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Bernhard Aichner: Totenrausch

(c) btb

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Blum und ich. Jetzt ist Schluss. “Totenrausch” ist der perfekte Pageturner, der perfekte Thriller. Schnell durchgerast, schnell erledigt. Mehr aber nicht. Blums Welt ist mir zu künstlich. Zu schwarz-weiß. Brünhilde Blum tötet ständig, weil die Bösen alle so richtig böse sind. Sie haben es verdient, zu sterben. Männer sind entweder total lieb (die sterben – allerdings nicht durch ihre Hand) oder total böse (die sterben auch – durch ihre Hand).

Bernhard Aichner hat mit der Totenfrau-Trilogie (“Totenfrau”, “Totenhaus” und nun “Totenrausch”) sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt, aber nun hoffe ich auf etwas Neues. Bei einem möglichen vierten Teil, der nicht ganz ausgeschlossen ist, wäre ich als Leser jedenfalls nicht mehr dabei. Ich mag seinen rasanten Stil, aber mir fehlen in der Trilogie die Zwischentöne, die aus Figuren echte Menschen machen. Aichner setzt viel auf Effekte, das liest sich eigentlich wie ein perfektes Drehbuch für eine mögliche Verfilmung. Aber mir fehlt die Tiefe, die innere Zerrissenheit. Ich nehme dieser Brünhilde Blum ihren inneren Zwiespalt nicht ab, ich kann ihn beim Lesen nicht spüren.

Auch in Scott Smiths Krimiklassiker “Ein ganz einfacher Plan” sieht sich Hauptfigur Hank damit konfrontiert, ständig töten zu müssen. Das tat beim Lesen richtig weh, weil man sich immer wieder dachte: “Ja, das hätte ich jetzt vielleicht auch gemacht”. Das fehlt mir beim abschließenden Teil der Trilogie – das Töten ist immer moralisch gerechtfertigt, weil Blums Opfer letztlich durchwegs Schweine sind. Das ist mir aber zu einfach, klischeehaft, zu glatt. Wie würde es Blum ergehen, müsste sie einen Menschen töten, der nicht einfach in die Schachtel “böse, darf sterben” passt?

Das ist natürlich meine persönliche Wahrnehmung. Handwerklich kann man Aichner überhaupt nichts vorwerfen. Thriller-Fans werden bestens bedient. Da kann man eine absolute Kaufempfehlung geben. Das ist kurzweilig, spannend, gut konstruiert. Das kann im deutschsprachigen Raum auch wirklich kaum jemand so gut. Mir ist es halt zu wenig. Ciao, Blum. Vor allem deinen Kindern wünsche ich alles Gute!

5 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenrausch”, 472 Seiten, btb.

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Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder

(c) Haymon

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Bernhard Aichners Krimis machen Spaß. Daran gibt es keinen Zweifel. Egal ob die Totenfrau-Thriller-Trilogie (der abschließende dritte Teil erscheint im Jänner 2017) oder die Max-Broll-Krimis. Egal ob Bestatterin oder Totengräber, Aichner hat seine stakkatohafte Sprache gefunden, die seine Geschichten rasant voranpeitscht. Gepaart mit vielen weißen Leerseiten entsteht das Gefühl, seine Bücher richtiggehend zu verschlingen.

Wow, schon wieder zehn Seiten geschafft. Und schon wieder zehn! Aichner hat das zur Perfektion getrieben. Das ist handwerklich eigentlich nicht mehr zu überbieten – das können nicht viele. Wer von einem Krimi unterhalten werden will, der ist bei Aichner absolut richtig.

Wem das allerdings nicht genügt, der sollte nun weiterlesen. Denn jetzt kommt das “Aber”.

Für mich ist das zu glatt, zu kalkuliert. Da reist Max Broll, der als einziger von der Schuld des Täters (der noch dazu auf seinen besten Freund geschossen hat) überzeugt ist, diesem zuerst per Zug und dann per Kreuzfahrtschiff nach, um ihn zu überführen. Ideal für jeden Buchhändler: Das empfiehlt sich als Lektüre für Zug- und Schiffsreisende. Und natürlich ist der Täter ein Deutscher, auch das erhöht die Leserschaft. Zudem soll jeder Dialog ein Knaller sein. Das unterhält und amüsiert, ermüdet aber auch. Denn manchmal ist weniger mehr.

