Acht Jahre crimenoir – ein Fazit

Wäre diese Pandemie nicht gewesen, wäre mein Krimi-Blog im Vorjahr wohl ziemlich unauffällig entschlummert. Doch nun bin ich immer noch da. Ein guter Zeitpunkt, einmal darüber nachzudenken, was sich in den vergangenen acht Jahren verändert hat.

Die Krimiblogger sind in dieser Zeitspanne nicht gerade mehr geworden, eher im Gegenteil. Immer wieder entdecke ich zwar auf den ersten Blick vielversprechende Seiten, die visuell meinen Blog um Längen ausstechen. Doch meist endet es mit einer Enttäuschung: inhaltlich setzt sich kaum jemand mit dem Genre auseinander oder versucht Autoren und Strömungen einzuordnen. Bis eben auf jene Blogs, die mich ohnehin schon seit Jahren begleiten.

Die erste, euphorische Phase hielt zwei, drei Jahre an. Da gab es eine echte Community, dann habe ich mich aber auch selbst zunehmend ausgeklinkt, war zunehmend froh, Zeit für neue Beiträge zu finden. Das bis dahin tägliche Absurfen der gleichgesinnten Seiten wurde weniger. Dennoch war es schön, immer wieder die anderen Crime-Blogs zu besuchen.

Dann verschwanden der Reihe nach meine ersten Blog-Fixsterne und mir wurde erstmals so richtig bewusst, dass Blogs durchaus auch nur kurz- bis mittelfristige Projekte sein können. Die Motivation litt zunehmend – und ja, da gibt es natürlich noch ein anderes Leben, das geführt werden will. Wenn ich schon ständig zwischen den Buchdeckeln verschwinde, dann will ich nicht auch noch stundenlang vor dem Computer abhängen, um darüber zu schreiben.

Herausgestellt hat sich auch, dass ich eine gewisse Vorliebe für kurze, prägnante Beiträge entwickelt habe. Manche werden meine Bloggestaltung lieblos finden, ich würde sie wohlwollend oldschool und bewusst minimalistisch nennen: Es geht um das Buch, und sonst nichts. Das hat natürlich einerseits mit der fehlenden Zeit zu tun, aber auch damit, dass ich die Dinge gern auf den Punkt bringe und versuche, den Kern des jeweiligen Kriminalromans zu finden. Zumindest so wie ich ihn sehe. Ebenso verhält es sich mit der Länge der Krimis, die ich bevorzugt lese. Durfte es vor einigen Jahren nie unter 400 Seiten sein, ist es im Moment eher umgekehrt. Ich bewundere die Minimalisten des Genres, die es verstehen, auf wenigen Seiten Inhalte durchaus episch zu erzählen. James Sallis sei hier namentlich erwähnt. Don Winslow, einer meiner Lieblingsautoren, macht es mir da allerdings von Jahr zu Jahr schwerer 😉

Was sich in all den acht Jahren aber nicht verändert hat, ist meine Liebe zur Kriminalliteratur. Ich bin immer noch neugierig auf neue Stimmen, aber genauso fasziniert alte Meister zu entdecken. Für letztere bleibt aus beruflichen Gründen allerdings viel zu wenig Zeit. Zu Weihnachten habe ich allerdings Ian Rankins “Das Souvenir des Mörders” gelesen, nachdem ich auf der Crimealley darauf gestoßen bin. Was für ein großartiger Autor, den ich bislang noch gar nicht so richtig kennengelernt (bloß Band 18 “Mädchengrab”) hatte. Mehr dazu hier in Kürze.

Was sich aber verändert hat: Ich lese viel mehr weibliche Autorinnen als noch vor einigen Jahren. Ich habe noch einmal nachgezählt. Tatsächlich habe ich 2020 hier 13 Kriminalromane von Autorinnen und von 14 Autoren besprochen. Wenn ich das im Vorjahr gelesene, aber erst vor wenige Tagen hier besprochene “Marseille.73” von Dominique Manotti hinzuschummle, hätte ich sogar einen Gleichstand erzielt. Ich könnte hier endlos tolle, weibliche Stimmen aufzählen. Stattdessen eine Empfehlung: Man kann jeden Kriminalroman des Ariadne-Verlags blind zur Hand nehmen. Da wird unglaublich gute, garantiert weibliche Kriminalliteratur geboten. Nein: Extrem gute.

Wenn ich schon dabei bin, muss ich wieder einmal die tapferen Kleinverlage Polar, Pendragon und Pulp Master hier erwähnen. Sie brauchen gerade in diesen Zeiten jede mögliche Unterstützung!

Zum Abschluss kann ich hier nur sagen, dass mir das Bloggen wieder mehr Spaß macht, seitdem ich mich nicht einer gewissen Regelmäßigkeit unterwerfe. Also schaut doch einfach immer wieder mal vorbei, auch wenn manchmal eine gewisse Zeit zwischen den Beiträgen vergeht. Ich würde mich freuen.

