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Von Edgar, Barry, Steel Dagger und Co.

Edgar Award geht an Stephen Kings “Mr. Mercedes”

(c) Heyne

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Ende April wurden die wichtigen Edgar-Awards (benannt nach Edgar Allan Poe) vergeben. Zum besten Krimi 2015 wurde Stephen Kings “Mr. Mercedes” gekürt. Und das ist gut so – in diesem Fall, aber nicht, weil ich das Buch gelesen und für gut empfunden hätte. Sondern weil ich ohne die Vergabe des Edgar Awards an Stephen King wohl nie die Inhaltsangabe dieses Buches genauer gelesen hätte. Ich dachte damals im Herbst, als das Buch neu erschienen war: Das klingt ja so wie sein Horror-Meisterwerk “Christine”. Und damit war das Buch für mich abgehakt. Tja, so kann man sich irren.

Sorry Marcus, ich hätte nur deine Kritik “Das Böse fährt deutsch” lesen müssen. Besonders gefällt mir, dass er sein Buch dem Krimiautor James M. Cain (“Wenn der Postmann zweimal klingelt”, noch sein ein Muss-Klassiker, den ich noch nicht gelesen habe!) widmet und ihn zudem ebenso zitiert wie die TV-Serie “The Wire”, die angesichts der aktuellen Ereignisse in Baltimore wieder in aller Munde ist.

Stephen King ist ein Meister, dennoch lese ich ihn selten. Ich will kurz erklären, woran das liegt. Am besten geht das anhand der zwei Dilemmata, die er bei mir aufwirft.

  • Ich halte Stephen King einerseits für einen der begnadetsten Erzähler überhaupt – andererseits mag ich das Horrorgenre an sich nicht wirklich.
  • Ich kann King-Bücher so richtig perfekt verschlingen, aber er könnte sich ruhig ein wenig kürzer fassen.
  • Es gibt so viele andere gute Krimis von mir noch unbekannten Autoren da draußen, die ich entdecken will.

Aber ich gebe zu, ich bin schwer in Versuchung geführt. Mr. Mercedes klingt wirklich vielversprechend. Und zwei der vergangenen Preisträger waren für mich persönliche Lese-Highlights: Steve Hamiltons “Der Mann aus dem Safe” (Gewinner 2011) und Dennis Lehanes “In der Nacht” (Gewinner 2013).

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Deutscher Krimipreis 2015: Zwei logische Sieger

(c) Tropen

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Vor wenigen Tagen wurde zum 31. Mal der Deutsche Krimipreis vergeben. Weder in der nationalen noch in der internationalen Kategorie gab es Überraschungen. Sowohl Franz Doblers “Ein Bulle im Zug” als auch James Lee Burkes “Regengötter” haben den Sieg verdient.

Doblers vielschichtiger Krimi ist eine logische Wahl, mir persönlich haben aber sowohl Tom Hillenbrands “Drohnenland” und Jan Costins Wagners “Tage des letzten Schnees” noch besser gefallen. Überhaupt muss ich sagen, dass 2014 ein starkes deutsches Krimijahr war. Bislang war ich ja vor allem den englischsprachigen Autoren zugeneigt, doch neben den hier bereits genannten Büchern sind zumindest auch Orkun Erteners “Lebt” sowie Sascha Arangos “Die Wahrheit und andere Lügen” zu nennen. Die Juroren hatten es also echt nicht leicht.

James Lee Burkes “Regengötter” wurde auch von KrimiZeit zum besten Krimi 2014 gewählt, übrigens ebenfalls vor Liza Codys “Lady Bag”. Da gab es also auch wenig Zweifel. Die beiden außergewöhnlichen Bücher könnten zwar kaum unterschiedlicher sein – dennoch zeigen sie perfekt, wie vielseitig Kriminalliteratur ist.

Deutscher Krimipreis, Kategorie National:

  1. Franz Dobler: “Ein Bulle im Zug”
  2. Oliver Bottini: “Ein paar Tage Licht”
  3. Max Annas: “Die Farm”

Deutscher Krimipreis, Kategorie International:

  1. James Lee Burke: “Regengötter”
  2. Liza Cody: “Lady Bag”
  3. Oliver Harris: “London Underground”

So, und damit ist jetzt endgültig Schluss mit Rückblicken, ab sofort werde ich nach vorne schauen, denn auch 2015 verspricht ein gutes Krimijahr zu werden – auch wenn die Latte tatsächlich hoch liegt.

