tage der Toten”, “Satori”, “Zeit des Zorns”, “Kings of Cool”, “Frankie Machine”, “Death and Life of Bobby Z” sowie “Sprache des Feuers” gehört.

Winslow antwortete, er habe einen Noir-Krimi mit Ich-Erzähler – der “classic voice of noir fiction” – schreiben wollen. Seiner Ansicht stamme der moderne Detektivroman in den USA aus der Tradition des Western. Daher wollte er eine Figur erschaffen, die aus dem Mittleren Westen der USA komme. Sein Buch sei daher auch eine Hommage an diese beiden Traditionen. Interessant auch, dass Winslow meinte, bereits sechs Geschichten rund um Frank Decker entwickelt zu haben.

“Character ist just about everything in Crime Fiction”

Dann wurde es leider erst so richtig peinlich. Die Übersetzerin verstand Winslow falsch. “When I start out, i don’t start out with story, i start out with character”, erklärte Winslow. “I won’t start writing the character until he starts talking to me. So I think that character is just about everything in crime fiction.” Er wolle Charaktere schaffen, mit denen die Leute “wanna be with, wanna hang out with”. Er beginne also nicht zu schreiben, solange er seinen Charakter nicht kenne.

Und was machte die Übersetzerin daraus? “Er fängt erst mit dem Charakter seiner Hauptfigur an, wenn er die Story schon hat. Er fängt also eigentlich mit der Story an und der Charakter komme erst dann raus.” Uff, Sprachlosigkeit – nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Zuhörern im Publikum.

Und dann legte Scheuba erneut nach. Da in Winslows Buch ein weißer Van vorkommt, wolle er wissen, ob Winslow auch in Österreich recherchiert habe – in Anspielung auf den Fall Kampusch. “No”, sagte der verwirrte Autor. “Wir sind sehr froh darüber, dass Sie beim Thema Kindesmissbrauch nicht an Österreich denken”, meinte daraufhin Scheuba fast scherzend. Unprofessioneller geht es eigentlich kaum. Hier einen künstlichen Österreich-Bezug herzustellen, grenzt an Geschmacklosigkeit. Als wäre Kindesmissbrauch kein globales Phänomen…

Und mit der nächsten Frage offenbarte sich Scheuba endgültig als unwissend: “Kämpft man manchmal gegen die Wirklichkeit an und sagt: Ich will sie aber so darstellen, wie ich sie mir vorstelle und nicht wie ich weiß das sie ist?” Lieber Herr Scheuba, lesen Sie einmal “Tage der Toten”, dann wissen Sie was Realismus ist. Winslows Antwort überraschte daher auch nicht: “I try to write as close to reality as i can.” Sein Buch “Tage der Toten” sei so nah an einer Dokumentation gewesen, wie es nur gehe.

Wo sind die Thomas Wörtches und Tobias Gohlis Österreichs? Gibt es hierzulande überhaupt irgendwelche fundierten Krimikenner? Zum Glück konnte Don Winslow nicht verstehen, was da ablief, aber eigentlich war das wirklich erschreckend. Das hat er nicht verdient.

Mein Fazit: Wien ist und bleibt eine Provinzstadt, zumindest was Kriminalliteratur betrifft.

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Don Winslow Spezial (I): Hat der Meister sein Handwerk verlernt?

(c) Arrow Books

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Der 1. Juni 2015 wird mein persönlicher Feiertag. Dann erscheint Don Winslows “Power of the Dog II”, so lautete zumindest bisher der Arbeitstitel, auf Deutsch. Das hat Droemer Knaur in seiner Vorvorschau für 2015 angekündigt. “Jahre des Jägers” wird das Buch rund um US-Drogenfahnder Art Keller heißen. “Power of the Dog” (auf Deutsch “Tage der Toten”) ist für mich das Krimi-Meisterwerk schlechthin. Eine Art Augenöffner: Es ist jenes Buch, das mich aus meiner Spionagethriller-Welle herausgelöst hat und letztlich zum Crime-Fiction-Süchtigen gemacht hat.

