Tag Archives: Cynan Jones

Krimis, die man 2017 lesen sollte (II)

(c) Arctis Verlag

(c) Arctis Verlag

Es ist eine erschreckende Vorstellung, mit der Autor Asa Ericsdotter in seinem Buch “Epidemie” spielt. Diesmal geht es gegen die Dicken: Jeder wird nach Gewicht und Fettindikator klassifiziert, sogenannte “Fat Camps” entstehen…

Der Verlag: »Die Fett-Epidemie ist eine tickende Zeitbombe. Schweden muss sich von Grund auf verändern, um eine Katastrophe dieses Ausmaßes bewältigen zu können.« Die ‚Gesundheitspartei‘ hat unter Führung von Johan Svärd die Macht übernommen. Ihr politisches Programm: Das Volk von der Gefahr der Fettsucht zu befreien. Jeder wird nach Gewicht und Fettindikator klassifiziert. So auch Landon, ein junger Forscher, der sich auf die Suche nach seiner Liebe Helena macht. Und dabei ein rasch verändertes Land und eine Spur aus Gewalt vorfindet. Was geschieht mit all den Übergewichtigen – und was steckt hinter jenen ‚Fat Camps‘, die es geben soll?

(c) Ars Vivendi

(c) Ars Vivendi

Das nächste Buch klingt außerordentlich vielversprechend, da freue ich mich schon darauf. Tom Boumans “Auf der Jagd” fällt genau in mein Lese-Beuteschema 😉

»In der Nacht, bevor wir die Leiche fanden, konnte ich nicht schlafen.« So beginnt die Geschichte des US-Dorfpolizisten Henry Farrell, Ex-Somalia-Kämpfer und Witwer, der sich auf einen gemütlichen Job in den gottverlassenen Wäldern im Nordwesten von Pennsylvania eingerichtet hat – und dort eine ganze Weile nicht zum Schlafen kommen wird. Die Einheimischen, dickschädelige, traditionsbewusste Nachkommen irischer Einwanderer, ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was das Land hergibt, ignorieren die Staatsmacht und pflegen ihre Waffen. Doch die Gemeinschaft wird nicht nur von mexikanischen Drogenkartellen und verborgenen Crystal-Meth-Küchen bedroht: Ein Fracking-Unternehmen setzt alles daran, die örtlichen Schiefergasvorkommen auszubeuten und lockt mit viel Geld für Grundstücke. Als einer der Einsiedler eine Leiche auf seinem Land findet, beginnt für Henry Farrell die Jagd nach dem Killer … Ausgezeichnet mit dem »Edgar Award«, dem bedeutendsten Krimipreis der USA, in der Sparte »Debüt«, sowie mit dem »LA Times Book Prize«.

(c) Suhrkamp Nova

(c) Suhrkamp Nova

Was soll ich über Adrian McKinty noch sagen? “Rain Dogs” ist der fünfte Teil seiner genialen Serie rund um den katholischen Bullen Sean Duffy. Lesen!

Unruhen bekämpfen, Herzschmerz und Fälle aufklären, die aber nicht vor Gericht gebracht werden dürfen, darin ist Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland inzwischen Spezialist. Immerhin bekommt er es zum zweiten Mal in seiner Karriere mit einem locked room mystery zu tun, und welcher Bulle – in Nordirland oder sonstwo, katholisch oder nicht – kann das schon von sich behaupten? Die Journalistin Lily Bigelow wird im Hof von Carrickfergus Castle, wo sie sich allem Anschein nach über Nacht hat einschließen lassen, tot aufgefunden. Selbstmord, glaubt man, aber ein paar Dinge geben Sean Duffy zu denken, und er weigert sich, es dabei zu belassen. Duffy findet heraus, dass Bigelow an einer verheerenden Enthüllung in Sachen Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der höchsten Regierungskreise Großbritanniens und darüber hinaus gearbeitet hat. Und so sieht er sich mit zwei schwerwiegenden Problemen konfrontiert: Wer hat Lily Bigelow umgebracht? Und was wollte er oder sie damit vertuschen?

(c) C.H. Beck

(c) C.H. Beck

Eine neue Stimme im Genre des deutschsprachigen Spionageromans? Achim Zons geht mit seinem ersten Thriller “Wer die Hunde weckt” an den Start. Hoffentlich verspricht der Verlag mit seinem John-le-Carré-Vergleich nicht zu viel…