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Krimipreis-Reigen: Barry, Anthony und Shamus vergeben

(c) Atria Books

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Vor wenigen Tagen sind wieder die neben dem Edgar wichtigsten US-Krimipreise im Zuge der Bouchercon-Veranstaltung (dem wohl größten Krimi-Kongress) vergeben worden: Barry Award, Anthony Award und Shamus Award. Ich will mich hier vor allem den Barry- und Anthony-Preisträgern widmen, da mir die heurigen Shamus-Preisträger relativ wenig sagen. Wer aber mehr wissen will, kann hier ein wenig schmökern. Ich werde meinen Fokus vor allem auf im deutschsprachigen Raum bekannte Autoren legen.

Der große Gewinner zählt übrigens nicht dazu: William Kent Krueger – von dem bislang nur “Indianischer Winter” (2000) auf Deutsch übersetzt wurde – hat mit “Ordinary Grace” sowohl in der Hauptkategorie bei den Barry- als auch den Anthony-Awards gewonnen. Ihm ist damit in einem Jahr ein unglaubliche Hattrick gelungen, denn er hatte damit bereits im Mai den begehrten Edgar erhalten. Da eine Publikation des Buches auf Deutsch bislang bei keinem Verlag geplant ist, werde ich die Lektüre demnächst wohl im Original beginnen. Ich bin echt schon gespannt.

Zur Erinnerung noch einmal, was der Verlag über das Buch schreibt: New Bremen, Minnesota, 1961. The Twins were playing their debut season, ice-cold root beers, were selling out at the soda counter of Halderson’s Drugstore, and Hot Stuff comic books were a mainstay on every barbershop magazine rack. It was a time of innocence and hope for a country with a new, young president. But for thirteen-year-old Frank Drum, a preacher’s son, it was a grim summer in which death visited frequently and assumed many forms. Accident. Nature. Suicide. Murder.

Told from Frank’s perspective forty years later, Ordinary Grace is a brilliantly moving account of a boy standing at the door of his young manhood, trying to understand a world that seems to be falling apart around him. It is an unforgettable novel about discovering the terrible price of wisdom and the enduring grace of God.

Barry Award

Krueger hat in der Hauptkategorie “Best Novel” Konkurrenz wie Ian Rankin (“Mädchengrab”), Robert Crais (“Suspect”, auf Deutsch noch nicht erschienen) und Jussi-Adler Olssen ausgestochen.

(c) suhrkamp nova

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Besonders freut mich, dass Adrian McKinty mit “Die Sirenen von Belfast” den Preis in der Kategorie “Best Paperback Original” gewonnen hat. Er stach damit auch Gene Kerrigans 2012 mit dem Golden Dagger ausgezeichneten Krimi “Die Wut” aus.

Als bester Newcomer wurde Barry Lancet mit seinem auf Deutsch erhältlichen “Japantown” ausgezeichnet. Diesen Krimi hatte ich bisher gar nicht auf meinem Radar. Lancet setzte sich damit auch gegen Becky Masterman (“Der stille Sammler”) und Derek B. Miller (“Ein seltsamer Ort zum Sterben”) durch.

Als bester Thriller wurde Taylor Stevens für den dritten Teil der Mission-Munroe-Serie (“Die Geisel”) geehrt. Er setzte sich damit auch gegen Roger Hobbs “Ghostman”, Stuart Nevilles “Der vierte Mann” (lese ich gerade!), Mick Herrons “Dead Lions” (mit dem er 2013 den “Golden Dagger” gewann, bislang leider keine deutsche Übersetzung geplant) und Jason Matthews “Operation Red Sparrow” durch, das im Jänner 2015 erscheint.

Anthony Award

(c) Goldmann

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Bei den Anthonys hat Krueger in der Hauptkategorie “Best Mystery” unter anderem Hank Phillippi Ryan mit seinem Buch “Schwarze Wahrheit” ausgestochen, das im Mai 2015 auf Deutsch erscheinen soll.

Als Newcomer wurde Matt Coyle mit seinem Krimi “Yesterday’s Echo” ausgezeichnet. Er hat sich damit gegen die bereits erwähnten Roger Hobbs und Becky Masterman durchgesetzt.

Tipp: “Stop, You’re Killing me!”