“Ja, aber…”, werden jetzt vielleicht einige einwenden und zwei Gründe nennen, warum Don Winslow nicht mehr der Alte ist: “Vergeltung” und “Missing. New York”. Seine beiden zuletzt auf Deutsch erschienenen Bücher (im Original übrigens bislang nicht auf den Markt gebracht) wurden von der Kritik wenig begeistert aufgenommen. Sogar Marcus vom Blog “Krimi-Welt”, der “Vergeltung” noch verteidigt hatte, bezeichnet Winslow spätestens jetzt als reaktionär: “Winslow setzt uns fast 400 Seiten lang dem dumpfen Weltbild eines Provinzlers aus, der mit staunendem Blick in der Weltmetropole landet, in der es von korrupten Cops, fiesen Reichen und unschuldigen Mädchen, die sich allein nicht wehren können, nur so wimmelt. Wäre der Roman „nur“ langweilig, man könnte ihn ignorieren, aber ‘Missing New York’ ist reaktionär – und läppisch.”

Ich habe mittlerweile beide Bücher gelesen und verstehe die Aufregung nicht ganz. Zugegeben, beide Bücher sind nicht der ganz große Wurf. Das ist für mich allerdings Jammern auf hohem Niveau. Die von Marcus herausgegriffenen Zitate, an denen er seine Kritik festmacht, kann ich zwar verstehen. Allein für sich stehend klingen diese Sätze ziemlich banal und eventuell sogar dumpf. Während des Lesens ist mir das aber nicht aufgefallen. Ich glaube das Hauptproblem liegt in der hohen Erwartungshaltung: Don Winslow darf einfach keine durchschnittlichen Thriller schreiben.

Umso spannender wird es sein, “Jahre des Jägers” zu lesen. Denn nach der Lektüre werde auch ich mir ein Urteil darüber bilden, ob Winslow sein Handwerk tatsächlich verlernt hat. Bislang kann ich mit seinem Ausflug in den Mainstream gut leben, allerdings erwarte ich mir von der Fortsetzung eines Meisterwerks halt schon ein weiteres Meisterwerk. Und damit wären wir wieder beim kniffligen Punkt der Erwartungshaltung 😉

Als Teil zwei meines kleinen Don-Winslow-Spezials will ich über Don Winslows Besuch in Wien (“Lange Nacht der Bücher” am 12. November) schreiben. Bislang tourte er ja noch höchst erfolgreich in Deutschland, wie man auch hier sehen kann:

Als Teil drei folgt dann meine ausführliche Rezension von “Missing. New York”. Bleibt dran!

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (X)

(c) Droemer

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Seit 1. Oktober ist Don Winslows neuer Thriller “Missing New York” erhältlich. Rein inhaltlich klingt das nicht wirklich nach Winslow: Als ein siebenjähriges Mädchen spurlos verschwindet, gibt nur Polizist Frank Decker nicht auf. Er gibt viel auf, um die Suche nach Hailey, dem Mädchen, fortzusetzen. Ein interessantes Detail: Das Buch ist wie der umstrittene Vorgänger “Vergeltung” bislang nicht in den USA erschienen. Das ist wirklich ungewöhnlich. Ob das für oder gegen das Buch spricht, werde ich hier demnächst zu erklären versuchen.

(c) Rütten & Loening

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Sehr gespannt bin ich auf Stuart Nevilles “Der vierte Mann”. Das Buch ist seit 6. Oktober im Handel erhältlich. Nachdem ich die Jack-Lennon-Reihe (“Die Schatten von Belfast”, “Blutige Fehde”, “Racheengel”) verpasst habe, werde ich die Gelegenheit nutzen, um den Schotten endlich kennenzulernen. Sein 1963 angesiedelter Krimi, in dessen Zentrum in Irland untergetauchte Nazis stehen, war 2013 für den begehrten “Steel Dagger” nominiert und steht 2014 in der Short-List bei den Barry Awards in der Kategorie Thriller. Mit anderen Worten: Ein Muss.

