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Candice Fox: Crimson Lake

(c) Suhrkamp

“Hades” von Candice Fox war meine persönliche Krimi-Enttäuschung des Vorjahrs. Ich konnte den Hype nicht nachvollziehen. Ich habe daher nach der Lektüre beschlossen, die beiden folgenden Bände der Trilogie nicht zu lesen. Da ich sehr selten zu solchen Schlüssen komme, habe ich entschieden, der Autorin noch eine Chance zu geben. Mit “Crimson Lake”, dem Auftakt zu einer neuen Reihe, habe ich es nun also getan.

Und was soll ich sagen: Es gibt ohnehin nicht viel Spannenderes als das Leseleben eines Krimilesers. Aber wieder einmal – zuletzt ist mir das bei Adam Sternbergh passiert – hat sich gezeigt, dass es gut ist, nicht zu schnell endgültige Schlüsse zu ziehen. Nach dem Motto: Traue nie deiner eigenen Meinung 😉

Fox hat mich nun wirklich überrascht, um nicht zu sagen: umgehauen. “Crimson Lake” ist einfach die pure Krimi-Unterhaltung. Nicht besonders realistisch, aber wunderbar abgefahren: Mit einer Mörderin und einem Pädophilen (wenn man dem Volkszorn glauben kann) als ermittelnde Hauptfiguren. So etwas Schräges liest man doch selten.

Meine Befürchtungen, dass Fox in irgendwelche Peinlichkeiten abdriften könnte, hat sich auf keiner Seite bewahrheitet. Im Gegenteil, ich habe sehr früh gespürt, dass sich hier eine außerordentliche Geschichte entwickelt, die natürlich auch gar nicht leicht zu erzählen ist, weil man da ordentlich ins Fettnäpfchen treten kann. Wider Erwarten hat sich Fox aber als durchaus sensible Erzählerin entpuppt. Sensibel und schräg zugleich: Das ist schon eine besondere Mischung.

Jedenfalls hat das echt Spaß gemacht. Von dem Duo Ted und Amanda will ich mehr lesen. So viel steht fest.

8 von 10 Punkten

Candice Fox: “Crimson Lake”, übersetzt von Andrea O’Brien, Suhrkamp, 380 Seiten.

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Candice Fox: Hades

(c) Suhrkamp

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2016 ist bisher ein sehr gutes Krimijahr. Ausnahmen bestätigen die Regel, heißt es. Tja, bei “Hades” handelt es sich für mich um einen solchen Ausreißer.

Dabei ist “Hades” der Auftakt einer hochgelobten Krimitrilogie, die bereits im September mit “Eden” ihre Fortsetzung finden wird. Mit Verwunderung habe ich daher auch zur Kenntnis genommen, dass es das Buch auf Platz sieben der aktuellen KrimiZeit-Bestenliste geschafft hat. Warum nur?

Aber beginnen wir damit, worum es geht: Hades ist ein mächtiger Unterweltboss in Sydney, der vor vielen Jahren zwei Kinder vor dem sicheren Tod gerettet hat. Nun sind die Geschwister erwachsen und versehen ihren Dienst bei der Polizei.

Hier möchte ich gleich einhaken: Wer meint, dass das an den Haaren herbeigezogen klingt, hat recht. Teilweise habe ich fassungslos weitergeblättert, weil ich es gar nicht glauben konnte.

Konkret lässt sich das an drei Punkten festmachen. Die Figuren funktionieren aus meiner Sicht überhaupt nicht. Das sind einfach keine lebensechten Charaktere, ich habe keinen Draht zu ihnen gefunden. Das beginnt schon bei dem unsympathischen Ich-Erzähler Frank, betrifft aber vor allem die drei Hauptfiguren Hades sowie Eden und Eric Archer. Alle drei sind mehr oder weniger Psychopathen. Wenn wenigstens Ironie wie bei Ken Bruen an Bord wäre – aber nein, Fehlanzeige.

Die Handlung ist unglaubwürdig. Zwei wohlbehütete Kinder, die Grausames ansehen müssen und denen Furchtbares angetan wird, geraten in die Obhut des Unterweltbosses von Sydney. Dieser wird dann ihr Lehrer, der diese beiden durch und durch psychisch kranken Kinder in den Dienst der Allgemeinheit zwingt, indem er sie zur Polizei schickt. Puuh, echt jetzt? Klingt ein bissl nach “Departed”.