Als der Journalist David Jakubowicz schwerverletzt in einem ins Hafenbecken gestürzten Auto erwacht, wird ihm bewusst, dass er Opfer eines Anschlags geworden ist. Die CIA-Agentin neben ihm ist tot. Sie hatte brisante Informationen über eine bevorstehende politische Aktion von extremer Skrupellosigkeit. Die Jagd auf die Verantwortlichen führt Jakubowicz von der Chefetage seiner Münchner Zeitungsredaktion schließlich bis nach Afghanistan. Wieso konnte der deutsche Kommandeur Robert Westphal amerikanischen Piloten befehlen, einen mit Kindern besetzten LKW am Fluss Taloqan zu bombardieren? Wem nützte der Angriff? Wurde Westphal gekauft? Und wo befindet er sich jetzt? Nicht nur der deutsche Geheimdienst, auch die Regierung versucht, den Fall zu vertuschen, während die Arbeit für Jakubowicz und seine junge Kollegin Emma Bricks lebensgefährlich wird.
In seinem ersten Thriller erweist sich Achim Zons als Meisterschüler von John LeCarré: Mit literarischer Hochspannung erzählt er von einem unbeirrbaren Einzelgänger, der sich ins Herz der politischen Finsternis wagt.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Keine 200 Seiten umfasst Matteo Strukuls Mafia-Pulp-Thriller “Mila”. Ich bin schon mal gespannt, ob mich das überzeugen kann, klingt dann doch ein bisschen ausufernd, aber vielleicht macht das ja auch so richtig Spaß.

Norditalien im Würgegriff des organisierten Verbrechens. Nichts und niemand scheint der lokalen Triade und der mit ihr verfeindeten Mafia etwas anhaben zu können. Bis auf einmal und wie aus dem Nichts diese junge Frau mit den roten Dreadlocks und dem Schwert in der Hand auftaucht. Ein ebenso schöner wie gnadenloser Racheengel. Seither kann sich kein Gangster und kein Mafioso mehr sicher wähnen, der Tod lauert plötzlich überall. Wer aber ist diese Mila, was treibt sie an? Niemand weiß es, nur so viel ist sicher: Sie ist nicht nur eine schier unbesiegbare Kampfmaschine, sie ist auch clever. Sehr clever sogar. Aber wenn sich Triade und Mafia zusammentun, dann könnte es ziemlich eng werden – selbst für Mila …
Aufregender Neo-Pulp, schnell, actionhaltig, ironisch, überraschend, intelligent, robust, bunt und grimmig. Pop-Culture, wie sie sein soll.

(c) Droemer

(c) Droemer

Reginald Hill kenne ich bisher gar nicht. “Die letzte Stunde naht” wäre eine gute Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Aber ich fürchte, ich werde auch diesmal andere Bücher vorziehen.

Best of British Crime: der letzte Fall für das unvergleichliche Ermittler-Duo Dalziel und Pascoe. Nach seiner Rückkehr aus der Kur kehrt DCI Andy Dalziel an seine alte Wirkungsstätte, das Mid-Yorkshire Police Department, zurück. Allerdings ist er offenbar noch nicht wieder ganz auf dem Damm: Auf dem Weg zur Arbeit mehren sich die Anzeichen, dass der vermeintliche Montag in Wirklichkeit ein Sonntag ist! Schockiert flüchtet Dalziel zu innerer Einkehr und Sammlung in die Kathedrale von York, wo er von einer Frau angesprochen wird – Gina Wolfe. Sie ist Dalziel von seiner Haustür bis hierher gefolgt, ohne zu bemerken, dass wiederum sie von zwei zwielichtigen Typen verfolgt wird, die ihr nach dem Leben trachten. Und damit beginnt eine sonntägliche Tour de force, an deren Ende nicht nur ein Toter und eine schwer verletzte Polizistin stehen, sondern auch ein in seiner alten majestätischen Pracht wiederhergestellter Dalziel, für den sich die Verkettung der Ereignisse als wahrer Jungbrunnen erweist.

(c) liebeskind

(c) liebeskind

Auch “Alles, was ich am Strand gefunden habe” ist mit seinen 240 Seiten eher ein dünnes Büchlein, in dem aber ziemlich viel stecken dürfte. Nachdem ich das Debüt “Graben” vor zwei Jahren nicht gelesen habe, möchte ich diesen Autor nun unbedingt kennenlernen.

Zwei Männer, die auf ihre Chance warten. Holden setzt alles daran, ein Versprechen einzulösen, das er einem sterbenden Freund gegeben hat, während Grzegorz auf ein besseres Leben für seine Familie hofft und zu allem bereit ist … Zwei Männer, die auf ihre Chance warten, setzen wider besseren Wissens ihr Leben aufs Spiel. Eine schiefgelaufene Drogenübergabe löst eine fatale Verkettung von Ereignissen aus, in deren Folge sie zum Spielball unkontrollierbarer Kräfte werden. Stringer, der lange im Gefängnis saß und nun merkt, wie sehr sich die Welt verändert hat, wird losgeschickt, um die verloren gegangene Lieferung wieder aufzutreiben. Und um ein Zeichen zu setzen … Kraftvoll und mit großer Intensität bis zum bitteren Showdown erzählt Cynan Jones von der einen falschen Entscheidung im Leben – und ihren tödlichen Konsequenzen. Ein Buch voll untergründiger Spannung, das so lange an Gewissheiten rührt, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