(c) Heyne

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Apropos Muss. “Ruhet in Frieden” (seit 13. Oktober im Handel) von Lawrence Block gehört auch in diese Kategorie. Wie am Cover gut erkennbar, wurde das Buch verfilmt und kommt mit Liam Neeson in der Hauptrolle Anfang November ins Kino. Es dürfte sich um einen harten Unterwelt-Krimi handeln, das müsste also eigentlich gut passen. Block ist einer meiner immer weniger werdenden blinden Krimiflecken. Blocks Serie um Matthew Scudder soll eine seiner besten sein. Von Block wurde in den vergangenen Jahren nur wenig ins Deutsche übersetzt. Bleibt zu hoffen, dass sich das nun ändert und nicht bloß eine Eintagsfliege ist.

(c) Heyne

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Ebenfalls seit 13. Oktober ist Denise Minas Krimi “Das Vergessen” in den Regalen zu finden. Sie wurde bereits mit Dagger Award und Barry Award ausgezeichnet. Die Ausgangssituation klingt vielversprechend: “Ein unmöglicher Mord. Ein wohlhabender Pakistaner wurde getötet. Am Tatort die Fingerabdrücke des Straftäters Michael Brown. Doch der sitzt im Gefängnis. Alex Morrow beginnt zu ermitteln…”, heißt es im Verlagstext. Neugierig macht mich auch folgendes Zitat der Autorin: “Ich bin Feministin und schreibe feministische Bücher. Ich sehe mich weniger in der Krimitradition als in der von feministischen Autorinnen.”

(c) Goldmann

(c) Goldmann

Seit 20. Oktober ist die von Thrillermeister David Baldacci herausgegebene Krimi-Anthologie “Face Off” erhältlich. Das besondere daran: Namhafte – und in diesem Fall ist das kein leeres Versprechen irgendeiner PR-Abteilung des Verlags – Krimiautoren haben sich paarweise zusammengetan, um ihre bekanntesten Ermittler gemeinsam auf die Leser loszulassen. So führt laut Verlag ein Mordgeständnis Ian Rankins John Rebus in den englischen Süden zu Peter James’ Roy Grace, Lee Childs Jack Reacher trifft in einer Bostoner Bar auf Joseph Finders Nick Heller, und Michael Connellys Harry Bosch bringt ein alter Fall zu Dennis Lehanes Patrick Kenzie. Eine geniale Idee für Liebhaber des Genres!

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Und hier habe ich gleich eine weitere Chance, eine Krimilücke zu schließen. Altmeister James Lee Burkes “Regengötter” (seit 20. Oktober im Handel) könnte perfekt im mein aktuelles Lese-Beuteschema passen. Der Verlagstext klingt jedenfalls danach: “Ich bin hinter der alten Kirche in Chapala Crossing und habe gerade neun Leichen gefunden, die hier begraben wurden. Alles Frauen. Benachrichtigen Sie bitte das FBI und rufen Sie auch die Kollegen vom Brewster County und vom Terrell County an. Die sollen Unterstützung schicken.” Sheri Hackberry Holland steht vor einem Rätsel, wer hinter dem Massenmord im Niemandsland nahe der mexikanischen Grenze steckt. Und er legt sich mit dem organisierten Verbrechen an, das keine Gefangenen macht. Das klingt so stark nach Don Winslow (“Tage der Toten”) und Robert Crais (“Straße des Todes”), dass ich davon meine Finger nicht lassen kann.

