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Adam Sternbergh: Feindesland

(c) Heyne Hardcore

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Mit seinem Debüt “Spademan” konnte mich Adam Sternbergh 2014 so gar nicht überzeugen. Zu pseudomoralisch und konventionell las sich sein Buch. Im direkten Vergleich zu Nathan Larsons “2/14” mit ähnlichem Setting konnte Sternbergh einfach nicht mithalten. “Von dem Müllmann habe ich genug”, schrieb ich damals sogar. Tja, so kann man sich irren.

Denn umso überraschter war ich nun, als ich “Feindesland” eher zufällig in die Hand nahm. Es war gerade nichts anderes zu lesen da und ich begann mit einer gewissen Skepsis die Lektüre. Ich war darauf eingestellt, das Buch bald zur Seite zu legen. Aber wie schon bei “Spademan” kippte ich rasch in die Geschichte rein, doch diesmal fühlte ich mich bis zur letzten Seite perfekt unterhalten. Der Autor scheint nun seine Sprache gefunden zu haben.

Das düstere Setting des futuristischen Thrillers fasziniert erneut: Immer noch fliehen die Menschen New Yorks aus der Realität und klinken sich, in Betten liegend, in die sogenannte Limnosphäre ein. Nun scheint auch diese virtuelle Zufluchtsstätte bedroht. Spademan, eigentlich ein Auftragskiller, beginnt zu ermitteln. Das liest sich kurzweilig und Sternberghs lockerer Sprachstil macht wirklich Spaß.

8 von 10 Punkten

Adam Sternbergh: “Feindesland”, übersetzt von Alexander Wagner, 367 Seiten, Heyne Hardcore.

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Adam Sternbergh: Spademan

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“Ich töte Männer. Und ich töte Frauen, denn ich will nicht diskriminierend sein”, sagt Titelfigur “Spademan” bereits auf der dritten Seite. Da haben bei mir das erste Mal die Alarmglocken geschrillt. Das mag ein cooler Spruch sein, glaubwürdig ist das für mich nicht. Das nehme ich diesem Müllmann einfach nicht ab. Das ist Pseudo-Moral. Mal ehrlich: Wer tötet Frauen nicht, weil er das diskriminierend findet? “Aber ich töte keine Kinder, denn dazu muss man ein echter Psychopath sein”, heißt es weiter. Das macht es für mich auch nicht unbedingt besser, das hat man schon in zahlreichen Filmen gesehen und gehört. Und: Ein Psychopath kann man auch sein, wenn man keine Kinder tötet.

Dennoch nimmt Adam Sternberghs “Spademan” vorerst rasant Fahrt auf. Sein Buch spielt in der Zukunft, nach einem verheerenden Anschlag in New York City. Das liest sich mitunter sogar witzig, auch die Bilder des apokalpytischen New York überzeugen phasenweise. Vor allem die Idee, dass sich viele Menschen zunehmend in virtuelle Welten “einstöpseln” (in gruseligen Hi-Tech-Betten liegend, während ihre körperlichen Hüllen immer mehr vergammeln), fand ich interessant. Manchmal habe ich diesen Eindruck ansatzweise jetzt schon, wenn ich mit der U-Bahn fahre: Der halbe Waggon wischt über irgendein kleines Display, grinst vor sich hin oder hat “weiße Drähte von den Ohren herabhängen”, wie das auch Lavie Tidhar in seinem düsteren und kafkaesken Parallelwelt-Thriller “Osama” beschrieben hat.

Rund 200 Seiten lang hat mir das Buch auch Spaß gemacht, danach ist bei mir die Stimmung allerdings gekippt – endgültig dann bei der brutalen Szene mit dem Pfefferspray. Ab da war ich genervt. So viel unnötiges Blutvergießen. Zudem will das Buch so etwas wie “Future noir” sein. Dazu ist es mir allerdings zu konventionell geraten. Nur ein futuristisches Setting reicht da nicht aus. Mir war das zu glatt.

Was man aus der feinen Ausgangssituation machen hätte können, hat mir Nathan Larson mit seinem Buch “2/14” gezeigt, das ich gleich anschließend an “Spademan” gelesen habe. Da passt der Ton perfekt zum düsteren Setting. Das ist mitunter auch verstörend. Auch “2/14” spielt in einem heimgesuchten New York und auch dort wird nicht wenig Blut vergossen. Doch während ich mehr von Larsons Helden Dewey Decimal (dazu hier schon bald mehr!) wissen will, steht für mich andererseits fest: Von dem Müllmann habe ich genug.