Für alle die es interessiert, auf der soeben von mir entdeckten Webseite “Stop, You’re Killing me!” findet ihr übersichtlich alle wichtigen Crime-Fiction-Awards für englischsprachige Kriminalliteratur (inklusive Gewinner und Nominierte) aufgelistet. Schaut rein!

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Dagger Awards 2014: Preise für Wiley Cash und Robert Harris

(c) Fischer

(c) Fischer

Die begehrten Dagger Awards, neben dem Edgar aus meiner Sicht die wichtigsten Krimipreise, sind vergeben! Der “Gold Dagger” für den besten Kriminalroman des Jahres geht heuer an Wiley Cash. Robert Harris wurde für den besten Thriller mit dem “Steel Dagger” geehrt und der mir noch unbekannte Ray Celestin erhielt den “New Blood Dagger” als bester Newcomer.

Die gute Nachricht: Sowohl “Schaut nicht zurück” von Wiley Cash als auch “Intrige” von Robert Harris sind bereits auf Deutsch erschienen.

Ich habe im Vorjahr Cashs Erstling “Fürchtet euch” gelesen und war recht angetan: “Cash erzählt ohne Hast, scheut jegliche Art von Gefühlsduselei und verleiht dem Buch dadurch ein hohes Maß an Authentizität. Eindrucksvoll zeigt er, wie knapp unter der Oberfläche das Grauen manchmal lauert und wie die unglückliche Verkettung kleiner Ereignisse zu großen Katastrophen führen kann.” Ich habe damals 7 von 10 Punkten vergeben. In “Schaut nicht zurück” entführt ein Vater seine zwei Töchter ohne zu bedenken, in welche Gefahr er seine Kinder dadurch bringt. Fest steht: Cash schreibt keine rasanten Pageturner, er ist ein behutsamer Erzähler. Ich bin gespannt, denn sein Buch steht schon seit längerem fix auf meiner Leseliste, nun rückt es noch eine Spur weiter vor.

(c) Heyne

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Dass Robert Harris niveauvolle Thriller schreibt, weiß man eigentlich seit seinem ersten Welterfolg “Vaterland”. Zuletzt hat er mich mit “Angst” nicht ganz überzeugt, dennoch dürfte sich die Lektüre von “Intrige” auf alle Fälle lohnen. Harris erzählt darin die Dreyfus-Affäre nach und verschiebt darin den Blickwinkel. Meine Kollegin Duygu Özkan sprach von einem bemerkenswert gut choreografierten Buch. “Was das Buch nicht gestrig macht, ist das ewige Spiel um Macht und Kontrolle. Zudem schreibt Harris in der Gegenwartsform, ein raffinierter Griff, um die Affäre seinen Lesern so darzustellen, als passierte sie gerade.”

“The Axeman’s Jazz” spielt im New Orleans des Jahres 1919. In Celestins Krimi treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Das Buch ist bislang nicht übersetzt.

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William Kent Krueger gewinnt Edgar Award

(c) Atria Books

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Gerade habe ich bei Ludgers Krimi-Depeschen gesehen, dass der Edgar Award bereits vergeben wurde (eh schon am Freitag!). Der wahrscheinlich wichtigste US-Krimipreis, vergeben von den “Mystery Writers of America”,  geht heuer in der Hauptkategorie an William Kent Krueger mit “Ordinary Grace”. Gratulation an den bei uns nahezu unbekannten Autor – ich darf mich da übrigens nicht ausnehmen.

Kein Wunder: Auf Deutsch ist bisher nur sein Erstling “Iron Lake” (“Indianischer Winter”, 2000) erschienen, für den Krueger auch den Anthony-Award für das beste Erstlingswerk erhalten hat. Seitdem hat er im fast im Jahresabstand nachgelegt. Wer mehr über den Autor wissen will, schaut am besten auf seine Homepage.

Um deutlich zu machen, wie aussagekräftig die Auszeichnung in der Kategorie “Best Novel” ist: 2013 gewann Dennis Lehane mit “In der Nacht” (“Live by Night”), 2012 Mo Hayder mit “Verderbnis” (“Gone”), 2011 Steve Hamilton mit “Der Mann aus dem Safe” (“The Lock Artist”) und 2010 John Hart mit “Das letzte Kind” (“The Last Child”). Über Lehanes und Hamiltons oben genannte Bücher habe ich hier geschwärmt – beiden habe ich 9 von 10 Punkten gegeben. Von John Hart habe ich “Das eiserne Haus” gelesen, das ich auch als Spitzen-Thriller einstufen würde. Es bleibt also zu hoffen, dass Kruegers Buch schon bald auf Deutsch publiziert wird.