(c) Diogenes

(c) Diogenes

Bleibt nur noch Dennis Lehanes “The Drop”, das am 29. Oktober erscheint. Es handelt sich dabei um die Romanvorlage zum Film mit Tom Hardy und dem verstorbenen James Gandolfini in seiner letzten großen Rolle. Lehane hat mich zuletzt mit “In der Nacht” mehr als überzeugt. Die Kleingangster-Geschichte “The Drop” klingt ebenfalls sehr interessant. Ich bin begeistert, binnen kurzer Zeit mit “Ruhet in Frieden” und “The Drop” zwei Krimis lesen zu können, deren Verfilmungen ich mir dann gleich im Kino ansehen kann (oder mache ich es doch umgekehrt?). Das kommt wirklich nicht oft vor.

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Neues von und über Don Winslow

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Ich habe mich hier schon öfters als Fan von US-Autor Don Winslow geoutet. Daran kann auch sein Nicht-Meisterwerk “Vergeltung” nichts ändern. Denn seine Bücher “Tage der Toten”, “Zeit des Zorns”, “Kings of Cool”, “Sprache des Feuers” sind für mich fast unvergleichlich gut. Hier ein kleines Winslow-Update.

Vor einem Jahr habe ich berichtet, dass aus seinem Drogen-Epos “Tage der Toten” auch schon bald ein Film werden soll. Seitdem hat man aber leider nicht mehr wirklich etwas Neues über dieses Projekt gehört. Dank dem feinen Blog Krimi-Welt weiß ich aber zumindest, dass Winslow seinen deutschen Verlag gewechselt hat (Droemer statt Suhrkamp). Die Suhrkamp-Querelen dürften da durchaus ausschlaggebend gewesen sein. Aber vor allem eine “Neben”-Information ist für mich sehr interessant: “Ich freue mich außerdem bekanntzugeben, dass bei Droemer Knaur zahlreiche neue Bücher von mir erscheinen werden, darunter auch die Fortsetzung von Tage der Toten”, sagt Winslow demnach. Eine Fortsetzung von “Tage der Toten”? Ich bin da ein wenig skeptisch. Ich konnte keine englischsprachige Quelle finden, in der davon die Rede ist. Aber die Hoffnung lebt! Film und Fortsetzung, das wäre der Hammer.

Dafür habe ich vier erwähnenswerte Winslow-Tweets gefunden:

Eine dreiteilige Kriminalgeschichte mit dem Titel “Extreme”, geschrieben für den “Playboy” (hier der erste Teil)

Eine Kurzgeschichte aus dem Vorjahr, erschienen ebenfalls im “Playboy”

Und ja, auch Don Winslow liebt “True Detective”!

Aber am besten gefällt mir eindeutig dieser:

 

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Don Winslow: Vergeltung

(c) Suhrkamp

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So jetzt habe ich es wieder einmal geschafft. Ich stehe mit meiner Meinung ziemlich einsam da. Die ganzen namhaften Krimiexperten haben “Vergeltung” regelrecht zerrissen und mit Leidenschaft in seine Einzelteile zerlegt. Tobias Gohlis vergleicht Winslows Roman in seinem Blog mit einem Landserheft, ebenso übrigens wie auch Thomas Wörtche in culturmag. Und Elmar Krekeler schreibt in seiner Kolumne davon, dass sich der momentan beste Thrillerautor mit seiner “Waffenhändlerprosa” selbst k.o. schlägt. Ich schätze die drei Herren ganz besonders, sehe das aber anders. Aber wenigstens gibt es da noch Marcus Müntefering von Spiegel Online und Krimi-Welt, der dem Buch einiges Positives abgewinnen kann.

Gleich vorab: Ich verstehe die Kritik prinzipiell. Denn man kann das Buch als eindimensionales, völlig misslungenes, hurrapatriotisches, gewaltverherrlichendes und zweifelhaftes Hohelied an soldatische Kameradschaft und das Söldnertum lesen. Als brutale Rachegeschichte für Männer. Man kann es aber auch anders lesen, wie ich in meinem “Presse”-Artikel “Hurrapatriotismus vom Krimigott?” darzulegen versucht habe.