Wer gern eine andere, ganz konträre Meinung lesen will, dem empfehle ich einen Blick auf Nicoles Blog “My Crime Time”: “Ein Killer mit Prinzipien”. Schön, dass man Bücher so unterschiedlich lesen kann.

4 von 10 Punkten

Adam Steinbergh: “Spademan”, übersetzt von Alexander Wagner, 302 Seiten, Heyne Hardcore.

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Fünf Krimis, auf die ich 2014 am meisten gespannt bin

Ich kann es nicht verhehlen: Ich mag Listen! Darum will ich hier auch kurz jene fünf heuer erscheinenden Krimis vorstellen, auf die ich aus heutiger Sicht mordsmäßig (ich weiß, das ist platt!) gespannt bin.

(c) Rowohlt Polaris

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Lauren Beukes: “Shining Girl” (seit 1. Februar)

Harper Curtis lebt in Chicago zur Zeit der Großen Depression auf der Straße. Er ist kaltblütig, hochgefährlich, von Wahnvorstellungen getrieben. Er will das Licht der «Shining Girls», gemeint sind hübsche Tänzerinnen, für immer auslöschen. Da findet er einen Schlüssel zu einem Portal und reist von nun an durch die Zeit, um zu töten. Er hinterlässt am Tatort Dinge, die noch nicht oder nicht mehr existieren. Als eines seiner Opfer überlebt, beginnt es, den Killer durch die Zeit zu jagen. Das kann Schrott sein – oder genial.

(c) dtv premium

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Lyndsay Faye: “Der Teufel von New York” (1. März)

Und noch eine Zeitreise: Diesmal in das New York des Jahres 1845. Die gerade gegründete Polizei der Stadt ist ein zusammengewürfelter Haufen von Schlägertypen und seltsamen Vögeln. Eines Tages läuft dem Polizisten Timothy Wilde ein völlig verstörtes kleines Mädchen in die Arme – bekleidet mit einem blutdurchtränkten Nachthemd. Kurz darauf findet Timothy auf einem entlegenen Gelände neunzehn Kinderleichen… Der Krimi von Lyndsay Faye dürfte auch politische Hintergründe beleuchten, was diesem Krimi einen besonderen Reiz verleiht.

(c) Heyne Hardcore

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Adam Sternbergh: “Spademan” (3. März)

Ein Krimi mit futuristischen und apokalyptischen Zügen. Eine zweite große Terrorwelle am Times Square hat New York City lahm gelegt, heißt es im Verlagstext. Und weiter: “Die Stadt ist verlassen, nur einige Reiche verharren in ihren Hochhauslofts und leben in einer Art digitaler Fantasiewelt, wo sie von schönen heilen Welten träumen. Doch inmitten der ausgebombten Stadt gibt es einzelne Menschen, die geblieben sind. Einer davon ist der Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der sich jetzt als eiskalter Auftragskiller über Wasser hält.” Hier gilt dasselbe wie für Beukes. Das kann Müll (und wieder konnte ich nicht widerstehen ;-)) sein – oder genial.

(c) Fischer Taschenbuch

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Malcolm MacKay: “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” (27. März)

Schotte Nummer eins. “Die bedeutendste neue Stimme in der schottischen Spannung! Authentisch, stilsicher, ein moderner Raymond Chandler”, schreibt der Scotsman. Der Untertitel im Original sagt jedenfalls schon viel aus. “It’s hard to kill a man well”. Der Verlag schreibt dazu: “Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.” Kann da überhaupt noch etwas schiefgehen?

(c) Knaur

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Howard Linskey: “Gangland” (1. Juli)

Schotte Nummer zwei. Linskey ist einer der Gründe, warum ich schottische Krimis momentan so liebe. Sein Vorgänger “Crime Machine” war für mich 2012 unter den Top-3-Krimis. “Mit ‘Crime Machine’ liefert Autor Howard Linskey einen harten Thriller erster Güte, der sich souverän innerhalb der Grenzen des Genres bewegt”, habe ich damals geschrieben. “Linskey schafft es scheinbar mühelos, einen harten Gangsterroman zu schreiben, der mit Dramatik, Witz und Gewalt nicht geizt und gleichzeitig in der Lage ist, über sich selbst zu reflektieren”, urteilte krimicouch.de. In “Gangland” kehrt nun der Newcastler Gangster David Blake zurück.

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