Tag Archives: Die Verdammten

Krimis, die man 2014 lesen sollte (XII)

(c) Knaur

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Noch ein letztes Mal empfehle ich Krimis, die im Jahr 2014 neu erschienen sind. Bereits seit 1. Dezember sollte “MUC” der deutschen Autorin Anna Mocikat in den Regalen gutsortierter Buchhandlungen zu finden sein. 2014 war ja ein Jahr vielzähliger dystopischer Spannungsromane. Nun spielt ein solcher endlich auch einmal in Deutschland.

München, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia. Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz (Verlagstext).

(c) Heyne Hardcore

(c) Heyne Hardcore

“Die Verdammten” des legendären US-Krimiautors Jim Thompson ist seit 8. Dezember im Handel. Heyne setzt hier in seiner Hardcore-Reihe konsequent die Publikation von Thompson-Büchern fort – auch optisch in sehr feiner Aufmachung. Es handelt sich bei “Die Verdammten” um eine deutsche Erstausgabe. Lesenswert macht diese Ausgabe auch das Nachwort von Tobias Gohlis. Marcus Müntefering urteilt auf Krimi-Welt so: “Die Verdammten gehört nicht zu den besten Romanen Thompsons (auch wenn er selbst das wohl anders sah), dafür ist die Geschichte teilweise zu kolportagehaft und zu wenig konzentriert erzählt. Aber selbst wenn Thompson nicht in Topform ist, schreibt er besser als fast alle anderen.”

Die texanische Kleinstadt Big Sands ist ein Hort verlorener Seelen, eingekesselt von den Bohrtürmen einer Ölgesellschaft, die sich immer weiter ausbreitet. Die Bewohner sind größtenteils einfache Leute und halten sich mühsam so eben über Wasser. Aufgestaute Aggressionen bestimmen die Szenerie unter der gleißenden Wüstensonne. Der junge Tom Lord muss als Deputy wider Willen die Ordnung aufrechthalten. Eines Tages erschießt er bei einer Auseinandersetzung unabsichtlich den Ölinspektor Aaron McBride, den er schon seit Längerem des Betrugs verdächtigt. Lord wird angeklagt. Doch damit nicht genug: Der Ölgesellschaft ist er ein Dorn im Auge und soll von der Bildfläche verschwinden. Lord kann niemandem mehr vertrauen … (Verlagstext)

(c) Rowohlt Polaris

(c) Rowohlt Polaris

Lauren Beukes “Zoo City” (am 19. Dezember erschienen) scheint weniger ein klassischer Krimi zu sein, sonder ein Fantasy-Noir-Thriller. Nachdem ich den Zeitreise-Krimi “Shining Girls” der Südafrikanerin heuer nicht geschafft habe, hoffe ich nun die Autorin mit diesem Buch kennenzulernen. Und Noir steht ja nicht umsonst in meinem Blognamen 😉

Wer Schuld auf sich lädt muss mit zwei Dingen leben: Einer magischen Begabung. Und einem Tier, das plötzlich da ist und einem nie mehr von der Seite weicht. So wie das Faultier, das Zinzi December auf dem Rücken trägt.
Zinzi hat einen Haufen Schulden und ein Talent dafür, verlorene Dinge zu finden. Oder Menschen, wie im Fall des verschwundenen Pop-Starlets Songweza. Die Suche gestaltet sich schwierig, denn in einer Welt, in der Magie und Verbrechen regieren, sind allzuviele Fragen nicht erwünscht. Wenn man anfängt, in Johannesburgs dunkle Ecken zu schauen, kommt schnell die Wahrheit ans Licht. Eine Wahrheit die einige Leute dringend unter Verschluss halten wollen. Die Wahrheit über die «Getierten» und über das, was im Verborgenen mit ihnen geschieht … (Verlagstext)

(c) Lübbe

(c) Lübbe

Tony Parsons Krimidebüt “Dein finsteres Herz” ist seit 18. Dezember erhältlich. Der Untertitel “Detective Max Wolfes erster Fall” deutet bereits darauf hin, dass hier eine Serie am Entstehen ist. Ich muss gestehen, ich bin ein wenig skeptisch – vor allem weil hier offenbar schon wieder einmal “unvorstellbar grausam” gemordet wird. Aber ein Detective als alleinerziehender Vater macht mich wiederum neugierig.

Vor zwanzig Jahren trafen sieben privilegierte Jungen in der elitären Privatschule Potter╔s Field aufeinander und wurden Freunde. Nun sterben sie, einer nach dem anderen, auf unvorstellbar grausame Art. Das ruft Detective Constable Max Wolfe auf den Plan: Koffeinjunkie, Hundeliebhaber, alleinerziehender Vater. Und der Albtraum jedes Mörders. Max folgt der blutigen Fährte des Killers von Londons Hinterhöfen und hell erleuchteten Straßen bis in die dunkelsten Winkel des Internets. (Verlagstext)

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Abgebrochen: Die Verdammten

(c) Bastei Lübbe

(c) Bastei Lübbe

Tja, so kann man sich irren. Bei meinen Juni-Tipps war ich mir recht sicher, dass dieses Buch genau nach meinem Geschmack sein könnte. Doch nach 130 Seiten war bei “Die Verdammten” Schluss. Peter Lineys Buch konnte mich von der ersten Seite an nie so wirklich fesseln. Ich blieb seltsam distanziert. Es ist eine brutale Welt, die er beschreibt, die mir allerdings gleichgültig blieb. Wohl auch deshalb, weil er mich von seiner Welt einfach nicht überzeugen konnte.

