Vier Jahre crimenoir!

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Wow, schon wieder ist ein Jahr um. Ich muss zugeben, ich hatte heuer Mitte des Jahres erstmals einen “Hänger”, weil ich beim Bloggen mit dem Gelesenen nicht mehr mitgekommen bin. Der zeitliche Abstand zwischen Lektüre und Rezension war teilweise zu groß. Auch weigere ich mich weiterhin beim Lesen ständig Notizen zu machen, was mir das Bloggen erschwert, mir aber andererseits teilweise den Lesespaß nehmen würde.

Das Lesen am E-Reader, dem ich lange skeptisch gegenüberstand, hat sich dabei als hilfreich erwiesen, weil man ganz einfach Bookmarks setzen kann. Und der E-Reader hilft auch bei einem weiteren Problem ganz wesentlich: Wohin mit all den (un)gelesenen Büchern?

Ich will mein vierjähriges Bestehen nutzen und wieder kurz auf die Krimitrends des vergangenen Jahres eingehen, soweit ich diese erkennen konnte:

  • Das Genre Country Noir ist momentan wichtiger denn je. Ich habe das in einem Plädoyer hier auch schon einmal kurz erklärt. Wer sich nicht länger über das “unbegreifbare” ländliche Amerika wundern will, sollte einfach mehr Krimis lesen 😉 Wer sich für US-Politik interessiert, sollte sich wohl auch auf keinen Fall den neuen Isaac-Sidel-Krimi “Winterwarnung” (ab 20. Jänner erhältlich) von Jerome Charyn entgehen lassen. Charyns Kultfigur wird im neuen Band ausgerechnet US-Präsident.
  • Der deutschsprachige Krimi ist vielseitig wie selten zuvor: André Pilz (“Der anatolische Panther”), Horst Eckert (“Wolfsspinne”), Simone Buchholz (“Blaue Nacht”), Gregor Weber (“Asphaltseele”) und Marc Elsberg (“Helix”) zeigen einerseits, wie unterschiedlich Krimi sein kann und andererseits, dass es neben glattgebügelten Erfolgsthrillern mit extragrauslichen Schockmomenten ziemlich viel guten Stoff gibt. Dass es sich dabei 2016 um kein Eintagsfliegenjahr handelt, darauf lassen schon allein die erwarteten neuen Bücher von Clementine Skorpil (“Langer Marsch”), Zoe Beck (“Die Lieferantin”), Max Annas (“Illegal”) und Norbert Horst (“Kaltes Land”) schließen.
  • Ich habe es schon mehrfach erwähnt: Aber Lawrence Blocks kriminalliterarischer Selbstverteidigungsakt zollt mir Respekt ab. Da ihn die Verlage nicht mehr übersetzen wollen, macht er das einfach mit dem Übersetzer Stefan Mommertz selbst. Mittlerweile sind schon drei Bänder der Matthew-Scudder-Reihe erschienen: “Die Sünden der Väter”, “Drei am Haken” und “Mitten im Tod”.
  • Die drei Krimi-PPP sind einfach nicht wegzudenken: Polar Verlag, Pulp Master, Pendragon. Schön, dass es euch gibt!
  • Aber auch der Suhrkamp-Verlag sticht für mich sehr positiv heraus, wie mir mein letzter Beitrag bewusst gemacht hat (das ist natürlich unverkennbar Thomas Wörtches Handschrift!).

Dann nenne ich noch drei Gründe, weshalb 2017 ein gutes Krimijahr wird:

  • Der Verlag ars vivendi könnte sich nach John Harveys 2016 erschienenem Buch “Unter Tage” im neuen Jahr gleich mit drei Büchern stark im Bereich des Krimis abseits des Mainstreams etablieren: “Hard Revolution” (ab Mai) von George Pelecanos klingt ebenso nach Pflichtlektüre wie “Auf der Jagd” (bereits ab Februar) von Tom Bouman und “Das Schattencorps” (ab April) von Bernd Ohm. Das Engagement dieses Verlages ist sehr vielversprechend.
  • Die Rückkehr von Gerald Seymour (“Vagabond”), dem britischen Großmeister des Politthrillers, kann gar nicht laut genug gefeiert werden. Jetzt, liebe Verlage, lasst uns das doch bitte auch noch mit Reed Farrel Coleman (wie wäre es etwa mit “Gun Church”?) machen!
  • Der Trailer von Ben Afflecks “Live by Night” ist vielversprechend – ich hoffe sehr auf ein Film-Highlight, das dem Buch von Dennis Lehane gerecht wird.

Abschließen will ich mit einer Frage: Wer von euch kennt Peter May und seine “Lewis”-Trilogie? Lesenswert?

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15 Comments

Filed under Krim(i)skrams

15 responses to “Vier Jahre crimenoir!

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Vierjährigen, lieber Peter. *konfetti werf* Ich möchte keinen deiner Beiträge missen. Bin ja immer noch Krimileserin – wenn auch keine Krimibloggerin mehr. 😉 Ich wünsche dir einen unrndlich langen Krimiblogatem. 😄
    Und Peter May? Jepp, kenne ich. Ich mag die Lewis-Trilogie stilistisch sehr. “Blackhouse” hat mich kurz nach Erscheinen rundherum begeistert. Da war ich aber noch nicht soooo krimigeschult. Der zweite Teil konnte mich ein paar Jahre später so gar nicht überzeugen. Den dritten Teil kenne ich nicht. Wurde der schon übersetzt?

    • “Moorbruch” kommt Ende Jänner heraus, deshalb frage ich auch 😉 Also ich werde am besten mal den ersten Teil lesen, den zweiten Teil durchstehen und dann hoffen, das Teil drei wieder richtig gut ist!

  2. Ich finde es ja etwas seltsam, dass man bei Diaphanes die Charyn-Reihe in einheitlichem Design neu auflegt und dann den aktuellen Band in völlig anderem Design bringt …

  3. Wer von euch kennt Peter May und seine “Lewis”-Trilogie? Lesenswert?

    – Ich habe bis jetzt nur *Das Leben meines Bruders* von ihm gelesen, aber dies war sehr lesenswert. Diesen Monat wird die Trilogie im Zsolany-Verlag abgeschlossen, irgendwo anders erscheint ein Stand-Alone.

    https://nomasliteraturblog.wordpress.com/2016/10/11/peter-may-beim-leben-deines-bruders/

  4. Cantona

    Ich würde mich freuen, wenn die vielen fehlenden Teile der Alex-McKnight-Reihe von Steve Hamilton endlich mal rauskämen. Die bislang erschienenen sind erstklassig.

  5. Ralf-Peter

    Beim Leben deines Bruders, gerade ausgelesen, sehr schön war die Beschreibung der Umgebung (Hybriden), da möchte ich wohl mal hin.
    Die Schilderung der Lebensumstände (karg) und die geschichtlichen Hintergründe.Dieses war alles sehr gut mit der Handlung in Einklang gebracht,gute Story, überraschendes Ende. Werde die anderen auch lesen.

  6. Nachträglich alles Gute zum Vierjährigen, Peter. Auf das wir Dir hier noch für viele Jahre am 9. Januar gratulieren dürfen!

  7. Marius

    Mit dem “Vagabond” scheint es doch eine unendliche Geschichte zu werden – gerde sehe ich dass das Buch schon wieder nach hinten geschoben wurde, nun soll es im November 2017 erscheinen. Ob das noch was wird?

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