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Stuart Neville: Der vierte Mann

(c) Rütten & Loening

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Ich habe Stuart Nevilles Jack-Lennon-Reihe (“Die Schatten von Belfast”, “Blutige Fehde”, “Racheengel”) verpasst. Der im Dublin 1963 handelnde alleinstehende Krimi “Der vierte Mann” ist daher meine erste Begegnung mit dem Autor. Das Setting hat mich neugierig gemacht: Kurz bevor US-Präsident John F. Kennedy Irland besucht, werden drei Männer getötet, die als Nazis galten und auf der Insel nach 1945 Schutz suchten. In dieser Situation wird Geheimagent Albert Ryan – in Irland ein Außenseiter, weil er im Zweiten Weltkrieg für Großbritannien kämpfte – mit Ermittlungen beauftragt. Vor allem soll er verhindern, dass der titelgebende “vierten Mann”, der ehemalige SS-Mann Otto Skorzeny, getötet wird. Denn bei der dritten Leiche lag eine Botschaft an Skorzeny: “Wir kriegen Sie!”

Ich kann nicht verhehlen, dass mich dieser Thriller enttäuscht hat. Nach gutem Beginn ließ mit Fortschreiten der Lektüre mein Interesse an der Geschichte nach. Die Handlung wurde nach meinem Geschmack dann auch immer einfallsloser, mir erschien auch nicht alles stimmig.

Aber das Buch hatte einen Nebeneffekt: Stattdessen wollte ich mehr über die historische Figur von Otto Skorzeny erfahren. Skorzeny war Österreicher und wurde als Held bei der Befreiung des italienischen Diktators Mussolini 1943 gefeiert. Allerdings war ein Großteil davon NS-Propaganda. Er erhielt das “Eiserne Kreuz”, obwohl er weder an der Planung maßgeblich beteiligt war noch bei dem Kommandounternehmen über Befehlsgewalt verfügte. “Tatsache ist, daß Skorzeny dieses Unternehmen in einem entscheidenden Moment sogar gefährdet hat”, schrieb etwa die “Zeit” unter dem Titel “Die Wahrheit über Skorzeny” im Jahr 1950.

Wenn mich also schon der Krimi nicht überzeugen konnte, so bin ich Neville zumindest für die Geschichtsstunde, die abseits seines Buches stattgefunden hat, dankbar. Auch war mir nicht bewusst, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Nazis in den Nachkriegsjahren in Irland untergekommen ist. Und bis auf die Ministerebene suchten offenbar einflussreiche Iren den Kontakt zu diesen menschlichen U-Booten. Dass die österreichische Botschaft in Spanien seine Bestrebungen unterstützte, wieder Österreicher zu werden, will ich auch nicht unter dem Tisch kehren. Und ja, als “Gelegenheitsvermittler” für die österreichische Regierung war er auch tätig, wie der “Spiegel” 1961 berichtete.

5 von 10 Punkten

Stuart Neville: “Der vierte Mann”, übersetzt von Armin Gontermann und Wolfgang Thon, Rütten & Loening, 445 Seiten.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (X)

(c) Droemer

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Seit 1. Oktober ist Don Winslows neuer Thriller “Missing New York” erhältlich. Rein inhaltlich klingt das nicht wirklich nach Winslow: Als ein siebenjähriges Mädchen spurlos verschwindet, gibt nur Polizist Frank Decker nicht auf. Er gibt viel auf, um die Suche nach Hailey, dem Mädchen, fortzusetzen. Ein interessantes Detail: Das Buch ist wie der umstrittene Vorgänger “Vergeltung” bislang nicht in den USA erschienen. Das ist wirklich ungewöhnlich. Ob das für oder gegen das Buch spricht, werde ich hier demnächst zu erklären versuchen.

(c) Rütten & Loening

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Sehr gespannt bin ich auf Stuart Nevilles “Der vierte Mann”. Das Buch ist seit 6. Oktober im Handel erhältlich. Nachdem ich die Jack-Lennon-Reihe (“Die Schatten von Belfast”, “Blutige Fehde”, “Racheengel”) verpasst habe, werde ich die Gelegenheit nutzen, um den Schotten endlich kennenzulernen. Sein 1963 angesiedelter Krimi, in dessen Zentrum in Irland untergetauchte Nazis stehen, war 2013 für den begehrten “Steel Dagger” nominiert und steht 2014 in der Short-List bei den Barry Awards in der Kategorie Thriller. Mit anderen Worten: Ein Muss.

