Adrian McKinty: Cold Water

(c) Suhrkamp Nova

Meine Blog-Pause wurde zu einer richtig ausgiebigen Sommerpause. So war das nicht geplant, aber jetzt bin ich mit meinem momentan liebsten Krimiautor wieder zurück.

Eigentlich geht der “katholische Bulle” Sean Duffy in “Cold Water” in die wohlverdiente Altersteilzeit. Mit Frau und Kind zieht er im Jahr 1990 aus dem politisch gebeutelten Nordirland nach Schottland, um nur mehr sieben Tage im Monat für die Polizei im nordirischen Carrickfergus zu arbeiten. Bevor er abtritt, hat Duffy allerdings noch einen letzten Fall zu bearbeiten: Kein anderer Polizist interessiert sich für die verschwundene 15-jährige Kat McAtamney, eine Angehörige der fahrenden Volksgruppe der Tinker. Doch der zwischen Schottland und Nordirland per Fähre pendelnde Duffy lässt nicht locker. Er verbeißt sich in den Fall – zu Recht, denn schon bald deutet alles auf Mord hin.

“Cold Water” ist bereits der siebente Band der Duffy-Reihe, allerdings steht zu befürchten, dass es der endgültige Abschluss der Serie ist. Zwar hat der Autor in seinem Blog grundsätzlich zwei abschließende Duffy-Romane angekündigt, laut Tobias Gohlis könnte die Duffy-Serie aber ein vorzeitiges Ende gefunden haben. Das habe nichts mit inhaltlichen Problemen zu tun, sondern mit der ökonomischen Misere des Autors. Trotz zahlreicher Auszeichungen und der Veröffentlichung in vielen Sprachen konnte McKinty von den Buchverkäufen offenbar seine Familie nicht ernähren. Das wäre natürlich extrem schade.

Allerdings wäre “Cold Water” auch ein würdiger Abschluss: Der Polizist hätte ein letztes Mal einen Blick unter sein Auto geworfen, um zu kontrollieren, ob sich darunter ein Sprengsatz befindet – in jedem einzelnen der Bücher lässt der Autor seine Hauptfigur diese simple Handlung vollziehen und beschreibt damit präzise die paranoide Stimmung eines ganzen Landes – und wäre in den schottischen Sonnenuntergang geschritten. Es wäre nahezu alles über die turbulenten 1980er-Jahre in Nordirland erzählt.

(c) Knaur

Dennoch darf man hoffen. Denn der weltweite Bestseller “The Chain”, der McKinty angeblich eine siebenstellige Summe in die Kasse gespielt hat, könnte es vielleicht doch ermöglichen, dass der Autor seine Duffy-Serie wie ursprünglich geplant mit zwei weiteren Büchern zu Ende bringen kann.

Und ja, ich lese “The Chain” (soeben auf Deutsch erschienen) gerade und werde hier in Kürze berichten, ob dieses Buch nur ein kommerzieller, oder vielleicht doch – bei McKinty wäre es ja eigentlich zu erwarten – auch inhaltlich ein Erfolg ist.

9 von 10 Punkten

Adrian McKinty: “Cold Water”, übersetzt von Peter Torberg, Suhrkamp Nova, 378 Seiten.

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3 Comments

Filed under Rezensionen

3 responses to “Adrian McKinty: Cold Water

  1. Erstmal schön wieder von Dir zu hören! 🙂

    Das McKinty bis dato so schlecht an seinen Büchern verdient hat, höre ich zum ersten Mal und überrascht mich. So sehr scheinen sich Eindruck und Wirklichkeit zu unterscheiden, denn ich hatte eigentlich das Gefühl, dass – nicht nur in Deutschland und Österreich – sein Name immer gewichtiger wird.

    “The Chain” habe ich allein aufgrund der Thematik aussortiert. Das klingt stark nach einer Auftragsarbeit für die Fast-Food-Masse. So nach dem Motto: Mach dat nich immer so kompliziert. Mach ma Mainstream. Nur eine absolut hymnische Besprechung – z.B. von Dir – könnte mich da noch zum Umdenken bewegen. 😉

  2. Elke

    Ich habe The Chian bereits gelesen, und was Stefan befürchtete, hat sich meiner Meinung nach leider bewahrheitet. Die Thematik, nun ja, meins war sie nicht, aber ich hoffte doch, dass McKinty mit seinen Fähigkeiten daraus etwas besonderes machen würde. Weit gefehlt. Und da halfen auch die Zitate von Camus nicht mehr (wobei die Amerikaner wahrscheinlich noch nicht mal wissen, wer das ist).

    • Ja, leider. Ich bin mit dem Buch jetzt auch durch und ich kann mich dir nur anschließen. Bleibt nur zu hoffen, dass er mit dem offenbar großen kommerziellen Erfolg nun wieder Zeit für eine Fortsetzung der Duffy-Reihe hat.

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