Auf die Gefahr hin, als Verharmloser von Gewalt gebrandmarkt zu werden: Ich glaube, man sollte das Buch nicht zu ernst nehmen und mit etwas mehr Gelassenheit betrachten. Winslow wollte sich offenbar wieder einmal neu erfinden und etwas ganz anderes schreiben. Bislang ist er damit gut gefahren und hat Meisterwerke geschaffen, die jegliche Genregrenzen sprengen (“Tage der Toten”, “Zeit des Zorns”, “Kings of Cool”). Nun hat er erstmals seit langem einen Thriller geschrieben, der keine Maßstäbe setzt. Vielleicht wollte er einfach mal ein wenig konventionell sein. Und ja, vielleicht ging es ihm dabei auch um Geld. Na und? Besser einmal danebenhauen, als immer das Gleiche zu schreiben, wie das die meisten Krimiautoren tun.

Es tut mir leid, aber ich kann in Winslow noch immer keinen Blut- und Boden-Romantiker erkennen – und dieser Vorwurf liegt in der Luft. Wobei ich zugeben muss, dass auch ich mich bei einiges Szenen schwer gewundert habe (vor allem bei der Hinrichtungsszene). Wer sein bisheriges Werk heranzieht, kann das nicht ernstlich behaupten. Sollten seine künftigen Bücher nur mehr in diesem Stil vom Stapel laufen, bin ich allerdings gern bereit meine Meinung zu ändern.

Ein Buchtipp in diesem Zusammenhang: Vor vielen Jahren hat mich Kyle Mills mit seinem Buch “Die letzte Mission” schwer überzeugt. Das Thema ist sehr ähnlich angelegt und wird besser abgehandelt – sorry Don!

6 von 10 Punkten

Don Winslow: “Vergeltung”, übersetzt von Conny Lösch, 491 Seiten, Suhrkamp.

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Don Winslow: Vergeltung, Vengeance, Verwirrung

(c) Suhrkamp

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Endlich ist er da: “Vergeltung”, der neue Thriller des US-Krimigroßmeisters Don Winslow! Und die ersten wenig wohlwollenden Reaktionen machen mich nun wirklich neugierig. Tobias Gohlis zieht einen gewagten Vergleich: “Vergeltung – ein Landserheft” titelt er seinen Eintrag im Krimi-Blog recoil: “Sein neuer Roman Vergeltung, der dieser Tage bei Suhrkamp erscheint (in den USA ist Vengeance noch nicht veröffentlicht) liest sich über weite Strecken wie ein Landserheftchen. So eine Ansammlung von Militär- und Krieger-Verherrlichung gekoppelt mit reaktionärem Rachegefasel habe ich lange nicht mehr gelesen. Wäre der Verfasser dieses Waffenkatalogs und dieser Akronymsammlung nicht Don Winslow, hätte ich es nicht zu Ende gelesen, und das Teil als Fehlversuch aus der Tom-Clancy-Schule beiseite gepfeffert.” Wow, das ist starker Tobak. Schwer vorstellbar, aber wenn der profunde Krimikenner Gohlis das schreibt wird da schon etwas dran sein.

Marcus Müntefering von Krimi-Welt und Spiegel Online ist da schon gnädiger in seinem Urteil. Denn seiner Meinung nach ist Winslow “nicht nur ein extrem moderner, rasend schneller Thriller gelungen, sondern auch ein hoch politischer Roman, der den Leser subtil dazu auffordert, sich der moralischen Ambivalenz unserer Zeit zu stellen.”

Spannend finde ich auch die Postings unter dem Spiegel Online-Artikel. Für Verwirrung sorgt vor allem, dass das Buch in den USA noch nicht erschienen ist. Das ist natürlich ein ungewöhnlicher, gewagter Schritt seines deutschen Verlags Suhrkamp (auch Carsten Strouds “Niceville” erschien zuerst auf Deutsch). Wer unter dem Begriff “Vengeance”, wie auch im Buch angegeben, sucht, wird nichts finden. Teilweise gibt es Zweifel daran, ob es sich hier überhaupt um den “echten” Winslow handeln kann, weil Stil und Thematik so anders sind als z.b. bei “Kings of Cool” und “Zeit des Zorns”.