Gewalt dient der Effekthascherei. Man könnte diese Geschichte auch anders erzählen, aber es geht wohl vor allem darum für Gänsehaut zu sorgen, Tabus zu brechen und Gewalt als Stilmittel einzusetzen. Früher hat mich das nicht so gestört, doch angesichts der Gewalt, die uns nun schon fast tagtäglich heimsucht, habe ich keinen Bedarf an zusätzlichen Gewaltphantasien.

Hier zeigt sich meiner Meinung nach gut, was passiert, wenn der Plot zu absurd ist: Das killt schlicht die Spannung. Irgendwann hat mich das alles nicht mehr interessiert, ich war genervt und ich habe das Buch nur mehr fertiggelesen, in der Hoffnung, ich könnte meine Meinung noch durch irgendeine geniale Wendung ändern.

Vielleicht tue ich dem Buch ja unrecht, aber ich fand einfach keinen Zugang. Zumindest bin ich nicht der einzige, dem es so ergangen ist. “Wortgestalt” spricht mir aus der Seele: “Was mag da wohl kommen, dachte ich mir, so eine schöne Ausgangssituation, es geht um Rache, Vergeltung, Gerechtigkeitsdefinitionen, alles nicht unbekannt, aber voller Optionen! Dabei blieb es dann aber auch. Bei den Optionen. Groß genutzt wurden keine.” Auch der “Schneemann” bricht in keine Begeisterungsstürme aus, ihm gelingt es aber, sich mit dem Buch zu versöhnen.

Ich finde aber, man deutet da einfach zu viel hinein. Ich kann nicht erkennen, dass Fox ein geniales Spiel mit Versatzstücken treibt. Sie nimmt sich mal von da und mal von dort. Ich finde das in diesem konkreten Fall nicht gelungen, es wirkt billig. Aber letztlich ist das ja auch alles legitim. Fox will Bücher verkaufen und das soll sie auch. Nur werde ich zumindest diese Trilogie nicht weiterlesen. Ich finde im Interview, das Alf Mayer mit der Autorin geführt hat, wird ganz gut klar, wie dieses Buch entstanden ist. Da sagt sie: “Ich schrieb, was ich wollte, ob ich nun veröffentlicht würde oder nicht. In dieser Phase trotziger innerer Freiheit entstand ‘Hades’ – und es zu schreiben war ein großer, glorioser Spaß.” Das glaube ich ihr. Nach über 200 Ablehnungen muss das ein erhabenes Gefühl sein, das ich ihr absolut gönne.

Ich bin ohnehin überzeugt, dass diese Trilogie ihre Leser finden wird. Für Fans wilder Serienkiller- oder Horror-Thriller ist das wohl das gefundene Lesevergnügen – und vermutlich wird sogar ein Hollywood-Vielteiler daraus. Aber für mich ist das Kapitel erledigt.

2 von 10 Punkten

Candice Fox: “Hades”, übersetzt von Anke Caroline Burger, Suhrkamp, 343 Seiten, 15,50 Euro.

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Krimis, die man 2016 lesen sollte (V)

(c) Suhrkamp

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Ich mag australische Krimis, nicht zuletzt wegen Garry Disher. Nun gibt es die Möglichkeit mit Candice Fox eine Krimiautorin kennenzulernen. “Hades” (seit 8. Mai im Handel) soll dabei nur der Auftakt einer Trilogie (“Eden” soll bereits im September erscheinen) sein.

Der Verlag schreibt: Hades ist der ›Herr der Unterwelt‹ von Sydney. Er weiß alles über das Verbrechen in seiner Stadt, denn auf seiner gigantischen Müllhalde entsorgt er gegen Honorar Menschen, die gewaltsam zu Tode gekommen sind. Dieses Schicksal hätten auch beinahe die Kleinkinder Eden und Eric geteilt, die man bei Hades deponiert hat. Aber die beiden leben noch. Sie wachsen bei Hades auf und werden Top-Cops bei der Mordkommission von Sydney. Das ist jedoch nur ihr eines Gesicht, ihr eines Konzept von »Gerechtigkeit«. Denn schließlich hat Hades Eden und Eric erzogen.

(c) Heyne Hardcore

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Nachdem ich den kürzlich erschienenen Dave-Robicheaux-Krimi ausgelassen habe, möchte ich “Fremdes Land” (9. Mai) von James Lee Burke keinesfalls auslassen. Schon allein das historische Setting – das Buch spielt 1934 und in den Jahren danach – macht mich neugierig. Und ehrlich: Was soll bei Burke schon schiefgehen?

