Cynan Jones: Alles, was ich am Strand gefunden habe

(c) liebeskind

“Alles, was ich am Strand gefunden habe” ist ein Beispiel dafür, wie man auf gerade einmal 240 Seiten eine dichte Geschichte erzählen kann. Ein guter Anlass, wieder einmal ein Plädoyer für schmale Kriminalromane zu halten. Früher war mir das selbst zu kurz. Unter 400 Seiten ging gar nicht. Aber mittlerweile liebe ich kurze Kriminalromane. Seit ich “Driver” und “Driver 2” von James Sallis gelesen habe, bin ich von schmaler Kriminalliteratur sehr begeistert. Das ist schon wahre Kunst, hohe Literatur.

Cynan Jones hat ein beeindruckendes Buch über unsere Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit geschrieben. Nach der Lektüre fühlt man sich klein und unbedeutend. Es gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dennoch ist dieses Buch auch ein schönes Buch. Es ist einfühlsam geschrieben – mit viel Sympathie für die Figuren.

Figuren wie Holden und den polnische Einwanderer Grzegorz. Beide Männer hoffen auf ein besseres Leben und handeln deshalb falsch. Man kann sie verstehen, dennoch tut es weh, zusehen zu müssen, wie sie zielgerichtet den falschen Weg einschlagen. Und vielleicht geht es ja doch gut aus?

“Man konnte einfach kein normaler, anständiger Gauner mehr sein. Die wurden doch von den großen Drogengangs verdrängt wie die kleinen Geschäfte vor Ort durch die Ketten.”

Das Buch wird für Fans von klassischer Kriminalliteratur möglicherweise zu langsam sein. Er nimmt sich viel Zeit, um in die Leben von Holden und Grzegorz einzutauchen. Ungefähr die Hälfte des Buches fragt man sich, wohin sich diese Geschichte entwickeln wird. Ob sich überhaupt eine Geschichte entwickeln wird oder sich Jones nur auf die Innensicht seiner Figuren beschränkt. Es mag für manchen Leser eine Geduldsprobe sein. Meiner Meinung nach ist es diese aber wert. In dieser schnellen Zeit sind langsame Bücher wie diese wunderbar entschleunigend. Es muss nicht immer rasant voran gehen.

Mit Peter Torberg hat der liebeskind-Verlag auch einen perfekten Übersetzer gefunden. Torberg hat zuletzt die Kriminalromane von Adrian McKinty, Garry Disher, Daniel Woodrell und Donald Ray Pollock übersetzt.

7 von 10 Punkten

Cynan Jones: “Alles, was ich am Strand gefunden habe”, übersetzt von Peter Torberg, 237 Seiten, liebeskind.

Advertisements

Leave a comment

Filed under Rezensionen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s