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Daniel Suarez: Bios

(c) Rororo

Stell dir vor, du bist ein Interpol-Agent, der gegen Genkriminalität ankämpft, und eines Tages erwachst du im Körper deines Feindes: Du siehst aus wie er, du hast seine DNA. Aus dieser gruseligen Idee hat Daniel Suarez einen fesselnden Zukunftsthriller gemacht, der den Leser zweifeln lässt, ob er das Jahr 2045 erleben will. Denn das Schlimmste an “Bios” ist, dass alles so furchtbar plausibel klingt. Designerbabys erscheinen als Problem vergangener Tage. Da sieht man auch großzügig über manche erzählerische Schwäche hinweg – zu faszinierend ist die Welt, die Suarez erschafft.

Und damit unterscheidet sich sein aktuelles Buch aus meiner Sicht deutlich von “Daemon” und “Darknet”, die ich vor Jahren gelesen habe. Auch diese beiden Bücher waren thematisch äußerst interessant, doch erst mit “Bios” ist es Suarez gelungen, eine passable Erzählung zu konstruieren. So war das Buch auch eine der großen positiven Überraschungen des Vorjahres für mich.

7 von 10 Punkten

Daniel Suarez: “Bios”, übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann, Rowohlt-Verlag, 541 Seiten.

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Filed under Rezensionen

Die besten Krimi-Cover im April

(c) rororo

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Daniel Suarez gilt seit seinen Romanen “Daemon” und “Darknet” als Meister des Technothrillers. Er versteht es, faszinierende Zukunftsszenarien zu schaffen, die nachdenklich machen. Seine Umsetzung hat mir aber gar nicht zugesagt, zu tief greift Suarez in den Effekte-Topf. Vor allem bei “Darknet” hat er meiner Meinung nach maßlos überzogen. Er offenbarte sich darin als alles andere als ein Meister der Charakter-Zeichnung. Auch ideenreiche Plots sind nicht sein Ding. Als Erzähler vermochte er mich daher nicht zu überzeugen. Deshalb werde ich auch von seinem neuen Buch “Kill Decision” (rororo) die Finger lassen, obwohl mich das Cover sehr anspricht. In meinem allmonatlichen Cover-Ranking kommen die Ameisen aber dennoch auf Platz eins. Denn das Cover vermittelt die Botschaft des Buches gekonnt: Es geht um Schwarmintelligenz (wie sie bei dem Ameisen existiert) und die Gefahren einer immer technologisierteren Welt (schön durch die wie eine Roboter-Armee anmutenden Ameisen symbolisiert).

Von seinen handwerklichen und stilistischen Schwächen abgesehen, faszinieren die Werke von Suarez durchaus, weil die geschilderten Szenarien erschreckend nah an der Realität liegen. Daher rührt wohl auch die Begeisterung der FAZ für Suarez. In der Zeitung wurden schon die ersten beiden Bücher gelobt. Über “Kill Decision” schrieb das Blatt: “Die eigentlich revolutionäre – und gegenwärtig noch spekulative – Anwendung jener hochentwickelten chemorezeptiven Sensorik, die „Kill Decision“ schildert, ist nicht die besagte Spürhundfunktion, sondern eine neuartige Sorte des Informationsaustauschs der autonomen Drohnen untereinander. Wie Ameisen ihr kollektiv paralleles Handeln per Pheromonsignalnetzwerk abstimmen, so verständigen sich die Mechamonster bei Suarez auf Duftbasis, weshalb sich ihre Choreographien auch nicht mehr so leicht, wie bei ihren älteren, radiogelenkten Cousinen, die zum Beispiel Libyens Gaddafi den Garaus gemacht haben, mit Störsendern durcheinanderbringen lassen. Etwa die Hälfte der in Kampfeinsätze geschickten Drohnen geht, so erfahren wir nebenbei, im Augenblick per Abschuss oder Absturz verloren. Das sind Verlustraten, die man sich mit Menschen schon der Mediensituation wegen lieber nicht leistet.

(rororo)

(rororo)

Persönlich mehr erwarte ich mir von Mark Petersons “Flesh and Blood” (rororo), das ich im April auf Rang zwei reihe. Mir gefällt das Cover einfach. Ich erwarte mir einen harten, atmosphärisch dichten Krimi, der im Seeort Brighton spielt. Glaubt man der Krimi-Kolumne “Killer & Co.” der Stuttgarter Zeitung, so hat das Buch alles, was ich bei Suarez vermisse: “Was Petersons Thriller ausmacht, ist sein Blick auf die Menschen.” Und es heißt auch: “Was macht einen wirklich guten Thriller aus? Spannung? Härte? Vielleicht ein bisschen Sex? Gewiss, das alles sollte drin sein. Zur richtigen Mischung kann aber auch gehören, dass der Autor sich für seine Personen interessiert und ihre Biografien in die Handlung einbettet.” Ich bin gespannt, das Buch steht schon in meinem Regal!

(c) Fischer Taschenbuch

(c) Fischer Taschenbuch

Auf Platz drei landet “Fürchtet euch” von Wiley Cash. Hier gefällt mir der Widerspruch zwischen dem idyllischen Bild und dem Titeltext sehr gut. Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort in den Bergen North Carolinas, wo während eines Gottesdienstes der 13-jährige Christopher stirbt. “Und niemand aus der Gemeinde will sich zum Tod des Jungen äußern”, steht am Rückentext. Nur sein jüngerer Bruder Jess weiß von dem dunklen Geheimnis. Wüsste ich das nicht, das Cover könnte mir das alles erzählen: Da ist die Idylle auf den ersten Blick, die Bedrohung schwingt aber bereits mit. Man spürt, hier ist irgendwas nicht in Ordnung. Da ist die Kirche im Hintergrund, in der etwas passiert ist. Der Bub im Vordergrund weiß etwas. Toll gemacht, finde ich.

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