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Declan Burke: Absolute Zero Cool

(c) Kriminalroman Nautilus

(c) Kriminalroman Nautilus

Nachdem mich das Krimijahr 2014 bislang außerordentlich begeistert hat, komme ich jetzt einmal zu einer kleinen Enttäuschung. Der Meta-Krimi “Absolute Zero Cool” des Iren Declan Burke hat mich leider nicht überzeugt. Ganz im Gegensatz zu Nicole, die das Buch auf ihrem Blog mycrimetime als besten Krimi des Jahres bezeichnet hat.

Worum geht es? Der Autor und Ich-Erzähler sieht sich plötzlich mit einer fiktiven Figur aus einem unveröffentlichten Manuskript konfrontiert:

“Du musst veröffentlichen, sonst bin ich verdammt.”

So weit, so gut. Zu Beginn hat mich das Verwirrspiel – was ist real, was ist imaginär? – noch fasziniert. Denn Karlsson drangsaliert und bedrängt seinen Erschaffer, beginnt plötzlich sogar an der Geschichte mitzuschreiben. Das ist schon witzig, da gibt es gelungene Dialoge. Aber irgendwann, leider allzu früh, nutzt sich dieser Effekt ab. Von Krimi ist dann nicht mehr viel zu erkennen. Und damit verstößt Burke auch gegen eine Todsünde des Genres: Er wird langweilig. Thomas Wörtche nennt das auf culturmag “uncool”.

Und ganz so neuartig, wie der Verlag das Buch anpreist, ist es nun auch wieder nicht. Auf kaliber38.de schreibt Wörtche dazu: “Allerspätestens seit dem 18. Jahrhundert gibt es eine lange, lange Tradition dieser Art Thematisierung der Entstehungsbedingungen von Literatur, so dass Declan Burke gegen die Großmeister dieser Strömung – Laurence Sterne, E. T. A. Hoffmann, Jorge Luis Borges, Italo Calvino etc, – einfach alt aussieht. Denn wer zu spät kommt und dann noch keine Idee für ein uraltes Prinzip hat…”

Persönlich habe ich mich bei der Figur des Karlsson auch sehr stark an Chuck Palahniuks “Fight Club” und dessen David-Fincher-Verfilmung sowie an Travis Bickle aus Martin Scorseses “Taxi Driver” erinnert gefühlt. Das eigentliche Problem: Die anfänglich ungewöhnliche Erzählkonvention wird rasch gewöhnlich. Übrig bleibt ein ambitionierter, aber enttäuschender Kriminalroman.

Ausdrücklich empfehlen will ich hingegen Dcclan Burkes Krimiblog crimealwayspays, den der Autor in “Absolute Zero Cool” auch erwähnt. Darin gewährt Burke einen perfekten Einblick in die irische Krimiszene (Adrian McKinty, Ken Bruen, Stuart Neville, Gene Kerrigan), die für mich neben der Schottlands momentan zu den spannendsten des Genres zählt. Und als Herausgeber der Krimianthologie “Books to die for” hat sich Burke ohnehin unsterblich gemacht.

5 von 10 Punkten

Declan Burke: “Absolute Zero Cool”, übersetzt von Robert Brack, 316 Seiten, Kriminalroman Nautilus.

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Krimis, die man 2014 lesen sollte (VIII)

(c) Metrolit

(c) Metrolit

Es freut  mich besonders, dass ausgerechnet mein Geburtsmonat August viele wirkliche Crime-Fiction-Highlights zu bieten hat. Gleichzeitig zeigt sich an folgenden Bücher auch wieder einmal, wie vielseitig dieses Genre ist. Nic Pizzolatto ist mit “Galveston” (ab 18. August erhältlich) ein absolutes Pflichtbuch für mich. Der Drehbuchautor der HBO-TV-Serie “True Detective” hat diesen Noir – der Noir angeblich neu definiert – kurz vor seinem großen TV-Erfolg geschrieben. Dem Metrolit-Verlag ist da ein großer Coup gelungen, denn offenbar sicherte er sich die Rechte bereits vor dem großen Hype.