Texas im Jahr 1934: Weldon Holland fristet in der ländlichen Ödnis ein perspektivloses Dasein. Einzig das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde, das nach einem Bankraub auf dem Grundstück campiert, durchbricht die Monotonie. Zehn Jahre später überlebt Weldon als Leutnant nur knapp die Ardennenoffensive und rettet die jüdische Kriegsgefangene Rosita Lowenstein vor dem Tod. Zurück in Texas steigt er ins boomende Ölgeschäft ein, wo er bald in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Korruption und Machtstreben verwickelt wird.

(c) Manhattan

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Auch Ian Rankin ist eine sichere Nummer. “Das Gesetz des Sterbens” (16. Mai) ist bereits Band 20 um Kultermittler John Rebus. Ich habe Rankin und Rebus erst sehr spät mit Band 18, “Mädchengrab”, kennengelernt – und ich war damals wirklich begeistert.

Detective Inspector Siobhan Clarke untersucht den Tod eines Edinburgher Anwalts, der von einem Einbrecher in seiner Wohnung getötet wurde. Doch der Fall wird rätselhaft, als man eine anonyme Botschaft an den Anwalt findet: “Ich bringe dich um für das, was du getan hast.” Dieselbe Botschaft hat auch Edinburghs Unterweltgröße Big Ger Cafferty erhalten, kurz bevor auf ihn geschossen wird. Cafferty bleibt unverletzt, schweigt aber über mögliche Feinde. Schließlich bittet Clarke den kürzlich in den Ruhestand versetzten John Rebus um Hilfe. Er ist der Einzige, mit dem Cafferty zu sprechen bereit ist. Steckt hinter den Taten ein Verbrecherclan aus Glasgow? Dem geht DI Malcolm Fox nach, während Rebus eine andere Spur verfolgt. Die führt ihn in Edinburghs Vergangenheit, zu einem Haus, in dem Schreckliches geschehen ist …

(c) rororo

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Das gefeierte Krimidebüt “Die Farm” von Max Annas hatte ich leider verpasst. Ich habe aber soeben “Die Mauer” (21. Mai) zu lesen begonnen und ich habe schon nach wenigen Seiten das Gefühl, ich werde auch sein Erstlingswerk bald nachholen. Ein Deutscher, der südafrikanische Krimis schreibt – das mag ungewöhnlich sein, doch Annas lebte offenbar viele Jahre in Südafrika.

Moses möchte nur eins: Nach Hause. Raus aus der sengenden Hitze, raus aus dem verlassenen Vorort, in dem gerade sein alter Toyota liegen geblieben ist. Zu Freundin Sandi und einem kühlen Bier. Aber die Straßen sind wie leergefegt, niemand ist in Sicht. Moses hofft, in der nahe gelegenen Gated Community Hilfe zu finden. Dort, in der Welt der Weißen, ist schließlich alles geregelt. Doch: Dort drinnen ist er erst recht ein Außenseiter. Und er begeht einen Fehler …  Zur selben Zeit sind auch Nozipho und Thembi innerhalb der Mauern unterwegs, sie verdienen ihren Unterhalt mit Diebstählen. Was sie nicht wissen: Ausgerechnet in dem Haus, in dem sie Beute zu machen hoffen, wurde gerade erst ein weit größeres Verbrechen verübt.

(c) rororo

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David Ignatius konnte mich mit seinen Spionage-Thrillern “Der Mann, der niemals lebte” und “Der Deal” richtig überzeugen. Nun liegt endlich sein neuestes Werk vor: “Ein neuer Feind” (21. Mai) liegt schon ganz weit oben auf meinem Bücherstapel.

Ein Hackerangriff auf das Herz der amerikanischen Verteidigung: Die CIA. Der neue CIA-Direktor Graham Weber will die Geheimdienstbehörde grundlegend reformieren. Denn sie ist während der Kriege in Nahost, durch Foltervorwürfe und die Snowden-Enthüllungen in Misskredit geraten. Dem universellen Überwachungswahn steht Weber kritisch gegenüber. Da tritt das Worst-Case-Szenario ein: Die CIA wird Opfer eines Hackerangriffs. Ein junger Schweizer will die Behörde warnen. Doch bevor er Angaben zu den Drahtziehern machen kann, ist er tot. Und Weber ahnt, dass es sich bei dem Mörder nur um einen Insider handeln kann. Einen Feind in den eigenen Reihen.

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