Letztlich ist die Welt, die Aichner erschafft, künstlich. Das sind keine echten Menschen, keine echten Dialoge. Die Wahrhaftigkeit fehlt. Zu sehr ist Aichner auf überraschende Wendungen und das Außergewöhnliche fokussiert. Das driftet dann mitunter ins Comicartige ab. “Interview mit einem Mörder” liest sich stellenweise fast wie eine Abenteuerreise mit Tim und Struppi. Immer amüsant, immer unterhaltsam, aber auch völlig unglaubwürdig. Wie gesagt: Perfekte Realitätsflucht, perfekt für den Urlaub.

Letztlich geht es mir aber eben wie Marcus Müntefering, der auf “Spiegel Online” schreibt: “Auch mit Achterbahnfahrten werden Aichners Romane gern verglichen. Weil: ähnlich aufregend. Aber Achterbahnen werden irgendwann langweilig. Weil: fahren immer im Kreis.”

6 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Interview mit einem Mörder”, Haymon Verlag, 288 Seiten.

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Bernhard Aichner: Totenhaus

(c) btb

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“Totenfrau” war zweifellos einer der besten Thriller des Jahres 2014. Der Österreicher Bernhard Aichner bewies damals eindrucksvoll, wie man seinen Bucherfolg kalkulieren kann: Immerhin 100.000 Exemplare hat er verkauft. Mit der Bestatterin Brünhilde Blum, die zum Racheengel wird, erschuf er eine unvergessliche (Anti-)Heldin.

Nun hat Aichner mit “Totenhaus” nachgelegt. Und wieder beweist er, dass das Backen von kleinen Brötchen so gar nicht seines ist. Er fühlt sich nicht im kuscheligen Regionalkrimi zu Hause. Sein Terrain ist der global funktionierende Thriller. Ich bin schon sehr gespannt, ob Aichner nicht ein Wegbereiter für Krimis aus Österreich sein wird. Das Label des skandinavischen Krimis nutzt sich gerade ein wenig ab, vielleicht öffnet sich da schon bald eine Nische für Crime Fiction mit dem Label “Made in Austria”.

Der heimliche Hauptdarsteller ist diesmal ohnehin ein leer stehendes, hunderte Zimmer umfassendes Hotel im Schwarzwald. “Shining” von Stephen King lässt grüßen! Statt einer Rachegeschichte serviert der Autor diesmal einen Psychothriller. Blum muss diesmal untertauchen, nachdem in einem ihrer Särge zwei Leichen auftauchen. Sie befindet sich fortan auf der Flucht. Dass Aichner keine Skrupel hat, maßlos zu übertreiben und der Plot teilweise schon arg konstruiert ist, mindert dennoch den Lesespaß nur geringfügig. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, funktionieren seine Krimis wunderbar. Das ist Eskapismus in reinster Ausprägung. Ich mag seinen minimalistischen, kühlen Stil. Er hat seinen ganz eigenen Ton gefunden. Da muss er sich auf vor all den namhaften angloamerikanischen Genre-Spezialisten nicht verstecken. Wer allerdings Realismus erwartet, sollte lieber die Finger von Aichners ausgeklügelten Adrenalin-Trips lassen.

Im Vergleich zum Vorgänger fällt “Totenhaus” ein wenig ab, doch die Neugier überwiegt. Ich bin wirklich gespannt: Wie wird Aichner die Trilogie beenden?

Vorbild Sylvester Stallone

In einem “profil”-Artikel bin ich auf eine persönliche Parallele gestoßen: “In der Schule in Sillian wird Aichner oft verprügelt. Er tapeziert sich sein Jugendzimmer mit Sylvester Stallone aus. Underdog-Geschichten interessieren ihn”, steht da zu lesen. Nun wurde ich während der Schulzeit zwar nicht verprügelt, aber heute würde man dazu wohl gemobbt sagen. Auch in meinem Jugendzimmer hing ein Stallone-Poster, Underdog-Geschichten liebe ich seitdem ebenfalls.