8 Comments

Filed under Krim(i)skrams

8 responses to “Acht Jahre crimenoir – ein Fazit

  1. Wow, acht Jahre. Das ist ein beachtliche Zahl und zeugt gleichzeitig von der Konstanz mit der uns Dein Blog schon so lange mit tollen Tipps und Besprechungen versorgt. Für mich persönlich war bis zur Mitte der 2010er Jahre das Blogger-Universum noch ein schwarzer Fleck und es dauerte bis zum meinem Ausstieg bei der Krimi-Couch, bis ich nach und nach auf die Seiten stieß, die mich bis heute begleiten. Neben “My Crime Time”, “Kaliber 17.”, “Wortgestalt”, “Der Schneemann”, Martin Comparts Blog und “Die dunklen Felle” war das vor allem auch immer “crimenoir”.

    Ich muss gestehen, ich mag Deinen Blog gerade aufgrund seiner Präsentation (wichtig ist für mich der Text und nicht die Verzierung drum herum) und der Kürze (zu der ich selbst nicht fähig bin), in der du die Titel abhandelst, ohne etwas Wesentliches zu unterschlagen. Während ich meinen eigenen Followern viel Leselust bei meinen Besprechungen abverlange, bin ich selbst dann manchmal (auch aus Zeitgründen) froh, mich nicht durch so ein riesigen Text schmökern zu müssen. Hinzu kommt: Hinsichtlich Deiner Auswahl war dies für mich hier stets ein sicherer Hafen, denn unsere Geschmäcker ähneln sich doch sehr.

    Die große Kunst des Bloggens ist es, es nie zum Zwang werden zu lassen, sondern dann “zur Feder zu greifen”, wenn einen die Muße küsst, man eben Lust dazu hat. Wenn das bedeutet, das eine vorhersagbare Regelmäßigkeit der Veröffentlichungen nicht gegeben ist, dann sollte man das für sich so akzeptieren. Wichtig ist es, sich keinen Druck zu machen und Spaß an der Sache zu haben.

    In dem Sinne freue ich mich weiterhin auf viele interessante Anregungen und vor allem Deinen Senf zu gewissen Themen und Titeln – und wünsche Dir immer viel Freude an Deinem Blog. Es freut mich sehr, dass Dir der Rankin gefallen hat und ich bin sehr gespannt, was du zu dem Buch “zu sagen” hast.

    Auf die mindestens nächsten acht Jahre!
    LG aus der kriminellen Gasse
    Stefan

    • Schön, dass du “My Crime Time” erwähnst, das hat immer viel Spaß gemacht, dort neue Texte zu lesen. Zu meinen Anfangszeiten war das echt der Blog, auf den ich immer erwartungsvoll geschielt habe. Da war sehr viel ähnliches Lese-Interesse! Krimibloggen ohne den “Schneemann”, an diesen Gedanken muss ich mich sowieso erst gewöhnen …

      Und du hast Recht, man darf das Bloggen nie zum Zwang werden lassen. Dann ist alles gut 😉

      • Ja, ich habe das damals als extrem schade empfunden, als Nicole mit “My Crime Time” aufgehört und leider auch den Blog ganz dicht gemacht hat. War sehr oft auf der Seite und habe mir selbst ältere Beiträge (z.B. ihr Ellroy-Special) immer nochmal gerne durchgelesen. Finde weiterhin, sie fehlt der Bloggergemeinde und hoffe insgeheim (gegen jede Wahrscheinlichkeit) auf ein Comeback. 🙂

        Und jetzt hat halt auch Alexander “das Handtuch” geworfen. Man kann ihm für seine neue Aufgabe nur alles Gute wünschen. Da gehört schon viel Kraft und Mut dazu.

        Alsdann, halten wir weiterhin tapfer die Stellung. 🙂

  2. Michael Milosits

    Ich lese schon längere Zeit mit und habe mir auch schon viele Anregungen geholt. Mir gefallen die kompakten Beiträge und auch die persönlichen Kommentare. Bitte so weitermachen – und nur dann schreiben, wenn es leicht aus der Feder rinnt – es muss nicht täglich sein!

  3. Auch von mir ein kurzer Gruß und Glückwunsch zum Achtjährigen. Ja, es sind einige wirklich gute Blogs inzwischen nicht mehr oder kaum noch aktiv, das ist schade. Umso besser, dass du weitermachst, gerne auch mit kurzen und knackigen Beiträgen.

  4. Sind das tatsächlich schon acht Jahre? Dann möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich für die vielen profund präsentierten Titel und Inspirationen hier zu bedanken.
    Die Lektüre macht immer Spaß und zeigt mir, das unsere Geschmäcker oftmals eng beieinander liegen, was für mich eine gute Orientierung darstellt. Ich sage von Herzen danke für die vielen hunderte Stunden, die die Pflege eines solchen Blogs bedeutet und hoffe auf mindestens acht weitere Jahre hier!

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