Für alle, die es interessiert – der US-Verlag schreibt über “Ordinary Grace”: New Bremen, Minnesota, 1961. The Twins were playing their debut season, ice-cold root beers, were selling out at the soda counter of Halderson’s Drugstore, and Hot Stuff comic books were a mainstay on every barbershop magazine rack. It was a time of innocence and hope for a country with a new, young president. But for thirteen-year-old Frank Drum, a preacher’s son, it was a grim summer in which death visited frequently and assumed many forms. Accident. Nature. Suicide. Murder.

Told from Frank’s perspective forty years later, Ordinary Grace is a brilliantly moving account of a boy standing at the door of his young manhood, trying to understand a world that seems to be falling apart around him. It is an unforgettable novel about discovering the terrible price of wisdom and the enduring grace of God.

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Deutscher Krimi Preis 2014: Mein Senf dazu

(c) Droemer

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Der wichtigste Krimipreis im deutschsprachigen Raum ist vergeben. Gewinner in der Kategorie national ist Friedrich Ani mit “M”. Der Deutsche Krimi Preis 2014 in der Kategorie international geht an die Brasilianerin Patrícia Melo, die mit “Leichendieb” die Jury zu überzeugen wusste.

Meine Erkenntnis: 2014 MUSS ich endlich einen Ani-Krimi lesen. Ich habe sogar schon den ersten Roman aus der Tabor-Süden-Reihe bei mir liegen. Jetzt muss ich ihn nur noch entsprechend in meine prall gefüllte Leseliste einreihen.

Über “Leichendieb” habe ich hier geschrieben. Ich habe das Buch auf Platz 4 meiner persönlichen Krimi-Bestenliste 2013 eingereiht und dabei geschrieben: “Brazilian Breaking Bad”, so könnte man das Buch auch nennen. Bewusst wurde mir das allerdings lange nach der Lektüre und nach dem süchtigmachenden Konsum der genialen US-TV-Serie “Breaking Bad” Ende des Vorjahrs.

(c) Tropen

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Mein “Leichendieb”-Fazit könnte auch für die TV-Serie gelten: “Er wird zum Verbrecher, will aber weiter der gute Mensch von nebenan sein. Das liest sich erfrischend grotesk. Es ist unglaublich, wie viele wahnwitzige Wendungen die Autorin in die Geschichte packt.” Vielleicht hat sich die Jury hier ja auch vor den “Breaking Bad”-Machern verneigt, wer weiß…

Über Jerome Charyns “Unter dem Auge Gottes” will ich hier nicht schon wieder unken. Meine Probleme mit dem Buch habe ich bereits unter dem Titel “Warum ich ein Whiskey-Trinker bin” ausführlich geschildert. Aber bildet euch lieber selbst eine Meinung.

Ach ja, und Nicole von My Crime Time hat natürlich auch schon etwas über den Deutschen Krimi Preis geschrieben. Lest das doch bitte.

Kategorie national:

  1. Friedrich Ani: “M”
  2. Robert Hültner: “Am Ende des Tages”
  3. Matthias Wittekindt: “Marmormänner”

Kategorie international:

  1. Patrícia Melo: “Leichendieb”
  2. John Le Carré: “Empfindliche Wahrheit”
  3. Jerome Charyn: “Unter dem Auge Gottes”

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Barry Awards für Peter May und Daniel Silva

(c) rororo

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Gestern habe ich hier über die Vergabe der Anthony- und Shamus-Awards geschrieben. Am selben Wochenende wurden aber auch die Barry- und Macavity-Awards vergeben. Mehr dazu hat der feine Krimiblog kriminalakte geschrieben, dort sind alle Gewinner nachzulesen.

Ich will mich hier auf die Barry-Awards konzentrieren, die mir relevanter erscheinen. Gewinner in der Hauptkategorie “Bester Roman” ist Peter May mit “Blackhouse”. Das ist interessant, denn das Buch ist bereits Anfang 2011 unter dem gleichnamigen Titel auf Deutsch erschienen. Offenbar wurde Mays Buch also erst 2012 in den USA publiziert. “Blackhouse” ist der Auftakt der Lewis-Trilogie (benannt nach der “Isle of Lewis” vor der Küste Schottlands), die der Autor im Original bereits abgeschlossen hat. Auf Deutsch ist aber bislang nur Teil 1 erschienen.