Mir gefällt, dass Aichner aus einer nicht einfachen Zeit kreative Kraft geschöpft hat. Laut “Niederösterreicherin” hat er sich in der Folge nämlich Stallone als Vorbild genommen: “Er hatte 1976 das Drehbuch für „Rocky“ geschrieben und große Produktionsfirmen wollten es ihm abkaufen. Aber Stallone hat darauf bestanden, die Hauptrolle zu spielen. Sie boten ihm Unsummen, aber er hat Nein gesagt. Nicht ohne mich. Ich bin zwar nur Bodybuilder und war Darsteller in einem Softporno, aber ich will die Hauptrolle in meinem Film spielen. Dieser Mann hatte also einen Traum. Und egal, was er später für Mist gemacht hat, er glaubte an seinen Traum. Und er wurde belohnt dafür. (…) Im Film wie in der Wirklichkeit war er ein Underdog, der ganz nach oben kam. Dafür habe ich ihn bewundert, das hat mich immer angespornt. Das wollte ich auch.” Tja, es geht eben nichts über Underdog-Geschichten!

7 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenhaus”, 416 Seiten, btb Verlag.

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Krimis, die man 2015 lesen sollte (VIII)

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Der deutsche Krimiautor Friedrich Ani hat eine neue Figur erschaffen: Ermittler Jakob Franck. Verdammt, und ich habe es immer noch nicht geschafft, einen seiner Tabor-Süden-Krimis zu lesen. Darum wird der September definitiv Ani-Zeit. Daran führt kein Weg vorbei! Im Idealfall schaffe ich neben “Der namenlose Tag” (seit 8. August erhältlich) dann auch endlich meinen ersten Süden-Roman…

Der Verlag: Mit diesem Roman startet eine Reihe um Ex-Kommissar Jakob Franck. Friedrich Ani und seine Kunst der Konstruktion gewöhnlich-außergewöhnlicher Kriminalistikrätsel; Friedrich Ani und seine Sprache, die vom Tod auf das Leben melancholisch gelöste Perspektiven wirft – Friedrich Ani und seine Kunst erreichen in seinem neuen Roman unvorhersehbare Dimensionen.

(c) Knaur

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Howard Linskey konnte mich bereits mit “Crime Machine” und “Gangland” überzeugen. “Killer Instinct” (seit 3. August im Handel) ist nun der Abschluss seiner Newcastle-Trilogie. Ein weiterer Pflichtermin.

David Blake leitet die Geschicke des organisierten Verbrechens im nordenglischen Newcastle, und er weiß genau, dass er diesen Job nicht kündigen kann. Denn aufhören kann man nur als Toter. Und langsam wird es eng für David. Die Polizei sitzt ihm im Nacken, russische und serbische Syndikate, die vor keiner Brutalität zurückschrecken, machen ihm sein Territorium streitig. Es geht ums Ganze – und vor allem ums Überleben …

(c) btb

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Der Österreicher Bernhard Aichner hat 2014 mit “Totenfrau” einen wirklich starken Thriller vorgelegt, der sich offenbar auch prima verkauft hat. Mit der Bestatterin Brünhilde Blum hat er eine unvergessliche (Anti-)Heldin erschaffen. Nun ist die Fortsetzung “Totenhaus” (17. August) erschienen, ein dritter und letzter Teil soll dann voraussichtlich 2017 erscheinen. Auch hier führt kein Weg vorbei.

Bei einer Exhumierung auf einem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Schnell wird klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss, dass hier die Leichenteile eines vor einem Jahr spurlos verschwundenen Schauspielers liegen. Nur eine Person kommt als Täterin in Frage: die Bestatterin, die die Verstorbene damals versorgt und eingebettet hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Brünhilde Blum den Schauspieler getötet hat. Doch die ist wie vom Erdboden verschluckt …

(c) Goldmann

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Ich gebe es zu, ich habe ein Problem mit Krimis aus Skandinavien. Nun erscheint aber ein Buch, das so ganz nach meinem Geschmack sein könnte. “Made in Sweden” (17. August) klingt so gar nicht nach Tristesse oder supergrausamen Morden. Besonders brisant: Während sich Co-Autor Thunberg mittels seiner Drehbücher einen Namen machte, waren seine Brüder einst die berüchtigtsten Bankräuber Schwedens. Könnte daher natürlich auch eine allzu unkritische Bankräuber-Saga geworden sein – mal sehen.