 

14 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte

Krimis, die man 2015 lesen sollte (I)

(c) liebeskind

(c) liebeskind

Für Fans von Cormac McCarthy, Bruce Holbert und Kim Zupan (sowie James Lee Burke) dürfte Cynan Jones “Graben” geradezu eine Pflichtlektüre sein. Natur und Gewalt scheinen die Konstanten dieses dünnen Büchleins (176 Seiten) zu sein. Ich muss allerdings zugeben, dass ich, was naturphilosophische Krimikost betrifft, ein wenig gesättigt bin. Der Verlagstext könnte jedenfalls auf jeden der oben genannten US-Autoren zutreffen: “Cynan Jones beschreibt die Rückzugsgefechte zweier aus der Zeit gefallener Archetypen als eine Eskalation in albtraumhafter Zeitlupe. In einer glasklaren, suggestiven Sprache gelingt ihm ein kleines Meisterwerk über den ewigen Kreislauf aus Jagen und Gejagtwerden. Und darüber, dass jeder Mensch irgendwann an einen Punkt gerät, an dem alle Fluchtwege abgeschnitten sind und nichts mehr bleibt als die Konfrontation.” Einziger Unterschied: Jones ist kein Amerikaner, sondern Waliser. Das Buch ist seit 19. Jänner im Handel.

(c) Polar

(c) Polar

“Dead Money” von Ray Banks ist die erste von vielen Neuerscheinungen im Polar-Verlag. Im Monatstakt kommen da feine Krimis auf uns zu. Das vorliegende Buch ist das erste des schottischen Kultautors Ray Banks, das auf Deutsch erscheint. Darin führt laut Verlagstext “ein gezinktes Pokerspiel Alan Slater im Hause seines Freundes Les Beale dazu, dass sein bisher eher beschauliches Leben aus dem Ruder läuft. Eine Leiche muss entsorgt werden, Spielschulden sollen eingetrieben werden, die Slater selber nicht angehäuft hat. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ein beschauliches Leben zwischen Sex und Alkohol weiterzuleben.” Wer meine Vorliebe für schottische Kriminalliteratur kennt, weiß dass daran für mich kein Weg vorbeiführt. Das Buch ist ebenfalls bereits im Handel erhältlich.

(c) btb

(c) btb

Doug Johnstone hat mit seinem Whiskey-Krimi “Smokeheads” bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Damals hatte ich allerdings die Befürchtung, dass dieser Krimi der Beginn einer Whiskey-Krimi-Serie sein würde – nach dem Motto: wechsle niemals ein funktionierndes Krimilabel (ich denke da nur an all die Koch- und Küchenkrimis). Womöglich noch mit Whiskey-Glossar etc. Tja, umso mehr war ich überrascht, als ich Anfang der Woche “Wer einmal verschwindet” (seit 12. Jänner im Handel) in der Buchhandlung entdeckt habe – ich habe es spontan gekauft (etwas, das ich immer seltener mache). Der Verlagstext klingt vielversprechend: »Ihre Frau hat Nathan heute nicht aus der Schule abgeholt. Ich hoffe, es gibt kein Problem?« Als Mark diesen Anruf von der Lehrerin seines Sohnes bekommt, denkt er sich nichts dabei. Wahrscheinlich steckt Lauren nur im Stau. Als er sie nicht erreichen kann, macht er sich keine Gedanken. Wahrscheinlich ist nur der Akku leer. Doch als Lauren über Nacht nicht nach Hause kommt, beginnt Marks schlimmster Albtraum.

(c) Droemer

(c) Droemer

Thomas Raabs “Still” (seit 14. Jänner im Handel) muss bei mir noch warten. Die “Chronik eines Mörders” werde ich bestimmt lesen, aber vorher will ich Raabs Metzger-Reihe kennenlernen. Ich weiß, als Österreicher hätte ich Raab schon längst lesen müssen, aber da sind halt all diese schottischen Krimis… Der Verlag schreibt: “Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.”

“Der Schneemann” hat übrigens bereits eine hymnische Kritik über “Still” verfasst, die wirklich neugierig macht: “Von Seite zu Seite mausert sich dieser dickliche, stumme Junge, der eine Spur von Leichen hinter sich herzieht, zum zumindest bemitleidenswerten Wesen. Seine Geschichte bewegt und weckt gleichzeitig ursprüngliche Ängste. Der Leser bleibt am Ende sprachlos zurück. Um nicht zu sagen: Still.” Pflichtlektüre also, nur noch nicht jetzt. Aber Vorfreude ist ja auch etwas Feines.

4 Comments

Filed under Krimis, die man lesen sollte