(c) Piper

(c) Piper

In der Kategorie “Bester Thriller” hat Daniel Silva mit “The Fallen Angel” gewonnen. Es handelt sich dabei um Teil zwölf der Serie rund um den Spion Gabriel Allon. Die ersten elf Teile sind bereits auf Deutsch erschienen. Zu “The Fallen Angel” habe ich aber noch kein geplantes Erscheinungsdatum gefunden. Ich habe Teil vier der Serie, “Der Zeuge” (“A Death in Vienna”), gelesen. Dieses Buch kann ich sehr empfehlen, nachdem mich “Der Maler” vom gleichen Autor nicht überzeugen konnte. Mehr über Daniel Silvas Romanfiguren erfährt man übrigens auf der Verlagsseite.

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Anthony- und Shamus-Awards vergeben

(c) Heyne

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Am Wochenende sind in Albany, New York, zwei begehrte US-Krimipreise vergeben worden: Anthony- und Shamus Award. Der wichtigste Preis, der Edgar Award, war ja bereits im Mai an Dennis Lehane vergeben worden (mehr dazu…).

Anthony Award

Welchen Wert aber gerade der Anthony-Award hat, ist mir nicht ganz klar. Die Autorin Louise Penny hat nun bereits zum vierten Mal hintereinander gewonnen. Offenbar dürfen bei der Preisverleihung Krimifans abstimmen. Zwar haben sich Jahr für Jahr wirklich erlesene Autoren und Autorinnen auf der Liste befunden (hier nachzulesen), aber dass immer die gleiche Autorin gewinnt, stimmt mich ein wenig skeptisch. Für mich sind daher die anderen Anthony-Kategorien interessanter.

Beim besten Krimi-Debüt hat sich Chris Pavone – wie übrigens auch bei den Edgars – mit “Expats” (dt. “Die Frau, die niemand kannte”) durchgesetzt. Fein finde ich aber vor allem, dass der Preis in der Kategorie “Nonfiction” an “Books to die for”, herausgegeben von John Connolly und Declan Burke, geht. In dem Buch empfehlen einige der besten Krimiautoren ihre Lieblingswerke des Genres. Da kann man wirklich auf Krimis stoßen, auf die man sonst niemals gekommen wäre. So bin ich etwa auf Donald Goines “Daddy Cool” gestoßen, das mittlerweile in meinem Regal Platz genommen hat (mehr dazu…). “Books to die for” ist eigentlich ein Muss für jeden Krimi-Fan abseits von 08/15-Lesekost.

Shamus Award

Für mich ist der Shamus-Award generell aussagekräftiger. Bedingung ist hier allerdings, dass sich die Geschichte um einen privaten Ermittler (“Private Eye”) dreht – meist Detektive, aber auch Anwälte und Reporter sind erlaubt. Polizisten und Geheimagenten als Hauptfiguren sind hier nicht zugelassen. Zu den Gewinnern in der Hauptkategorie zählten in den vergangenen Jahren Don Winslow (“Die Sprache des Feuers” – mehr dazu), Michael Connelly (“Der Mandant”), Ken Bruen (“Jack Taylor fliegt raus”, “Ein Drama für Jack Taylor”) und der hierzulande leider kaum bekannte Reed Farrel Coleman (von ihm ist auf Deutsch bislang nur “Tower”, geschrieben gemeinsam mit Bruen erschienen).

Und die erfreuliche Nachricht: Der Sieger 2013, “Taken” von Robert Crais, erscheint am 11. November als “Straße des Todes” auf Deutsch. Es ermittelt das legendäre Duo Elvis Cole und Joe Pike. Und für mich bietet sich die Chance, den Autor, dessen Ruf ich seit Jahren kenne, endlich kennenzulernen. Ich hatte das Buch schon vor der Auszeichnung fix auf meiner Leseliste für 2013. Nun ist der Anreiz natürlich noch einmal größer.

Als bester Neuling wurde Michael Sears mit “Am Freitag schwarz” ausgezeichnet. Eine sehr gute Wahl, wie ich finde und hier auch schon im Februar begründet habe.