toetedeinenchefUnd wieder einmal vertraue ich auf die Übersetzerin Conny Lösch. Sie hat Shane Kuhns “Töte deinen Chef” (ab 20. August im Handel) übersetzt. Der Verlagstext: “Als Killer ist John Lago einer der besten. Angestellt ist er bei einer »Personalagentur«, die ihre Leute in Firmen einschleust, um dort die richtig dicken Fische auszuschalten. Für ihre Aufträge haben die Killer die beste Tarnung – sie sind Praktikanten. So kommt man an Informationen, erhält Zugang zu den wichtigen Bereichen und kann nach Erledigung des Jobs spurlos verschwinden. Denn wer wird sich schon an den Namen des unscheinbaren Praktikanten erinnern? Mit fünfundzwanzig ist John nun im Rentenalter seiner Profession und soll seinen letzten Auftrag in einer von Manhattans renommiertesten Anwaltskanzleien erledigen.” Klingt vielversprechend, kann aber auch genial scheitern…

(c) Tropen

(c) Tropen

Wo der Name Joe R. Lansdale draufsteht, kann eigentlich nichts schiefgehen. Ab 23. August ist sein neues Buch “Das Dickicht” erhältlich. Der Verlagstext: “Allein in einer gewalttätigen Welt, muss Jack schnell erwachsen werden, wenn er seine Schwester retten will. Und er braucht dringend Hilfe, die beste, die er kriegen kann. Aber die einzigen Kopfgeldjäger, die zur Verfügung stehen, sind Shorty, der Zwerg, und Eustace, der Sohn eines ehemaligen Sklaven. Zusammen mit Jimmie Sue, einer genauso klugen wie käuflichen Dame, nehmen sie die Verfolgung in eine berüchtigte Gegend auf: das Dickicht. Dort sprudelt aus den ersten windschiefen Bohrtürmen illegal das flüssige Gold, doch Jack ist fest davon überzeugt: Blut ist dicker als Öl.” Das klingt nach einer spannenden Ausgangssituation.

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

Dazu passend erscheint von Bruce Holbert “Einsame Tiere” (ab 25. August). Der Verlagstext: “Okanogan County, Anfang der 1930er Jahre. Eigentlich hat sich Sheriff Russel Strawl zur Ruhe gesetzt. Er ist müde geworden, seine Hände zittern beim Schießen. Doch dann kommt es im Indianerreservat zu einer Reihe grausamer Ritualmorde, und Strawl soll ermitteln. Ein letztes Mal noch steigt er in den Sattel – und begibt sich in einen Abgrund der Gewalt. Dort holt ihn auch seine eigene Vergangenheit ein.” Das klingt jetzt nicht weniger spannend und könnte eine feine Abrundung zu Lansdales Buch sein.

(c) Kriminalroman Nautilus

(c) Kriminalroman Nautilus

Declan Burke hat sich als Mitherausgeber von “Books to die for” für mich ohnehin fast unsterblich gemacht. Nun erscheint sein Krimi “Absolute Zero Cool” (ab 27. August), der perfekt mit dem Genre spielt. Der Verlag schreibt: “Absolute Zero Cool stellt alle Traditionen des Krimigenres auf den Kopf und begeistert und verstört in gleichem Maße. Der Roman ist ein witziger selbstreflexiver Angriff auf das Genre selbst, eine einfallsreiche Story über die Fähigkeit des menschlichen Geistes, nicht nur schöpferisch, sondern auch zerstörerisch zu sein.” Und noch so ein Pflichtbuch 😉

(c) Polar

(c) Polar

Und auch um das letzte Buch, das ich hier vorstelle, werde ich nicht herumkommen. Gene Kerrigans “Die Wut” (ab 25. August) wurde 2012 mit dem “Golden Dagger Award” ausgezeichnet. Das allein wäre Grund genug, das Buch zu lesen. Ein anderer gewichtiger Grund ist der Verlag Polar, der in den nächsten Monaten (zur Verlagsvorschau) eine Reihe spannender Bücher herauszugeben scheint. Nicht vorenthalten will ich ein Zitat von Polar-Verleger Wolfgang Franßen, weil es ziemlich gut meinen momentanen Lesegeschmack trifft:

“Wir suchen keine reinen Whodunitautoren, bei denen der Kniff, der Clou, das Rätsel im Mittelpunkt steht. Keine kriminell aufgehübschte Comedy. Keine Dörfer, um zu zeigen wie schön es auf dem Land doch ist. Keine Ideologie, keine Morde auf Rezept, keine Weinprobe mit anschließendem Ersticken. Kein Schwelgen in Melancholie, Sehnsüchten oder Happy Ends, die das Jetzt ausklammern Auch keinen Soziokrimi, kein ödes Nachstellen der realen Ereignisse, keine Kolportage und keine Agitprop. Der Polar erzählt von den Umständen eines Verbrechens, nicht vom bloßen Töten als Blutorgie. Der Polar ist und bleibt die Literatur der Krise.”

 

 

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