So, ich habe daher meine Leseliste einfach über den Haufen geworfen und begonnen, “Vergeltung” zu lesen. Mein erstes Fazit nach rund 100 Seiten: Ich kann Gohlis’ Kritik verstehen, will mir aber noch kein endgültiges Urteil bilden. Und ich habe den Eindruck, dass die Erwartungshaltung bei Winslow besonders hoch ist. Wenn er mal einfach ein “normales” Buch zwischendurch schreibt, dürfte das zu Enttäuschung führen. Mal sehen, was ich hier bald berichten werde.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (I)

(c) Verlag Antje Kunstmann

(c) Verlag Antje Kunstmann

So soll ein Krimijahr beginnen. Am 15. Jänner kommt George V. Higgins “Die Freund von Eddie Coyle” auf den Markt. Die Neuauflage des Klassikers war eigentlich längst überfällig. Der 2013 verstorbene Elmore Leonard hat über das Buch gesagt, es sei „der beste Kriminalroman, der je geschrieben wurde“. Auch mein Lieblingsautor Don Winslow zählt das Buch zu den besten fünf Krimis. Ich habe hier schon über Higgins “Ich töte lieber sanft” geschrieben, das bereits im September erschienen ist. Mein Fazit damals: “Higgins Kriminelle sind keine superschlauen Gauner, die geniale Tricks auf Lager haben. Sie sind normale Menschen, die allzu oft einen Fehler machen: Sie glauben, sie seien schlau.”

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Eine kleine Sensation stellt auch Don Winslows neues Buch “Vergeltung” dar, das ab 20. Jänner erhältlich ist. Der neue Thriller des US-Autors erscheint bereits auf Deutsch, bevor er im Heimatland USA auf den Markt kommt. Es fällt mir schwer, meine Vorfreude zu zügeln – denn Winslow hat mich noch nie enttäuscht. Auf den ersten Blick klingt sein neues Buch wie ein 08/15-Terroristen-Thriller. Doch ich bin mir sicher: Winslow holt auch aus diesem Post-9/11-Genre bestimmt wieder etwas Neues heraus.

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

Der Verlagstext von Eyre Prices “Roadkill” (13. Jänner) weckt Interesse: “Stell dir vor, du bist in Las Vegas. Neonlichter, Sterne am Himmel, ein atemberaubendes Wüstenpanorama. Das Problem ist nur, dass du von einem Balkon hoch oben über der Wüstenstadt hängst, gehalten von einem unberechenbaren Muskelprotz. Ja, du steckst in der Scheiße – und zwar richtig!” Klingt gut, aber der zusätzlich Text wirkt dann ein wenig abschreckend: “Eyre Price gelingt mit Roadkill das literarische Gegenstück zu Pulp Fiction und The Big Lebowski. Sein Roman ist ein Fest für Freunde harter Thriller mit Kult-Potenzial und für alle Musik-Fans, die den Blues in sich haben.” Das legt die Latte hoch. Ob Price dieses Versprechen einlösen kann?

(c) Aufbau

(c) Aufbau

Und schon wieder so eine blumige Empfehlung: “Dieses Buch rockt”, sagt Ken Bruen über Jonathan Woods “Die Tote von San Miguel” (20. Jänner). Zum Inhalt (laut Verlag): Amanda Smallwood, eine Amerikanerin, wird nachts um zwei auf der Plaza von San Miguel in Mexiko tot aufgefunden. Jemand hat ihr den Hals gebrochen und ihr die Augen herausgeschnitten. Inspector Diaz hat den Kampf gegen die Kriminalität eigentlich längst aufgegeben. Zerstört von zu vielen Zigaretten und Alkohol macht er sich trotzdem an die Arbeit – in der Hoffnung, dass ein wenig Gerechtigkeit seiner geschundenen Seele ein wenig Ruhe verschafft.