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Dagger Awards: Shortlists sind da

(c) Lübbe

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Die Shortlist für die drei wichtigsten Kategorien der Dagger-Awards sind da. Ich habe hier ja schon einmal im Juli über die Daggers geschrieben, als die Longlist herausgekommen sind.

For the CWA Goldsboro Gold Dagger:
Belinda Bauer for Rubbernecker (Bantam/Transworld)
Lauren Beukes for The Shining Girls (HarperCollins)
Mick Herron for Dead Lions (Soho Crime)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)

For the CWA Ian Fleming Steel Dagger:
Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

For the CWA John Creasey Dagger:
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)

Noch einmal für alle Interessierten: Die Bücher von Masterman, Hobbs, Wilson, Jameson und Miller sind auf Deutsch erhältlich. Millers “Ein seltsamer Ort zum Sterben” habe ich hier bereits rezensiert. “Ghostman” von Hobbs habe ich heute zu lesen begonnen. Jamesons Buch steht in meinem Regal.

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Dagger Awards 2013: Eine Nachbetrachtung

(c) Goldmann

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Es gibt meiner Meinung nach zwei herausragende Preise für außergewöhnliche Kriminalliteratur. Im Mai habe ich an dieser Stelle über die Gewinner der “Edgar Awards” geschrieben. Und nun sind am Montagabend die ersten “Dagger Award”-Gewinner bekanntgegeben worden. Den “International Award” teilten sich Fred Vargas (“Die Nacht des Zorns”) und Pierre Lemaitre (“Ich will dich sterben sehen”). Es ist das erste Mal in der Geschichte des Preises, dass es zu einer solchen Teilung kommt. Andrew Taylor hat – zum bereits dritten Mal nach 2001 und 2003 – mit “The Scent of Death” den “Historical Dagger” gewonnen. Der “Diamond Dagger” ging übrigens an Lee Child.

Für mich besonders interessant sind aber immer die Long Lists in den Kategorien “Steel” (Thriller) und “John Creasy” (Newcomer).

Auf der “Steel Dagger”-Longlist finden sich sieben Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Transworld)
Liz Jensen for The Uninvited (Bloomsbury)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Pan Macmillan)
Stuart Neville for Ratlines (Random House)
Mark Oldfield for The Sentinel (Head of Zeus)
Andrew Williams for The Poison Tide (John Murray)
Robert Wilson for Capital Punishment (Orion)

Mein persönlicher Favorit “Ghostman” von Roger Hobbs erscheint übrigens am 22. Juli und befindet sich schon seit längerem auf meiner Leseliste. Liz Jensens Buch ist am 1. Juni unter dem Titel “Die da kommen” erschienen. Robert Wilsons Buch wird unter dem Titel “Stirb für mich” am 19. August in die Buchläden kommen. Von Stuart Neville erscheint am 9. September zwar mit “Racheengel” ebenfalls ein neues Buch – die Vorlage ist aber “Stolen Souls” und nicht “Ratlines”. Von den restlichen Autoren gibt es leider noch keine Erscheinungstermine für deutschsprachige Ausgaben. Bei Malcolm Mackay überlege ich aber bereits seit längerem einfach zum Original zu greifen. Die Nominierung könnte mich jetzt endgültig dazu motivieren.

Auf der “John Creasy”-Longlist finden sich acht Bücher:

Roger Hobbs for Ghostman (Doubleday)
Hanna Jameson for Something You Are (Head of Zeus)
Malcolm Mackay for The Necessary Death of Lewis Winter (Mantle)
Becky Masterman for Rage Against the Dying (Orion)
Derek B Miller for Norwegian by Night (Faber and Faber)
Thomas Mogford for Shadow of the Rock (Bloomsbury)
Michael Russell for The City Of Shadows (Avon)
M D Villiers for City of Blood (Harvill Secker)

Hobbs und Mackay sind also doppelt nominiert – eine echte Ehre für Newcomer. Zu meiner ziemlich frischen Rezension von “Ein seltsamer Ort zum Sterben” von Derek B. Miller (im Juni erschienen) geht es hier. Hanna Jamesons Buch ist bereits im Februar unter dem Titel “Kalter Schmerz” erschienen. Becky Mastermans nominiertes Buch ist im April unter dem Titel “Der stille Sammler” in die Buchläden gelangt. Die Bücher der weiteren Talente sind noch nicht übersetzt worden und meines Wissens auch noch nicht zur Publikation vorgesehen.

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