Vier junge Männer liegen in einem dunklen Wald vor Stockholm auf der Lauer. Sie sind kurz davor, ein geheimes militärisches Waffenlager zu überfallen. Doch das ist erst der Anfang – Leo und seine beiden Brüder verfolgen zusammen mit einem Freund einen ebenso verrückten wie genialen Plan: Sie stehlen eine ganze Wagenladung Waffen, um damit eine Serie der kaltblütigsten und skrupellosesten Raubüberfälle zu begehen, die Schweden je erlebt hat. Doch Kriminalinspektor John Bronks, der auf die Bande angesetzt wird, führt seine Ermittlungen mit einer Besessenheit durch, die jener Leos ebenbürtig ist. Wird er Schwedens gefürchtetste Bankräuber zu fassen kriegen?

(c) Liebeskind

(c) Liebeskind

James Carlos Blake gilt als einer der großen Chronisten des amerikanischen Wilden Westens. Sein Roman “Pistolero” (24. August) ist das Porträt der Wildwestlegende John Wesley Hardin, der übrigens vor ziemlich genau 120 Jahren erschossen wurde. Blake hat die Kritiker bereits mit seinem Western “Das Böse im Blut” überzeugt, bei mir steht dieses Buch leider seit langem ungelesen im Regal. Da ich ein Faible für Revolverhelden habe, stehen die Chancen aber gut, dass ich “Pistolero” nun vorziehe.

John Wesley Hardin war ein mutiger Mann, der seine Waffe auf jene Soldaten richtete, die in den dunklen Tagen nach dem Bürgerkrieg in ganz Texas wüteten. Schon als junger Bursche hat er gegen das Unrecht gekämpft. Und als die verdammte State Police unschuldige Leute tyrannisierte, hat er ihnen da nicht die Hölle heißgemacht? Hat er sie nicht eigenhändig aus Gonzales County vertrieben? Sicher, er hat Männer umgebracht, viele Männer – aber nur Männer, die versucht haben, ihn zu töten! Selbstverteidigung ist das oberste Gesetz des Lebens, das weiß jeder. Und Hardin hat nichts anderes getan, als nach diesem Gesetz zu leben. Wer würde nicht dasselbe tun, wenn er nur den Mut und die Fähigkeiten dazu hätte? So sagten die einen. Die anderen sagten, er sei von Natur aus rebellisch gewesen, ein schwarzes Schaf. Nein, schlimmer – viel schlimmer. Von Grund auf böse. Ein geborener Killer. Eine gewalttätige Seele, beherrscht vom Stolz, der schlimmsten aller Todsünden. Seinen mörderischen Taten noble Absichten zu unterstellen hieße, Teufelshörnern einen Heiligenschein aufzusetzen …

kalterschussinsherzVielversprechendes kommt auch aus dem Pendragon-Verlag. “Kalter Schuss ins Herz” (Ende August) von Wallace Stroby passt eigentlich perfekt in mein Krimi-Beuteschema. Das klingt doch mal nach einer echt außergewöhnlichen Frau.

Crissa Stone ist jung, attraktiv und ein knallharter Profi. Ihr Geld macht sie mit Raubzügen. Crissa bekommt einen Job angeboten, bei dem sie mit zwei Komplizen eine Pokerrunde überfallen soll. Eine leichte Nummer, wenig Aufwand, sehr viel Geld. Der Auftrag läuft aus dem Ruder: Plötzlich fällt ein Schuss und einer der Pokerspieler wird getötet. Als sich herausstellt, dass der Tote der Schwiegersohn eines Gangster­bosses ist, wird die Lage für Crissa gefährlich. Der Boss engagiert Eddie den Heiligen, einen skrupellosen Verbrecher und eiskalten Killer, um den Ermordeten zu rächen. Crissa taucht unter, aber Eddie hat sie in der Hand. Er weiß, für wen Crissa ihr Leben riskieren würde. Sie weiß, es gibt nur eine Lösung …

(c) Limes

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Soeben bin ich in die geniale TV-Serie “The Knick” (mit Clive Owen in der Hauptrolle) reingekippt. Da klingt “Runa” (24. August) perfekt, um das Thema Medizin rund um 1900 abzurunden. Zudem lerne ich historische Krimis immer mehr zu schätzen.