(c) Knaur

(c) Knaur

Und zum Abschluss empfehle ich eine klassische Rachegeschichte. Chris Knopfs “Headshot” erscheint bereits am 14. Jänner. Zum Inhalt (laut Verlag): Arthur Cathcart lebt mit seiner Frau ein ruhiges Leben in Connecticut. Doch eines Tages werden beide von einem Auftragskiller zu Hause erwartet und kurzerhand mit einem Kopfschuss erledigt. Arthur ist tot, denkt der Killer. Aber während seine Frau stirbt, kann Arthur wie durch ein Wunder überleben. Unter falschem Namen begibt er sich in den Untergrund der amerikanischen Ostküste, auf die Jagd nach dem Killer.

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50 Jahre JFK-Attentat: Neun Krimi-Tipps

(c) Heyne

(c) Heyne

Am Freitag jährt sich das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy zum 50. mal. Nach wie vor beschäftigt das “ballistische Jahrhunderträtsel” Experten und Pseudoexperten. Auch die Frage danach, wer Interesse am Tod von JFK hatte, lässt Verschwörungstheorien ungebremst blühen. Ich will mich hier aber der fiktiven Zuwendung zum Thema widmen und zeigen, welche herausragenden Werke der Kriminalliteratur die Geschehnisse vom 22. November 1963 hervorgebracht haben.

Ich habe dazu versucht, gewissenhaft die spannendsten Bücher zusammenzusuchen. Ich habe einen Großteil der Bücher gelesen, aber natürlich nicht alle. Für alle, die der Mythos Kennedy nicht loslässt und die sich ihm von kriminalliterarischer Seite nähern wollen, hier jedenfalls meine Tipps (geordnet nach alphabetischer Reihenfolge der Autorennamen).

Don DeLillo: “Sieben Sekunden”

DeLillo hat in seinem Buch nicht die Wahrheit gepachtet. Im Gegenteil. “DeLillo kleistert das Dunkel dieses geschichtlichen Augenblicks nicht zu. Seine lakonische, durch Detailgenauigkeit und Aussparungen gekennzeichnete Sprache und seine parataktische Erzählweise schaffen Distanz, so daß die schwarzen Löcher der Geschichte spürbar werden. Schweigen umhüllt seine Figuren wie eine zweite Haut”, schrieb die “Die Zeit” treffend bei Erscheinen des Romans im Jahr 1991. An diesem Buch führt fast kein Weg vorbei.

James Ellroy: “Ein amerikanischer Thriller”

“James Ellroy spinnt Amerikas Jahrhundert-Trauma als Krimi-Fiktion fort – und liefert das bisher wüsteste Verschwörungsszenario zum Kennedy-Attentat”, urteilte “Der Spiegel” 1997 bei Erscheinen von Ellroys Thriller. Für mich zählt das Buch zu einem der besten des Autors.

(c) Pocket Books

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Stephen Hunter: “The Third Bullet”

Hunters Anfang des Jahres 2013 erschienener Scharfschützen-Thriller wurde bislang nicht auf Deutsch übersetzt. Es ist aber ausgerechnet Hunter, der im Nachwort zu seinem Thriller auf weiterhin ungeklärte Widersprüche im Fall des JFK-Attentats hinweist: Der Waffenexperte und ehemalige “Washington Post”-Journalist hält es schlicht für unmöglich, dass Kennedy mit Oswalds Mannlicher-Carcano-Gewehr erschossen wurde (hier zu seiner Begründung).

Christopher Hyde: “Die Weisheit des Todes”

Hyde wiederum hat einen ganz eigenen Zugang gefunden. Er lässt seinen Thriller um den in Dallas ermittelnden Polizisten Ray Duval – der einen Serienmörder sucht, der farbige Mädchen tötet – ausgerechnet kurz vor und nach der Ermordung des US-Präsidenten spielen. Duval versucht sich von der allgemeinen Hektik nicht anstecken zu lassen und ist der Einzige, dem die Mädchen wichtig sind. Er wird dabei auch Augenzeuge der Ermordung von Lee Harvey Oswald durch Jack Ruby.

