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Richard Price: Die Unantastbaren

(c) S. Fischer

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Ich will meinen Text zu Richard Prices Meisterwerk “Die Unantastbaren” nutzen, um ein wenig über meine Probleme beim Bloggen zu sinnieren:

  • Oft kommt es vor, dass zwischen Lesen und Niederschreiben meiner Gedanken ganz schön viel Zeit vergeht. Das ist einerseits gut, weil ich die Erkenntnis gewonnen habe, dass eine gewisse Distanz nicht schadet, um dem besprochenen Buch gerecht zu werden. Dadurch gehen aber auch oft wichtige Gedanken verloren, die den Krimi auszeichnen und besonders machen.
  • Ich notiere nicht immer beim Lesen die markantesten Passagen (das geht natürlich beim E-Book-Lesen am besten – aber ich lese immer noch großteils altmodisch mit Papier in den Händen). Auch das hat den Vorteil, dass ich nicht ständig im Lesefluss gestört werde und ein besseres Gefühl für den Lesestoff entwickle. Tja, aber auch hier gehen oft wichtige Gedanken verloren.
  • Manchmal erscheint es mir zu banal, was ich über außergewöhnliche Kriminalliteratur schreibe. Ich versuche zwar immer, dem jeweiligen Autor gerecht zu werden. Manchmal habe ich aber nicht das Gefühl, das auch zu leisten. Es kommt mir zwischenzeitlich so vor, als würde ich immer wieder die selben Adjektive verwenden. Das kann jetzt natürlich an meinem eigenen Unvermögen liegen. Aber manchmal gibt es so viel zu sagen – und dennoch kommen mir nur abgedroschene Bilder in den Sinn, so kommt es mir zumindest vor. Umso größer ist mein Respekt vor all diesen Autoren, die mich teilweise echt sprachlos zurücklassen angesichts ihres Könnens: Richard Price zum Beispiel, aber auch Daniel Woodrell, Pete Dexter oder Dennis Lehane.

Um zu Richard Prices “Die Unantastbaren” zurückzukehren: Er hat einen Polizistenroman geschrieben, wie ich ihn zuvor noch nicht gelesen habe. Sehr authentisch, sehr einfühlsam, sehr echt. Price handelt abseits irgendwelcher gekünstelter Krimirätsel so viele elementare Fragen ab und zeigt gleichzeitig so viele kleine Dinge, sodass sich das alles zu einem gewaltigen Panoramabild menschlicher Beziehungen zusammenfügt. Ja, das ist teilweise zum Niederknien bzw. genauer: Zum-gleich-noch-einmal-zurücklesen, weil es so gut ist. Da peitscht niemand seine Leser durch die Seiten, seine Spannung entsteht durch das Echte. Das sind keine erfundenen Figuren mehr, das sind echte Menschen, die wie echte Menschen handeln. Mit all ihren Stärken und Schwächen. Weit weg von Gut-und-Böse-Stereotypen. So schön kann grau sein (und auch hier fürchte ich, sowas habe ich schon öfter geschrieben…)!

10 von 10 Punkten

Richard Price: “Die Unantastbaren”, übersetzt von Miriam Mandelkow, 432 Seiten, S. Fischer.

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