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Wenn der Fußballklub-Präsident mit der Waffe auf den Platz stürmt

(c) Tropen

Es sind unvorstellbare Dinge, die sich da momentan auf griechischen Fußballplätzen abspielen. “Präsident stürmt mit Revolver auf das Fußballfeld”, schreibt etwa “Die Presse”. Zuerst wurde das Spiel zwischen Paok Saloniki und AEK Athen abgebrochen, dann der ganze Ligabetrieb eingestellt.

Tja, hätte ich nicht vor eineinhalb Jahren Philip Kerrs “Die Hand Gottes” gelesen, hätte ich mir wahrscheinlich mehr gewundert, aber so war mir bereits bekannt, dass es im griechischen Fußball anders zugeht.

“Verglichen mit Silvertown Dock und dem Karaiskakis-Stadion war das Apostolos-Nikolaidis eine Dritte-Welt-Ruine”, schrieb Kerr in seinem Roman zwar nicht über das Paok-Stadion, aber jenes vom Rivalen Panathinaikos. “Kein Wunder, dass die Olympiakos hassen”, sagt daraufhin eine Figur der Romans.

Kerr arbeitet diese Fangruppen-Feindschaften in Griechenland gut heraus, gegen die etwa das Wiener Derby Austria-Rapid “wie ein Kindergeburtstag” anmutet.

“Panathinaikos und Olympiakos – das sind Erzfeinde, wie Sie wissen. Seit dem Peloponnesischen Krieg 400 vor Christus hat sich da zwischen Athen und Piräus nichts gändert”, heißt es an einer anderen Stelle von “Die Hand Gottes”.

Und da sage noch einer, Kriminalromane würden nicht die Welt beschreiben …

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Philip Kerr: Die Hand Gottes

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Philip Kerrs Besuch im Vorjahr bei der Kriminacht in Wien war für mich ein Highlight. Dort las er aus seinem ersten Fußball-Krimi “Der Wintertransfer”. Kerr ist es mit seinen Büchern jedenfalls gelungen, meine deutlich erkaltete Liebe zum Fußball wieder zu erwecken.

Ich will hier jetzt nicht groß über die Kommerzialisierung usw. schreiben, aber das macht es manchmal echt schwer, sich für diesen Sport noch zu interessieren. Und auch Kerr setzt sich in seinen Büchern damit kritisch auseinander, versteht es aber gleichzeitig perfekt zu unterhalten.

“Die Hand Gottes” macht nun genauso Spaß wie der Vorgänger. Wieder muss Trainer Scott Manson ermitteln, diesmal im von der Krise gebeutelten Griechenland. Mit bitterbösem Humor nimmt der Autor, eigentlich bekannt für seine historischen Kriminalromane, die viel zu ernste Fußballwelt ins Visier.

Der Arsenal-Fan Kerr unterhält jedenfalls besser als die meisten Matches und man lernt ganz nebenbei auch viel über die lokalen Rivalitäten griechischer Fußballvereine. Die gute Nachricht: Ende Oktober kommt bereits Teil drei, “Die falsche Neun”, auf den Markt.

7 von 10 Punkten

Philip Kerr: “Die Hand Gottes”, übersetzt von Hannes Meyer, Tropen-Verlag, 397 Seiten.

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