Stephen King: “Der Anschlag”

Stephen Kings “Der Anschlag” ist eine klassische Was-wäre-wenn-Geschichte. In diesem Fall: Was wäre, wenn JFK nicht erschossen worden wäre. “Mit “Der Anschlag” erbringt Stephen King einen weiteren Beweis, dass er einer der großen Erzähler ist”, urteilte im Vorjahr “Die Presse”. King beweise drei Dinge, schrieb meine hochgeschätzte Kollegin Doris Kraus: “Er ist einer der fesselndsten lebenden Erzähler, er beherrscht auch andere Sujets als Horror und er ist mittlerweile ein wunderbarer Chronist Amerikas – des gegenwärtigen und auch des vergangenen.”

Robert Littell: “Tag und Nacht”

Auch Spionage-Großmeister Robert Littell ist am Thema JFK nicht vorbeigekommen. Er ist ein Meister der Vermischung von Fakten und Fiktion. Zum Buch (Verlagstext): Francis und Carroll, genannt “die Schwestern Tod und Nacht”, sind mit allen Wassern gewaschene Agenten der CIA. Wieder einmal planen sie die Ermordung einer missliebigen politischen Persönlichkeit: Im Visier ist US-Präsident John F. Kennedy. Die Schuld wollen sie dem KGB in die Schuhe schieben. Doch dann setzt ein ehemaliger sowjetischer Geheimdienstoffizier alles daran, ihre Pläne zu durchkreuzen. Ein unerbittlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Norman Mailer: “Feinde”

“Norman Mailer hat mit seinem Buch einen spannenden Beitrag zur Diskussion über den Kennedy-Mord geleistet”, urteilte 1996 die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Fügte aber auch hinzu: “Mitunter wünscht sich der Leser aber, der Autor hätte sich doch etwas mehr auf die Indizienklauberei seiner Kollegen eingelassen. (…) So hinterlässt das abschließende Urteil Norman Mailers einen leicht schalen Nachgeschmack.” Ich habe das damals beim Lesen ähnlich empfunden. Die eigentliche Stärke seines Epos der geheimen Mächte liegt aber in der beeindruckenden Gesamtdarstellung der CIA.

Charles McCarry: “Tränen des Herbsts”

Der amerikanische LeCarré war der erste ernstzunehmende Autor, der die Ermordung des US-Präsidenten auf literarischem Weg aufzuarbeiten versuchte. Es habe zehn Jahre gebraucht, bis es genug Abstand gegeben habe, sagte der Autor auch einmal selbst. Sein Buch gilt bis heute als ein Meisterwerk des Genres (mehr dazu…).

(c) Suhrkamp

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Don Winslow: “Manhattan”

Und ausgerechnet mein momentaner Lieblingsautor Don Winslow hat bereits vor vielen Jahren einen Krimi über JFK – allerdings nicht über dessen Ermordung – geschrieben. Das Buch ist heuer wiederaufgelegt worden. Leider bin ich bis jetzt nicht dazugekommen, “Manhattan” zu lesen. “‘Manhattan’, dieses frühe Meisterwerk Winslows, ist ein Spionageroman der alten Schule, präzise konstruiert, sauber erzählt und voller Sätze, die man beglückt ein zweites und drittes Mal liest, bis man sie endlich auswendig kennt”, schwärmte Marcus Müntefering auf “Spiegel Online”. Die Krimi-Kolumne “Killer & Co.” hingegen warf Winslow eine “gewisse unterkühlte Eitelkeit” vor, während auch “zeilenkino” das Buch als “eleganten und altmodischen Thriller mit wohl komponierten Sätzen” lobte.

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