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Joakim Zander: Der Schwimmer

(c) Rowohlt Polaris

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Ich habe in letzter Zeit ein Problem mit Thrillern. Nach der spannenden Lektüre bleibt allzu oft ein Gefühl der Leere zurück. Ich meide klassische Thriller daher zunehmend. Ich habe heuer zwei Ausnahmen gemacht und zweimal Glück gehabt. Im April hat mich der Österreicher Bernhard Aichner mit “Totenfrau” über weite Strecken überzeugt. Und nun hat mich “Der Schwimmer” von Joakim Zander gefesselt.

Der Schwede ist zweifellos eine der großen Neuentdeckungen dieses Krimijahrs. In seinem Politthriller lässt er die Leser in die beunruhigende Welt der Geheimdienste, privater Militärfirmen und der EU-Politik eintauchen. Der Vorteil: Zander ist ein EU-Insider – er arbeitete für das Europäische Parlament und die Europäische Kommission. Worüber er schreibt wirkt glaubwürdig. In einem Interview mit Günter Keil gewährt er diesbezüglich interessante Einsichten, die auch erhebliche Zweifel an der Arbeitsmoral bzw. -effizienz in Brüssel aufkommen lassen: “Im EU-Parlament gibt es ständig Sitzungen, die viele Stunden oder einen ganzen Tag lang andauern. Da sitzen dutzende Menschen an langen Tischen, und meistens ist nur ein kleiner Teil der Gespräche für die eigene Arbeit relevant”, sagt Zander darin. “So hatte ich die Gelegenheit, mit nur einem Ohr zuzuhören und nebenbei an einzelnen Szenen oder Kapitelübergängen zu feilen. Sonst wäre ich wohl nie mit dem Roman fertig geworden.” Fein für den Leser natürlich, aber ob das sinnvoll ist?

Im Zentrum seiner Geschichte stehen die EU-Referentin Klara und der Lobbyist George. Das sind für einen Thriller ziemlich ungewöhnliche Helden. Besonders hat mir die Figur der Klara gefallen. Endlich wieder einmal eine richtig starke Frau, womit wir wieder eine Parallele zu “Totenfrau” hätten. Weitere Pluspunkte: Es gibt keine irren Serienkiller, keine sinnlosen und voyeuristischen Gewaltszenen sowie keinen missmutigen, depressiven Kommissar. Zander umschifft zudem Genreklischees und -platitüden. “Der Schwimmer” ist ein moderner Politthriller, der sich hinter den Großen seines Genres nicht verstecken muss. Wer sich heuer von Olen Steinhauer und Oliver Bottini überzeugen hat lassen, wird sich auch bei Zander wohl fühlen. Der Mann kann schreiben: Einprägsame Charaktere und glaubwürdige Dialoge sprechen für sich.

In einer starken Szene wirft ein hochrangiger Manager bei einer Lobbyistenfirma die Münze. “Tabak oder Cognac?”, fragt er seinen Untergebenen. Mit anderen Worten: Welcher Konzern soll die Rechnung für ein pseudogeschäftliches, halbprivates Essen zahlen? Das ist wohl näher an der Realität, als einem lieb sein kann. Lediglich das eigenartig weihnachtliche Ende verwirrt ein wenig. “Aber das gehört wohl einfach zur selbstironischen Attitüde dieses faszinierenden Autors”, wie Peter Münder im crimemag schreibt.

7 von 10 Punkten

Joakim Zander: “Der Schwimmer”, übersetzt von Ursel Allenstein und Nina Hoyer, 432 Seiten, Rowohlt Paris.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (IX)

(c) Rowohlt Polaris

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Der September startet gleich mit einer besonders interessanten Neuerscheinung: “Der Schwimmer” von Joakim Zander (seit 1. September). Das Buch gilt als eine der großen Thriller-Neuentdeckungen des Jahres. Zander erzählt darin über die Welt der Geheimdienste und die Politik sowie Lobbyisten in der EU. Günter Keil hat übrigens ein interessantes Interview mit Zander geführt, das auf seinem Blog zu lesen ist. Zander hat sich demnach ein Beispiel an Stephen King genommen: “Mein Ziel war, jeden Tag tausend Wörter zu schreiben, egal, welche Aufgaben ich sonst noch hatte. Wenn meine Frau früh ins Bett ging, schrieb ich oft bis in die Nacht. Und nicht selten stellte ich mir den Wecker auf 5 Uhr morgens, um noch schreiben zu können, bevor ich unsere Kinder wecken musste.” Zander, der als Anwalt für die EU-Kommission und das Europäische Parlament arbeitet, gibt zu, dass er sogar in Meetings in Brüssel geschrieben hat.

(c) Manhattan

(c) Manhattan

Ian Rankin habe ich ja erst voriges Jahr sehr spät für mich entdeckt. “Mädchengrab”, Teil 18 seiner Serie um den Ermittler John Rebus, hat mich damals überzeugt: “Ich bin begeistert. Das Buch mag sich zwar nicht genial auflösen, aber ich habe selten ein derart atmosphärisch dichtes Werk gelesen, das auch mit gekonnter Charakterzeichnung auftrumpft”, schrieb ich. Nun folgt Band 19, “Schlafende Hunde” (seit 8. September). Der interne Ermittler Malcolm Fox, der Rebus nicht über den Weg traut, spielt wieder eine wichtige Rolle. Die beiden müssen wohl miteinander auskommen – ob sie wollen oder nicht. Klingt spannend. Übersetzt übrigens erneut von Conny Lösch.

(c) Kunstmann

(c) Kunstmann

Mit William McIlvanney “Laidlaw” (seit 10. September) werde ich eine weitere Lücke schließen. Das Buch ist ja ein Klassiker und erstmals im Jahr 1977 erschienen. McIlvanney gilt als Begründer des schottischen Noir. Der Verlag schreibt über die Kultfigur des Detective Jack Laidlaw: “William McIlvanneys Romane um den legendären Ermittler Jack Laidlaw sind in Großbritannien schon lange Kult und gehören schlicht zum Besten, was Kriminalliteratur zu bieten hat.” Und der oben erwähnte Ian Rankin meint: “Ohne McIlvanney wäre ich wohl kein Krimiautor geworden. Da war dieser literarische Schriftsteller, der sich dem urbanen, zeitgenössischen Krimi zugewandt hatte und zeigte, dass das Genre große moralische und soziale Fragen angehen konnte.” Übersetzt übrigens ebenfalls von Conny Lösch.

(c) Diaphanes

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Ganz besonders freue ich mich auf Nathan Larsons “Boogie Man” (ab 24. September). Erst im April habe ich hier Teil eins seiner Trilogie, “2/14”, um Dewey Decimal besprochen. Dieser Future Noir hatte mich damals echt aus den Socken gehauen. Mein Urteil damals: “Es ist ein schrilles, abgefahrenes und witziges Buch – mit stillen und tiefen Momenten. Eine ganz wild Mischung eben.” Ich freue mich darauf, Dewey Decimal erneut ein Stück auf seiner abgedrehten Reise begleiten zu dürfen.

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