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Kim Zupan: Die rechte Hand des Teufels

(c) Knaur

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Ich habe Kim Zupans “Die rechte Hand des Teufels” bereits Ende Dezember gelesen. Was weiß ich jetzt noch über das Buch? Ich war anfangs ziemlich begeistert über die Sprache, ähnlich wie “Der Schneemann”. Er urteilte damals: “Der philosophischste, sprachmächtigste, aufwühlendste Krimi des Jahres.  Ein Buch, das man mit noch viel mehr Superlativen bewerfen will. Ungeheuerlich, dass das ein Debut sein soll.”

Es ist die Geschichte des jungen Deputy Val Millimaki, der sich mit dem alten Auftragskiller John Gload konfrontiert sieht. Gload sitzt zwar im Gefängnis, nimmt aber immer mehr Platz in Millimakis Leben ein, das ohnehin gerade keine günstige Wendung nimmt. Dann aber verließ mich die Begeisterung, ich war mitunter gelangweilt. Sätze wie folgende (wahllos herausgegriffen) – und davon gibt es wirklich viele – zermürbten mich: “Unten am Bachbett waren die Kronen der Pappeln von der Sonne vergoldet, die über den Rand des Tals stieg, so strahlend und echt, dass es aussah, als hätte man die Bäume an den Wurzeln gepackt und sie kopfüber in einen Kübel mit geschmolzenem Gold getaucht. Spatzen waren herbeigekommen, um wie Haushühner in dem dürftigen Rasen zu picken, und ihre Schatten erstreckten sich lang über das Gras und nahmen die Gestalt exotischer Gigangen an – Reiher, Flamingos.”

Das Motto ist mittlerweile allzu bekannt: Die idyllischen Landschaftsbilder stehen im unbarmherzigen Kontrast zu jener physischen und psychischen Gewalt, die sich die Menschen ständig gegenseitig zufügen. Nur leider können das meiner Meinung nach James Lee Burke, Cormac McCarthy und Bruce Holbert besser. Zugegeben: Ich habe mich jetzt auch schon ein wenig satt gelesen davon. Vielleicht war das Zupans Pech. Aber irgendwann war mir dann fast schon egal, die Geschichte ausgeht.

Eine Folge dieser Übersättigung: Ich werde “Graben” von Cynan Jones vorerst mal nicht lesen, obwohl ich das eigentlich fix vorhatte. Die Rezension vom “Schneemann” hat da den letzten Ausschlag gegeben: “Unerträglicher ist aber die Metaphernwut und Vergleicheritis, die es mir Seite um Seite schwerer machte, den Autor zu mögen. Auch hier kommt wieder der Drang durch, alles bedeutsamer erscheinen zu lassen, als es ist. Was okay wäre, wenn da nicht die Häufung wäre. Man hat permanent das Gefühl, dass Cynan Jones hier mit der Brechstange große Literatur schaffen wollte.”

Stattdessen stehen jetzt Norbert Horsts “Mädchenware” und Richard Starks “The Hunter” am Krimi-Speisezettel.

5 von 10 Punkten

Kim Zupan: “Die rechte Hand des Teufels”, übersetzt von Marie-Luise Bezzenberg, 328 Seiten, Knaur.

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