David Whish-Wilson: Die Ratten von Perth

(c) Suhrkamp

David Whish-Wilsons “Die Ratten von Perth”, Auftakt zu einer Trilogie, kann man durchaus als Gegenthese zu den wilden, schrägen Thrillern seiner australischen Landsfrau Candice Fox (“Crimson Lake”) betrachten. Denn der Autor ist ein nüchterner Erzähler. Sein Buch ist das einfühlsame Porträt eines unbeugsamen, einsamen Aufrechten, der gegen ein allgegenwärtiges korruptes System ankämpft.

Die Geschichte spielt im Perth des Jahres 1975. Die Chefin eines Luxusbordells ist ermordet worden. Offenbar will niemand so genau wissen, was passiert ist, denn alle Ermittlungen verlaufen im Nichts. Bloß Superintendent Frank Swann will das nicht akzeptieren. Dabei hat er noch an einer zweiten Front zu kämpfen: Seine Tochter ist spurlos verschwunden.

Das Besondere an dem Buch: Von Beginn an ist klar, dass die Polizei hier nicht zu den Guten zählt. Die Verdächtigen sind rasch ausgemacht, bei den Tätern handelt es sich wohl um Polizisten. Aber wie soll man ihnen die Tat beweisen?

Alf Mayer beschreibt Wish-Wilsons Stil auf crimemag folgendermaßen: “Kühl, aber nicht unemotional, ein grimmiges Glühen, eine Unerbittlichkeit im Erzählstrom. Ohne Pose, ohne Fett oder Schnulze, mit Gefühl für Timing, Licht und Schattenwurf. Klasse Prosa, lakonisch und elegant. Fein abgewogen. Präzisionsarbeit. Klug, erdig, erwachsen, kein Firlefanz. Sonne fürs Kritikerherz.”

Und in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” schreibt Hannes Hintermeier: “Wie viele der überzeugenden Autoren seiner Generation sieht er die Aufgabe des Kriminalromans weniger in der Lösung einer Whodunit-Aufgabe, sondern in der Offenlegung von Doppelmoral, Habsucht und Skrupellosigkeit.”

Ich habe ein wenig gebraucht, um mit dem Stil des Autors zurechte zu kommen. Dann mochte ich die unaufgeregte, realistische Art zu schreiben aber sehr. Ich freue mich bereits auf Teil 2, “Die Gruben von Perth”, der im August 2018 erscheinen wird.

10 von 10 Punkten

David Whish-Wilson: “Die Ratten von Perth”, übersetzt von Sven Koch, Suhrkamp Verlag, 298 Seiten.

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2 Comments

Filed under Rezensionen

2 responses to “David Whish-Wilson: Die Ratten von Perth

  1. Giesbert

    Also ich habe das Buch u. a. auf Deine Empfehlung hin gekauft und angefangen. Ich habe überhaupt gar keinen Zugriff zur Story gefunden. Nach 100 Seiten habe ich völlig frustriert aufgehört und das Buch bei Ebay reingestellt, wo es jedoch keinen Käufer findet. Die Story hat für mich überhaupt gar keinen FLOW… Worum geht’s da überhaupt? Ich habe nicht durchgeblickt, bin vielleicht zu dumm. Schade.

    • Das ist ja auch in Ordnung, wenn dir etwas nicht gefällt, dann ist das so – mir ging es etwa mit “Dunkels Gesetz” so, dass fast überall wohlwollend rezensiert wurde. Ich hatte bei “Die Ratten von Perth” auch Startschwierigkeiten und fragte mich, wo das hinführt. Ich hatte Orientierungsprobleme. Aber irgendwann hat mich dann die Geschichte doch sehr gepackt. Die verschwundene Tochter, keine Ahnung, irgendwas hat mich berührt. Auch dieser nüchterne Stil gefällt mir, vor ein paar Jahren hätte ich das Buch vielleicht auch weggelegt, aber mittlerweile haben sich meine Vorlieben etwas verändert.

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