Lang lebe die Krimi-Bestenliste!

Seit April 2005 gibt es die Krimi-Bestenliste, die zu Beginn bei der “Welt”, dann bei der “Zeit” und die letzten Jahre bei der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” beheimatet war. Sie hat mich also mein ganzes Bloggerleben lang begleitet. Und sie war immer ein Fixpunkt für mich. Manchmal habe ich ihr regelrecht entgegen gefiebert: Wie sehr würde die aktuelle Liste mit meinen eigenen Lesegewohnheiten übereinstimmen?

Mitunter habe ich es bedauert, dass ich nicht alle auf der Liste empfohlenen Bücher lesen konnte. Sie war für ein zwangfreies Krimibloggen also nicht immer hilfreich. Sie hat ordentlich Druck ausgeübt. So viele Krimis, die es noch zu lesen gäbe – bloß dass man niemals alle schaffen würde. Der monatliche Abgleich ist zu einem Ritual geworden: Wieviele der Bücher habe ich schon gelesen? Welche davon werde ich noch lesen? Und im besten Fall, die Adelung sozusagen: War ich bei meiner Lektüre gar der Liste voraus?

Nun hat sich aber auch die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” von diesem Projekt verabschiedet. Als Partner ist leider nur der Deutschlandfunk Kultur übrig geblieben. Das ist natürlich schade, aber ich hoffe Krimikritiker Tobias Gohlis und sein lesemotiviertes Team lassen sich nicht davon zurückhalten, den Lesern weiterhin ein Leuchtturm im Dschungel der Krimi-Neuerscheinungen (ich weiß, dieses Bild ist schief, aber ich lasse es dennoch hier hängen!) zu sein.

Denn in den Untiefen des Regio- und Psychothriller-Ozeans gehen die Krimiperlen (dieses Bild ist jetzt ein wenig besser) leicht verloren. Die Krimi-Bestenliste ist da ein geeigneter Kompass, um die edlen Krimi-Gustostücke zu heben (so, jetzt höre ich auch schon wieder mit dieser Metaphern-Orgie auf, versprochen!).

Im Ernst: Wie oft habe ich geglaubt, alle Neuerscheinungen bestens im Blick zu haben. Ständig doktore ich an meinen analogen Zetteln herum, erweitere und ergänze. Tja, und dann erscheint die Krimi-Besteliste und dann kann ich gleich wieder etwas hinzufügen, meine Lesepläne über den Haufen werfen. Weil da dieses eine Buch (manchmal sind es aber auch zwei, drei oder vier Krimis) Buch lockt. Rasch wird neu gekauft, bereits Gekauftes ins Regal gestellt.

Wie bei allem, das man schätzt, war ich nicht immer nur begeistert. Manchmal erschien mir die Liste zu einseitig. Zu sehr und zu erzwungen auf politische Relevanz ausgerichtet, zu wenig auf klassische Krimis fokussiert. Warum fand sich etwa ein außergewöhnlicher Krimiautor wie Adrian McKinty nur selten und unprominent auf der Liste? Vermutlich ist aber auch die eigene Wahrnehmung sehr selektiv.

Gleichzeitig macht das diese Liste aber auch aus, dass sie das Genre nicht eng fasst, sondern sehr breit auslegt. Dadurch stößt man eben auf neue Bücher, die einen anderen Blick auf das Genre ermöglichen. Mein anfängliches, fast schon zwanghaftes Bemühen um möglichst große Übereinstimmung ist der Dankbarkeit gewichen, einen verlässlichen Hinweisgeber für tolle Bücher an meiner Seite zu wissen.

So verbleibe ich mit dem frommen Wunsch: Möge die Krimi-Bestenliste lange weiterleben!

6 Comments

Filed under Krim(i)skrams

6 responses to “Lang lebe die Krimi-Bestenliste!

  1. Bernd Lindenbauer

    Ich orientiere mich auch seit geraumer Zeit an der Bestenliste. Dadurch durfte ich schon einige großartige Autoren (z.B. James Lee Burke, Garry Disher, Adrian McKinty) kennenlernen, die mir bei der Masse der Neuveröffentlichungen warscheinlich entgangen wäre. Aktuell habe ich mir, als persönliche “Challenge” vorgenommen, alle Titel, die in der Bestenliste auf dem Spitzenplatz lagen, zu lesen. Ein langwieriges Unterfangen, ich bin schon seit ein paar Monaten dabei, und gerade erst im Jahr 2006 angelangt, aber es lohnt sich.

    • Wow, das klingt nach einem coolen Projekt, das wäre ja fast einen eigenen Blog wert 😉 Da kommen doch einige Bücher zusammen (und vermutlich sind einige Krimis auch schon vergriffen)! Wer ist nach deiner bisherigen Lektüre der Favorit?

      Liebe Grüße,
      Peter

      • Bernd Lindenbauer

        Einen direkten Favoriten hab ich bisher nicht. Arne Dahl z.B. hat mir gut gefallen, von dem hatte ich vorher noch nichts gelesen, Fred Vargas natürlich und auch Leonardo Padura. Sind ganz unterschiedliche Texte. Aufgefallen ist mir, daß alle bisher gelesenen Autor:innen einen ganz eigenen, wiedererkennbaren Schreibstil haben. Das ist keine austauschbare Massenware.

      • Arne Dahl, auch noch so ein blinder Fleck. In all den Jahren ist er mir in meinem Lese-Beuteschema immer irgendwie entwischt 😉 Fred Vargas habe ich im letzten Sommerurlaub erstmals gelesen und ich war echt begeistert, ganz großartig.

        Ja, Massenware findet man keine auf der List, und das ist gut so!

  2. Ich gebe auf solche Listen ja eher wenig, mich schreckt das Prädikat “Spiegel bestseller” zb meistens auch eher ab.. Ich mache lieber meine eigene Liste, gern auch in der Buchhandlung meines Vertrauens. Da ist so eine Frau, die hat genau meinen Geschmack und immer einen guten Rat.. Genau so ist es mit Bloggern.. Wenn man die Blogger mit einem ähnlichen Geschmack erstmal gefunden hat, kommen da regelmäßig gute Ideen.

    • Ich habe natürlich auch meine eigene Liste, aber die “Krimi-Bestenliste” ist perfekt für den Abgleich. Was habe ich möglicherweise übersehen? Und das waren dann doch immer wieder echt tolle Bücher. Es gab auch schon Zeiten, da war ich mit der Bestenliste nicht ganz so glücklich. Aber zur Orientierung, was im Genre so abgeht, ist sie einfach gut. Genauso wie das crimemag, da hat man echt einen feinen Überblick.

      Und natürlich: über die guten Blogger geht sowie gar nichts 😉

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