Hauptfigur Clancey ist ein ins Alter gekommener harter Knochen, der wie alle Alten und Kranken auf eine Insel ausgelagert wurde. Früher war er einmal für die Mafia tätig, aber irgendwie war er nie ein richtig übler Typ – da hakt es schon einmal bei der Glaubwürdigkeit. Das liest sich wie eine Masche, wie aus einem Krimi-Lehrbuch: Harter Typ mit weichem Kern. Gähn.

Das besondere an der Insel der Verdammten: Wenn der Nebel kommt, kommt auch das Grauen. Die Alten werden dann brutal abgeschlachtet. Und der Nebel kommt oft. Zu Beginn ist nicht klar, wer sich im Nebel verbirgt. Als Liney dieses Geheimnis lüftet, wird die Geschichte für mich nicht gerade glaubwürdiger. Keine Sorge: Es handelt sich um keinen Horror-Roman, aber das macht es nicht besser.

Ein besonderes Ärgernis stellt der Rückentext des Buches da: “Eines Tages entdeckt Clancey ein geheimes Tunnelsystem, in dem ein blindes Mädchen lebt”. Tja, wenn über 30-jährige Frauen auch Mädchen sind, dann stimmt das.

Spannung kam nie wirklich auf, die Personen interessierten mich nicht und die von Liney erschaffene düstere Welt blieb einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Da lobe ich mir Nathan Larsons “2/14” im Vergleich. Und auch Adam Sternberghs “Spademan”, das mich ja nicht so begeistert hat, war zumindest atmosphärisch um Welten besser.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (VI)

C. Bertelsmann

C. Bertelsmann

Tja, meine Juni-Liste ist kurz, was auch daran liegt, dass ich Ilja Albrechts “Sibirischer Wind” (ab 17. Juni), das ich hier eigentlich vorstellen wollte, abgebrochen habe. Dazu hier in Kürze mehr. Für Fans von Spionageroman kündigt sich aber ein Pflichtlektüre an: Joseph Kanons “Die Istanbul Passage”. Ich muss zwar gestehen: Bei mir steht immer noch sein Buch “Der verlorene Spion” ungelesen im Regal, doch an der Qualität des Autors liegt es sicher nicht – vielmehr an der Zeit. Sein Buch “In den Ruinen von Berlin” wurde unter dem Originaltitel “The Good German” verfilmt. Zuletzt war 2006 “Stadt ohne Gedächtnis” erschienen. Für Kanon-Fans geht damit also eine lange Durststrecke zu Ende. “Die Istanbul Passage” ist sicher ideal für Leser von John LeCarré, Oliver Bottini und Olen Steinhauer.

Der Verlagstext: Als neutrale Stadt zwischen Europa und Asien war Istanbul im Zweiten Weltkrieg Magnet für Flüchtlinge und Spione. Leon Bauer, ein amerikanischer Geschäftsmann, ist durch kleine Undercover-Tätigkeiten für die Alliierten mit der Unterwelt in Berührung gekommen. Nun, als die Geheimdienste abziehen und sich die Stadt auf die Realität der Nachkriegszeit einstellt, bekommt Leon einen letzten Routine-Auftrag. Doch als ihm der Job gefährlich aus dem Ruder läuft und er der attraktiven Gattin des amerikanischen Botschafters in der Türkei verfällt, weiß Leon bald nicht mehr, wem er vertrauen kann, und wo das Gute aufhört und das Böse beginnt …

(c) Bastei Lübbe

(c) Bastei Lübbe

Buch Nummer zwei interessiert mich noch mehr: Peter Lineys “Die Verdammten” (13. Juni) löst meinen aktuellen dystopischen Zugreifreflex aus. Nach den zwei genialen dystopischen Krimis “Roter Mond” und “2/14” bin ich bereit für mehr. Der Verlag schreibt hier: Clancey ist in die Jahre gekommen. Früher stand er als “Mann fürs Grobe” in Diensten der Mafia. Jetzt zählt er zu den Ausgestoßenen: Er lebt auf einer Insel, auf die alle Alten und Gebrechlichen ausgelagert werden. Hier herrscht ein ständiger Kampf ums Überleben, und es gibt keinen Schutz vor den Scheusalen, die die Menschen in nebligen Nächten quälen. Eines Tages entdeckt Clancey ein geheimes Tunnelsystem, in dem ein blindes Mädchen lebt. Sie gibt ihm Hoffnung. Und die Gelegenheit, endlich zurückzuschlagen.

Mafia, Ausgestoßene, ein kleines blindes Mädchen, geheimes Tunnelsystem. Mehr brauche ich nicht 😉

 

 

 

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