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …

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Abschließend muss ich mich für den Umfang dieser Empfehlungen entschuldigen, aber mein Geburtsmonat August hat einfach viel zu bieten 😉 Zum Abschluss noch einmal hoffentlich Feines aus meinem Heimatland. Christian Mährs “Alles Fleisch ist Gras” wurde heuer sogar für das Fernsehen verfilmt. Ich habe aber weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Sein neuer Krimi “Knochen kochen” (24. August) klingt jedenfalls schon vom Titel her schräg.

Matthias Spielberger, Wirt der “Blauen Traube” in Dornbirn, wird von seinem Schulkollegen Erasmus von Seitenstetten kontaktiert: Der aus verarmtem Adel stammende Biologe hat entdeckt, dass einer seiner Ahnen an einer rätselhaften Seuche – dem “Englischen Schweiß” – verstorben war. Nun plant er im Geheimen dessen Exhumierung, um durch die Lösung dieses wissenschaftlichen Rätsels berühmt zu werden. Mithilfe der Stammtischrunde aus der “Blauen Traube” wird im Wienerwald das Ahnengrab geöffnet. Doch das Gerippe hat mittlerweile mehrere Interessenten auf den Plan gerufen, und die Sache beginnt gründlich aus dem Ruder zu laufen …

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Bernhard Aichner: Totenfrau

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Ich bin beruhigt! Denn seit wenigen Tagen weiß ich: Auch Österreicher können Thriller der Extraklasse schreiben. Der Tiroler Bernhard Aichner hat das mit “Totenfrau” eindrucksvoll bewiesen, wie ich auch ausführlich unter dem Titel “Eine Bestatterin als Racheengel” geschildert habe. Es überrascht also nicht, dass sich sein Buch bereits in die USA und Großbritannien verkauft hat – übrigens noch ehe es nun auf Deutsch erschienen ist. Das ist wirklich ein toller Erfolg. Eine Verfilmung ist ebenfalls geplant.

Und das Buch ist tatsächlich ein perfekter Thriller, der keinen Vergleich mit namhaften internationalen Autoren zu scheuen braucht: Auf 446 Seiten treibt Aichner seine Geschichte rund um die Bestatterin Brünhilde Blum, die zum Racheengel wird, gekonnt und rasant voran. Beim Lesen entsteht schnell das Gefühl, dass man das Buch verschlingt. Zurückzuführen ist das allerdings auch auf die über 120 Leerseiten vor den 49 Kapiteln – ohne die wäre “Totenfrau” eigentlich nur knapp über 300 Seiten lang.

Nun kommt das kleine “Aber”. Als Thriller ist “Totenfrau” perfekt. Vielleicht sogar zu perfekt, denn das Buch wirkt dadurch stellenweise ein wenig zu glatt. Manches (böse Männer in österreichischen Kellern) ist zu plakativ. Lokalkolorit fehlt fast gänzlich – auch um international zu funktionieren. Die Heldin wird dann wohl “Bloom” oder “Flower” heißen, wie Aichner selbst sagt. Und diese expliziten Grauslichkeiten (perverse Sexorgien) haben mich schon bei Stieg Larsson ein wenig gestört.

Das ist aber Mäkeln auf sehr hohem Niveau. Alles in allem bin ich schon sehr auf das nächste Buch von Aichner gespannt, der Brünhilde Blum offenbar literarisch weiterleben lassen will.

8 von 10 Punkten

Bernhard Aichner: “Totenfrau”, 446 Seiten, btb.

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