(c) Heyne

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Apropos Muss. “Ruhet in Frieden” (seit 13. Oktober im Handel) von Lawrence Block gehört auch in diese Kategorie. Wie am Cover gut erkennbar, wurde das Buch verfilmt und kommt mit Liam Neeson in der Hauptrolle Anfang November ins Kino. Es dürfte sich um einen harten Unterwelt-Krimi handeln, das müsste also eigentlich gut passen. Block ist einer meiner immer weniger werdenden blinden Krimiflecken. Blocks Serie um Matthew Scudder soll eine seiner besten sein. Von Block wurde in den vergangenen Jahren nur wenig ins Deutsche übersetzt. Bleibt zu hoffen, dass sich das nun ändert und nicht bloß eine Eintagsfliege ist.

(c) Heyne

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Ebenfalls seit 13. Oktober ist Denise Minas Krimi “Das Vergessen” in den Regalen zu finden. Sie wurde bereits mit Dagger Award und Barry Award ausgezeichnet. Die Ausgangssituation klingt vielversprechend: “Ein unmöglicher Mord. Ein wohlhabender Pakistaner wurde getötet. Am Tatort die Fingerabdrücke des Straftäters Michael Brown. Doch der sitzt im Gefängnis. Alex Morrow beginnt zu ermitteln…”, heißt es im Verlagstext. Neugierig macht mich auch folgendes Zitat der Autorin: “Ich bin Feministin und schreibe feministische Bücher. Ich sehe mich weniger in der Krimitradition als in der von feministischen Autorinnen.”

(c) Goldmann

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Seit 20. Oktober ist die von Thrillermeister David Baldacci herausgegebene Krimi-Anthologie “Face Off” erhältlich. Das besondere daran: Namhafte – und in diesem Fall ist das kein leeres Versprechen irgendeiner PR-Abteilung des Verlags – Krimiautoren haben sich paarweise zusammengetan, um ihre bekanntesten Ermittler gemeinsam auf die Leser loszulassen. So führt laut Verlag ein Mordgeständnis Ian Rankins John Rebus in den englischen Süden zu Peter James’ Roy Grace, Lee Childs Jack Reacher trifft in einer Bostoner Bar auf Joseph Finders Nick Heller, und Michael Connellys Harry Bosch bringt ein alter Fall zu Dennis Lehanes Patrick Kenzie. Eine geniale Idee für Liebhaber des Genres!

(c) Heyne Hardcore

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Und hier habe ich gleich eine weitere Chance, eine Krimilücke zu schließen. Altmeister James Lee Burkes “Regengötter” (seit 20. Oktober im Handel) könnte perfekt im mein aktuelles Lese-Beuteschema passen. Der Verlagstext klingt jedenfalls danach: “Ich bin hinter der alten Kirche in Chapala Crossing und habe gerade neun Leichen gefunden, die hier begraben wurden. Alles Frauen. Benachrichtigen Sie bitte das FBI und rufen Sie auch die Kollegen vom Brewster County und vom Terrell County an. Die sollen Unterstützung schicken.” Sheri Hackberry Holland steht vor einem Rätsel, wer hinter dem Massenmord im Niemandsland nahe der mexikanischen Grenze steckt. Und er legt sich mit dem organisierten Verbrechen an, das keine Gefangenen macht. Das klingt so stark nach Don Winslow (“Tage der Toten”) und Robert Crais (“Straße des Todes”), dass ich davon meine Finger nicht lassen kann.

(c) Diogenes

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Bleibt nur noch Dennis Lehanes “The Drop”, das am 29. Oktober erscheint. Es handelt sich dabei um die Romanvorlage zum Film mit Tom Hardy und dem verstorbenen James Gandolfini in seiner letzten großen Rolle. Lehane hat mich zuletzt mit “In der Nacht” mehr als überzeugt. Die Kleingangster-Geschichte “The Drop” klingt ebenfalls sehr interessant. Ich bin begeistert, binnen kurzer Zeit mit “Ruhet in Frieden” und “The Drop” zwei Krimis lesen zu können, deren Verfilmungen ich mir dann gleich im Kino ansehen kann (oder mache ich es doch umgekehrt?). Das kommt wirklich nicht oft vor.

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